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Interview mit Thomas Böcker

Dieses Interview ist nur ein Teil des Themas "Musik im Spiel".



Mehr zu Thomas Böcker im Porträt!
4Players: Sie sind Musikproduzent, haben mit Merregnon einen eigenen Fantasy-Soundtrack veröffentlicht und für die Spielemesse in Leipzig Konzerte veranstaltet - Gratulation! Wie kam es zu dieser musikalischen Karriere?


Thomas Böcker: An Computerspielen und Musik generell war ich schon immer interessiert. Ich beschäftige mich mit beiden Themen seit meiner Kindheit. Ich bin nun in der glücklichen Situation, meine Interessen zu verbinden und sogar zum Beruf gemacht zu haben. Meine erste Erfahrung mit Spielemusik kam durch den Commodore 64. Die Melodien von Chris Hülsbeck oder Rob Hubbard haben mich von Anfang an begeistert. "One Man And His Droid" war gar mein erstes Spiel überhaupt - wofür Herr Hubbard die Klangkulisse beisteuerte.

4Players: Das sind ja die akustischen Urgesteine der frühen Spielewelle. Die Arbeit von Chris Hülsbeck hat Sie besonders inspiriert?

Thomas Böcker: Ja, später auf dem Amiga hat es Herr Hülsbeck endgültig geschafft, mich zu einem großen Fan werden zu lassen. Ich habe jeden Artikel über ihn gesammelt, jeder neuen CD entgegengefiebert. Als ich in meiner Studentenzeit die Chance bekam, ihn für einen Kurzfilm den Soundtrack schreiben zu lassen, war ich natürlich entsprechend glücklich. Über ihn lernte ich später Fabian Del Priore kennen, der mit ihm an "Extreme Assault" gearbeitet hatte.

4Players: Mit dem wiederum ihr eigenes musikalisches Fantasy-Epos Merregnon reifte?

Thomas Böcker: Mit Herrn Del Priore als Hauptkomponist schuf ich das Merregnon-Projekt, das auch all meine anderen musikalischen Idole wie Gustaf Grefberg oder Yuzo Koshiro vereinte. Über Merregnon kamen schließlich die Kontakte, die für die Organisation der Konzerte in Leipzig nötig waren, wie zu unserem Dirigenten Andy Brick oder den Orchestermanager Petr Pycha, denn Merregnon 2 wurde schon 2002 mit einem Live-Orchester aufgenommen. Die Entwicklung kam also Schritt für Schritt, mit Merregnon als essentiellen Bestandteil des Erfolgs - und die Begeisterung für Spielemusik als Motivation. Idealvorstellung war immer, Spielemusik und / oder Spielemusikern eine Plattform zu geben, sich ansprechend präsentieren zu können.

4Players: Fühlen Sie sich eher verwandt mit Akustik-Gurus wie Chris Hülsbeck oder mit den Komponisten der klassischen Musik?

Thomas Böcker: Wichtig ist mir, mich nicht festlegen zu lassen. Ich bin daran interessiert, möglichst viele Stilrichtungen zu erleben. Wer sich Spielemusik genauer anhört wird feststellen, wie breit gefächert dieses Genre daherkommt. Egal ob Techno, Klassik, Westernmusik oder Jazz - all das macht Spielemusik aus und gibt ihr einen besonderen Charme.

4Players: Aber die Klassik nimmt eine besondere Stellung ein?

Thomas Böcker: Sicher: besonders fasziniert bin ich von orchestraler Musik und deren Umsetzung live. In Leipzig haben wir ein 90-köpfiges Orchester, das Spielemusik interpretiert. Das ist für mich beeindruckend, für das Publikum und natürlich auch die Komponisten. Wieviele junge Komponisten bekommen auch sonst die Chance außerhalb der Spielemusik, ihre Werke in dieser Form präsentiert zu hören? Wir sprechen hier von Musikern, die teilweise in den 20ern sind. Wir bieten in vielerlei Hinsicht eine Pionierleistung.

4Players: Wer ist eigentlich an der Produktion von Musik beteiligt? Und wie teuer ist ein Soundtrack für ein Top-Spiel?

Thomas Böcker: Die Antwort muss natürlich lauten, dass sich das nicht pauschal sagen lässt. Selbst in Top-Produktionen variieren diese Faktoren. Generell arbeitet ein Music Director zusammen mit einer Reihe von weiteren Komponisten, wobei er selbst auch Stücke zum Soundtrack beisteuert. Sound Designer für die Soundeffekte sind ebenso Teil des Teams. Dieses Szenario finden wir in Firmen, die Komponisten hauptberuflich einstellen. Oftmals werden jedoch freiberufliche Musiker engagiert. Je nach Produktion kann der Minutenpreis, also der Lohn, bei 500 - 1.000 EUR liegen. Ist das Spiel entsprechend groß und der Komponist erfahren bzw. bekannt genug, ist nach obenhin noch eine Menge Spielraum. Hinzu kommen die Kosten für die Einspielung mit einem Orchester und / oder Chor, die je nach Produktionsland zu Buche schlagen. 50.000 EUR, 150.000 EUR oder mehr sind keine Seltenheit für Top-Produktionen. Bekannte Solokünster wollen natürlich auch bezahlt
werden.

4Players: Gibt es einen Unterschied in der Akzeptanz von Musik zwischen Europa und Asien?

Thomas Böcker: Es gibt einen Unterschied der Akzeptanz bei Spielen ganz allgemein. Ein Land wie Japan, das bereits eine große Anzahl von begeisterten Spielern mitbringt, hat natürlich ein entsprechendes Potential an Hörern der Musik. Einfach gesagt: wenn Millionen Einheiten eines Spiels über den Ladentisch gehen, ist zumindest die Chance größer, dass auch ein Spielesoundtrack mehr Käufer findet. Damit ist es natürlich nicht automatisch getan, aber wer CD-Soundtracks zu Blockbustern wie "Final Fantasy" oder "Dragon Quest" kennt, weiß, wie liebevoll sie produziert worden. D. h. hier stimmt alles: Musik, Bekanntheitsgrad und Präsentation. In Japan hat man genügend Erfahrung auf diesem Gebiet und verkauft dann bei Top-Produktionen teilweise auch 100.000 Einheiten eines Soundtracks oder mehr.


         

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