LJ beschert uns in diesem Jahr ganz große Intro-Kunst. Among the stars ist bereits sein drittes Werk, das mit abwechslungsreichen und faszinierenden Szenen aufwartet. Dabei beginnt alles so ruhig, so diffus, so nebelig. Es scheint belanglos, was da zu Beginn gezeigt wird. Bis zu dem Moment, als sich dieses Linienkonstrukt aus dem Nebel schält, die Umgebung dabei immer farbenfroher wird und schöne Lichteffekte die milchige Suppe vertreiben. Anschließend entführt uns LJ in fraktale Welten, die dieses Mal gänzlich anders aussehen, mehr an Mades legendäre Blueprints des Todessterns erinnern und sich zu immer neuen geometrischen Formen zusammenschließen. Doch ist Among the stars noch längst nicht am Ende angelangt. Mit Neon-Pyramiden und weiteren Linienspielereien, deren raffinierten Bewegungsablauf die Screenshots nicht wiedergeben können, pumpt LJ die Laufzeit auf über vier Minuten auf - eine stolze Zahl für eine 4k Intro. Das Einzige, was uns nicht vollends überzeugen konnte, ist die musikalische Begleitung, die uns einfach ein wenig zu gelassen und schwach insrumentiert dahinplätschert.
Andes,
Ribbon, (2013) Platzierung: 4th at Assembly 2013
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Chrome an, Licht aus! Hinsetzen und staunen! Ribbon zeigen mit Andes eine Art Elevated im Browser. Gerade mal 1024 Bytes ist dieses Gebirgsmonster groß und lässt uns über schneebedeckte Gipfel gleiten. Dass dies ein atemberaubender Anblick ist, dass sogar Sound mit dabei ist (gut, es soll nur an einen Helikopter erinnern), macht es umso imposanter. Heute schon eine Flugstunde gebucht?
Bei Andromedary tanzen die Polygone und Lichter innerhalb einer farbenfroh erleuchteten Kuppel. Für eine Größe von nur vier Kilobyte sieht das geradezu hervorragend und stimmungsvoll aus.
Angelic,
STILL, (2008) Platzierung: 1st at Evoke 2008
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Voxel in 4k - Mad/STILL tobt sich hier richtig aus. Er transformiert Berge, taucht bläuliche Kunstwerke in grelles Licht, spielt mal im Heaven-Seven-Look, dann wieder mit Störfiltern. Angelic ist immer in Bewegung, sieht hübsch aus, glänzt auch auf der technischen Seite und ist vom Soundtrack her auch nicht übel. Eine 4k Intro auf hohem Niveau und ein würdiger Gewinner der Intro-Compo der Evoke 2008.
Wer an einer Stauballergie leidet, sollte momentan um die Demoszene einen großen Bogen machen. Immer mehr Gruppen experimentieren mit Partikelstaub herum, kreieren außergewöhnliche Meisterwerke wie etwa Fairlight und ASD, oder zeigen uns solche Staubwolken auf kleinem Raum. Wie Cubicle es mit Anglerfish tun. Hier blasen sie uns Linien, Formen und Kugeln entgegen, die allesamt aus feinstem Partikelstaub zusammengesetzt sind. In schöner Farbgebung erstrahlen sie, wissen durchaus zu gefallen. In Sachen Musik wird Durchschnittskost geboten, die jedoch zu den Visuals passt.
Ein Flyby im Wireframe-Look durch eine Technikwelt. Erinnert ein bisschen an Tron, sieht stark aus, bietet komplexe 3D-Modelle und ist gerade mal 4 Kilobyte groß.
Remake oder Demake? Another Theory zeigt einige Szenen und spielt die Musik aus dem 64k Intro-Meisterwerk 'Chaos Theory' von Conspiracy in 4k. Das ist cool, doch hätten es ruhig ein paar Szenen mehr sein dürfen. Schon ist alles gesagt. Punkt.
Arc,
Holon, (2009) Platzierung: 6th at Breakpoint 2009
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Wie abwechslungsreich man einen einzelnen Effekt darstellen kann, dafür gibt Arc ein wahres Musterbeispiel ab. Einzelne, metallisch schimmernde Streifen werden hier in Bewegung gesetzt. Zuerst formen diese einen Tunnel, der aus verschiedenen Ringen besteht, die sich in unterschiedliche Richtungen drehen. Danach setzen sie sich zu einer Kugel zusammen, die an ein riesiges Wollknäuel erinnert. Auch hier fließen die einzelnen Elemente permanent, bevor auch mal Würfelketten ineinander verschlungen werden. Farbe kommt erst gegen Ende ins Spiel, und hier spricht der Untertitel 'Diego on R" Bände. Mit schicken Orange und Lila Tönen erinnert es an Diego on E. Das stammt bekanntlich von Pandur und Kaneel. Ach ja, wie Arc auch!
Fraktale kennt man schon seit den Anfängen der Demoszene. Hier riecht alles nach Oldskool, doch macht sich Arrecibo Message Reply gleich zwei besondere Kniffe zunutze. Zum einen werden die fraktalen Muster in stylisches, rotes und blaues Licht gehüllt und mit einem Schimmer überzogen. Zum anderen wird im Zusammenspiel mit der Musik, die eigentlich gar keine ist, eine ganz besondere Atmosphäre aufgebaut. Der unheilschwangere Ton wird immer lauter und bedrohlicher, je länger diese 4k Intro läuft. Und weil's so faszinierend aussieht, bleibt man bei dieser Noise-Intro bis zuletzt am Bildschirm kleben.
Mad / STILL hat in den letzten Jahren viele 4k Intros programmiert und dabei einige wirklich schöne Effektkreationen zustande gebracht. Sein neuestes Werk, Artificial Incident, geht diesen Weg weiter. Mit farblich sehr hübsch gestalteten Partikelexplosionen und nettem Klingelsound weiß er uns vor den Monitor zu bannen, obwohl man designtechnisch schon Besseres von ihm gesehen hat. Denn mehr als wilde Staubkreationen, die über grauem Hintergrund tanzen, gibt es nicht zu sehen. Dafür entschädigen die tollen Farbspiele für den Mangel an Abwechslung. Größtes Manko des kleinen Staubaufwirblers: Es ist zu lang. Knapp zwei Minuten hätten hier gereicht.