Command & Conquer Remastered Collection: Interview mit Frank Klepacki (Komponist) über Musik, Remaster & Hell March

 
Command & Conquer Remastered Collection
Publisher: Electronic Arts
Release:
05.06.2020
Erhältlich: Digital (Origin, Steam), Importhändler
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Command & Conquer Remastered Collection - Interview mit Frank Klepacki (Komponist) über Musik, Remaster & Hell March

Command & Conquer Remastered Collection (Taktik & Strategie) von Electronic Arts
Command & Conquer Remastered Collection (Taktik & Strategie) von Electronic Arts - Bildquelle: Electronic Arts
Keine Frage! Der aufwändig überarbeitete Soundtrack der Command & Conquer Remastered Collection gehört zu den größten Stärken der C&C-Sammlung (zum Test). Verantwortlich für die Erneuerung von Musik, Soundeffekten und Videosequenzen war Frank Klepacki, der schon vor 25 Jahren an dem Original beteiligt war. Viele der ikonischen Musikstücke wie "Hell March" oder "Target (Mechanical Man)" stammen aus seiner Feder. Wir hatten die Gelegenheit in einem Telefon-Interview mit dem Komponisten über die Remaster-Mammutaufgabe, den "Hell March" und die technischen Herausforderungen zu sprechen - und dabei ganz nebenbei erfahren, wie sie eine Coverband glücklich gemacht haben.

Der Remaster-Umgang mit dem Soundtrack von Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt und Command & Conquer: Alarmstufe Rot kann nur als vorbildlich bezeichnet werden. Die Laufzeit beträgt mehr als sieben Stunden. Geboten werden die alten Tracks in "Low Fidelity", die neu abgemischten sowie neu produzierten Tracks in "High Fidelity" und 20 Bonus-Versionen von ausgewählten Songs, die in Studioqualität zusammen mit der Coverband "The Tiberian Sons" aufgezeichnet wurden. Mit der Jukebox im Spiel kann man jederzeit zwischen den Varianten wählen und sich selbst Playlists mit den Stücken zusammenstellen.

Frank Klepacki vor über 25 Jahren ...
Frank Klepacki vor über 25 Jahren ...

In dem Interview erzählte Klepacki, dass er während des Remaster-Prozesses andauernd Flashbacks hatte und sich gut an die "wilde und ungestüme Zeit" bei den Westwood Studios erinnern konnte. Damals war er erst 20 Jahre alt und alles war neu und aufregend. Er sagte, dass er völlig freie Hand bei der Produktion des Soundtracks hatte. Er durfte sein Ding machen und deswegen seien die Stücke auf dem Soundtrack auch so unterschiedlich. Letztendlich prägte sein Sound die C&C-Reihe und grenzte sie akustisch von WarCraft und Age of Empires ab, die eher auf konventionelle, klassische Musikuntermalung setzten - nur bei StarCraft ging es etwas rockiger zur Sache.

Hörprobe: Action Instinct (Remastered)


Frank Klepacki: "C&C ist deshalb so vielfältig im Klang, weil ein bisschen von allem drin ist. Es gibt orchestrale Musik, es gibt Hip-Hop, es gibt Metal, es gibt Industrial und es gibt Ambient-Stücke. Es ist einfach eine Vielzahl von Einflüssen enthalten und das ist auch nur so, weil ich alle Aspekte, die wir in unseren Meetings besprochen hatten, einfach mitgenommen und danach etwas komponiert hatte. Ich hatte das auch gemacht, um zu sehen, was letztendlich im Spiel bleiben würde und ob sich so eine musikalische Richtung herauskristallisieren könnte, aber wie sich herausgestellt hat, mochte jeder die Vielfalt und deswegen ist genauso geblieben."

In dem Zusammenhang ist auch "Hell March" (C&C: Alarmstufe Rot) als einer der prägendsten Songs entstanden, der ebenfalls als Titelmelodie in Alarmstufe Rot 2 und Alarmstufe Rot 3 in angepasster Form zu hören war. Klepacki blickte zurück und meinte, dass er den Song in weniger als einem Tag geschrieben hätte. Er hatte die grundlegende Idee, dass die Marsch-Geräusche den Takt vorgeben könnten und danach lief das Ganze wie von selbst. Was die Stimme sagt, die in dem Track zu hören ist, weiß er übrigens nicht. Aber das sei auch nicht wichtig. Es gehe nicht um die Botschaft, sondern um die Wirkung, die das Unverständliche im Kontext der Marschgeräusche hätte. Es würde viele Leute geben, die irgendetwas verstehen und darüber spekulieren würden, was es bedeuten könnte. Seiner Ansicht nach hätte sich hier ein kleiner moderner Mythos (Urban Legend) gebildet. Apropos: C&C-Community. Die Spielerschaft von Command & Conquer hat sich seiner Meinung nach in den vergangenen Jahren kaum verändert. Er beschreibt die Spieler als überaus treu und leidenschaftlich, selbst nach so langer Durststrecke ohne C&C. Zugleich hofft er, dass die Remastered Collection die beiden Klassiker auch für neue Spieler zugänglich macht.

Hörprobe: Hell March (Remastered)


Da Klepacki seine Arbeitsumgebung gerne 1:1 Zuhause nachbaut und im Gegensatz zu seinen Kollegen (wie z.B. dem C&C-Videoteam) seine Arbeit normalerweise archiviert, verfügte er noch über fast alle Original-Dateien - sowohl vom Soundtrack als auch von den Soundeffekten. Wobei einige Passagen neu eingespielt werden mussten, bevor Remix und Remaster entstanden. Auf Nachfrage stellte er zudem klar, dass er sich nicht am "Loudness War" (Details) beteiligen will. Für ihn ist es essentiell wichtig, dass man die einzelnen Spuren bzw. Instrumente klar heraushören kann und nicht alles in einer lauten Tohuwabohu-Kakophonie untergeht. Die einzelnen Nuancen herauszuhören und einen hohen Dynamikumfang zu haben, sei viel wichtiger als alle Regler auf Anschlag zu drehen.

Hörprobe: Hell March (Studio-Aufnahme zusammen mit der Band "The Tiberian Sons")


Frank Klepacki: "Damals war es eine noch ganz neue Idee, Audio-Streaming für Spiele zu verwenden, im Gegensatz zur Midi-Wiedergabe, die bis dahin sozusagen das Hauptformat war. Aber um die [neue Technik] ausnutzen zu können, mussten wir offenkundig die Qualität reduzieren und konnten sie nicht in voller Höhe [streamen], technisch gesprochen war es in 22 KHz komprimiert und in Mono - im Gegensatz zum hohen Qualitätsstandard, der 44 KHz in Stereo beträgt. Das war ein großer Unterschied. Jetzt, beim Remaster, waren wir in der Lage, die volle Audioqualität so zu nutzen, wie die Musik ursprünglich gehört werden sollte. Und eine weitere Herausforderung war, dass es sich um eine neu gemasterte Sammlung handelt. Wir bringen Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt, Alarmstufe Rot und alle Erweiterungen zusammen, also musste ich alles neu mastern, nicht bloß in hoher Qualität, sondern auch als Sammlung. Es musste also alles niveaugleich sein, alles musste EQ-balanciert - ausgeglichen - sein - und dann wollte ich auch sicherstellen, dass ich den Dynamikbereich nicht zu sehr ausreizen würde, denn selbst wenn wir die Dinge lauter machen können, macht es das nicht unbedingt besser. Deshalb war ich diesbezüglich sehr vorsichtig."

Frank Klepacki: "Und wir wollten wirklich Rechenschaft ablegen, denn die C&C-Fans warten schon seit geraumer Zeit darauf, den gesamten Soundtrack und all die Sachen, die nicht mehr verfügbar waren, zu bekommen (...) Aber zunächst einmal musste ich alles und vor allem die Original-Mixes finden, die ich gemacht hatte. Und glücklicherweise gelang es mir, mit Ausnahme einer Handvoll Tracks, die ich absolut nicht finden konnte - egal welchen Stein wir umgedreht haben. Tatsächlich musste ich fünf Tracks, die verloren gegangen waren, von Grund auf neu erstellen. Zum Glück bin ich Hobbyarchivar und hatte die meisten meiner ursprünglichen Synthesizer und Geräte, die ich 1995 und 1996 nutzte, quasi gespiegelt in meinem Heimstudio stehen, so dass ich eine doppelte Workstation hatte, für den Fall, dass ich in der Nacht einen Einfall hatte und diesen dann schnell umzusetzen wollte - und weil ich diese ganzen Geräte noch hier hatte, konnte ich die Tracks, die nicht mehr auffindbar waren, wieder neu erstellen und dafür sorgen, dass sie exakt so klangen wie damals".

Hörprobe: Action Instinct (Studio-Aufnahme zusammen mit der Band "The Tiberian Sons")


Über die Zusammenarbeit mit "The Tiberian Sons" erzählte er, dass die Band, die normalerweise nur Coverversionen von bekannten Songs live spielt, zunächst sprachlos war, als er anbot, mit ihnen zusammen auf dem MAGfest 2019 eine Show mit C&C-Musik zu spielen. Diese Show zeigte er Jim Vessella (Produzent bei EA), der zu der Überzeugung kam, dass die Songs von der Coverband auch in der Remastered Collection enthalten sein sollten. Also fragte Klepacki die Band, ob sie die Setlist von ihrer Show auf dem MAGfest mit ihm zusammen in einem professionellen Studio aufnehmen wollten. Die Bandmitglieder waren laut ihm völlig sprachlos, da sie noch nie in einem Studio solch eine professionelle Aufnahme gemacht hatten. Um die Songauswahl aus den C&C-Spielen zu verbessern, fragte der EA-Produzent im C&C-Subreddit nach den Lieblingsstücken der Community. Neun von zehn Lieblingstracks waren bereits in der Setlist vom MAGfest 2019 enthalten - und sollten so ohnehin neu aufgenommen und produziert werden. Nur "Just Do It Up" fehlte, weswegen Klepacki noch ein neues Arrangement des Songs für die Studioaufnahmen schreiben musste.

Die Band "The Tiberian Sons" besteht aus Tony Dickinson (Gitarre), Connor Engstrom (Gitarre), Travis Moberg (Schlagzeug) und Max Noel (Bass). Ihren Live-Auftritt beim MAGfest 2019 - zusammen mit Frank Klepacki - könnt ihr euch nachfolgend anschauen.



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Kommentare

HellToKitty schrieb am
Aurellian hat geschrieben: ?
18.06.2020 20:32
Danke für den schönen Artikel. Frank Klepackis Musik, speziell aus Tiberian Dawn, ist bei mir tatsächlich über all die Jahre hängen geblieben. Das kann ich nicht von allzu vielen Spiele-Soundtracks sagen.
Es hat sich leider etabliert den Soundtrack für Spiele und Filme eher in Richtung Ambient zu schreiben. Das ist unaufdringlicher als ein echter Song und macht weniger Arbeit als einen "Hit" zu schreiben, da das Ergebnis reproduzierbar bleibt und weniger abhängig von einer eventuell ausbleibenden kreativen Eingebungen ist.
Hamurator schrieb am
SethSteiner hat geschrieben: ?
19.06.2020 23:14
In der Community schien das schon reichlich diskutiert worden zusein, es gibt wohl auch basierend auf den Samples die Theorie, dass es englisch ist:
Die Kommentare scheinen nicht ganz überzeugt zu sein und jeder scheint etwas anderes rauszuhören. :lol: Für mich persönlich passt "Die Waffen, legt an" ganz gut. Es ergibt Sinn und die Intonierung würde passen. Befehle bei der Bundeswehr klingen ähnlich (Vergleich Großer Zapfenstreich).
Letzten Endes wird vermutlich niemand das Mysterium lösen können außer der Ersteller des Samples.
SethSteiner schrieb am
In der Community schien das schon reichlich diskutiert worden zusein, es gibt wohl auch basierend auf den Samples die Theorie, dass es englisch ist:
Hamurator schrieb am
"Die Waffen, legt an!" wird gesagt, ja.
schrieb am