Samurai Warriors 310.06.2010, Jens Bischoff
Samurai Warriors 3

Im Test:

Mit Samurai Warriors: Katana hatte Koei vor zwei Jahren versucht seiner stagnierenden Metzelserie durch grundlegende Änderungen neues Leben einzuhauchen. Das Experiment ging jedoch ziemlich in die Hose. Kein Wunder also, dass in Samurai Warriors 3 (ab 24,89€ bei kaufen) wieder Altbewährtes aufgetischt wird. Doch war das die richtige Entscheidung?

Klappe zu, Affe tot

So löblich der Versuch auch war, dem auf der Stelle tretenden Warriors-Franchise mit Katana neue Impulse zu verleihen, so ernüchternd war das Resultat. Gut, dass das primitive Ego-Gefuchtel auf Schienen nicht fortgesetzt, sondern ad acta gelegt wurde.

Video: Der Trailer rückt in erster Linie die neuen Charaktere in den Mittelpunkt.Schade jedoch, dass Koei die Experimentierflinte gleich gänzlich ins Korn geworfen und für Samurai Warriors 3 einfach wieder die alte Update-Maschinerie angeschmissen hat: Schnell ein paar frische Figuren und Schlachtfelder geknetet, ein paar laue Story-Süppchen gekocht, die Spielmodi etwas durchgemengt und auf die kooperative Warmhalteplatte gestellt, fertig!

Nichts gegen das Aufwärmen und Verfeinern echter Leckerbissen, aber Koeis Warriors-Menü hat das Verfallsdatum längst überschritten und die Qualität der Zutaten nimmt eher ab als zu. Auch bei Samurai Warriors 3 fragt man sich unweigerlich warum man ausgerechnet das aromatischste Gewürz weggelassen und durch ein modriges Fundstück aus der Rumpelkammer ersetzt hat. Das Sugoroku-Brettspiel aus Teil 2  sorgte bei vielen Fans für ungeahnten Spielspaß, aber statt diesen Lichtblick wieder aufzugreifen und auszubauen, hat man den 24 Jahre alten NES-Disk-Oldie Murasame Castle ausgegraben und in ein unpassendes 3D-Korsett gezwängt. Die Idee ist nett, die Umsetzung jedoch äußerst chaotisch und lieblos. Im Prinzip erinnert das Ergebnis eher an den wohl wegen zu großer Ähnlichkeit gestrichenen Survival-Modus als an den namensgebenden 8Bit-Klassiker Nintendos.

Zweifelhafte Prioritäten

Immerhin kann man Burg Murasame auch kooperativ einen Besuch abstatten und das sowohl via Splitscreen als auch online. Da wären wir aber auch schon beim nächsten Problem: Warum beschränkt sich der Online-Modus auf diese halbgare Dreingabe, während alle anderen Modi nur offline spielbar sind? Von fehlenden Lobbies und Kommunikationsmöglichkeiten während der Teameinsätze ganz zu schwiegen.

Unterm Strich bietet Samurai Warriors 3 viel Altbekanntes und wenig Neues vor technisch kruder Kulisse.
Kein Wunder, dass auf den Servern nichts los ist. Hier hat Koei eindeutig aufs falsche Pferd gesetzt. Auch dass sich der "neue" Historische Modus, bei dem es sich eigentlich um nichts weiter als einen universellen Story-Modus mit 15 chronologischen Schlachten handelt, nur allein bestreiten lässt, sorgt für Stirnrunzeln. Im quasi identisch konzipierten Story-Modus und Freien Modus kann man doch auch zu zweit via Splitscreen zu Werke gehen, warum hier nicht?

Schön ist hingegen, dass man in allen vier Spielmodi neben über 35 vorgefertigten auch mit eigenen, via Editor erstellten Charakteren antreten kann; im "Historischen Modus" ist ein eigener Held sogar Pflicht, weil es sonst wohl zu geschichtlichen Unstimmigkeiten kommen könnte, an denen sich Koei im kooperativen Story-Modus aber auch nicht zu stören scheint. Aber egal, das Charakter- und Schlachtenangebot ist üppig genug, die Charakterpflege dank Erfahrungspunkten sowie Ausrüstungswechseln und -Upgrades durchaus motivierend und die Handhabung, sofern man mit Classic (Pro)- oder GameCube-Controller in den Kampf zieht, sowohl zu Fuß als auch zu Ross sehr eingängig. Mit Remote und Nunchuk sind einige Aktionen hingegen recht umständlich auszuführen, da die Entwickler auf Gestenerkennung komplett verzichtet haben und man so ständig zwischen den nicht sehr ergonomisch angeordneten Tastenverbänden umgreifen muss.

Unterhaltsamer Stumpfsinn

Die knapp 30 charakterspezifischen, je aus einer Handvoll kurzer Schlachten bestehenden Story-Kampagnen wirken mit ihren plumpen Figuren und pathetischen Dialogen zwar ziemlich aufgesetzt und die Präsentation ohne jeden Renderprunk vergleichsweise unspektakulär, aber die Geplänkel an sich können durchaus unterhalten. Man pflügt zwar nach wie vor in erster Linie durch Massen an hirnamputierten Klonarmeen, hin und wieder sind aber auch taktische Überlegungen gefragt, um vorteilhafte Ereignisse auszulösen oder Kampfboni zu erhalten.

Zu zweit macht das monotone Niedermetzeln hirnloser Klonarmeen noch am ehesten Spaß. Das Mehrspielerangebot unterliegt allerdings fragwürdigen Einschränkungen...
Vor allem zu zweit macht der eigentlich öde Metzelalltag Laune, da man sich absprechen und Aufgaben verteilen oder mit vereinten Kräften Spezialangriffe entfesseln kann. Es gibt sogar ein paar gelungene Auflockerungen wie automatisierte Flugpassagen oder manuelle Belagerungsgeschütze. Der Schwierigkeitsgrad ist in mehreren Stufen regulierbar, Haupt- und Nebenziele sind auf der Karte einsehbar, es gibt sogar interaktive Wegfindungshilfen, die vor allem Einsteigern die Orientierung erleichtern.

Technisch wirkt das Schlachtengetümmel allerdings  reichlich antiquiert: Die vernebelten Kulissen sind wenig ansehnlich, die Texturen matschig, die Animationen holprig, die Effekte altbacken, die Sichtweite teils unter aller Kanone. Hinzu kommt eine schlampige PAL-Anpassung, die vor allem die Sequenzen mit üblem Dauerruckeln plagt. Einen optionalen 60Hz-Modus gibt es leider genauso wenig wie Progressive Scan-Unterstützung. Immerhin ist eine unverzerrte Bildausgabe in 16:9 möglich und bei der Sprachausgabe kann man sogar zwischen US-Synchro und japanischem Originalton wählen. Die Untertitel sind hingegen auf deutsch, der fernöstlich inspirierte Soundtrack ganz passabel.    

Fazit

Nach dem gescheiterten Katana -Experiment haben sich Koeis Kreativbemühungen wohl schon erschöpft und so ist man mit Samurai Warriors 3 einfach wieder in alte Muster verfallen. Für eingefleischte Warriors-Fans sicher eine willkommene Entscheidung, aber seien wir mal ehrlich: Der jüngste Ableger hebt sich in keinem Bereich wirklich nennenswert von seinen unzähligen Klonbrüdern ab. Gut, es gibt "neue" Inhalte wie die an den gleichnamigen NES-Oldie angelehnte Burg Murasame, die man sogar online besuchen kann. Was einen dort erwartet ist spielerisch jedoch genauso öde wie der einstige Survival-Modus, der dadurch ersetzt wurde. Warum hat man nicht lieber den nach wie vor im Mittelpunkt stehenden und gerade kooperativ durchaus unterhaltsamen Massenschlachten eine Online-Komponente spendiert oder das in geselliger Runde ungemein spaßige Sugoroku-Brettspiel aus Teil 2 online-tauglich reaktiviert? Kein Warriors-Fan wird erwarten, dass Koei das Rad neu erfindet, aber man kann doch wenigstens verlangen, dass sie gute Ideen weiterführen und ausbauen, statt mit zweifelhaftem Recycling und halbgaren Erweiterungen wie dem warum auch immer nicht kooperativ spielbaren Historischen Modus selbst die treusten Fans irgendwann mit ihrer seelenlosen Update-Melkerei zu vergraulen. Ich wüsste spontan jedenfalls keinen einzigen Grund warum ich mir Samurai Warriors 3 zulegen sollte, wenn ich den auch nicht gerade einfallsreichen, aber insgesamt wesentlich unterhaltsameren Vorgänger im Schrank stehen habe. Gut, reine Wii-Spieler haben kaum Alternativen, aber auf diesen uninspirierten Exklusiv-Titel kann wirklich jeder getrost verzichten...

Pro

unterhaltsame Koop-Action
motivierende Charakterpflege
unkomplizierte Massenschlachten

Kontra

dürftige KI
antiquierte Technik
ideenlose Spielmodi
monotoner Spielverlauf
belanglose Story & Dialoge
schlampige PAL-Anpassung

Wertung

Wii

Altbackenes Massengemetzel mit nach wie vor unterhaltsamem, aber limitiertem Koop-Angebot.

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