11-11: Memories Retold - Test, Adventure, PC, PlayStation 4, Xbox One - 4Players.de

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11-11: Memories Retold (Adventure) von Bandai Namco Entertainment
Erinnerungsgemälde
3D-Adventure
Entwickler: Aardman / DigixArt
Release:
09.11.2018
09.11.2018
09.11.2018
Spielinfo Bilder Videos
Kürzlich haben Angela Merkel und Emmanuel Macron dem Ende des Ersten Weltkriegs (1914 - 1918) gedacht. Im Gegensatz zu Deutschland ist diese humanitäre Katastrophe in Frankreich als "la Grande Guerre" wesentlich stärker im Bewusstsein, weil es vor allem links des Rheins die größten Zerstörungen und Opfer gab. Auch Bandai Namco will mit einem "emotional ergreifenden Abenteuer" einen Beitrag leisten, indem man alles andere als klassische Helden zu Protagonisten macht. Was hat das Anti-Kriegsspiel vom Animationsstudio Aardman und dem französischen Entwickler DigixArt zu bieten? Mehr dazu im Test für PC, PS4 und One.

Fast vereinte Feinde

Zu den elegantesten Regiemomenten dieses historischen Adventures gehören Szenen wie diese: Der deutsche Soldat Kurt hört gerade in einem unterirdischen Stollen mit einem Stethoskop die Besprechung der britischen Offiziere über ihm ab, die den nächsten Angriff planen, was alle nervös macht. Dann schwebt die Kamera weiter nach oben und man übernimmt die Rolle des kanadischen Soldaten Harry, der an der Oberfläche als Fotograf des Heeres unterwegs ist. Die beiden zunächst nur getrennt spielbaren Protagonisten sind zwar ab November 1916 als Feinde auf unterschiedlichen Seiten der Front aktiv, aber treffen hier schon fast zusammen. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass sie mal aufeinander schießen würden, denn die beiden sind alles andere als Hurra-Patrioten. Die Entwickler bauen auch innerhalb dieser Charaktere nicht die typischen Feindbilder auf, dämonisieren also keinen Deutschen in Pickelhaube, sondern wollen den Menschen darunter zeigen.

fggh
Der kanadische Fotograf Harry ist im Schützengraben unterwegs.
Was sie vereint ist also, dass keiner ein klassischer Befehlsempfänger ist, der gerne wild um sich schießt: Der junge Harry aus Toronto ist noch grün hinter den Ohren und hat sich nur deshalb zum Krieg gemeldet, weil er seinem Schwarm Julia mit Uniform & Co imponieren will. Während er für seinen eitlen Major ein tolles Propaganda-Foto nach dem anderen schießen muss, merkt er jedoch bald, dass die Wirklichkeit in Frankreich eine andere ist als jene in den heimischen Zeitungen. Der wesentlich ältere Kurt ist Zeppelin-Ingenieur, schon verheiratet und hat nicht nur eine achtjährige Tochter. Er meldet sich freiwillig, weil sein Sohn Max als deutscher Soldat vermisst wird - er will ihn unbedingt finden. Beide Protagonisten wollen jedenfalls aus unterschiedlichen Gründen immer näher ran an die Front. Man folgt also "normalen" Menschen in das Epizentrum dieses Krieges.

Zaghaftes Anti-Kriegsspiel

Das ist eine interessante Ausgangslage, zumal die prominenten Sprecher wie Eliah Wood und Sebastian Koch hervorragende Arbeit leisten, indem sie Harry und Kurt lebendig werden lassen - der eine jugendlich naiv, der andere nachdenklicher und reifer. Es gibt zwar nur englischen Originalton mit Untertiteln, aber es wird zwischendurch auch Deutsch gesprochen; leider nicht konsequent, denn Kurt ist manchmal Englisch zu hören. Die orchestrale Untermalung stammt von keinem Geringeren als Oliver Derivière: Der renommierte französische Komponist hat schon für Vampyr, Remember Me, Obscure oder Alone in the Dark die Musik entworfen und steuert hier
Auch Briefe spielen eine Rolle.
Auch Briefe spielen eine Rolle: Harrys Schwarm reagiert unterschiedlich auf seine Fotos.
einige gefühlvolle Stücke bei. Aber für ein Anti-Kriegsspiel ist mir die akustische Begleitung manchmal nicht prägnant genug, fast schon gemütlich. Das passt allerdings zu einer die Regie die lange Zeit zu zaghaft ihre Figuren und Schauplätze inszeniert und zu einer Spielmechanik, die teilweise zu seicht und manchmal nervig sein kann, weil sie wild zwischen Point&Click- und Queststrukturen, Pseudo-Reaktionstests und Action light wechselt.

Es gibt also viel zu tun! Ich hatte aber über lange Phasen das Gefühl, dass ich künstlich beschäftigt werden soll: Man sammelt hier was, verschiebt da was, schießt Fotos, muss mal kleine Rätsel lösen, etwas abholen und wegbringen, in Deckung zum nächsten Graben huschen, im Takt mit der Musik spielen - aber fast alles bleibt auf Minispielniveau. Zwar ist zumindest die thematische Vielfalt lobenswert und der Anspruch höher als z.B. bei typischen Telltale-Abenteuern, aber einiges wirkt arg konstruiert oder statisch. Da besorgt man Zigaretten, weil ein Symbol beim Händler sie anzeigt, aber kaum legt man sie dorthin, passiert...nichts. Etwas besser wird es allerdings, wenn man Harry und Kurt zusammen spielt.

Kommentare

4P|T@xtchef schrieb am
Doch, wird er. Schau mal auf die Pro/Kontra-Seite (jetzt ist er auch bei den Mikrotransaktionen dabei):
Bandai Namco Entertainment Europe wird in Kooperation mit War Child UK einen Charity-DLC für 11-11: Memories Retold veröffentlichen. Die Einnahmen aus dem DLC sollen an die gemeinnützige Organisation, die Kindern in Kriegsgebieten helfen will, gespendet werden.
Aber ich hab ihn nicht beim Testen aktiviert. Und "dreist" halte ich angesichts des guten Zwecks für zu hart.;)
rainynight schrieb am
Frage speziell an Jörg als Tester:
Ich hab es auch schon den Kollegen von InsertMoin vorgehalten und nach dem lesen des Tests dieselbe Frage an dich: wieso wird der Charity DLC in keiner Weise erwähnt? Weder beim Thema "Mikortransaktionen" noch irgendwo im Text. Bei IM wurde mir erklärt, dass es schlicht vergessen wurde, da er für ganze 4 EUR tatsächlich keine eigenen Levels bietet, sondern schlicht zusätzlichen Sammelkram im Spiel integriert, der nochmal eine eigene kleine Story über Kriegskinder erzählt.
Mich würde da mal deine Meinung dazu interessieren, denn Charity Gedanke hin oder her, für 4 EUR ein paar Sammelobjekte zusätzlich ins Spiel zu bekommen, finde ich schon irgendwie etwas dreist.
Was sagst du dazu? Hast du diesen überhaupt dabei gehabt?
Kirk22 schrieb am
Es gibt zwar nur englischen Originalton mit Untertiteln, aber es wird zwischendurch auch Deutsch gesprochen; leider nicht konsequent, denn Kurt ist manchmal Englisch zu hören
Diese Inkonsequenz von den Entwicklern verstehe ich absolut nicht, da doch Kurt ja eigentlich gar kein Englisch kann. :?
schrieb am

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