Through the Darkest of Times - gc-Vorschau, Strategie, PC - 4Players.de

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Through the Darkest of Times (Strategie) von HandyGames
Wichtige Premiere, wenig Spiel
Aufbau-Strategie
Entwickler: Paintbucket Games
Publisher: HandyGames
Release:
2019
2019
Spielinfo Bilder Videos
Das kleine Indie-Studio Paintbucket Games sorgte mit der Ankündigung, dass ihr Spiel Through the Darkest of Times das erste sei, welches in Deutschland eine USK-Freigabe trotz der Verwendung von verfassungswidriger Symbolik erhalten habe, für mächtig Wirbel. Tatsächlich ist es aber zunächst nur die Gamescom-Demo, die eine Freigabe erhalten hat. Hat das kleine Spiel mehr zu bieten als eine Hakenkreuz-Premiere?


Nur „PR mit Hakenkreuzen“?

Es ist natürlich absolut unfair, einem Spiel, das sich mit dem zivilen Widerstand gegen das Nazi-Regime beschäftigt, dass dem Spieler die Führung einer kleine Winderstandszelle im Berlin des Jahres 1933 übergibt und dass die Schrecken der nationalsozialistischen Herrrschaft illustriert, vorzuwerfen, es würde PR mit der Symbolik des Dritten Reiches betreiben. Tatsächlich sorgt die Entscheidung der USK aber für einen regelrechten Medienrummel am kleinen Stand der Berliner, der das eigentliche Spiel leider fast in den Hintergrund treten lässt.

Das Artdesign setzt auf einen düsteren Zeichenstil.
Das Artdesign setzt auf einen düsteren Zeichenstil.
Das ist nämlich noch lange nicht fertig, wie Chef-Designer Jörg Friedrich im Gespräch bedauert. Tatsächlich sei man erst seit drei Monaten mit einem kleinen Team in der Vollzeit-Entwicklung und so stehen zwar Artdesign, Grundidee und erste Spielmechaniken, tatsächlich merkt man der Gamescom-Demo aber eben auch an, dass hier mindestens noch ein Jahr Arbeit auf Paintbucket Games wartet.

Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten findet eine kleine Gruppe des zivilen Widerstandes in Berlin zusammen. Dabei werden die Figuren und auch ihre Ausrichtungen prozedural generiert – ich schicke etwa als katholische Konservative einen Kommunisten und einen Anarchisten auf Missionen, um Geld für meine Unternehmung einzusammeln, neue Unterstützer zu gewinnen oder die Verbrechen der Schlägertruppe SA zu belegen. Diese Beweise sind die „Währung“, mit der sich Menschen davon überzeugen lassen, gegen die Nazis zu agieren – das große Ziel des ersten von vier Abschnitten, die alle zu unterschiedlichen Zeiten des Regimes stattfinden.

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Auch wenn sie hier noch nicht zu sehen sind: Erstmals werden Hakenkreuze in einem Spiel erlaubt sein.
Das Artdesign von Through the Darkest of Times ist dabei einfach, aber ungemein effektiv. Mit simplen Formen werden Figuren gestaltet und die gezeichneten, meist düsteren Hintergründe verleihen dem Spiel gemeinsam mit dem guten Soundtrack eine dichte Atmosphäre

Der Widerstand des kleinen Mannes

Neben dem Planungstisch im konspirativen Hauptquartier, an dem ich meine Figuren auf Missionen klicke, die leider nur in Textfenstern abgehandelt werden, gibt es Ereignisse zwischen den Runden – so werde ich etwa Zeuge einer brutalen Attake von SA-Männern gegen einen älteren Juden am Alexanderplatz. Jetzt kann ich in verschiedenen Stufen eine Ablenkung erzeugen, frontal angreifen oder mich davon schleichen. Je nach Entscheidung reagieren meine Mitstreiter auf mein Verhalten – später soll es u.a. auch wichtig werden, die eigene Gruppe von Aktionen gegen die Wehrmacht zu überzeugen, was konservative Mitglieder zum Beispiel ablehnen könnten, weil deutsche Soldaten durch die eigenen Handlungen zu Schaden kommen würden, so die Entwickler.
 

AUSBLICK



Through the Darkest of Times ist ein Spiel, dessen Relevanz leider vor allem auf der Symbol-Debatte fußt, denn das Thema ist auch ohne diesen Diskurs wichtig und unterstützenswert. Doch so interessant die Inszenierung des zivilen, unorganisierten Widerstandes gegen die Nationalsozialisten ist, und so lobenswert die Botschaft, nämlich im Anblick des Unrechts niemals aufzugeben, so sehr ist die Spielmechanik derzeit noch von der in Ansätzen dichten Atmosphäre entfernt. Es fehlt an Spannung in der Missionsvergabe und der Inszenierung der Ergebnisse. Doch Paintbucket Games bleibt noch genug Zeit, daran zu schrauben. Und, man darf nicht vergessen: mit My Child Lebensborn und My Memory of Us treten alleine in der Indie-Arena gleich zwei weitere Spiele an, die ebenfalls Auswirkungen des Nationalsozialismus oder des verheerenden Zweiten Weltkrieges zum Thema haben – und dabei keine tumben Shooter sind. Gut so!

Einschätzung: gut

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Kommentare

master-2006 schrieb am
Todesglubsch hat geschrieben: ?
23.08.2018 13:33
Eisenherz hat geschrieben: ?
23.08.2018 13:24
Erinnert mich an diese Gegen Rechts-Adventures aus den 90ern.
Dunkle Schatten 1+2!
Hoch interessant, vielen Dank für den Tipp! Da bastel ich mir glaube ich in der DosBox mal was zusammen wenn Ich Zeit dafür finde.
Generell klingt dieses Spiel hier auch sehr unterstützenswert, und so, als ob es sich nicht einfach nur auf "erstes Spiel mit Hakenkreuzen!!1!111" beschränken will. Wird im Auge behalten :)
Eisenherz schrieb am
Jep! Übrigens wäre ich durchaus dafür, diese Art Spiel kostenlos zu verteilen, wie man es mit Dunkle Schatten getan hat. Wer so eine Scheiße wie FUNK finanziert, kann die Millionen sicher sinnvoller investieren und dieses Spiel subventioniert der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.
Todesglubsch schrieb am
Eisenherz hat geschrieben: ?
23.08.2018 13:24
Erinnert mich an diese Gegen Rechts-Adventures aus den 90ern.
Dunkle Schatten 1+2!
Eisenherz schrieb am
Erinnert mich an diese Gegen Rechts-Adventures aus den 90ern.
schrieb am