Die deutschen Entwicklerveteranen Teut Weidemann (Consultant) und Tom Putzki (Wargaming) sprechen in ihrem Vortrag über den sehr spezifischen Weg, den die deutsche Entwicklerbranche eingeschlagen hat. Dabei fing es mit der absoluten Weltspitze an: Auf den Heimcomputern (Spectrum, C64, Atari ST, Amiga) besaßen die deutschen Entwickler nicht nur bekannte Spiele wie Kaiser, Hanse, Vermeer, Turrican, Katakis, Ports of Call etc., sondern sie waren auch technisch weltführend. Doch dann preschte (zumindest in anderen Ländern) der PC nach vorne und der internationale Siegeszug des NES wurde eingeläutet. Und auf beiden Plattformen konnten die Deutschen nicht Fuß fassen. Während der einzige deutsche Entwickler für Konsolen (Factor 5) quasi aufgrund des deutschen Brachlandes gezwungen war, seine Firma in die USA zu verlagern, konnte man bis zu PS2-Zeiten keinen einzigen Entwickler vorweisen, der Konsolenspiele produzierte. Und da man nie etwas vorweisen konnte, fand man auch über Jahre hinweg keine Publisher, die Projekte nach Deutschland auslagerten oder die Entwicklung unterstützten. Deck13 ist eine der wenigen Schmieden, die über sehr viele Jahre hinweg sowie aktuell mit Lords of the Fallen oder The Surge auch die neuen Konsolen bedienen.
Zudem habe man den nächsten Zug schon wieder verpasst: Während man hierzulande mit Gothic den ersten internationalen Meilenstein errichtete, hat Richard Garriott mit Ultima Online schon die nächste Welle losgetreten. Und auch hier gab es kaum ein deutsches Studio, das auf den Zug der Online-Spiele frühzeitig aufspringen konnte. Man hat nach wie vor in seiner eigenen Blase gelebt und immer noch altbackene Spiele veröffentlicht. Aber dann kamen irgendwann die Browsergames. Mit Bigpoint, Travian, Innogames und Gameforge hat man den Alteingesessenen zeigen können, was mit internationalem Erfolg bewirkt werden kann. Zwischenzeitlich haben deutsche Produktionen 60% des Weltmarkts der Free-to-Play-Spiele ausgemacht und nicht wenige Spiele haben in einem Monat mehr Umsatz gemacht, als die größten deutschen Spieleproduktionen für die gesamte Entwicklung veranschlagen mussten. Jetzt sollte man meinen, dass am Ende alles gut wird. Aber nachdem man mal wirklich einen Zug angeführt hat, sieht man vom nächsten wieder nur die Schlusslichter. Zwar haben einige Browserspiele-Firmen den Umschwung auf mobile Plattformen geschafft und es gibt eine Hand voll mittelständischer Unternehmen, die in Deutschland mobile Spiele produzieren – das ist aber kein Vergleich zum Beispiel zu Helsinki, wo man 250 Firmen verzeichnen kann. Und der größte Gigant Bigpoint, dessen Marktwert mal auf 600 Millionen Euro dotiert war, wurde kürzlich für 60 Millionen an die Chinesen verrammscht. Zusammenfassend kann man sagen, dass Deutschland den anfänglichen PC- und Konsolenmarkt, die Online-Games und die mobile Spielentwicklung verpasst hat und aufpassen muss, nicht den nächsten Zug zu verpassen auf dem die beiden Buchstaben VR prangen.