Counter-Strike: Medienlandschaft Deutschland - Special

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Arcade-Shooter
Entwickler: VALVe
Release:
kein Termin
Spielinfo Bilder Videos

Nichts hat uns die letzten Tage mehr bewegt, als der abscheuliche Amoklauf in Emsdetten. Die gesamte Medienlandschaft in Deutschland griff das Thema auf und griff dabei manchmal mächtig daneben. Counterstrike.de versucht den Überblick zu behalten.



"Das stimmt 100%...ich habe es mit eigenen Augen gesehen...im Fernseher haben sie es gezeigt...und die Zeitung hat auch darüber geschrieben". So oder so ähnlich verliefen in den letzten Tagen sicherlich einige Diskussionen. Counterstrike.de versucht die Medienlandschaft Deutschland in den letzten Tagen zu überblicken und hat mit dem angeblich internetsüchtigen Leopold aus dem Focus-TV Beitrag ein Interview geführt.

 

BILD, mit ca. 4 Mio Exemplaren die auflagenstärkste Zeitung Europas, lässt uns mit ihrem Bericht "Machen solche Spiele Kinder zu Killern?" wissen, dass in Counter-Strike mit Messern, Pistolen, Gewehren und Raketenwerfern gespielt wird. Aber bitte liebe BILD-Zeitung. Counter-Strike ist ein Taktik-Shooter, der nach dem alten und unterhaltsamen "Räuber und Gendarme" Prinzip gespielt wird und bei dem Raketenwerfer in keiner der Versionen Einzug erhielten. In CS werden weder Panzer beschossen, noch irgend welche Wände oder Türen anhand eines Raketenwerfers in Schutt und Asche gelegt. Das veraltete Counter-Strike 1.6, welches nach wie vor die meiste Beliebtheit in der CS-Community genießt, wird noch immer in der 99`er Version gespielt, welche weder realitätsnah ist, noch dafür missbraucht werden kann den Killerinstinkt zu trainieren.


 

BILD: Machen solche Spiele Kinder zu Killern?
 

Hart aber Fair, das Polit-Talkmagazin des WDR erklärt zu ihrem Sendeprofil: [...]hartaberfair ist ein Talk-Format, das es sich zum Ziel gesetzt hat, ein Reizthema für jeden verständlich aufzuarbeiten und umfassend zu informieren[...].[...]In der 90-minütigen Live-Sendung wird zum Thema gemacht, was die Menschen bewegt und aufregt[...].

Aufregen mussten sich vor allem die Zuschauer, angesichts der Tatsache, dass die zusammengestellte Gästerunde etwas überaltert wirkte und bei dem Reizthema "Vom Ballerspiel zum Amoklauf - was treibt Jugendliche in die Gewalt?" ins schleudern geriet.  Spiegel-Online unkte über die Sendung, welche von einer eigentümlichen Abneigung gegen die neuen Medien geprägt war: "Wer über Killerspiele diskutiert, sollte wenigstens wissen, was ein Joystick ist. Die Gäste von Frank Plasbergs "Hart aber fair"-Runde hatten jedoch nur einen Stock verschluckt. Kein Wunder: Sie waren für das brisante Thema einfach zu alt".

 

"Liebe User! Ich habe wie immer besonders aufmerksam unser Gästebuch gelesen. Nicht zu übersehen, dass viele User unsere Sendung als unfair empfunden haben, weil kein Spieler am Panel vertreten war. Sie haben Recht: Das war ein Fehler. Auch ein noch so guter Tom Westerholt im Film konnte dieses Manko nicht wett machen. Sorry, wir haben verstanden. Ihr Frank Plasberg"

Moderator Frank Plasberg wurde nicht müde, immer wieder zu versuchen, die in ihrer Meinung festgefahrene Runde auf Kurs zu bringen, jedoch war es nicht einfach, dem Altersstarrsinn entgegenzuwirken. Selbst der Einspielfilm von Tom Westhold vom WDR-Jugendradio Eins Live, der erklärte wie Strategiespiele funktionieren, konnte die Verkrustungen nicht lösen. Fortan sprachen sie in der Runde nur noch respektlos von dem "jungen Mann" über die Person Westhold. Letztendlich blieb dem beliebten Moderator nichts anders übrig, als sich nach der Sendung öffentlich zu entschuldigen.

Videobeitrag "Hart aber Fair - Vom Ballerspiel zum Amoklauf"
Spiegel-Online: Ktitischer Artikel über die "Hart aber Fair" Sendung
 
 

Giga eSports Talk - Shooter im Fadenkreuz, für viele der Hoffnungsträger einer seriösen Talk-Runde zum Thema Gaming und Internet. Die eingeladenen Gäste brachten auf jeden Fall das nötige Fachwissen mit uns sprachen dem Gamer aus der Seele, doch leider musste man in dieser Talk-Runde schnell erkennen, dass wenn alle Gäste in das selbe Horn blasen, eine anregende Diskussion nicht entstehen kann. Wieder mal wurde der Fehler gemacht und nur Gäste einer "Seite" eingeladen, was bei dem Zuschauer leichte Langeweile aufkommen lies.

Professor Dr.Winfred Kaminski, Professor für Kulturwissenschaft vertritt die Meinung, dass digitale Spiele nicht mehr aus dem Freizeitverhalten von jugendlichen wegzudenken sind, wobei Thomas Jarzombek, Beauftragter der CDU für neue Medien das Thema gleich am Kern anpackte und uns wissen lies, dass ein Verbot von sogenannten Killerspielen nur von den wirklichen Ursachen ablenken soll. Marek Klingelstein, Leiter des Testbereichs der USK gab interessantes zum Thema Jugendschutz in Deutschland zum Besten und Informierte die Zuschauer über die genaue Arbeit der USK. Einig war man sich in dieser Runde über die gesamten 60 Minuten Sendezeit. Einzig bei einem Einspieler des Abschiedsvideos von Sebastian B. kam leichte Uneinigkeit auf, ob es den wirklich hat sein müssen, diesen Einspieler zu senden.

Videobeitrag "Giga eSports Talk - Shooter im Fadenkreuz"
Giga eSports Talk - Shooter im Fadenkreuz
 

Sabine Christiansen und die ARD standen allen in nichts nach und präsentierten zum Thema "Randale, Prügeln "ballern" - was tun gegen Gewalt", zumindest auch Gäste, die nicht nach Verboten schreien. Willi Lemke, Ex-Manager von Werder Bremen und aktueller Senator für Bildung und Wissenschaft in Bremen, sprach die gesellschaftlichen Gesamtprobleme als Hauptgrund an. Insbesondere die soziale und emotionale Verarmung von jugendlichen in Deutschland. Er muss es ja wissen, da gerade in Bremen die höchste Kinderarmut in Deutschland herrscht.

Fast lächerlich machte sich die Autorin und Moderatorin Susanne Fröhlich, die für ein komplettes Verbot von sogenannten Killerspielen ist und Zahlen über potentielle Amokläufer aus dem Hut zauberte. Susanne F. jonglierte mit den Prozenten in bester Zirkuslaune und teilte uns mit "[...] 95% der Benutzer von Killerspielen gehen nicht los und schießen. Aber diese 5%, die ein aggressives Potential haben und in diesen Spielen häufig agieren, durch die kann schlimmes passieren[...].

Es ist vollkommen ok, wenn Talkgäste gegenteiliger Meinung sind, denn das ist das Salz in der Suppe. Wie man jedoch seine Hausaufgaben so vernachlässigen und irrsinnige Zahlen einem Millionenpublikum präsentieren kann, bleibt auch Tage danach noch jedem ein Rätsel. Achtung liebe Forengemeinde von Counterstrike.de, unter euch befinden sich knapp 5200 potentielle Gewalttäter, die ein aggressives Potential vorweisen und uns gefährlich werden können. So zumindest nach der Rechnung von Frau Fröhlich.

Zum Auftritt des im Studio vertretenen CS Spielers Christian Chmiel, besser bekannt unter seinem Internetnamen mouz|Blizzard, kann man nicht viel sagen. Zum einen war er als Publikumsgast nicht an der Diskussion beteiligt, zum anderen war seine Redezeit, in der er sehr nervös wirkte, mit knapp 40 Sekunden sehr begrenzt.

Videobeitrag "Sabine Christiansen - "Randale, Prügeln "ballern" - was tun gegen Gewalt"
Sabine Christiansen - "Randale, Prügeln "ballern" - was tun gegen Gewalt"
 

Focus-TV und Pro7 schossen über das Ziel hinaus, was schon in der Anmoderation begann und während des Videobeitrags "Focus-TV Killerspiele und der Amoklauf von Emsdetten" ihren Höhepunkt fand, indem sie unter anderem einen Beitrag vom "Leopold" zeigten, der angeblich von seinem Vater heimlich gefilmt wurde. Leopold sei internetsüchtig und Aufgrund dessen in einer Suchtklinik untergekommen. Theatralisch läuft im Hintergrund der Videobeitrag des abhängigen Leopold`s.

Das es sich bei diesem Videobeitrag aber um den internetbekannten "echten Gangster" aka Slikk handelt, der für seine sarkastischen Videoparodien in Deutschland und darüber hinaus bekannt ist, scheint in der Focus-Redaktion keiner bemerkt zu haben. Slikk hat mit seinen Videobeiträgen wie "ich bin ein echte Gangster" oder "was willst du tun" eine wahre Fangemeinde erschaffen, wobei das Video "der Gangster will UT spielen" zu den allerbekanntesten gehört. Eben dieser Clip, welcher im Focus-Beitrag zu sehen ist. Man muss sich wirklich die Frage stellen, was dem Zuschauer da suggeriert werden soll, da sich nicht wenige jugendliche nach diesem Beitrag unter Erklärungszwang gegenüber ihren Eltern sahen. Eben den Eltern, die solchen Beiträgen ihr Vertrauen schenken.

Counterstrike.de hat mit dem "echten Gangster" aka Slikk folgendes Interview geführt.

 
Focus Tv Killerspiele und der Amoklauf von Emsdetten Part1 auf Youtube
Focus Tv Killerspiele und der Amoklauf von Emsdetten Part2 auf Youtube
 

Counterstrike.de: Hallo Gangster aka Slikk, oder soll ich besser Leopold sagen? Stell dich unseren Lesern doch bitte mal vor.

Slikk:
Hallo, mein Aliasname ist Slikk. Ich bin 14 Jahre alt und komme aus dem Bergischen Land. Weil ich schon öfters in der Schule usw. gemobbt worden bin, möchte ich gerne keine weitere Angaben zu meiner Person machen.

 
Counterstrike.de: Deine Videos sind ja im ganzen Internet bekannt. Hast du auch davon mitbekommen, dass ein Video davon für einen TV-Beitrag verwendet wurde?

Slikk: Selbstverständlich. Die Fernsehsender brauchen dazu meine Genehmigung. Bei mir flatterten viele Briefe von TV-Sendern ins Haus. Für 5 Sendungen habe ich meine Einwilligung gegeben. Also dafür, dass sie meine Videos zeigen dürfen.
Counterstrike.de: In dem angesprochen Beitrag von Focus-TV wird suggeriert, dass ein 14-jähriger Internetsüchtiger vor seinem PC sitz und von seinem Vater heimlich gefilmt wird. Hast du auch dafür dein Einverständnis gegeben?

Slikk: Ich habe Focus-TV das Einverständnis dafür gegeben, dass sie einen Beitrag über mich machen dürfen. Das sie allerdings Geschichten hinzuerfinden wie "Slikk wird heimlich von seinem Vater gefilmt" war mir nicht bewusst. Viel was im TV über mich gezeigt wurde entspricht nicht der Wahrheit. Dazu zählt leider auch das mit meinem Vater, der mich angeblich heimlich gefilmt haben soll.
Counterstrike.de: Das heisst also, dass der Videoausschnitt eine Parodie von dir ist, eben so wie alle Videos von dir und du nicht der internetsüchtige "Leopold" bist der klaut und durchdreht?

Slikk: Die Definition von durchdrehen ist weit ausgedehnt. Ich glaube kaum, dass ich "durchgedreht" bin. Ich denke mal, ihr meint das Unreal-Tournament Video. Ich wusste, dass mich eine Kamera beobachtet. Wenn ich spiele, ist mein "durchdrehen" ein bisschen harmloser, nicht so wie auf dem Video.
Counterstrike.de: Woher nimmst du deine Ideen solche Videos zu drehen. Gehst du nach Drehbuch vor oder ist alles spontan?

Slikk:
Spontan.
Counterstrike.de: Hast du schon Ideen zu einem neuen Videoclip?

Slikk:Ideen habe ich ziemlich viele. Ich werde aber keine neuen Videos mehr rausbringen - ich werde in der Schule die ganze Zeit gemobbt und das Verhältnis zu meien Eltern ist auch nicht mehr das beste...
Counterstrike.de: Gemobbt wegen den Videoclips?

Slikk: Meine sogenannten "Mitschüler" machen sich über mich lustig. Manche haben mich sogar geschlagen. Die Lehrer wissen von den Videos zwar auch bescheid, aber sie denken sich ihr Teil.
Counterstrike.de: Was wolltest du mit deinen Videos vermitteln? Einfach nur Spaß an der Sache?

Slikk: Eigentlich wollte ich meinen Humor einfach mal dem WWW bereitstellen und gucken wie die anderen drauf reagieren. Weil meine Videos so gut ankamen, habe ich halt noch mehr gemacht. Über 1500 Leute haben mich in ICQ geaddet, das waren richtige Groupies... der Großteil der Videoschauern haben meinen Humor verstanden, die andern, die den Humor nicht verstanden haben, haben mich aufs übelste beleidigt. Deshalb drehe ich auch keine Videos mehr. Eine bestimmte Vermittlungsabsicht hatte ich mit meinen Videos nicht.
Counterstrike.de: Das ist wirklich schade, weil deine Fan-Gemeinschaft ja wirklich gewachsen ist. Man muss sie ja nicht schauen, wenn man sie nicht gut findet. Willst du noch jemanden grüessen?

Slikk: Ich grüße alle die mich bei meinen Videos unterstützt haben und hauptsächlich danke ich Hack-Panther, der mir immer wieder neue Motivation und gute Ideen gegeben hat.
Counterstrike.de: Wir bedanken uns bei dir für deine Zeit und deine Antworten und wünschen dir weiterhin alles Gute.
Videoclip: Gangster spielt UT
Videoclip: Gangster macht Mundmusik
Videoclip: Gangster am Mikrofon
Videoclip: Gangster will keiner mehr sein
 

Wir möchten an dieser Stelle noch mal eindringlichst darauf hinweisen, dass wir uns bis auf das Äußerste von jeglichen Gewalttaten und Amokläufen distanzieren und allen Betroffenen unser tiefes Mitgefühl aussprechen.

Wir distanzieren uns aber auch von allen Arten von Schnellschüssen aus der Politik und/oder den Medien, die nach einem Verbot von Computer- und Videospiele rufen und die eigentlichen gesamtgesellschaftlichen Probleme von Jugendlichen in der Familie, Schule oder Beruf zur Seite schieben.

 
                                     

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