Koloss gegen Zecke
Monster Hunter Freedom - was für ein Koloss! In Japan beschert die Serie ihrem Publisher Millionen und Abermillionen Yen, im Rest der Welt hat sie immerhin einen Kreis treuer Fans um sich geschart. Kein Wunder, dass Square Enix neidisch auf den Nachbarn schaut und sich besser spät als nie einen Konkurrenten schustern lässt. »Lässt«, weil Lord of Arcana nicht im eigenen Haus entstand, sondern bei Access Games - jenem Entwickler, der schon mit Deadly Premonition
ein höchst eigenwilliges Verständnis modernen Spieldesigns offenbarte: Deadly Premonition war mit Schubladen cleverer Ideen gefüllt und ersponn wunderbar verquere Charaktere, nur technisch schossen die Entwickler aus der untersten Kanone.
Auf PSP sieht die Sache ganz anders aus; schon mit Ace Combat: Joint Assault
bewiesen die Entwickler nämlich, dass sie die Technik des Handhelds zumindest im Griff haben.

Der Witz ist: Per Definition macht Access Games eigentlich nichts falsch. Da ist eine Charaktererstellung, die mit unterschiedlichen Geschlechtern und Gesichtern einen Monster Hunter-Einstieg verheißt. Ähnlich wie im großen Vorbild wählt man zudem aus fünf Waffengattungen einen Typ, dessen Mischung aus Beweglichkeit, Angriffsstärke und magischer Macht am bequemsten scheint. Wer sich für ein Schwert entscheidet, darf außerdem einen Schild tragen - wer zu Axt oder Lanze greift, muss feindlichen Attacken aktiv ausweichen. Denn nicht zuletzt ist da schließlich die Mär vom Tellerwäscher zum Level-Millionär: Als Unbekannte/r betritt man ein Fantasyreich, in dem es vor monströsen Unholden nur so wimmelt. Wer alle besiegt, wird zum Lord of Arcana.
Der kleine Monsterjäger
Monster Hunter ist die actionreiche Simulation eines Jägerdaseins inmitten unwirtlicher Landstriche voller Dinosaurier-ähnlicher Lebewesen. Man bastelt Fallen, mischt Heiltränke, schnitzt aus den Knochen erlegter Tiere Waffen, sammelt Kräuter, Käfer und baut Mineralien ab. Etliche Aufgaben warten auf den Jäger oder die Jägerin, einen Stufenaufstieg wie im Rollenspiel gibt es nicht.
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| ... uns auch nicht. |
In Lord of Arcana klatscht man (buchstäblich) so lange die immer gleichen Monster auf den Boden, bis man genug Erfahrungspunkte gesammelt hat, um es mit dem nächsten großen Monster aufzunehmen. Aus gesammelten Rohstoffen entsteht neue Ausrüstung.
Moderne Action
Der Rest ist eine breiige Masse nicht enden wollender Einförmigkeit, die den anfangs aufkeimenden Spielwitz Stück für Stück, Stunde um Stunde zermürbt. Es ist zwar ein Ansporn, neue Waffen schmieden zu lassen oder alte zu verbessern, indem man Überreste von Gegnern, Wasser, Steine und Kristalle zum Verarbeiten sammelt. Wenn man bestimmte Werkstoffe erst aus Naturalien herstellen muss, glitzert sogar so etwas wie eine glaubwürdige Welt durch. Die bleibt allerdings hinter einer Fassade aus schrecklich einfältigen, einförmigen Levelwänden versteckt. Noch dazu klickt man hier an bunten Lichtsäulen nach Rohstoffen, anstatt unter Grasbüscheln nach Rohstoffen zu graben oder mit der Spitzaxt an Felswänden zu arbeiten.
Auch die gesichtslosen Skelette, Drachen oder der Mythologie entliehen Unholde kreuchen stets vorhersehbar am Platz. Gekämpft wird erst, wenn man sie berührt - in einem separaten kreisrunden Areal. Dann bekommt man es z.B. mit einer Riesenschildkröte zu tun, die wie eine düsengetriebene Flipperkugel zwischen den unsichtbaren Arealgrenzen hin und her poltert. Was für ein gigantischer Unfug!
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| Angelsächsischen Literaturexperten sollte der Kerl in Weiß bekannt vorkommen: Grendel heißt dieses Bossmonster. |
Da hilft es nicht viel, dass man jeden Auftrag alleine oder mit bis zu drei Mitstreitern erledigen darf. Je nach Anzahl der Abenteurer befinden sich dann mehr Monster in der Fantasywelt, die ähnlich wie in Monster Hunter aus einzelnen, durch Ladepausen getrennten Gebieten besteht. Es hilft auch nicht, dass Dialogschnipsel so etwas wie eine Handlung vorgaukeln, denn die Geschichte könnte nicht belangloser im Hintergrund siechen. Und es hilft schon gar nicht, dass das Zuhause ein winziger Marktplatz ist, der seinen pragmatischen Daseinsgrund allerdings perfekt erfüllt: Dort verbessert oder wechselt man die Ausrüstung, kauft oder verkauft Rohstoffe und wird daraufhin unmittelbar zum nächsten Auftrag versetzt. Damit man in den immer gleichen Korridoren dieser gesichtslosen Fantasy-Einbahnstraße die immer gleichen Billigmonster auf die immer gleiche Weise den Boden klatschen möge...

