Test zu Killzone: Shadow Fall von unserem Leser "TheInfamousBoss" - 4Players.de

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Science Fiction-Shooter
Entwickler: Guerilla Games
Publisher: Sony
Release:
29.11.2013
Spielinfo Bilder Videos

Durchschnittswertung

72%Gesamt
72%

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Lesertest von TheInfamousBoss

Killzone ist tot. - 25.12.2013
(Wiederbelebung noch möglich)

Mensch, was habe ich in "Killzone 1-3" schon Spaß gehabt. Ganze Helghast-Armeen wurden von mir zersiebt, geköpft, aufgeschlitzt, gemeuchelt, an Wände genagelt und zusammengeschlagen. Im Grunde hätte man nur die (jeweils für die Generationsverhältnisse überragende) Grafiktechnik nochmals verbessern, sowie etwas Feinschliff betreiben müssen, was Story, Missionsdesign und KI-Fehler angeht. Für einen Top-Entwickler wie GG, der stets auf die Fangemeinde gehört hat, eigentlich kein schwieriges Unterfangen.
Herausgekommen ist jedoch ein Spiel, dass den Namen "Killzone" gar nicht mehr verdient. Fast alles ist FUTSCH.

Nach dem verheerenden Megakrieg der ersten Teile ist Helghan unbewohnbar geworden - die Helghast leben auf Vekta, dem Planeten der feindlichen und siegreichen ISA. Getrennt sind die Parteien nur durch eine hohe Mauer. Während die ISA-Seite von Vekta blüht, fristen die chronisch asthmakranken Rotaugen ein ödes Dasein in ihren Slums...und bauen schon wieder an einer tödlichen Waffe. Als Shadow Marshall Lucas Kellen, der in seiner Kindheit während der Umsiedlung der Vektaner auf die andere Seite seinen Vater durch die "Higs" verlor, muss man alles Böse verhindern.

Ja, man ist Shadow Marshall - schon Luger aus Teil 1 war einer (bzw. eine). Was die damals schon konnte, kann Lucas erst recht...nicht: Schleichen. Es gibt vielleicht zweimal im Spiel eine schallgedämpfte Waffe, und die wird einem direkt in die Hand gedrückt. Eigentlich nicht schlimm ist Killzone doch ein Shooter.
Problem: Man ist immer an eine Art Railgun gebunden, die mit blauem Mündungsfeuer den Spieler (nicht die Gegner) blendet und völlig unbefriedigend ins Jenseits befördert. Wegwerfen geht nicht. Man kann auch andere Waffen aufheben, doch die sind völlig unnötig: Die Railgun kann alles, die restlichen Waffen sind allesamt schwächer. Vorbei sind die Zeiten, in denen man noch eine Pumpgun aufgehoben hat, um einen Vorteil zu haben...oder Köpfe wegzuschießen. Auch das war mal.
Noch dazu fehlt jegliches Waffendesign, denn alle Waffen sind nun so billig modelliert und ohne Erkennungswert, dass Killzone-Herzen bluten müssen. Die neuen Nachladeanimationen fallen auch ab (schön, dass noch einige altbekannte dabei sind), alles ist übertrieben Sci-Fi-mäßig, und die fein detaillierten Visiere sind auch Vergangenheit. Man hat jetzt fette, rote oder blaue Visierpunkte, um ja nicht daneben zu schießen. Als Trefferfeedback gibts ein rotes X, statt wie früher nur die Blutspritzer.

Grafisch gesehen ist das Spiel eigentlich hervorragend, denn die Texturen sind teils ultrascharf, die Animationen stimmen und die Charaktere sind extrem detailliert. Dank Lensflare (die durch Regisseur JJ Abrams bekannt gewordenen Lichtspiegelungen auf der Kamera), welches selbst in dunkelsten Ecken präsent ist, sowie allgemein sehr heller Farbgebung kann man kaum was von der Qualität erkennen. Auch Gegner, die man mithilfe des Roboter-Sidekicks OWL markieren kann, werden nur orange markiert. Warum nicht dunkel? Das Wort "GrafikBLENDER" passt perfekt.
Ihr könnt mir glauben, dass mir kotzübel war durch soviel Reizüberflutung.
Dass jegliche düstere Atmosphäre verschwunden ist, dürfte klar sein.

Die Gegner waren stets das Markenzeichen der Reihe - hier sind sie nur noch ein Schatten ihrer selbst (nicht nur dank der Story). Statt Standardfeinden, die selbst mit einer Standardkugelsalve aus dem Standardgewehr tödlich sein konnten, nimmt man es nun mit 20 Gegnern gleichzeitig auf: 5x Standard, 10x mit Energieschild gepanzert (Gott, wie peinlich), 5x sich herumbeamende Sniper (kein Scheiß, Cloakmodus allein reicht wohl nicht), deren Ziellaser nun natürlich auch nicht mehr erkennbar sind.

Bei sovielen Gegnern sollte man froh sein, dass es das tolle Deckungsfeature noch gibt, oder? Beantwortet die Frage bitte selbst: Wie oft seid ihr eigentlich in einem Durchlauf in Deckung gegangen, bzw. wie oft hat man im Spiel die Gelegenheit dazu? Ich könnte die Stellen fast an einem Finger abzählen.

Wie schön auch, dass die Gegner nach dem Krieg auch um Ihre Intelligenz beraubt worden sind. Keine Flankierungen, keine Granaten, keine Bedrohung mehr. Aber vielleicht werden sie nur durch die Lensflares geblendet...
Über fehlende KI kann man sich logischerweise bei den nervigen Kamikaze-Roboter-Spinnchen nicht beschweren, die einen öfter ins Schwitzen bringen, als Ihre rotäugigen Erschaffer.

Die Action rockt nicht mehr, alles ist hochglanzpoliert, die Waffen sind nur noch öde... Was ist denn überhaupt gut an diesem Spiel?
Naja, der Sound an sich ist ziemlich gut, die Steuerung hervorragend präzise (bis auf das Touchpad-Gewische fürs OWL), und man kehrt nach Helghan zurück - jedoch kriegt man es auch hier nur mit Robotern zu tun. KOTZEN.
Zwischendurch muss man Geschickleitssequenzen in bester "Mirrors Edge"-Manier zigmal wiederholen, bis man irgendwann durch Glück überlebt.

Killzone 2 war bedrückend. Man marschierte durch enge,
Pro
  • verwitterte Gassen, Slums und Industriekomplexe, und fühlte die Bedrohung an jeder Ecke. Kündigte sich ein einziger Helghast durch seinen Schattenwurf an, wurde es schon spannend.
  • Da sich viele beschwerten, dass es zu "düster, bedrückend und grau" sei (Pussies), bot Teil 3 mehr Farbe, Abwechslung und offenere Gefechte, führte die Reihe jedoch gekonnt weiter und lies die altbekannte Killzone-Atmosphäre nicht missen.
  • Warum nun all das fehlt und das Spiel nur noch ein generischer Sci-Fi-Shooter ist, wissen nur die Entwickler. Das einzige, was einen an die Vorgänger erinnert, ist ein Ort namens "Templar Point" (genau hinhören). Aber Templar ist ja auch schon seit Teil 2 tot. Was aus den anderen Charakteren wie Rico und Sev geworden ist, wird nie erklärt. Aber die haben ja auch nur zigmal Vekta gerettet.
  • Da viele Spieler der (richtigen) Meinung waren, dass die ISA kaum weniger zimperlich vorgeht als die Helghast, und als skrupellose Eroberer auch keinen Deut besser ist, wollten sie den
Kontra
  • Konflikt mal mit anderen Augen sehen.
  • ACHTUNG, AB JETZT STORYSPOILER -
  • Ergebis: Man schießt sich durch hunderte Feinde, verweigert Befehle der neuen Vaterfigur (zugleich Ausbilder), muss sich in ruhigen Szenen von Helghast anhören, wie sie durch die böse ISA ihre Familien verloren haben (bis jetzt super!)... und nach Ablauf des Skripts die Railgun zücken und den gesamten Bereich von Helghast säubern. Dass man selbst zu den Bösen gehört, soll man nicht wissen, bis das Spiel es einem vorhält, jedoch völlig inkonsequent.
  • Ihr kennt doch sicher die Story vom Politiker Dick Chaney: Der Kerl hat bei der Jagd ausversehen einem Fußgänger mit seiner Schrotflinte ins Gesicht geschossen, und das Opfer musste sich dafür entschuldigen.
  • Und wen spielt man hier? Dick Chaney!
  • Ich würde noch weniger Punkte vergeben, aber dann wäre "Mirrors Edge" deutlich besser, und das darf ja nicht sein.
  • Zum MP: Öde, "blendend", einfallslos, vergessen nach 10 Minuten.
  • Schade um die 64,99 und um die Reihe.
 

Killzone: Shadow Fall

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