Gesichter sagen mehr als tausend Worte. Einen ungewöhnlichen, aber wie von 5711 gewohnt stylischen Weg, schlägt die Invitation zum Fest der Demoszene in Köln, der Evoke 2012, ein. Kaleidoskopartig stellen sich die bekannten und beliebten Organizer der Party auf, werden immer wieder von Realfilm- und Natursequenzen abgelöst, die, unterbrochen von Wireframe-Objekten, höchst faszinierend in Szene gesetzt wurden. Es gibt bis auf die Schlussgrafik keinen Hinweis auf die Veranstaltung, auf die Wettbewerbe und sonstiges Informationszeugs, das normalerweise in einer Einladungsdemo auftaucht. Hier sprechen die Menschen und das stylische Drumherum für sich - oder besser gesagt für eine großartige Veranstaltung, die man auf keinen Fall verpassen sollte.
Die Animationskönige von Junk melden sich nach einigen Jahren Szeneabstinenz zurück und präsentieren mit Commercial Break drei lustige Werbefilmchen, die sich vor den Werken von Pixar, Dreamworks und Co. nicht zu verstecken brauchen. Ob Wurmbekämpfungsspray, lustige Handpuppen für Monster oder die Beseitigung von Problemen mit dem Kopierer, Junk haben für alles eine Antwort. Der Spaß kommt dabei nicht zu kurz und die technische Realisation ist über alle Zweifel erhaben. Ein Meisterwerk!
Pens,
Gaspode, (2012) Platzierung: 2nd at Revision 2012
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Stop-Motion-Filme haben wir schon viele gesehen. Welche mit Münzen, mit Legozeugs, mit vielen anderen Dingen. Und sogar Nudeln! Demoeffekte aber mithilfe von Lippenstiften nachzubauen, das ist neu. Gaspode zeigen erneut ihre Kreativität und bringen für alle Freunde von Douglas und Co. den perfekten Schminktipp auf den Schirm. Unterlegt mit toller Musik staunen wir ein ums andere Mal wie schick und genial doch die Stifte wechseln, aus dem Boden emporkommen und wieder zurückfahren.
Best Wishes,
HBC, (2011) Platzierung: 6th at Assembly 2011
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Seit ihrem ersten Auftritt mit 'Realtime Demo Wannabe' haben 1/2-bit Cheese einen steilen Karriereweg eingeschlagen. Die Animationsspezialisten sind überall gefragt und haben, so scheint es, nicht mehr ganz so viel Zeit um einen Film für eine Demo-Party zu produzieren. Interessant ist allerdings, dass selbst ein recht kurzer Schnellschuss, wie das vorliegende Best Wishes, unsere audiovisuellen Sinne perfekt stimuliert. Zu genialem Hillbilly-Sound senden die Finnen einfach ein paar Grüße an das Publikum auf der Assembly, präsentiert in gewohnt witzigem Cartoon-Stil. Obwohl hier fast ausschließlich Buchstaben vorkommen, werden diese frech und frisch präsentiert, verbreiten im Zusammenspiel mit der Musik gute Laune und zaubern ein Lächeln auf unser Gesicht. Aber natürlich hoffen wir aber demnächst wieder ein ausgewachsenes Werk von euch zu sehen!
Tekotuotanto zünden den Nachbrenner. Nachdem die Gruppe bereits einige gute Wild Demos fabriziert hat, in welchen sie ihr Potential andeuteten, sind sie nun klar auf Oscar-Kurs. In ihrer Airshow bieten sie spektakuläre Flugzeug-Action, mit vielen ultradetailliert gestalteten Modellen und Landschaften, die so realistisch aussehen, dass man ihre Computergenerierung fast leugnen möchte. Auf dem gleichen, hohen Niveau bewegen sich Rauch- und Lichteffekte, sowie die gesamte Inszenierung der wilden Dogfights mit Propeller-Maschinen, Heißluftballons und Düsenjets. Die visuelle Wucht, die in diesem Clip steckt, dürfte sogar die Jungs von HBC in Erstaunen versetzen, die nun wohl endlich würdige Konkurrenz gefunden haben.
Quite und Orange leiten ein neues Zeitalter ein. Nach dem Überflieger 'cdak', der besten 4k-Intro des Jahres 2011, servieren sie uns weitere, spektakuläre Kost. Dieses Mal allerdings nicht in Echtzeit, sondern in Form zweier Wild Demos, also Videos. Während das Eine (Riveurs Enjienrd) vor allem mit seinen Metaballs bezaubert, bricht in 'Nang' der reinste Partikelwahnsinn aus. Fantastisch anzusehende Wirbelstürme schicken Unc, Preston und Dune hier auf die Reise. Einer schöner als der andere, technisch meisterhaft und visuell eine Augenweide. Mit Dune / Orange tritt außerdem ein alter Bekannter endlich wieder zurück auf die große Demobühne, wobei er mit seinem Soundtrack für Nang dem von ihm gewohnten Stil treu bleibt. Es klingt also manchmal gewöhnunsbedürftig, fesselt aber dennoch mit netter Ambient-Melodie und -Beats. Ein weiterer Meilenstein von Quite und Orange? Wir meinen ganz klar: Ja!
Weitaus gewöhnungsbedürftiger als 'Nang' ist die zweite Wild Demo von Quite und Orange gestaltet. Wildes Geflicker, Gezerre und Gewackel prägt das Bild, das sich in Bruchteilen von Sekunden jedesmal Neu verändert und es am Anfang schwer macht, überhaupt etwas zu erkennen. Mal abgesehen vom Stahlgerüst. Spätestens aber wenn die Metaballs ins Spiel kommen, verneigen wir unser Antlitz wieder vor den Effektkünste der Gruppe Quite. Solch hübsche Wasserblasen haben wir schon lange, ach Quatsch, noch nie gesehen! Hier verschmelzen sie mit einem Geländer, tauchen wieder daraus hervor und lassen uns applaudierend vor dem Bildschirm zurück. Wäre nicht der wirre Anfang und die monotone Musik, die auf das Konto von Musiklegende Brothomstates geht, dann hätten wir längst Schwielen an den Händen vor lauter Geklatsche.
Hochdetaillierte Menschenkörper und komplexe Gesichtsanimation gibt es nur in Hollywood-Blockbuster und AAA-Spieleprojekten? Kann gar nicht sein, denn Cosmic belehrt uns eines besseren. Sein groteskes 'Ein Mann'-Schauspiel zeigt nicht nur einen absolut realistisch modellierten Körper eines Mannes, sondern lehrt uns mit seiner bedrohlichen Soundkulisse, den Störfiltern und dem wahnsinnigen Fratzenspiel des Hauptprotagonisten das Fürchten. Krasses Teil, brillant modelliert!
Die Fraktalberechnungen des im vergangenen Jahr von uns gegangenen Mathematikers Benoit B. Mandelbrot sind längst ein elementarer Bestandteil der Demoszene geworden. Wenn der Name des begnadeten Genies in einer (Wild) Demo auftaucht, dann weiß man eigentlich was einen erwartet. Meint man zumindest, doch auf keinen Fall solche Szenen, wie sie Subdream in seinem Video 'Raum / Zeit' zeigt. Denn die sind einfach das Beste und Schönste, was man auf dem Gebiet des Mandelbulbs bislang gesehen hat. Schroffe fraktale Formationen und Weltraumszenen, vor Details geradezu berstend und überragend gestaltet, tauchen auf. Diese Farben, diese Gebilde lassen uns den Atem stocken. Erinnerungen an Filme wie Alien, Kampfstern Galactica oder Blade Runner werden geweckt. Und man verliert sich in den Reizen dieses Schönlings. Einfach atemberaubend.
Zerklüftete Felswelten, eingetaucht in herrliche Farben und gelungen eingefangen von der Kamera, durchfliegen wir im Video 'Where are they' von Frequency. Dass die hochdetaillierten Höhlensysteme per Mandelbulb erzeugt werden, verwundert dabei nicht, immerhin handelt es sich hier um den aktuell beliebtesten Effekt in der Demoszene. Doch egal ob bekannt oder nicht, von solch herrlichen Visuals können wir einfach nie genug bekommen.
Der schönste Weltraum seit Wing Commander Prophecy und den X-Universen wird in diesem lustigen Comicstrip gezeigt. Die Animationskünstler von 1/2bit Cheese schicken eine Rakete ins Weltall. Die saust um die verschiedensten Planeten, von normalen, mit Kratern übersähten Monden, über glibbrigen Grünschleimkugeln bis hin zu einem angebissen Magnum-Planeten. Gezeigt wird dieser Ausflug in herrlichen, kräftigen und kontrastreichen Farben. Doch neben all dem optischen Zuckerguss, wird auch die Effektgier gestillt. Etwa dann, wenn all die schönen Planeten in ihre Einzelteile zersplittern. Außerdem kommen die Ohren nicht zu kurz. In gewohnter Art und Weise untermalt DFast diesen Animationsfilm auf Pixer-Niveau mit freakiger TripHop-Musik.
TSARs zweiter Streich enführt uns in die momentan äußerst angesagte Welt der 3D-Fraktale. Gemächlich gleitet die Kamera durch die beeindruckend dargestellten, zerklüfteten und zerfransten Gebirgszüge. Das hat man schon öfters gesehen, doch kann man sich immer wieder aufs Neue in diesen massiven Formationen verlieren, zumal die Farben stimmig gewählt und die Musik hervorragend zur guten Atmosphäre beiträgt. Der besondere Clou an diesem Flug: Der Bildschirm ist in der Mitte geteilt und spiegelt das Geschehen von der anderen Seite, während zarte Grafik-Layer in perfekter Abstimmung mit der Musik interagieren.
4migas,
Rebels, (2010) Platzierung: 3rd at Outline 2010
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Der Grafikkünstler H2o/Rebels zeigt Mitleid mit den fleißigen Bodenarbeitern des Ameisenvolkes. Statt in einem dunklen Bau zu wohnen, lässt er seine schicken 3D-Ants über helle, klinisch saubere Oberflächen krabbeln. Angelehnt an den Demo-Style der Amiga-Ära - der Titel deutet es bereits an - sitzen die Vielfüßler auf Würfel, in Triangel und einem Chessboard. Gar zu Kämpfen werden sie animiert, die in verschiedenen Zeitlupeneinstellungen wiederholt werden. Hübsch designt, mit typischen Klängen von Chromag unterlegt, ist 4migas. Und am Ende wartet sogar ein Farbbonbon auf den Ameisenforscher. Während sich die Lettern der Greetings in cooler Art und Weise zusammensetzen, bewundert das wachsame Auge schicke Fraktale in Blau. Die schönste Ameisenplage seit Metamorphosis!
Zu Ostern 2010 fand in Bingen am Rhein zum letzten Mal die 'Breakpoint' statt. Hunderte von Programmierern und Musikern präsentierten ihre Werke auf einer riesigen Leinwand und wurden mit großen Beifall von vielen Besuchern unterstützt. In der Live-Sendung vom 11.04.2010 zeigte Radio Paralax die besten Demos, Intros und Animationen aller Wettbewerbe in voller Länge auf dem Videostream und spielte die kompletten Platzierungen des 'Streaming music' Wettbewerbs, bei dem ein paar sehr hörenswerte Titel vorgestellt wurden. Desweiteren gab es die kompletten Platzierungen des 'Freestyle Music'-Wettbewerbs der zum gleichen Zeitpunkt statt gefundenen Szeneveranstaltung 'The Gathering' zu hören und das Gewinnerdemo der dortigen Demo-Competition zu sehen. Dies hier ist der komplette Mitschnitt der Sendung mit jeder Menge Bonusmaterial. Gesamtlaufzeit ca. 7 Stunden. Die Videos liegen im NSV-Format vor, das problemlos mit WinAmp wiedergegeben werden kann.
Sector 7 haben schon Mitte der 1990er Jahre Demos für den Amiga 1200 programmiert und sind kurze Zeit später Haujobb beigetreten. In dieser Zeit haben NoName, JCS und Marc unter anderem das Meisterwerk Mnemonics geschaffen, womit ihnen der Zutritt in die Hall of Fame sicher war. Nun sind sie wieder zurück und präsentieren mit Synergy 2.0 ein Animationsvideo, das vom Design exakt an ihre Amiga-Demos erinnert. Allerdings ist nun alles hochauflösender und farbenfroher, sodass JCS Faible für das weibliche Geschlecht in noch schöneren Bildern zur Geltung kommt. Wer, wie wir, nicht genug von den alten Effekten und dem perfekten Amiga-Demo-Design bekommen kann, wird mit Synergy 2.0 gleich doppelte Glückswelten bereisen. Die nostalgischen und die der modernen Videoeffekte.