Projektleiter Mac Walters erzählte, dass der Wunsch nach einer Restaurierung der Reise von Shepard bereits seit einer ganzen Weile aufkeimte, doch Electronic Arts tatsächlich erst 2019 grünes Licht für die Entwicklung gab. Daraufhin setzte man sich umgehend mit Epic in Verbindung, um die Möglichkeiten für die Einbindung der neuen Unreal Engine 4 auszuloten. Die traurige Erkenntnis: Das Unterfangen wäre schlichtweg zu aufwändig, weil sich viele Teile des ursprünglichen Programms nicht so leicht in die neue Engine übertragen lassen würden wie erhofft. Laut Walters hätte es nicht nur eine massive Überarbeitung von Einzelbereichen erfordert, sondern auch das Spielgefühl hätte sich bei einer Umstellung auf Unreal 4 zu sehr verändert. Also entschied man sich dazu, auch beim Remaster auf die Unreal Engine 3 zusetzen, die schon bei der Original-Trilogie zum Einsatz kam.
Abseits dieser kleinen Einbußen will man sich bei BioWare aber ordentlich ins Zeug legen, um die Trilogie zu modernisieren und ein attraktives Inhaltspaket zu schnüren. Neben den drei Hauptspielen sind auch 40 DLC-Pakete enthalten, auf die man entweder schon zum Start oder erst später im Laufe der Kampagnen Zugriff erhält. Diese beinhalten u.a. zusätzliche Missionen, weitere Waffen und andere Ausrüstungsgegenstände. Ebenfalls direkt integriert werden die interaktiven Genesis-Comics, die in Zusammenarbeit mit Dark Horse Comics entstanden.
Für die technische Überarbeitung hat man ein Ziel: Jede Textur im Spiel soll hinsichtlich Auflösung mindestens um den Faktor vier verbessert werden. Laut Kevin Meek, Character & Environment Director, ist bei entsprechenden Vorlagen teilweise sogar eine 16-fache Steigerung bei der Texturenqualität möglich gewesen. Dazu wurde zunächst eine automatisierte KI-Routine für eine prozedurale Schönheitsoperation durchlaufen, um anschließend noch einmal selbst Hand anzulegen für den visuellen Feinschliff. Davon profitiert zum einen die Umgebung: Präsentiert wurden Szenen von Eden Prime (aus Mass Effect 1), wo man schon durch die Neupositionierung der Sonne die Beleuchtung der Szenerie in Kombination mit dynamischen Schatten im Remaster stimmungsvoller gestaltet. Das Chaos durch den Angriff wird durch zusätzliche Rauchschwaden zudem wirkungsvoller inszeniert und die Wasserdarstellung wirkt schon auf den ersten Blick ebenfalls schicker als früher. Doch auch Gesichter, Kleidungsstücke und Equipment der Figuren weisen jetzt deutlich mehr Struktur auf als im mittlerweile etwas betagten Original, wobei vor allem der erste Teil von der Überarbeitung profitiert. Sogar sämtliche Zwischensequenzen sollen aufgepeppt werden.
Eine Generalüberholung spendiert man außerdem der weiblichen Version von Shepard: Als Vorlage dient dabei das Modell aus dem dritten Teil, das einheitlich in allen drei Spielen auftreten und qualitativ aufgemotzt wird. Überhaupt will man vor allem in Bezug auf den Charakter-Editor dafür sorgen, dass alle Features in jedem Teil zur Verfügung stehen, darunter auch eine Reihe neuer Frisuren und eine größere Auswahl an Hauttönen. Trotz eines neuen Launchers wird die Trennung der einzelnen Spiele aber weiter bestehen bleiben. Man wird also nicht die komplette Trilogie ohne Unterbrechung in einem Rutsch als ein zusammengefasstes „Riesen-Spiel“ erleben können.
Zumindest auf der PS4 Pro und Xbox One X soll die Darstellung in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde und HDR erfolgen. Wie genau es auf den älteren Modellen aussehen wird, wurde im Rahmen der Präsentation nicht näher erläutert. Darüber hinaus wird auch eine verbesserte Kantenglättung versprochen, die schon aufgrund der höheren Auflösung erreicht werden dürfte. Schnellere Ladezeiten sollen außerdem die nervigen Aufzugfahrten erträglicher machen, die man mitunter sogar auf Knopfdruck überspringen darf. Wurde man bei den Originalen noch von der Prozessorleistung ausgebremst, will man für das Remaster außerdem mehr Tiefenschärfe in den Szenen realisieren. PC-Spieler dürfen sich außerdem über eine Controller-Unterstützung und eine optionale Darstellung im 21:9-Format freuen.
Zwar steht die visuelle Verschönerung zusammen mit der besseren Performance ganz klar im Mittelpunkt der Legendary Edition, aber auch inhaltlich will man an manchen Stellen ein bisschen nachhelfen: So soll sich das Vehikel MAKO von Mass Effect 1 im Vergleich zum Original besser steuern lassen und auch die Shootersysteme aus Mass Effect 2 und 3 sollen Einzug in den Auftakt der Reihe halten. Ohne ins Detail zu gehen, will BioWare außerdem die Minispiele sowie die KI von Freund und Feind verbessert haben. Darüber hinaus will man auch Interfaces und Benutzeroberflächen beim ersten Teil überarbeiten. Das alles sind wichtige Faktoren, die wir als Zuschauer einer Präsentation nur schlecht beurteilen können. Hier wäre es wichtig zu wissen, wie sich die marginalen Anpassungen tatsächlich anfühlen.
Mass Effect - Legendary Edition wird am 14. Mai 2021 für PC, PS4 und One erscheinen. Dank Abwärtskompatibilität kann man die technisch überholte Sci-Fi-Trilogie selbstverständlich auch auf der PlayStation 5 und Xbox Series X|S erleben.
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