51st State: Master Set - Brettspiel-Test, Brettspiel, Spielkultur - 4Players.de

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51st State: Master Set (Brettspiel) von Portal Games
Punks, Mutanten & Händler
51st State: Master Set ist eine überarbeitete Neuauflage des gleichnamigen Spiels von Portal Games aus dem Jahr 2010. Die kompetitive Kartentaktik von Ignacy Trzewiczek erinnert an sein erfolgreiches Imperial Settlers und entführt einen bis vier Spieler in eine amerikanische Endzeitwelt. Dabei gilt es eine mehrstöckige Basis aufzubauen, clever zu handeln und die Konkurrenz zu plündern.


Handeln, bauen, plündern

Es reicht! Schon wieder hat die Mutanten-Union drei Siegpunkte eingeheimst, weil sie in ihrem Waffenladen getauscht haben. Wieso haben die so viele Pistolen? Egal. Jetzt haben sie jedenfalls einen satten Vorsprung und brauchen nur noch sechs weitere bis zum finalen Ziel von 25 Punkten. Also schicke ich meine Punks zum Plündern los: Fünf davon lege ich in Form von roten Plättchen auf den Tisch, um den Laden endlich in eine Ruine zu verwandeln und mit fetter Beute heimzukehren - drei Waffen sowie ein Siegpunkt. Immerhin. Weil es kein Kampfsystem gibt, ist die Sache sofort ohne Würfelei erledigt.

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Das dreistöckige Hauptquartier der Händlergilde sieht hier noch ganz gut aus.
Aber reicht dieser Angriff? Die Mutanten haben ja noch einige andere Produktionen, Fähigkeiten und Aktionen ausliegen, außerdem können sie einfach was Neues bauen. Und wenn sie auf der Ruine etwas Passendes errichten, kriegen sie einen weiteren Siegpunkt! Vielleicht hätte ich schon früher aggressiver spielen müssen? Ein Blick auf die vielen Ruinen in meiner Heimat offenbart schonungslos, dass die anderen Spieler etwas schneller auf diese Idee kamen. In jeder meiner drei Etagen des Hauptquartiers wurde mittlerweile etwas zerstört. Das ist auch deshalb blöd, weil am Ende jedes intakte Gebäude einen Siegpunkt bringt.

Deals, Bauprojekte und Plünderungen

Okay, ich habe eben die Händlergilde als Fraktion gewählt und versucht über
Schon 2010 entführte Ignacy Trzewiczek damit in die Endzeitwelt von Neuroshima Hex, ohne dass das Spiel besonders auffiel. Danach gelang dem Polen mit Robinson Crusoe (2012) ein Geheimtipp für Survival-Fans und spätestens mit Imperial Settlers (2014) auch ein internationaler Erfolg.
51st State: Master Set ist für einen bis vier Spieler ausgelegt und komplett auf Deutsch für knapp 40 Euro bei Portal Games erschienen.
möglichst viele "Deals" erfolgreich zu sein. Das hat mir zwar jede Runde viele Rohstoffe gebracht, aber irgendwie hab ich diese nicht clever genug eingesetzt - vor allem die grauen Bauarbeiter fehlten mir, um mich auf die Expansion zu konzentrieren. Außerdem habe ich vermehrt die "offenen Produktionen" der anderen Spieler genutzt, statt selbst zu produzieren. Das war bequem, aber vielleicht ein weiterer Fehler.

Ich versuche zwar in den folgenden Runden radikal nur noch Karten mit lila Siegpunktebonus auszulegen, aber das hilft nicht mehr; die Mutanten hatten einen zu großen Vorsprung und gewinnen auch über die Vielzahl ihrer Gebäude. Aber was soll's - die Dreiviertelstunde hat Spaß gemacht, ich will eine Revanche und werde diesmal anders spielen!

Das Schöne an 51st State ist sein Tempo und seine Vielfalt an Aktionen. Man kann ständig handeln, bauen, umwandeln oder plündern, ohne dass es zu langatmigen Passagen des Stillstandes kommt. Sehr gut gefällt mir auch die Sichtbarkeit sowie die mögliche Interaktion mit fremden Hauptquartieren. Verantwortlich für die hohe Dynamik des Spiels sind die vielfach einsetzbaren und ansehnlich illustrierten Karten, die meist universelle Orte darstellen: Auf ihnen erkennt man nicht nur, was man bauen und ernten oder an Fähigkeiten gewinnen, sondern auch was man plündern kann. Man darf also nicht nur gegnerische Gebäude, sondern zudem die "eigenen" Handkarten erobern, falls man so viele Schläger übrig hat. So hat man ständig etwas zu tun, immer viele Optionen und auch mit zwei Spielern entsteht ein knackiger Wettbewerb.

Vier Fraktionen mit leichten Unterschieden


Schon 2010 entführte Ignacy Trzewiczek mit 51st State in die Endzeitwelt. Danach gelang dem Polen mit Robinson Crusoe (2012) ein Geheimtipp für Survival-Fans und spätestens mit Imperial Settlers (2014) auch ein internationaler Erfolg.
Jeder Karte zeigt mit ihrer "Entfernung" an, wie viele Arbeiter man für den Bau, wie viele Händler man für einen Deal oder wie viele Schläger man für die Plünderung bräuchte.
Die vier Fraktionen unterscheiden sich nicht klar durch exklusive Kartensets, sondern lediglich marginal über veränderte Fähigkeiten, die einen bestimmten Spielstil allerdings sanft stärken - beim Tauschen von Pistolen erhalten die Mutanten z.B. drei statt zwei Punks, dafür können die Händler mehr Personal aus Treibstoff ziehen, während die Appalachische Föderation einen Baubonus bekommt etc. Die Spielmechanik ist sehr simpel: Um die Karten zu nutzen, setzt man je nach gewählter Aktion drei Arten von Personalplättchen ein (rote Schläger, blaue Händler, graue Ingenieure), wobei auf der Karte eine Distanz zu erkennen ist - je weiter weg ein Ort desto mehr Plättchen braucht man.

Dabei lohnt sich die clevere Verzahnung von Gebäuden, denn wenn sich ihre Symbole gleichen gibt es oftmals Bauboni in Form direkter Siegpunkte. Oder man bekommt den Luxus der Einlagerung, damit überschüssige Waren und Personal am Ende der eigenen Runde nicht vernichtet wird - was sehr schmerzhaft sein kann. Natürlich braucht man auch etwas Glück beim Kartenziehen, aber es entwickelt sich aufgrund der fehlenden festen Runden ein sehr offener und flotter Wettlauf, bis einer von bis zu vier Spielern beim Erreichen der 25 Punkte die letzten Aktionen einleitet.

Wer etwas Abwechslung sucht, kann diese über die zwei beiliegenden Kartensets hinein mischen. Neben den 88 Karten des normalen Sets sind jeweils 50 Karten "The New Era" sowie "Winter" dabei, die man getrennt oder zusammen integrieren kann; wobei man hier eher auf ein spürbares Thema statt alle Karten auf einmal setzen sollte. Es gibt übrigens auch eine angenehm durchdachte Variante für Solisten, die mit etwas anderem Aufbau gegen eine virtuelle Fraktion antreten können. Dieser imaginäre Gegner zieht und attackiert dann nach klar priorisierten Abläufen.

Was gefällt nicht so gut?

Schon 2010 entführte Ignacy Trzewiczek mit 51st State in die Endzeitwelt. Danach gelang dem Polen mit Robinson Crusoe (2012) ein Geheimtipp für Survival-Fans und spätestens mit Imperial Settlers (2014) auch ein internationaler Erfolg.
Schon 2010 entführte Ignacy Trzewiczek mit 51st State in die Endzeitwelt. Danach gelang dem Polen mit Robinson Crusoe (2012) ein Geheimtipp für Survival-Fans und spätestens mit Imperial Settlers (2014) auch ein internationaler Erfolg.
Dass sich die Fraktionen nur leicht unterschieden ist zwar schade, aber kommt natürlich der Balance zugute. Allerdings vermisse ich in der Endabrechnung neben dem Fokus auf gebaute Gebäude noch eine weitere Alternative, die andere Spielstile belohnen würde - so wirkt das etwas einseitig. Außerdem sind die Möglichkeiten für den Bau sowie kumulative Boni hier natürlich weitaus überschaubarer als etwa im komplexeren Terraforming Mars und lange nicht so clever verzahnt wie im preisgekrönten 7 Wonders. Etwas überflüssig wirken zudem die Polizei-Plättchen, von denen man lediglich eines als zusätzlichen Schutz auf seine Gebäude platzieren kann. Und wer mit "Imperial Settlers" vom selben Autoren zufrieden ist, bekommt hier "nur" eine Variante mit ähnlicher Mechanik.


Fazit

Das 51st State: Master Set inszeniert sehr flotte Kartentaktik mit Basisbau in einem Endzeitszenario. Wer weniger eine komplexe epische, sondern eine schnelle Herausforderung für bis zu vier Spieler mit klarem Ziel sucht, wird hier gut unterhalten, zumal der Wettlauf um Siegpunkte auch zu zweit Laune macht. Man erntet, handelt, baut und plündert unkompliziert, wobei der vielfältige Einsatz der Karten heraussticht - so gibt es nahezu keine Sackgassen, dafür viele mögliche Aktionen. Das Regelwerk wurde gegenüber dem Original aus dem Jahr 2010 an den richtigen Stellen angepasst, so dass sich das Ganze balancierter und spannender anfühlt. Zwar wird man immer noch an Imperial Settlers erinnert, das ja ebenfalls von Ignacy Trzewiczek konzipiert wurde, aber der Spielrhythmus ist hier offener und kompetitiver, zumal man auch aggressiver sein kann. Oder anders: 51st State ist die böse mutierte Turbovariante der etwas familienfreundlicheren Siedler.

Für alle, die eine Wertung vermissen: Wir werden hier nur unsere Highlights vorstellen. Natürlich gibt es auch in der Brettspielwelt einen bunten Mainstream und billigen Murks, aber wir wollen euch alle zwei Wochen kreative Geheimtipps und ungewöhnliche Spieleperlen empfehlen, die man vielleicht nicht in jedem Kaufhaus findet.

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Kommentare

danibua schrieb am
Für mich eines der besseren spiele das ich mir im letzten jahr geholt habe.
51st state ist auch ein game das ich wirklich gerne solo spiele, der gute solomodus sollte jedenfalls auch löblich erwähnt werden.
Für mich ein spiel das in keiner guten sammlung fehlen darf, ausser man fühlt sich mehr von den knubbelnasen in imperial settlers angezogen.
M_Coaster schrieb am
Es ist auch kein Garant für den Spielsieg, allerdings sind 2 Sterne auch wenig. Wer das fokussiert macht, sich die Deals mit Stern draftet kann sehr früh im Spiel jede Runde Punkte einfahren. Mit der Händlergilde geht das noch besser. Da sind am Anfang schnell vier Sterne erreicht und das sind jede Runde 4 Siegpunkte, und bei vier Sternen bleibt es nicht ;) Da bei 25 die Endwertung startet, bleibt den anderen nur wenig Zeit überhaupt so viele Gebäude zu bauen. Die Deals erfordern halt keine Synergien oder Rohstoffe, einmal gebaut laufen sie autark. Ich maße mir nicht an zu sagen das die Balance nicht stimmt, dafür habe ich zu wenige Spiele auf dem Buckel, mir erscheinen die Stern-Deals aber, wenn man wirklich fokussiert drauf spielt, als spielspaßhemmend.
4P|T@xtchef schrieb am
@M_Coaster:
Was du beschreibst, nennt sich "Deal machen": Man bezahlt mit blauen Händlern und legt die Karte oben links unter sein Hauptquartier, so dass man jede Runde den entsprechenden Rohstoff erntet.
Aber dadurch wird die Balance nicht gefährdet, denn genau das beschreibe ich ja im Test.;) Ich habe die Händlergilde gespielt, mich auf Deals konzentriert, sehr viel über diesen Handel eingesackt und trotzdem verloren. Kann natürlich daran liegen, dass ich da oben nur zwei Sterne aka Siegpunkte pro Runde hatte. Aber die Deals haben auch einen entscheidenden Nachteil: Sie bringen im Gegensatz zu den Gebäuden am Ende keine Siegpunkte und sie haben keine sich verstärkenden Boni wie manche "richtig" ausgespielten Karten.
M_Coaster schrieb am
Ein tolles Spiel das mir am Anfang extrem viel Spaß gemacht hat. Ich besitze es nicht selber aber einer aus meiner Spielegruppe hat 51st State. Mein Problem mit dem Spiel ist mir jetzt erst wieder eingefallen wo ich den Test hier gelesen habe - über einen Meinungsaustausch würde ich mich freuen.
Bei 51st State gibt es die Möglichkeit Karten oberhalb des Decks auszuspielen. Diese Gebäude sind nicht gebaut und können nicht zerstört werden, bringen weniger Boni/Symbiosen innerhalb des Spielzugs, dafür aber durch ihr aufgedrucktes Symbols einen Bonus am Anfang des Zugs. Bei uns hat sich herausgestellt das es extrem viele Punkte macht wenn man hier Karten hortet die Siegpunkte bringen. Eine Fraktion ist auf diese Taktik spezialisiert, aber im Grunde können das alle machen. Jede Runde wird der Bonus größer und man rennt den anderen die diese Taktik nicht verfolgen schnell davon. Wer es nebenbei noch schafft Gebäude auf die übliche Art zu bauen, hat am Ende massig Siegpunkte.
Das Spiel wird dadurch a) sehr sehr schnell, heißt andere haben viel weniger Zeit sich zu entwickeln und b) mindert es andere Taktiken.
Liegt es jetzt an unserer Spielgruppe? Wurden die Regeln falsch verstanden?
Raskir schrieb am
Oder anders: 51st State ist die böse mutierte Turbovariante der etwas familienfreundlicheren Siedler.
Hast mich überredet, wird geholt. Liest sich aber schon echt gut. Kurzweilig und interessant für einen Spieleabend. Danke wie immer für den Test
schrieb am

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