Test: Super Stardust HD

04.08.2007, Autor: Jan Wöbbeking

Arcade-Action für PlayStation 3






Video: Super Stardust HD, E3-Spielszenen 07



Heimliches Highlight

Jede Konsole aus den Neunziger Jahren, mag sie noch so exotisch oder erfolglos gewesen sein, hat mindestens ein Juwel im Spiele-Programm. Auf dem Jaguar bin ich nächtelang durch die düsteren Flure von Alien vs. Predator geschlichen, und auf dem 3DO gab es z.B. den Capture-the-flag-Klassiker Return Fire. Auf Commodores Amiga-Konsole CD32 heißt der Stolz meiner Spielesammlung Super Stardust. Leider bekam kaum jemand dieses Juwel zu Gesicht, denn selbst unter den Besitzern der relativ seltenen Mutimedia-Maschine ist der Titel weitgehend unbekannt. Das lag vor allem daran, dass im anbrechenden 3D-Zeitalter sich kaum jemand mit einem angestaubt wirkenden Asteroids-Klon beschäftigen wollte - erst recht nicht auf solch einer erfolglosen Konsole.

Dabei hatte das Spiel der Entwickler aus der finnischen Demo-Szene so viel mehr zu bieten: Bombastische Rendergrafik, motivierend-knackige Gegnerformationen, flotte Rave-Musik und Abwechslung durch Bonus-Missionen unter Wasser und schnelle Flüge durch 3D-Tunnels. Vor allem wurde das Spiel aber nicht, wie viele andere Titel, einfach schlampig von Amiga auf die Konsole umgesetzt. Es gab zwar bereits zwei Versionen davon auf Commodores Homecomputer, doch die CD32-Fassung ist den Finnen noch deutlich besser gelungen als die ohnehin eindrucksvollen Vorgänger. Nur auf der Konsole gab es eine verbesserte Steuerung, Rendervideos, frische Musik direkt von der CD, bessere Sound- und Grafikeffekte und vor allem einen angenehm knackigen, aber nicht mehr so wahnsinnig hohen Schwierigkeitsgrad wie in den Computer-Fassungen. Oder um es kurz zu machen: Es war der rundum gelungene Höhepunkt der Serie, und kaum jemand bekam etwas davon mit.

Back to the Old School!

Doch die Zeiten ändern sich. Arcade-Spiele alter Schule wie Geometry Wars erfreuen sich größter Beliebtheit und auch das Bloodhouse-Team, das heute den weniger martialischen Namen Housemarque trägt, wagt sich an ein Remake. Vieles ist geblieben wie früher: Ihr säubert einen Planeten nach dem anderen von Asteroiden und angreifenden Raumschiffen. Jede der aufrüstbaren Waffen lässt sich gegen sämtliche Gegner einsetzen, doch am schnellsten kommt ihr voran, wenn ihr die passende Farbe auswählt. Gefrorene Asteroiden zerlegt ihr am schnellsten mit dem blauen Laser, der Flammenwerfer schmelzt die goldenen Brocken. Die dritte Waffe im Bunde ist der grüne Rock Crusher, der gewöhnliche Felsbrocken besonders wirkungsvoll in Stücke schmettert.

Mit Super Stardust HD wird übrigens endlich aufgeklärt, warum Gegner, die früher rechts vom Bildschirm verschwanden, wieder links auftauchten: Die Schlachten spielen sich auf der Oberfläche von kleinen Asteroiden ab, die ihr in ein paar Sekunden umrundet habt. Auf der PS3 werden die Himmelskörper natürlich nicht mehr als flaches Renderbild dargestellt wie vor dreizehn Jahren. Statt dessen fliegt ihr um die gekrümmten Himmelskörper herum. Die Weltallbrocken und die gegnerischen Schiffe gleiten ebenfalls durch die mit einem Gitter symbolisierte Athmosphäre des Himmelkörpers.

Grafik-Schock!

Die darunterliegenden Planetenoberflächen besitzen derart scharfe und detaillierte Oberflächen, dass sich manch ein Vollpreisspiel eine Scheibe davon abschneiden könnte. Zugegeben, der Grafikchip muss bei diesem Titel ungleich weniger leisten, als bei einem Spiel mit offenem Terrain. Doch Super Stardust ist klar das grafische Highlight der sämtlicher Download-Shooter. Bei den Massenexplosionen fliegen euch die tausenden Splitter und Funken nur so um die Ohren.

Es gibt ein Wiedersehen mit vielen alten Gegnern wie die große fliegende Untertasse. Sie strahlt jetzt im gleißenden Licht, wenn ihr sie mit dem Flammenwerfer bearbeitet. Besitzer eines hochauflösenden Fernsehers profitieren am meisten von der grafischen Pracht. Erstens genießen sie eine viel bessere Übersicht, was bei einem derart schnellen Spieltempo überlebenswichtig sein kann. Außerdem können nur sie die erwähnten scharfen Texturen und leuchtenden Farben in voller Pracht genießen. Außerdem fällt auf einem HDTV-Gerät das lästige Flimmern der Schriften weg, dass mich unangenehm an frühe Playstation-2-Titel wie Virtua Tennnis erinnerte.



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