Counter-Strike: Kolumne: Ein Gamer meldet sich zu Wort - Special

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Arcade-Shooter
Entwickler: VALVe
Release:
kein Termin
Spielinfo Bilder Videos

Ein Gamer meldet sich zu Wort und stellt seinen Standpunkt zu Winnenden dar. Weiterlesen auf eigene Gefahr.



Der Alte aus Königsberg
 

Immanuel Kant: "AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen."

 

Wie Recht der "Alte aus Königsberg" schon im 18. Jahrhundert hatte und welch eine Aktualität er wieder bekommt, wenn man sich die Diskussion zum Thema Winnenden anschaut, ist frappierend. Es ist erschreckend, dass wir Menschen es offensichtlich nicht geschafft haben uns im 21. Jahrhundert von unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien.

 

Die Politiker hauen momentan mit Schlagworten um sich wie: "Waffengesetz verschärfen", "Killerspiele abschaffen", "Notrufnummern fürs Internet" und so weiter und so fort. Setzen wir uns doch mal mit ein paar Forderungen näher auseinander.

 

Die Verschärfung des Waffengesetzes

 

Nach Erfurt wurde das Waffengesetz zwei mal verschärft. Das Mindestalter zum Waffenkauf wurde auf 21 angehoben, Pumpguns mit Pistolengriff verboten und Personen unter 25 Jahren müssen beim Erwerb von Schusswaffen einen medizinisch psychologischen Test machen. Es wurden noch einige weitere Verschärfungen vorgenommen, aber wie man gesehen hat, waren sie nicht von Erfolg gekrönt. Auch wenn ich diese Verschärfung (aus anderen Gründen) für gut heisse, greift sie doch im Zusammenhang mit Amokläufen nicht.

 

Nun soll das Waffengesetz noch weiter verschärft werden. Was aber bringt das Ganze, wenn die Eltern ihre Verantwortlichkeit gegenüber dem Gesetz vernachlässigen, wie im Fall Winnenden geschehen? Des Weiteren ist es nicht schwer illegal an Waffen zu kommen, wenn man keine in "Reichweite" hat. Wer entschlossen ist, der besorgt sich auf irgendeinem Weg eine Waffe. Notfalls aus Russland eine AK47.

 

Anlaufstelle im Internet

 

Lol? wie man in Gamerkreisen zu sagen pflegt. Wer hat denn diese geniale Idee gehabt? Wer wirklich glaubt, dass durch eine solche Anlaufstelle Amokläufe verhindert werden können, der täuscht sich gewaltig. Wie soll diese Anlaufstelle überhaupt aussehen?

 

Wie man gesehen hat ist es ein Kinderspiel einen Chatverlauf oder ähnliches zu faken. Ganz davon abgesehen, dass im Internet aufgrund der eingebildeten Anonymität einfach wahnsinnig viel Unsinn geschrieben wird. Wenn man wirklich alles was an potentiell verdächtigem im Internet geschrieben wird überprüfen würde, gäbe es keine Polizei mehr auf der Straße, da sie alle vor dem PC hocken müssten.

 

Das Fernsehen gewaltfreier gestalten

 

Nun, dies kommt einem der Grundinteressen der Fernsehsender in die Quere (von den Öffentlich Rechtlichen mal abgesehen). Und das ist es Geld zu verdienen. Wie verdient man Geld? Indem man Werbezeit während Sendungen mit hohen Einschaltquoten verkauft. Je mehr Zuschauer, umso teurer die Werbezeit. Logisch, oder? Wie kommt man zu hohen Einschaltquoten? Richtig. Actionfilme, reißerische Berichterstattung über Mord, Totschlag und Gewalt. Man vergleiche einfach mal die RTL2 News mit der Tagesschau. Alleine hier wird doch schon sehr deutlich eine Diskrepanz sichtbar. Da ausserdem mit aufkommen des Internets jetzt Filme - egal ob indiziert, FSK 18 oder sonstwas - jederzeit und von jedem angesehen werden können ist diese Forderung wohl sinnlos.

 

"Killerspiele" verbieten

 

In einem Wort? Bullshit. Punkt. Warum? Weil man meiner Meinung nach keinem Erwachsenen vorzuschreiben hat, was er in seiner Freizeit anstellt. Und wenn es ihm Spaß macht ein Pixelmassaker anzurichten, soll er es doch tun und dort seine Energien und Aggressionen ausleben. Besser als wenn er zu Fußballspielen geht und sich da sinnlos prügelt um seine Aggressionen ausleben zu können.

 

Die Altersfreigabe von Spielen ist sinnvoll und ich würde meinem Kind jederzeit verbieten zum Beispiel  Counter-Strike vor 16 Jahren zu spielen. Ob ich das auch umsetzen kann, halte ich für fraglich, da es bei Freunden und Bekannten sicherlich die Gelegenheit zum Spielen bekommen wird. ABER: Daheim könnte es sich das abschminken. Dadurch hätte ich immerhin eine gewisse Kontrolle.

 

Viel wichtiger ist meiner Meinung nach die Verantwortlichkeit der Eltern ihren Kinder einen gesunden Umgang mit den Medien Computer und TV beizubringen. Meine Eltern zum Beispiel haben mir beigebracht, das Fernsehen (Tagesschau ausgenommen, und in meiner Kindheit gab es nur ARD, ZDF und die dritten) nie der Wirklichkeit entspricht und eigentlich keinen Bezug zur Realität darstellt. Da es zu meiner Kindheit keine Ego-Shooter gab (Doom kam raus als ich 15 war) gab es zwar diese Auseinandersetzung nicht, aber ich denke mit ein wenig vermittelter Medienkompetenz kann man auch hier den Kindern einen gesunden Umgang mit diesen Spielen beibringen.

 

Der einzige meiner Meinung nach vernünftige Vorschlag ist die Anonymisierung von Amokläufern. Sprich, das weder ihre Namen, noch ihre Bilder veröffentlicht werden, um so den Medienrummel von ihrer Person wegzulenken. Damit wird dem Amoklauf meiner Meinung nach einer der Sinne entzogen, nämlich es allen gezeigt zu haben. Wenn niemand weiß, wer es allen gezeigt hat, ist für den Amokläufer ein Reiz weniger vorhanden.

 

Momentan wird nur nach Sündenböcken gesucht. "Wer ist schuld daran?" Es sind in meinen Augen aber eher gesamtgesellschaftliche Probleme. Wenn beide Elternteile arbeiten müssen damit die Familie überlebt und kaum Zeit für die Kinder da ist, natürlich fühlen sich die Kinder da alleine gelassen. Kinder müssen sich immer früher alleine zurechtfinden und erwachsen werden, da die Eltern ihnen nicht mehr die Zeit zum Kind sein geben können. Was die Kinder in der Zeit machen, zwischen Schule und dem nach Hause kommen der Eltern entzieht sich somit auch der Kontrolle der Eltern. Es ist meiner Meinung nach höchste Zeit zum Umdenken in unserer Gesellschaft. Mehr sozial, weniger Marktwirtschaft. Wäre es nicht eine Überlegung wert? Nennt mich Träumer, aber wer nicht den Mut hat zu träumen, hat auch nicht die Kraft zu kämpfen!

 

Danke für eure Zeit, das hier zu lesen.

 

euer

Jan

 
  

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