In den beiden angespielten Levels dürften sich Spieler von Dishonored 2 gleich heimisch fühlen, denn wie beim letztjährigen Serienteil gibt es wieder reichlich Freiraum in Karnaca. Laut, leise, mit der Brechstange, in Stealth-Manier oder frei "Schnauze" - allerlei Vorgehensweisen sind möglich und auch das Level-Design offeriert stets mehrere Optionen, wie man Räume betreten oder Feinde ausschalten kann - alles wie gewohnt!
"Displace" lässt sich gut mit einer weiteren Fertigkeit kombinieren: Foresight. Hier verlässt Billie ihren Körper und darf (bei eingefrorener Zeit) den näheren Umkreis erkunden, so lange der Manavorrat reicht. Hilfreich: Die Sichtfelder bzw. Sichtkegel der Feinde sind ebenso sichtbar wie relevante Objekte, zum Beispiel ein Schacht, durch den man in einen verschlossenen Raum gelangen könnte. Aus dieser Perspektive kann zudem die Position für "Displace" festgelegt werden.
Neu und optisch sehr eindringlich umgesetzt ist die Fähigkeit "Semblance", mit der man Gegnern ihr "Gesicht" und damit ihre Identität stehlen kann. Man verkleidet sich quasi als dieser Nicht-Spieler-Charakter (NPC) und alle anderen Charaktere interagieren entsprechend auf das neue Antlitz und nicht auf Billie, wodurch komplett neue Täuschungstaktiken möglich sind, auf die selbst Agent 47 stolz wäre. Die sehr mächtig wirkende Fähigkeit ist jedoch teuer und kostet pro Schritt Mana. Außerdem kann man einem NPC nur einmal die Identität stehlen. Danach ist das "Gesicht" unbrauchbar.
Die größte Veränderung im Vergleich zu Dishonored 2 ist die Mana-Verfügbarkeit. Auf dem Schwierigkeitsgrad "Normal" regeneriert sich das Mana selbstständig, das heißt, man muss keine Elixiere mehr horten und kann sich stärker auf den tatsächlichen Einsatz der Fähigkeiten kümmern, anstatt das Mana zu sparen. Dadurch wird man ermutigt, die Fähigkeiten häufiger einzusetzen und mit ihnen zu experimentieren. Um die Balance dadurch zu gewährleisten, sind viele der Fertigkeiten, gerade "Semblance", nur eine begrenzte Dauer oder über eine bestimmte Distanz nutzbar. Dennoch ist und bleibt der Einsatz von den übernatürlichen Fertigkeiten nur eine Vorgehensweise, nur diesmal wird sie etwas schmackhafter gemacht. Die Gesundheitspunkte regenerieren sich wie gewohnt nicht.
Der gamescom-Kurzausflug nach Karnaca in Dishonored: Der Tod des Outsiders hat Spaß gemacht und fühlte sich ziemlich vertraut an, wobei die neuen Fähigkeiten von Billie Lurk einen frischen Wind ins Spiel bringen - und das automatisch regenerierende Mana dafür sorgt, dass man die übernatürlichen Fertigkeiten ausführlich nutzen kann und möchte. Ansonsten kann ich nur die verschiedenen Vorgehensweisen zwischen Stealth und Action und die vielfältigen Wege loben, die einem das Level-Design ermöglicht. Schön wäre es jetzt noch, wenn die Schauplätze etwas mehr Abwechslung versprechen könnten und es wieder solche Level-Highlights wie das Maschinenhaus geben würde. Zumal ich auf den gebotenen Umfang für 29,99 Euro gespannt bin.
Einschätzung: gut
