CD Projekt RED: Millionenschwere Boni der Führungs-Etage stehen in der Kritik

 
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CD Projekt Red: Millionenschwere Boni der Führungs-Etage stehen in der Kritik

CD Projekt RED (Unternehmen) von CD Projekt RED
CD Projekt RED (Unternehmen) von CD Projekt RED - Bildquelle: CD Projekt RED
Ist es für CD Projekt Reds Vorstandmitglieder wirklich angebracht, umgerechnet rund 5,3 Mio. Euro als Bonus zu kassieren - trotz des technischen Launch-Debakels von Cyberpunk 2077 auf der PlayStation 4? Branchen-Insider Jason Schreier kritisiert diese Zahlungen auf Bloomberg.com, zumal ein grobes Missverhältnis zu den Boni der übrigen Mitarbeiter bestehe.

Laut des jährlichen Geschäftsberichts wurde den beiden Co-CEOs Marcin Iwinski und Adam Kicinski jeweils ein entsprechender Jahresend-Bonus von 24 Mio. Zloty (rund 5,3 Mio. Euro) genehmigt. Beim Vorstandsmitglied Adam Badowski seien es immerhin noch umgerechnet 3,5 Mio. Euro gewesen. Festgelegt werden diese Boni laut dem Bloomberg-Report vom Gewinnbeteiligungssystem des Unternehmens. Dieses bestimme, wie 20 Prozent der jährlichen Einnahmen unter der Belegschaft aufgeteilt würden.

Zehn Prozent werden demnach unter den Vorstandsmitgliedern verteilt, weitere 10% unter der übrigen Belegschaft. Insgesamt 865 Mitarbeiter seien Teil des Gewinnbeteiligungssystems für den Großteil der Mitarbeiter - mit einer Gesamtsumme von lediglich rund 24,7 Mio. Euro - während für die fünf Vorstandsmitglieder üppige 23,2 Mio. Euro aufgeteilt würden, so die Kritik.

Im Durchschnitt erhalte jedes Mitglied der Belegschaft einen Bonus von etwa 28.000 Euro, so ein Unternehmens-Sprecher gegenüber Schreier. Manche von ihnen hätten allerdings eine deutlich höhere Summe erwartet, so der Bloomberg-Bericht.

Dies sei vor allem deshalb ärgerlich, weil sich ein Großteil der Belegschaft für eine Release-Verschiebungs ausgesprochen habe: Hätte man mehr ordentlich funktionierende Spiele verkauft, wären auch die durchschnittlichen Boni höher ausgefallen, so die Erwartung vieler Mitarbeiter laut Schreier. Das Management habe sich allerdings dagegen gestemmt und den zu frühen Release propagiert.

Im anonymen Gespräch mit Bloomberg hätten Angestellte enthüllt, dass sie Bonuszahlungen im Bereich zwischen grob 4.000 Euro und 8.000 Euro erhalten werden, so Jason Schreier auf seinem Twitter-Auftritt. Bei langjährigen Mitarbeitern bewege sich die Summe eher im Bereich von grob 17.000 Euro - alles in allem also eine ganz andere Liga als die Zahlungen an die Führungs-Etage.

Schreier geht sogar so weit, das Ergebnis des SciFi-Rollenspiels Cyberpunk 2077 als Flop zu bezeichnen, trotz 13,7 Mio. verkaufter Einheiten. Die Entferung aus dem PSN-Store nach gravierenden technischen Fehlern dürfte den Verkaufszahlen zumindest nicht geholfen haben. Eine gute Nachricht sei allerdings, dass nach Bloombergs Berichterstattung und internen Überprüfungen einige der niedrigsten Gehälter im Unternehmen erhöht worden seien, z.B. in der Qualitätssicherung.

Schreier postete übrigens auch eine Antwort von Co-CEO Adam Kacinski, der sich bei einem Investoren-Gespräch zum Thema der Boni äußerte. Diese lägen schon immer bei knapp 20 Prozent, es habe sich diesbezüglich nichts geändert. Die Kompensation sei per Vertrag schon immer direkt mit dem Unternehmensgewinn verknüpft gewesen:



Quelle: Bloomberg.com, CDProjekt.com, Twitter-Auftritt Jason Schreier

Kommentare

EintopfLeiter schrieb am
Spoiler
Show
Kajetan hat geschrieben: ?04.05.2021 15:36
EintopfLeiter hat geschrieben: ?04.05.2021 14:13 Ich empfinde hier nur keine besondere "Extra-Empörung" im Vergleich.
Musst Du auch nicht. Es geht hier auch nicht um mich oder Dich, sondern um die Leute, die sich jetzt darüber aufregen. Warum diese sich darüber aufregen, habe ich versucht zu erklären. Offenbar habe ich nicht deutlich genug gemacht, dass es mir darum ging und nicht um meine eigenen "Gefühle" oder Positionen zu der Sache.
Du beziehst Dich immer darauf, dass CDProjektRed ja die "GoodGuys" wären bzw. waren. Waren Sie das denn wirklich oder haben Sie selbst nur versucht dieses Image aufzubauen und zu pflegen?
Ja, das war man. Ich selbst habe damals, als man meinte, dass Kopierschutz sinnloser Müll ist und die Witcher-Spiele und dann GOG DRM-frei machte, feucht schimmernde Augen bekommen. Dann noch der im Vergleich fast schon exzessive After Sales-Support, und, und, und. Das war so ein krasser Gegensatz zur Konkurrenz, dass einem mitunter schwindlig wurde. Und nicht nur das, man war sogar kommerziell sehr, SEHR erfolgreich damit.
Dann kamen aber bald die ersten Risse. Kooperation mit bekannten Abmahnparasiten zum Release von TW2. Immer mehr Berichte über viel und lange andauernden Crunch. "Lustige" Scherze im Marketing. Transphobe Tweets. Noch mehr Geschichten über Crunch und stressige Arbeitsbedingungen. Und dann die ständigen Entschuldigungen des Managements nach so einer hochgekochten Sache und das Versprechen man würde dafür sorgen, dass ... nur gefolgt vom nächsten, gleichen Vorfall. Dann das Gezeter um Tantiemen an Sapkowski, wo Sapkowski irgendwann mit Prozess drohen musste, um endlich zu seinem Recht (!) zu kommen.
So zum Zeitpunkt des Releases von TW3 war mir klar, dass der Lack ab ist und CDP leider nicht nur eine ganz normale Firma in dieser Branche geworden ist, sondern dass die Vorstände keine Hemmungen haben ihre Kunden und Mitarbeiter dreist anzulügen. Anderen ist das bis heute nicht...
Ryan2k6 schrieb am
Ja okay,das mag sein, klang erst etwas anders aus deinem Beitrag heraus, also, dass du der Überzeugung wärst es wäre absolut richtig so. Und dazu wollte ich sagen, das lässt sich auch anders sehen. :)
Kajetan schrieb am
Ryan2k6 hat geschrieben: ?04.05.2021 16:42 Wenn jemand dich verspottet, weil er nicht daran glaubt, dass das Spiel was bringt und dir die Rechte billig zur Verfügung stellt. Um dann im Nachhinein, als das Ganze sehr erfolgreich wurde plötzlich die Hand auf zu halten, erkenne ich darin wenig "zu seinem Recht" kommen.
Es gibt aber ein polnisches Gesetz, welches ihm ganz ausdrücklich das legale Recht dazu gibt. Gleichgültig, was Du oder ich persönlich davon halten oder wie das in Deutschland geregelt ist.
Ryan2k6 schrieb am
Wenn jemand dich verspottet, weil er nicht daran glaubt, dass das Spiel was bringt und dir die Rechte billig zur Verfügung stellt. Um dann im Nachhinein, als das Ganze sehr erfolgreich wurde plötzlich die Hand auf zu halten, erkenne ich darin wenig "zu seinem Recht" kommen.
Wenn ich dir vor 10 Jahren spottend 10 Bitcoin verkauft hätte und heute ankäme und sagen würde, ich hätte gerne 100k ? von dir, weil ist ja mein Recht da einen Anteil zu haben an meinen Bitcoin, wäre das genau so fragwürdig.
Kajetan schrieb am
Ryan2k6 hat geschrieben: ?04.05.2021 15:41 Najaaaaa, da kann man durchaus geteilter Meinung sein, aber ich lass das jetzt mal so stehen. :)
Das polnische Recht war klar auf Sapkowskis Seite. Hat er das Geld "gebraucht"? Nicht wirklich. Da ging es ihm nur ums Prinzip. Und um halt noch mehr Geld. Weil es "genug Geld" nicht gibt, sobald man viel davon hat.
Bei CDP war man einfach nur inkompetent und fahrlässig. Das hätte angesichts des enormen globalen Erfolges der Spiele nämlich richtig (!) teuer werden können.
schrieb am