EA Replay17.03.2007, Paul Kautz
EA Replay

Im Test:

Electronic Arts, sonst eigentlich einer der Wegbereiter für neue Spielkonzepte, ist mal ungewöhnlich spät dran: Die Konkurrenz hat das Wunder der Retro-Sammlungen schon seit einiger Zeit für sich entdeckt, ganz besonders Capcom und Sega haben das Ausbuddeln von Klassikern mittlerweile zu einer Kunstform erhoben. Und EA? Macht es sich ein bisschen zu einfach.

Tour de Force

Spieler meiner Generation (also von 25 bis Mitte 30) dürften mit feuchten Augen vor der EA Replay (ab 29,97€ bei kaufen)-Packung stehen: Sollte es wirklich möglich sein? Sollte EA hier wirklich Games wie Wing Commander, Syndicate, Ultima 7 oder Desert Strike auf eine UMD gepackt haben? Einige der

Ach Wing Commander... werden wir jemals wieder miteinander glücklich werden?
heißesten  Titel aller Zeiten? Oh ja, das haben sie. Doch Stop! Wie so oft versteckt sich auch in diesem Supersonderangebot der eine oder andere Haken. Denn die Liste der 14 Titel mag zum größten Teil beeindruckend klingen, doch man darf leider nicht voraussetzen, dass die geliebten Games hier genau dargebracht werden, wie sie die Erinnerung der Spieler verzaubern!

Wing Commander samt der Secret Missions ist nicht etwa eine Umsetzung des famosen PC-Originals, sondern der ruckeligen SNES-Variante. Syndicate entspringt ebenfalls nicht dem PC, sondern dem Mega Drive - wo aus dem brillanten, düsteren Cyberpunk-Taktikshooter von Bullfrog ein billiges Fire-and-Forget-Etwas gemacht wurde. Ultima 7, das brillante, monströs umfangreiche Rollenspiel von Richard »Lord British« Garriott, ist hier zwar vertreten, aber ebenfalls nicht in der PC-, sondern in der stark vereinfachten SNES-Version - so stark vereinfacht, dass es mit der eigentlich Wunderwelt kaum mehr etwas zu tun hat, und vielmehr ein simples Hack-n-Slay ist. Und dann wäre da noch Road Rash: Hier mit den drei Mega Drive-Teilen vertreten,  die graduell immer uninteressanter und hässlicher wurden, aber wenigstens eine hügelige Landschaft, skalierte Sprites, einige der schlimmsten Motorsounds vor Ridge Racer 7 und großartige Musik von Altmeister Rob Hubbard boten - die ihr hier aber nicht zu hören bekommt.

Desert Strike: Zur Veröffentlichung ein mittelschwerer Skandal, heute eines der Highlights der Sammlung.
Aus unbekannten Gründen gibt's stattdessen in allen drei Teilen das gleiche, scheußliche Gitarrengejaule zu hören. Was immerhin noch besser ist als er teilweise unerträglich kratzige Sound bei Wing Commander - z.B. die Startsequenz ist, egal ob über die PSP-Lautsprecherlein oder via Kopfhörer, eine verrauschte, zerkratzte Tonmasse.

Strike! Strike!

Der Rest des Angebots ist dankbarerweise gut umgesetzt, aber zu einem großen Teil schlicht uninteressant: B.O.B. ist ein schlichtes Jump-n-Run, Budokan eine Kampfsport-»Simulation«, die schon zur Veröffentlichung ihre Faszination eher aus der umwerfenden grafischen Darstellung als aus dem furchtbar zu steuernden Spiel bezog. In Haunting übernehmt ihr die witzige Rolle eines Poltergeists, der Hausbewohner vertreiben muss, und Virtual Pinball ist eine mittlerweile sehr laienhaft anmutende Flipper-Simulation - obwohl sie den fähigen Händen von Bill »Pinball Construction Set« Budge entstammt. Richtig interessant und gelungen sind daher eigentlich nur die taktischen Ballereien Desert Strike  und Jungle Strike sowie das amüsante Sportgekloppe Mutant League Hockey.

Folgende Spiele sind enthalten:

Wing Commander / Secret Missions

Budokan

Mutant League Football

Desert Strike

Jungle Strike

Road Rash 1, 2 & 3

B.O.B.

Haunting

Syndicate

Ultima 7: The Black Gate

Virtual PinballZu jedem Spiel gibt es ein paar Extras: Schlecht lesbare Entwicklungsinfos samt irritierenderweise gekipptem Original-Cover, wenige Tipps pro Titel, die sich meist auf eine Hand voll Passwörter beschränken, sowie drei freispielbare Boni - meist krümelige Artworks. Ihr könnt jederzeit den Spielstand sichern und zwischen Original- bzw. 16:9-Darstellung umschalten. Außerdem lassen sich Budokan, Road Rash 2 und Mutant League Football auch bis zu vier Spieler hoch gegeneinander zocken - vorausgesetzt, jeder Teilnehmer hat eine eigene UMD.    

Fazit

Als ich das erste Mal Wind von EA Replay bekam, schoss sofort eine Ladung Extra-Adrenalin durch mein Gehirn: Wing Commander? Syndicate? Road Rash? Desert Strike? All das und mehr mobil zocken? Das kann doch nur ein Traum sein! Ist es leider auch. Denn Electronic Arts hat konsequenterweise kaum eine Fettwanne verfehlt, was die Wahl der Umsetzungen angeht: Die SNES-Version von Wing Commander? Furchtbar! Die Mega Drive-Fassung von Syndicate? Furchtbar! Ultima 7 vom SNES? Furchtbar! Und was soll diese grauenhafte neue Musik bei Road Rash? Okay, die beiden Strikes sind ebenso gelungen wie Mutant League Football, aber dennoch hinterlässt diese Retro-Kollektion ein unschönes Gefühl der Wahl des einfachsten Weges. Keine Chance gegen die Kracher-Sammlungen von Capcom oder Sega.

Pro

grundsätzlich interessante Spielauswahl
saubere Emulation

Kontra

teilweise furchtbare Versionswahl
schlimme Musik bei Road Rash
zerkratzter Sound bei Wing Commander

Wertung

PSP

Gut gemeinte, doch schlecht ausgeführte Retro-Sammlung.

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