Counter-Strike: Kolumne: Die fetten Jahre sind vorbei - Special

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Arcade-Shooter
Entwickler: VALVe
Release:
kein Termin
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Wie schön war die Zeit als Sponsoren mit dem Geld um sich warfen wie ein Seemann der nach drei Jahren endlich einen Hafen erreichte. Vorbei ist Vorbei.



Die Krise ist im eSport angekommen. So lauten die panischen Meldungen der letzten Tage. Aber ist es tatsächlich die Wirtschaftskrise, oder haben wir es hier mit einer Normalisierung des Marktes zu tun, die früher oder später sowieso gekommen wäre, beziehungsweise hätte kommen müssen?

Es mag zum einen die Wirtschaftskrise sein, die hier  viele Sponsoren wieder an die heimische Spardose zurücktreibt, zum anderen war aber die Lage für viele der Sponsoren auch vor der Krise nicht gerade rosig. Man hat eher den Eindruck der eSport ist nach seiner wundervollen Reise durch das Regenbogentraumland in der internationalen Realwirtschaft angekommen. Bibbernd und in die Ecke gedrängt muss er knallharte Kosten- Nutzen-Rechnungen über sich ergehen lassen. Das Schafott der Quartalsbilanz steht drohend und rasiermesserscharf im Hintergrund. Die marketingtechnische Worthure "Synergieeffekt" hat ihr makelloses Aussehen verloren und weckt, zahnlos wie sie ist, schon lange keine begehrlichen Blicke mehr. 

Einiges dazu beigetragen hat der von vielen Ligen betriebene Luftschlossbau mit Nutzerzahlen. "X-Hunderttausend User sind bei uns angemeldet" tönt es herüber. Aber wieviele dieser Leute spielen denn tatsächlich in der Liga? Wieviele davon spielen zum Spaß und wieviele sind denn jetzt tatsächlich an der Sportart eSport interessiert? Unangenehme Fragen die den Kern der Problematik treffen. Der professionell betriebene eSport ist nun mal, im kalten Licht der Realität betrachtet, beileibe kein Breitensport.

Mit seiner vergleichsweise kleinen Fangemeinde muss sich der Sport an Maus und Controller zwischen Hallenmikado und LKW-ziehen auf DSF einreihen.

Den Löwenanteil der Computer- und Konsolenspieler bilden noch immer die Spaß- und Feierabendspieler. Sie begegnen dem eSport wohlwollend und mit beiläufigem Interesse, weit davon entfernt mit einem Alternate-Fähnchen und einem Mousesports-Schal in lärmenden Gruppen vor dem Computermonitor zu sitzen. Verirren sie sich doch einmal auf ein Communityevent, erkennt man sie leicht an ihrem fassungslosen Blick mit dem sie die begeisterten Hardcorefans der eSport-Clans mustern. Sie werden von keinem Sponsor erreicht, welcher hoffnungsvoll das monatliche Salär einer fünfköpfigen Mausschwinger-Truppe bezahlt.

Angesichts knapper Kassen bekam zuerst die CGS im fernen Amerika den Geldhahn zugedreht. Hierzulande bremst Samsung seine Zuwendungen an die WCG und AMD zieht sich aus der kostenintensiven Unterstützung professioneller eSport-Teams zurück. Auch der direkte Konkurrent Intel will sein Engagement im Bereich des eSports überdenken, hat diese Entscheidung aber offiziell noch bis zur diesjährigen CeBit aufgeschoben.

Beinahe schon verzweifelt, erklärt der ESL Pressesprecher Ibrahim Mazari die Krise zur Chance: "Viele Firmen werden erkennen, dass sie mit E-Sport eine wichtige Zielgruppe preiswert erreichen: jung, technikaffin, konsumfreudig, einflussreich...". Eine Chance die wohl nicht viele so wahrnehmen. Statt dessen scheint sich die Fokussierung des Marketings wieder dem Gesamtpool der Spieler ob jetzt professionell oder nicht, zuzuwenden. Schliesslich erreicht man dann unter anderem auch die kleine Schar der überzeugten eSportler.  

Genug schwarz gemalt. Bitte alle mal kräftig in das bereitliegende Taschentuch schneuzen und nach vorne blicken. Fakt ist, es wird weniger Geld geben und der Kampf darum wird mit harten Bandagen geführt werden. Viele der jungen und unerfahrenen Clan-Manager werden sich nun mit den tatsächlichen Aufgaben im Management auseinandersetzen müssen, anstatt ihren Titel nur spazierenzutragen. Die Spieler müssen ihren Traum vom Hauptberuf "Profispieler" zu Grabe tragen und es als Hobby sehen, bei dem sie eine gewisse Aufwandsentschädigung erhalten, wenn überhaupt.

Ligen und Turnierveranstalter müssen überlegen, ob sie ihre in der Vergangenheit oft zu hohen Preisgelder weiterhin einem kleinen elitären Kreis überreichen wollen oder ob auch einmal das schmutzige Fußvolk der Spaß- und Feierabendspieler davon profitieren darf. Reduzieren muss man sie in jedem Fall.

Die Szene sinkt aus dem Luftschloss des Breitensports hinab auf den Boden der Tatsachen.

Raffgierige, die Weltwirtschaft in den Abgrund stossende Bankiers mögen ihren Teil zur Beschleunigung der Entwicklung beigetragen haben. Sie sind bei weitem aber nicht der Grund für eine Marktkorrektur die schon lange überfällig war.

 

 
 euer
Heuermeuer
 
 
 
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