Police Quest: In Pursuit of the Death Angel - Special, Adventure, PC, Spielkultur - 4Players.de

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Police Quest: In Pursuit of the Death Angel (Adventure) von Sierra On-Line
Police Quest: In Pursuit of the Death Angel
Während Ende der Achtziger die meisten meiner Schulkameraden einen C-64 oder Amiga ihr Eigen nannten, hatte ich weniger Glück: Auf Anraten eines Bekannten entschieden sich meine Eltern für die Anschaffung eines „zukunftssicheren“ IBM kompatiblen PCs. Ganz toll. Zum Tippen war das Teil zwar gut, aber in Sachen Spiele sah es düster aus. So war es in erster Linie dem Mangel an Alternativen zu verdanken, dass ich am Computer zum Experten für Polizeiarbeit wurde...

Mehr Simulation als Adventure

Welcher Streifenwagen gehört mir?
Welcher Streifenwagen gehört mir?
Egal ob Leisure Suit Larry, Space Quest oder Zak McKracken: Adventurespiele waren in erster Linie unterhaltsam bis lustig, trotz  mancher anspruchsvoller Rätsel. Auf den ersten Blick wirkte Police Quest wie jeder andere Titel aus dem Hause Sierra, denn statt eines komfortablen Point & Click-Systems, wie es Lucasfilm Games mit Maniac Mansion einführte, musste man sich hier noch im Stil von King’s Quest oder Larry mit einem Parser herumplagen und gewünschte Aktionen wie „Open locker“ oder „Shoot gun“ auf der Tastatur eintippen. Erst 1992 wurde das Spiel in einem VGA-Remake modernisiert und die Polizeiarbeit ging neben dem grafischen Fortschritt per Maus deutlich komfortabler von der Hand. Doch einen Vorteil hatte die ganze Geschichte mit der Tipperei: Dank Police Quest vergrößerte sich mein Englischvokabular massiv, denn entweder musste ich ständig Wörter nachschlagen oder führte selbst meine Englischlehrerin mit Fragen wie „Was heißt denn Nightstick auf Deutsch?“ an ihre Wissensgrenzen.

"Ich will Polizist werden"

Wer Police Quest heute spielen möchte, wird auf Gog.com fündig: Dort bekommt man für knapp zehn Euro gleich die komplette Kollektion mit den Teilen 1-4. Die erste Episode ist jedoch nur in der VGA-Version enthalten.
Adventurespiele sind witzig? Ja, aber das galt für Police Quest (und die Nachfolger) nur eingeschränkt, denn zum einen war die Jagd auf den Drogenboss und Mörder Jessie Banes bis auf wenige eingestreute Gags thematisch sehr ernst und zum anderen stand das korrekte Procedere im Dienst ganz oben auf der Liste, wenn man den Fall lösen wollte. Da galt es u.a. staubtrocken Formulare auszufüllen und wer seine Waffe vor dem Gang ins Gefängnis nicht regelgerecht im Schließfach deponierte, bekam das Fehlverhalten mit einem Game Over-Bildschirm quittiert - aber zumindest meist kreativ. So griff der Häftling noch vor seinem Verhör Sonnys Pistole und erschoss ihn. Auch Verkehrskontrollen mussten Schritt für Schritt nach Lehrbuch ausgeführt werden - in der Anleitung fand sich sogar eine Liste mit echten Polizei-Codes, damit man den originalgetreuen (& codeverseuchten) Funkverkehr kapiert. Nein, Police Quest war für mich nie ein klassisches Adventure - es war echte Arbeit und ich würde es aufgrund seiner Komplexität sogar als Polizeisimulation bezeichnen. Tatsächlich wurde das Spiel wegen seines hohen Realismusgrades in der Ausbildung von echten Cops eingesetzt, um Fehler zu vermeiden und deren Konsequenzen vor Augen geführt zu bekommen. Die Detailverliebtheit überrascht nicht, denn Jim Walls - der Mann hinter Police Quest - war vorher selbst jahrelang als Polizist im Einsatz.

Lytton Vice

Das VGA-Remake sieht nicht nur besser aus, sondern lässt sich auch komfortabler steuern.
Das VGA-Remake sieht nicht nur besser aus, sondern lässt sich auch komfortabler steuern.
Ich glaube, ich bin 1000 Tode gestorben - Möglichkeiten für Fehler gab es mehr als genug. Ein weiteres Problem war der Parser, der meine Eingaben oft nicht verstehen konnte oder wollte. Auf der anderen Seite konnte man herrlich experimentieren, was zwischendurch immer wieder für Lacher und bizarre Situationen sorgte, wenn man z.B. die attraktive Raserin anbaggerte. Trotz seines hohen Frustpotenzials hinsichtlich Fehlern und Verständigungsproblemen hat mich Police Quest als eines meiner ersten „richtigen“ Computerspiele unglaublich gereizt. Da war zum einen die Faszination, einen so präzisen Einblick in den Beruf eines Polizisten und all seine Facetten zu bekommen. Wer wollte als kleiner Junge nicht mal ein Cop werden? Und zum anderen war da dieser spannende Krimi im Hintergrund, bei dem man selbst die Hauptrolle spielte - wenn auch nur als kleines Pixelmännchen, bei dem man zusammen mit der groben Kulisse schon viel Fantasie aufbringen musste, um in der Welt zu versinken. War man z.B. im Streifenwagen unterwegs, wurde dieser in der Draufsicht nur als ein kleiner Strich dargestellt. Doch all das wurde zweitrangig, wenn man mit hohen Puls einen Verdächtigen auf dem Highway verfolgte und aufpassen musste, weder mit der Mauer noch mit anderen Vekehrsteilnehmern zu kollidieren.

Gerade am Anfang ist man viel hinter dem Steuer unterwegs, denn Sonny Bonds verdient seine Brötchen zunächst als einfacher Streifenpolizist in der fiktiven kalifornischen Kleinstadt Lytton, die für ihre Größe eine ungewöhnlich hohe Kriminalitätsrate aufweist. Ein Autounfall, der sich als Mordanschlag entpuppt, sowie ein gestohlenes Auto bringen die Handlung langsam in Fahrt: Anstatt weiter Strafzettel zu verteilen, findet man sich plötzlich mitten in einem Drogenkrieg, in den auch die abhängige Tochter eines Kollegen verwickelt zu sein scheint.

Kommentare

Itchy.de schrieb am
Das mit dem Englisch kann ich auch bestätigen, ich konnte mich zwar kaum verständlich ausdrücken, aber dafür wusste ich, was ein "Leather belt of giant strength" oder ein "Rocket propelled grenade launcher" ist...
Nur, dass man "sword" ohne "w" ausspricht, wurde mir erst klar, als die ersten Spiele mit Sprachausgabe kamen :roll:
XenolinkAlpha schrieb am
Ist zwar nicht mehr ganz meine Generation aber das mit dem Verbessern seiner Englischkentnisse durch Spiele kann ich nur bestätigen...
Denke deshalb gerne an das extrem textlastige Morrowind zurück, bevor es überhaupt ne deutsche Version gab. Hat mich dazu animiert meinen Wortschatz zu erweitern und sogar meine Noten zu verbessern. Und deshalb bin ich ein Verfechter von Lernspielen, egal ob ungewollt oder nicht, es macht Spaß und animiert unbewusst zu lernen und genau solche Hilfsmittel braucht man in Zeiten veralteter und maroder Bildungssystem.
(Übrigens das "perverseste" englische Wort was ich finde ist "BBC", aber das hilft einem nur weiter wenn man es weiß ;) )
crishan schrieb am
Ivan1914 hat geschrieben:Auch wenn Du es nicht glauben magst, das hat sich wirklich so zugetragen. Und schlimmer noch, es war auf einem Gymnasium (ok, in NRW in den frühen 90ern).
Es soll aber auch schon damals Lehrerinnen in der Midlife-Krise gegeben haben, die lieber mit Level 44 in ihrem nagelneuen roten Pontiac durch die Gegend gefahren sind, statt sich ihrem Beruf zu opfern.
Naja, zum Glück gab es Sierra Adventures und auch meine Englischkenntnisse haben sich trotz LK bei besagter "Ausbilderin" noch entwickelt :=)

Doch doch, das glaube ich Dir sogar aufs Wort :wink:
Das Fach (Anglistik/Amerikanistik) hatte ich sogar mal studiert, auch wenn die fachlichen
Flachpfeifen eher bei den zukünftigen Berufsschullehrern steckten. Naja...was für einen
Schub einem die Sierra-Online-Spiele, aber auch Ultima- und die SSI Golden Box-RPGs für
den eigenen Englischwortschatz gaben, haben wenige Lehrer kapiert.
McL0vin82 schrieb am
Kajetan hat geschrieben:Police Quest ... gehörte seinerzeit zu den Leuten, die nach x-maligen Durchzocken von Larry, Hero und Space Quest im analogen MP-Mode mit Telefon-Unterstützung mehr oder minder ratlos vor dem Spiel saß und sich fragte, wann denn jetzt endlich der Spielspass anfängt.
Auf einer rein rationalen Ebene kann ich die wegweisende Arbeit, die Jim Walls hier vollbracht hat, durchaus wertschätzen, aber länger als eine halbe Stunde haben wir es damals nicht ausgehalten.

Ja, der erste hatte mehr was von Edutainment. Den zweiten Teil fand ich persönlich viel stärker. Leider hat man nach die Serie mit SWAT ziemlich vor die Wand gefahren.
Ivan1914 schrieb am
Auch wenn Du es nicht glauben magst, das hat sich wirklich so zugetragen. Und schlimmer noch, es war auf einem Gymnasium (ok, in NRW in den frühen 90ern).
Es soll aber auch schon damals Lehrerinnen in der Midlife-Krise gegeben haben, die lieber mit Level 44 in ihrem nagelneuen roten Pontiac durch die Gegend gefahren sind, statt sich ihrem Beruf zu opfern.
Naja, zum Glück gab es Sierra Adventures und auch meine Englischkenntnisse haben sich trotz LK bei besagter "Ausbilderin" noch entwickelt :=)
schrieb am

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