Symphony of Destruction
Dingdingding! Gleich zu Beginn der ersten Runde schenken sich die Kontrahenten Big Bad Wurst und Lord Zwiebel nichts, gar nichts: Jab, Jab, Haken, zackzack, ein Schwinger von rechts, Jab, ein Uppercut von links, Zwiebel weicht aus, baut von unten einen mächtigen Haymaker auf, der mit fast übermenschlicher Präzision genau auf das Glaskinn von Wurst trifft und ein ohnmächtiges Opfer findet – waaaah, Lucky Punch, Wurst geht zu Boden!
Zeitlupe, Zeitlupe: in der brillanten, fiesen, beinharten Nahaufnahme tut jeder Sekundenbruchteil doppelt so weh, da knirscht der Knochen, da bröckelt der Zahnschmelz! 1… 2… 3… 4… ha, kein Problem für einen breitkreuzigen Bären wie Wurst, der jetzt den Boxhandschuh durchlädt und sich zur Vergeltung bereit macht. Noch eine kleine Provokation des offiziellen Feindbildes und auf ins Gefecht…
Das ist Next-Gen! Die Kämpfer sehen einfach fantastisch aus.
Wer Fight Night Round 3 auf der Xbox 360 einfach nur sieht, dürfte in den meisten Fällen kurz schlucken, einen schnellen Kontocheck machen und schließlich sofort eine 360 samt Spiel kaufen. Die Optik ist einfach… Next Gen: Freut euch auf perfekt modellierte Athleten, die von Ali über Holyfield bis Frazier ihren lizenzierten Vorbildern bis auf die verbogene Nasenspitze ähneln. Dazu glänzt der Schweiß wie ein nasser Film auf der Haut, Lichtflecken tanzen auf Muskelbergen, der Bizeps bewegt sich hart und bei jedem Treffer fliegt eine kleine Schweißwolke Richtung Scheinwerferlicht davon – herrlich! Die Animationen? Flüssig, übergangsfrei, abwechslungsreich. Die Replays? Irre! Rasant inszeniert, mit fetzigen Blur-Effekten verziert und mit schmerzhaften Zeitlupen-Nahaufnahmen, die bei jedem Treffer nicht nur den Boxhandschuh, sondern auch das Gesicht verzerren: Da schlägt die Haut Wellen, da verbiegt sich der Kiefer, da reibt sich der Chiropraktiker bereits die Hände! Das komplett aus Polygonen bestehende Publikum geht
frenetisch mit der Action mit, grummelt in laueren Phasen vor sich her und springt in heißen Momenten jubelnd und kreischend von den Stühlen. Sehr viel näher an eine echte Box-Übertragung kann man mit aktueller Videogamehardware einfach nicht herankommen.
Zum Vergleich: Xbox- und PS2-Fassung sehen deutlich schlichter aus.
Ernüchterung auf alten Konsolen
Seid ihr schon KO? Schon auf dem Weg zum Shop? Dann reißt euch wieder zusammen, denn es gibt einen Dämpfer für alle, die keine 360 haben: Im direkten Vergleich sehen Xbox- und PS2-Fassung einfach scheiße aus. Hört sich hart und derb an, ist aber genau so. Tatsächlich gleichen sie Round 2, das 2005 hervorragend aussah, fast aufs Pixel. Aber wenn man einmal die 360-Variante gespielt hat, fällt der Griff zu ihnen ziemlich schwer. Darüber hinaus fehlen den Ottonormal-Fassungen praktisch alle Grafikschmankerl: keine brachialen Nahaufnahmen, die Menüs sind schlecht lesbar, die 3D-Modelle deutlich grober, das Bitmap-Publikum rotzhässlich.
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| Dank der exzellenten Steuerung habt ihr massig taktische Kampf- und Ausweichmöglichkeiten. |



