Test: Brave

08.10.2009, Autor: Paul Kautz

Action-Adventure für Xbox 360






Video: Brave: A Warrior's Tale, Debüt-Trailer



Der Schuh des Brave

In Erwartung eines 1:1-Remakes starte ich die 360 und bin überrascht: Hm, das Intro kenne ich nicht. Wer ist dieser junge Indianer (oder die junge Indianerin, je nach Wahl) namens »Courage«? Was ist das für ein Level? Ist's vielleicht doch kein Remake, sondern ein neues Spiel im Brave-Umfeld? Nach einige Hops- und Klettereinlagen lüftet sich der Nebel der Verwirrung, denn Jungindianer/in setzt sich zum gealterten Häuptling Brave ans Lagerfeuer und lauscht seinen alten Heldengeschichten - die wiederum das ursprüngliche Spiel sind, womit das Remake endlich seinem Namen gerecht wird. Allerdings ist es nicht nur zu Beginn erweitert: Gegen Ende des Spiels erwartet den Brave-Kenner eine (unangenehme) Überraschung.

Spielerisch hat sich in den Jahren seit der
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Erstveröffentlichung

nichts geändert: Nach wie vor ist Brave ein simples Jump-n-Run in früher Spyro- oder Crash Bandicoot-Tradition. Man springt, rennt und taucht mit dem kleinen Indianer durch weitläufige Levels, überwindet allerlei Geschicklichkeitsprüfungen, klettert an Efeu-Ranken umher und entwickelt Spezialfähigkeiten. Als Rothaut von Welt kann man z.B. Spuren lesen, mit Tieren sprechen oder sich kurz per Geistesverschmelzung in sie hineinversetzen. Neue Fertigkeiten bekommt man auf mehreren Wegen: Zum einen studiert man schlau machende Höhlenmalereien, zum anderen findet man seltene »Machtsteine«, die einem u.a. die Fertigkeiten verleihen, kurz zu tauchen oder an Bäumen herumzuklettern. Und schließlich warten noch die klassischen Federn, welche nicht nur Braves Wangenknochen betonen, sondern ihm abermals neue Fähigkeiten geben - z.B. eine kurzzeitig aktivierbare Zeitlupe.

Wir sind Indianer

Neben Geschicklichkeitseinlagen und Mini-Games (so darf man später z.B. auf dem gefiederten Rücken eines Riesenadlers Platz nehmen oder mit einem spitzen Stock auf Fischjagd gehen) gibt es hier auch jede Menge Kämpfe. Braves treuer Tomahawk, den er nach kurzer Spielzeit erhält, wird im Laufe des Spiels ebenso verbessert wie der gute Bogen. Außerdem darf man an speziellen Stationen den tierischen Begleiter beschwören, der im Kampf gegen die Gegnerscharen treu zur Seite steht - ein mächtiger Bär ist z.B. gegen ein kreischendes Indianerrudel sehr hilfreich, außerdem kann er seine Energie wiederherstellen, indem er auf bedauernswerten Feinden herumkaut. Darüber hinaus kann Brave Tierrufe imitieren, woraufhin entsprechende Vertreter der Fauna zur Aktion schreiten - was nicht nur für kleinere Puzzles, sondern auch zum Auffinden der 48 im Spiel versteckten Bonussymbole genutzt wird.

Speziell am Anfang des Spiels ist das Hilfesystem für Neulinge sehr praktisch, zumal es dreistufig regelbar ist: Gar keine Hilfe, ein bisschen Zuspruch oder ein konkreter Lösungshinweis - auf der letzten Einstellung meldet sich Braves Mentor »Grauer Bär« nach einiger sinnlos vertaner Zeit automatisch mit einem knappen Satz zur aktuellen Situation zu Wort. Das ist besonders nützlich, wenn man mal nicht weiter weiß oder an einem Puzzle knabbert - so muss man sich mal in den müffelnden Körper eines Stinktieres versetzen, um unter Zeitdruck in kleine Löcher zu kommen. Auf dem Weg zu den Obermotzen »Hooded Crow« und »Wendigo« warten außerdem noch mehr oder weniger dicke Zwischengegner, an denen man die neu erlernten Fähigkeiten erproben kann.

Die Trommeln des Krieges

Bereits zur Erstveröffentlichung war Brave kein ansehnliches Spiel - und fünf Jahre später verwandelt sich »ansehnlich« in »potthässlich«: Das comicartige Figurendesign mit gigantischen Händen und Füßen, langen Armen sowie Knautschgesichtern geht als künstlerische Freiheit schon in Ordnung, der Rest der Grafik würde aber selbst einen DS beschämen. Die Umgebung ist grob gehauen und mit schrecklich matschigen Texturen bepflastert, das Spiel ist über weite Teile düster wie die Hölle, lässt aber keine Helligkeitsregelung zu - dass das Ganze auch noch immer wieder von Ruckeln und Tearing geplagt ist, muss wohl kaum noch erwähnt werden.

Kurz gesagt: Da hat jemand einfach den HD-Konverter angeschmissen und ist zur Mittagspause gegangen. Und hat auch gleich noch den Programmierer mitgenommen, denn die seinerzeit schon grausame Kameraführung ist heute schlimmer denn je - das Rumgezicke der Perspektive bei jedem versuchten Schwenk ist eine Pein, steht ein Objekt im Weg, lässt sich die Kamera gar nicht mehr bewegen, viel zu oft wird auf irgendwas solides draufgehalten, ohne dass man seine Spielfigur zu sehen bekommt, was viele Hüpfeinlagen unnötig verkompliziert - sowas ist heutzutage inakzeptabler denn je. Immerhin konnte der Zahn der Zeit der Akustik nicht schaden: Der ruhige, Panflöten-lastige Tribal-Soundtrack ist heute noch so angenehm und atmosphärisch wie damals und damit das stille Highlight dieses sonst so unnötiges Remakes.





  Fazit