Arcanum: Kammermusik für Videospieler - Special

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Arcanum (Rollenspiel) von Havas/ Sierra
Kammermusik für Videospieler
2D-Rollenspiel
Entwickler: Troika Games
Publisher: Havas/ Sierra
Release:
24.08.2001
Spielinfo Bilder Videos
Es ist traurig, dass der Soundtrack zu Arcanum heute noch eine wichtige Rolle spielt: Mehr als zehn Jahre hat der Rollenspiel-Oldie auf dem Buckel und noch immer hallt seine Musik nach. Über weite Strecken zeichnet Ben Houge darin das Bild vom wehmütigen Wandel - eine frühe industrielle Revolution droht die Magie zu verdrängen. Traurig ist das allerdings aus einem anderen Grund. Denn selbst zehn Jahre später ist es noch keinem Spielemusiker gelungen, ähnlich eindrucksvoll zu komponieren.

Kammermusik trifft Videospiel

Schwermütig schweben Violinen über dem Boden, ein ruhiges Cello weist ihnen den Weg. Langsam, aber mit Bestimmtheit suchen die Streicher ihren Weg. Sie strahlen Wärme aus, aber erzählen auch eine Geschichte, die von starken Emotionen geprägt scheint. Wenn die Instrumente gezupft werden, springen sie kampflustig. Wenn hohe Noten nervös zittern, warnen sie vor Gefahr. Eindrucksvoll ist Arcanum vor allem deshalb, weil das in der
Spielewelt einzigartige Streichquartett durch das gesamte Abenteuer führt.

Entwickler Troika dürfte den Anstoß gegeben haben, denn die Fallout-Macher wollten ein Rollenspiel abseits der bekannten Fantasy-Blaupause erzählen. Und so füllen statt eines Orchesters eben zwei Violinen, eine Bratsche und ein Violoncello den Schauplatz zwischen Fantasy und Industrieneuzeit mit Leben. Nur in den letzten vier Titeln unterstützt Komponist Houge sein Quartett mal mit Schlagwerk, mal mit Synthesizer: Die befremdliche Mystik in "The Void" und "Kerghan's Castle" überlässt er vollständig der Elektronik.

Leise Reize

Zu diesem Zeitpunkt haben aber längst die geruhsamen Streicher dem Spiel ihren Stempel ausgedrückt. Sie beschreiben - insgesamt vielleicht etwas zu gleichmäßig - eine Reise, die in "Caladon Catacombs" ereignisreich, in "Mines" lebensbedrohlich, in "Wilderness" erholsam und in "Tulla" wehklagend scheint. Houge gelingt es dabei stets, seine Melodien zu entwickeln. Im Gegensatz zur Musik vieler Kollegen steht seine niemals still, sondern
Verfügbarkeit

Die Musik zu Arcanum steht kostenlos zur Verfügung. Komponist Ben Houges verweist auf eine Fanseite, welche die Musik sowohl im WAV-Format als auch als MP3 anbietet.
bereichert die Geschichte um behutsame Nuancen. Selbst das allgemeine "Towns" erzählt vom Schicksal der Einwohner, während sie in auf kalten Pflasterstraßen ihrer Arbeit nachgehen.

Arcanum muss man in Ruhe hören, denn die leisen Töne machen den Reiz aus. Geduldige Ohren entführt es dafür in eine angenehm bodenständige Steampunk-Welt, weil ihr die überschaubaren Instrumente einen erdfarbenen Anstrich verleihen - fast so, als würden sie die schweren Ketten einer frühen Dampfmaschine ziehen.

Auf herausragende Themen verzichtet Arcanum, was einzelne Melodien in dem gleichbleibenden Arrangement schwer greifbar macht. Darin liegt allerdings auch ihre große Stärke, denn der Soundtrack zeichnet sich gerade durch seine vermeintliche Einfachheit aus. Die unaufgeregte Kammermusik wirkt greifbarer als gewaltige Orchesterwerke - sie erfordert ein größeres Hörverständnis, belohnt die Mühe aber mit ungewöhnlich plastischen Klangbildern. Umso erstaunlicher und umso bedauerlicher, dass Ben Houges fantastische Musik bis heute ein einzigartiges Kleinod geblieben ist!

Einschätzung: sehr gut

Kommentare

Chris1q1q schrieb am
Viele hier kennen Arcanum wahrscheinlich gar nicht, aber ich kann der Soundtrack-Kritik nur zustimmen. Werde das spiel deshalb wohl niemals vergessen.
Armin schrieb am
Bin durch, 10 Tage, ganz schoen lang diesmal. Das Spiel macht aber irgendwie bei jedem Mal,dass mans durchzockt, mehr Spass. Also die Mucke, am besten gefaellt mir Tulla,hat irgendwie was persisches, aber leider ist man da nur ganz kurz. Das Tarant Geheule kann ich dagegen nun nicht mehr hoeren. :mrgreen:
Geniales Spiel, sollte jeder mindestens dreimal durchspielen!
Kajetan schrieb am
Thjan hat geschrieben:Danke für die Aufklärung. ;)
Büdde! :)
Thjan schrieb am
Danke für die Aufklärung. ;)
Kajetan schrieb am
Thjan hat geschrieben:
Kajetan hat geschrieben:Producer zum Komponist: "Du, wir konnten die Soule-Brüder nicht verpflichten, aber machst Du bitte die Musik so, dass es so klingt wie in Oblivion und so?"
Komponist zum Producer: "*seufz* Ok!"
Was möchtest du uns damit sagen? Das Arcanum wesentlich älter als Oblivion ist war dir beim posten ja vermutlich bewusst. Oder nicht?
Nein. Das war eine Anspielung auf den musikalischen Sonderstatus von Arcanum. Viele Soundtracks vor allem zu westlichen Rollenspielen folgen zwei Schubladen. Die Amis engagieren entweder Jeremy Soule oder jemanden, der so komponieren und produzieren soll, damit es wie Jeremy Soule klingt. In Europa und ganz speziell Deutschland rufen alle bei Dynamedion an. Und da man bei Dynamedion natürlich nicht wie am Fließband superduperkreativ sein kann, werden klingen viele Soundtracks wie aus dem Baukasten. Vorhersehbar und damit unglaublich öde. Was zB. dazu geführt hat, dass ich die Musk beim Spielen des Drakensang-Prequels ausgeschaltet habe, weil mir dieser beliebige Dynamedion-Klangbrei DERART ZUM HALS RAUSHÄNGT!!!!!
schrieb am

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