Counter-Strike: Streitfall Xektor - Meinungen der Szene - Special

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Arcade-Shooter
Entwickler: VALVe
Release:
kein Termin
Spielinfo Bilder Videos

Die "alten Hasen" des elektronischen Sports spitzen die Ohren, manche rümpfen die Nase. Die einen halten es für übertrieben, dass der Clan coldgame gegen die ESL vor Gericht zieht, die anderen können es nachvollziehen, mancher hält es sogar für notwendig, um den Großen und Mächtigen dieser Szene zu zeigen, dass man sich zur Wehr setzen kann.



Bis zum 22. Januar wird ein Urteil darüber erwartet, das entscheidet, ob der Clan coldgame an den wichtigen Quailifikationsspielen zur ESL Pro Series teilnehmen darf oder nicht.

Bisher sah es schlecht aus für das Counter-Strike Team, da einer der Spieler von der Liga als angeblicher Cheater überführt worden war. Trotzdem geht es derzeit nicht darum, ob Xektor betrogen hat oder nicht, sondern um eine einstweilige Verfügung. Der Fall wird vor dem Amtsgericht Köln derzeit bearbeitet. Über hundert Seiten an Stellungnahme beider Seiten dehnen die Verhandlungen aus. In der breiten Öffentlichkeit, weg vom eSport, herrscht derzeit noch Unverständnis für den Gang vor das Amtsgericht. Das stellt man zum Beispiel im über 400 Einträge schweren Kommentararchiv unter einem Artikel zur aktuellen Situation von heise.de fest.

 

  

Counterstrike.de hat zu diesem Anlass einige Meinungen aus der eSport-Community aufgegriffen und fragt zugleich, warum der Fall eigentlich nicht mehr mit dem - neuerdings communitynahen - deutschen eSport-Bund (ESB) ausdiskutiert wird.

 


 
Um die verschiedenen Meinungen einzufangen, wurden von uns zwei Fragen gestellt:

  • Ist es richtig "nur" wegen einem Spiel den Weg über das Gericht zu gehen?
  • Wäre nicht der deutsche eSport-Bund ein besserer Entscheidungsträger als ein Amtsgericht?

 

Michael Haenisch
Project Director Gamesports, Project Director NGL

Wenn eine Liga keine vernünftigen Beweise erbringen kann, welche die Schuld eines Spielers beweißt und die Erklärung nicht auf technische Beweise gestützt werden kann, sollte ein unschuldiger und fälschlich verurteilter Spieler versuchen alle Rechtsmittel auszunutzen, wenn es für ihn und sein Team um so viel geht. Das Team hat die EAS absolviert um in eine Liga aufzusteigen, die hohe Preisgelder bietet. Zudem ist für viele Clans die Teilnahme an solchen Ligen ein Hauptargument gegenüber Sponsoren für eine finanzielle Unterstützung. Es geht hierbei also nicht nur darum den eigenen Ruf zu verteidigen oder wiederherzustellen, sondern es geht hierbei möglicherweise auch um finanzielle Konsequenzen für das Team. In der Vergangenheit wurde den ESL Schiedsrichtern Willkür vorgeworfen, die von der Ligaleitung natürlich bestritten wurde. Es gibt meines Erachtens nur diesen Weg um solche Entscheidungen und Beweise offen zu legen und damit zu sehen, ob an dem Gerücht der Willkür etwas dran ist oder nicht. Ich denke, dass diese Entscheidung vor einem Gericht interessant und auch wichtig ist. Zwar gibt es im Prozess nur einen Gewinner, jedoch kann auch die Szene davon profitieren.

Würde der ESB den Aufgaben nachkommen, die ich von einer solchen Organisation erwarten würde, sollte es möglich sein hier eine Plattform zu sehen, die einen kostspieligen Gerichtsprozess erspart. Ich bin jedoch der Meinung, dass viele Veranstalter im ESB oder einem angeschlossenen Gremium nicht die Kompetenz sehen eine solche Entscheidung zu beurteilen, die letztlich über die Souveränität der Liga und ihrer Schiedsrichter steht. Das Vertrauen setze ich aus eigenen Erfahrungen nicht in den ESB und ich denke auch nicht, dass sich daran so schnell etwas ändern wird. Sicherlich kann der ESB mit Rat unterstützend tätig werden und diese Hilfe sollte man auch in Anspruch nehmen, zu mehr reicht es meines Erachtens noch nicht.

 

Lajos A. 'Lalle' Rakow
Chefredakteur / Eventmanager game-tv

Der Fall Coldgame spiegelt für mich verschiedene Dinge wieder. Zum Einen fühlt sich ein im Wettbewerb stehender Spieler falsch behandelt. Hierzu bringe ich mal den vergleich Dieter Baumann, der in seinem Doping-Fall auch vor Gericht gezogen ist. Im eSport ist aber die Frage, ob dieses Hobby, und für einen Großteil aller Spieler ist es nicht mehr, es wirklich nötig hat solche Wege zu gehen. Für Baumann ging es um seine berufliche Zukunft, für Coldgame geht es wohl am ehesten um Glaubwürdigkeit. Jeder muss hier den Unterschied für sich selbst erkennen und sich fragen, ob er so weit gehen möchte. Alle mal wird es ein wichtiges Urteil werden, wenn Coldgame gewinnt wird in Zukunft quasi jeder über rechtliche Schritte nachdenken, wenn er verliert zeigt dies, wie unsinnig es ist für dieses Hobby soviel zu riskieren. Die ESL ist nicht irgendjemand.

Natürlich wäre ein klar organisierter Verband eine wesentliche bessere Instanz um so etwas zu regeln. Aber der eSport-Bund hat leider nicht das Vertrauen der Community, der Ligen und der Gemeinschaft, den er dafür braucht. Wir sind weit davon entfernt so etwas wie ein von allen gewähltem Komitee nutzen zu können, das solche Streitfälle schlichtet löst oder Täter bestraft.

 

Larion 'D.Devil' Syrota
hoorai.XQ - Headmanager

Ich würde nicht sagen, dass es "nur" um ein Spiel geht: Es handelt sich hierbei um einen sportlichen Wettbewerb auf professioneller Ebene, der auf der Plattform eines Computerspiels ausgetragen wird. Die Plattform mag zwar virtuell sein, doch der Wettbewerb ist real. Es geht um Geld, und zwar um mehr Geld als man auf den ersten Blick denken könnte - es geht ja nicht nur um EPS-Preisgelder, sondern um den Wert der Marke Coldgame und vieles mehr. Im Endeffekt diente die gesamte Zeit, die von den Coldgame-Leuten ins Training investiert wurde, schließlich dem Ziel, spielerischen Erfolg zu haben und in die höchste Spielklasse zu kommen. Das Einsetzen von juristischen Mitteln ist in meinen Augen also völlig legitim. Ein derartiger Prozess zwischen Teilnehmer und Ligabetreiber dürfte einen wichtigen Schritt in der Professionalisierung des eSports darstellen und ich bin mir sicher, dass auch die ESL davon profitieren wird, den Ligabetrieb vor Gericht auf den Prüfstand zu stellen.

Nun, diese Frage muss man von mehreren Standpunkten aus betrachten. Grundsätzlich wäre der Deutsche eSport-Bund natürlich besser geeignet, um einen derartigen Fall zu bearbeiten. Die ESB-Leute dürften eher in der Lage sein, die Situation sorgfältig zu beleuchten und ein fundiertes Ergebnis herbeizuführen. Entsprechend gehört es auch zum Aufgabenbereich eines Sportverbandes, in Konfliktfällen als juristische Instanz in Erscheinung zu treten. Es stellt sich jedoch die Frage, inwiefern eine Entscheidung des Deutschen eSport-Bundes dieselbe Verbindlichkeit wie die eines Gerichtsorgans besitzen kann. Aktuell fehlen dem ESB nun einmal der Einfluss und die rechtliche Grundlagen, die er benötigen würde, um uneingeschränkt als Sportgericht zu fungieren: Der Ligabetrieb der ESL ist nicht dem ESB unterworfen, sondern dem Unternehmen Turtle Entertainment. Von daher ist es positiv zu bewerten, dass Coldgame an einen Anwalt verwiesen wurde, welcher das nötige Know-How besitzt, um sich eines solchen Falls anzunehmen. Es wäre aber auf jeden Fall gut, wenn zumindest ein Verantwortlicher des ESB als Sachverständiger hinzugezogen werden würde, damit die Stellung als Dachorganisation gefestigt werden kann. Ob es langfristig zu bewerkstelligen sein wird, den ESB als juristische Instanz zu positionieren oder dies langfristig den zivilrechtlichen Gerichten überlassen sein wird, bleibt abzuwarten. Zumindest ist zu hoffen, dass es auf lange Sicht gesehen einen anerkannten Entscheidungsträger gibt, der Einblick in die Materie hat. Eine mögliche Option könnte dabei sicherlich der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne, eine den Sportverbänden übergeordnete Entscheidungsinstanz, darstellen.

 

Matthias 'Knochen' Remmert
Gamesports - Bereichsleitung Counter-Strike

Man kann nicht wirklich sagen, ob es richtig oder falsch ist, genauso wie Leute vor Gericht gehen wegen Gartenzwergen oder einem Knallerbsenstrauch. Es hat sich im Laufe der Zeit immer wieder angebahnt, dass auch dieser Schritt mal folgen wird. Coldgame ist nun das erste Team im eSport, welches diesen Weg gewählt hat. Es wird auf jeden Fall für den eSport und auch bei Entscheidungen von Cheatvorfällen die Zukunft bestimmen und ich selbst verfolge diesen Fall sehr gespannt. Aber um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen, denke ich, kann man diesen Weg sehr Wohl gehen, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt und keine andere Chance sieht, zu seinem Recht doch dort zu spielen, wofür man sich eigentlich qualifiziert hatte.

Sicher wäre es ein besserer Entscheidungsträger, alleine aus dem Grund, weil der eSport-Bund direkt in der Materie drin steckt. Allerdings kann ja auch der ESB als Gutachter in dem Verfahren genannt werden. Der ESB ist im Moment einfach noch nicht so weit, dass er als Schiedsgericht/Sportgericht agieren kann und dieses Urteil dann auch die Akzeptanz in der eSports Community hätte. Da ist noch eines an Aufbauarbeit nötig und vielleicht wird dieser Fall nun auch beim ESB intern die Prioritäten etwas anders legen.

 

Christian 'Blizzard' Chmiel
Counter-Strike Urgestein vom Team Xilence XQ

Auch wenn es "nur" ein Spiel ist, ist sprichwörtlich trotzdem viel Geld im Spiel. Sowohl der Betrag, welchen coldgame für Premium-Accounts investiert hat, als auch der mögliche Preisgeldgewinn der nächsten EPS-Saison zeigen schon, dass es sich sicherlich hier nicht nur um Spaß handelt. Zudem auch noch besonders ärgerlich, dass der wohl immense Zeitaufwand und Einsatz der Jungs jetzt vergebens war. Falls die Disqualifikation nun nicht rechtens war und coldgame bzw. xektor sich unfair behandelt führt, dann kann ich durch die oben genannten Gründe klar nachvollziehen, warum man den Weg über ein Gericht geht. Ich glaube, kaum einer hat Geld und Zeit zu verschenken und lässt sich den Lohn für seine Arbeit unrechtmässig nehmen.

Nein! ich denke, dass der ESB noch nicht so weit ist, sich entscheidend in den Spielbetrieb der größten deutschen CS-Liga einzumischen. Momentan würde sich die ESL durch den ESB da auch nicht reinreden lassen, da es dem ESB noch deutlich an Akzeptanz und Einfluss fehlt. Allerdings falls sich der ESB in den nächsten Jahren gut weiterentwickelt, trau ich ihm das Treffen solcher Entscheidungen durchaus zu, aber momentan ist ein Amtsgericht wohl die bessere Wahl, da die ESL an eine Entscheidung dessen wohl gebunden ist.

 

Conrad S. Conrad
Pressesprecher mTw Gaming

Also prinzipiell sei jedem das Recht gegönnt, vor Gericht eine derartige Situation entscheiden zu lassen. An dem vorliegenden Spiel waren diverse Faktoren geknüpft, die sowohl finanzieller als auch spielerischer Natur sind. Die Chance des Aufstiegs in die höchste Spielklasse und dem dazugehörigen Verdienst und Medieninteresse bekommt ein Spieler nicht oft geboten. Allerdings sehe ich den Schritt, vor Gericht zu gehen, sehr kritisch. Zum einen ist dies nicht der richtige Ort für solch eine Entscheidung und zum anderen entsteht der Eindruck, als sei dies nur eine Show zur eigenen Profilierung diverser Beteiligter. Und dafür sollte das sowieso schon verstopfte Rechtsystem in Deutschland nicht missbraucht werden.
 
Generell sollte der E-SB als unabhängige Instanz mit dem nötigen Fachwissen aus der Szene eine bessere Lösung sein als ein überforderter Richter, der wohlmöglich noch nicht einmal das Spiel bisher gesehen hat und zu keinem sinnvollen Urteil fähig ist. Vielmehr entscheidet der Richter in meinen Augen nach subjektivem Empfinden und ist stark durch die jeweiligen Argumente der Parteien beeinflusst. Bessere wäre da schon ein szene-eigenes, aber von allen teilnehmenden Veranstaltern legitimiertes Schiedsgericht mit dem nötigen Fachwissen. Dieses würde wohl deutlich schneller gehen und für die Partien deutlich günstiger ausfallen. Insofern wäre es meiner Meinung nach wünschenswert, solch Streitigkeiten innerhalb der Szene durch eine unabhängige Instanz entscheiden zu lassen.

 
Video über Cheaterfall vor Gericht
Aktenflut im Amtsgericht
Gerichtstermin im Fall XektoR
Und täglich grüßt das Cheatingtier
 

 

      

Kommentare

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