Test zu Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain von unserem Leser "sf2000" - 4Players.de

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Stealth-Action
Entwickler: Kojima Productions
Publisher: Konami
Release:
01.09.2015
01.09.2015
01.09.2015
01.09.2015
01.09.2015
Spielinfo Bilder Videos

Durchschnittswertung

69%Gesamt
78%
83%
70%
58%
50%

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Lesertest von sf2000

"Metal Gear Solid" war für mich bisher nur ein Name, und bis zur Veröffentlichung von "Phantom Pain" geistig einsortiert unter "sowas wie Call of Duty" (ja, Sünder, Frevel etc. pp), Hauptgrund dafür, dass ich es nicht angefaßt habe.

Entsprechend habe ich nicht die Nostalgiebrille auf und muss mich mit der schwerwiegenden Frage auseinandersetzen, wie sich dieser Teil im Vergleich zu anderen schlägt, und entsprechend fällt auch Dev-Worship als Wertungsbestandteil aus.

Und das hat dazu geführt, dass ich diesen Vogel nach dem Tutorial fast in die Ecke geschossen hätte. Das Tutorial, wohl eher "Prolog" genannt, ist für jemanden, der noch nie Kontakt zu dem Franchise hatte, eine absolute Katastrophe. Nicht nur wird man Zeuge der größten Schwächen des Spiels - einer eher eigenwilligen Steuerung, vor allem mit Tastatur und Maus, einer störungsanfälligen Kameraführung und der rasch überforderten KI. In diesen ersten Szenen ist das Spiel leider auch nur mässig inspiriertes Kino, in das man beizeiten anfallsartig als Spieler eingreifen darf, um nach 3 tapsenden Schritten wieder in den TV-Modus zurückgeworfen zu werden.

Schwerwiegender ist allerdings, dass der gezeigte Film absolut nicht nachvollziehbar ist, wenn man mit vorherigen Teilen nicht vertraut ist, und selbst auf dieser Basis bereits mit gruseligen Fehlern in seiner erzählerischen Logik aufwartet. Die zwischen Fanfic-Fluff und groteskem Schwachsinn balancierende Story, soviel sei gesagt, setzt sich fort.

Der jungfräuliche MGS-Spieler sitzt nach einer Stunde dieses Teils allerdings mit weit schwerwiegenderen Fragen vorm Bildschirm. Bin ich der Typ mit dem Haken? Wer ist der Typ mit dem Haken? Warum spiele ich nicht den Badass, der mich permanent rettet (immerhin, das wird durch den Unfalltod des besagten Heroen beantwortet). Weiss man bei Konami, wie Feuer funktioniert? Ist der brennende Mann auf dem Pferd mein Freund (er rettet mich fast noch häufiger als der Patient)? Warum ist da ein brennender Mann auf einem Pferd? Warum hat man nicht noch zwei Tage länger gewartet, bis man mich umbringt - ich meine, nach 9 Jahren hätte man mir wenigstens den Skinjob gönnen können, den ich echt dringend brauche? Wie habe ich es geschafft, während einer Schiffsreiser meine Muskelmasse zu verdreifachen? Und ja, die Russen sind in Afghanistan, den Teil kenne ich, warum genau ist es aber meine religiös anmutende Mission, "meine" Privatarmee aufzubauen? Habe ich da Erfahrung drin? Ich habe Probleme, das kreuzzugartigen Pathos mit dem Organisieren prviater Streitkräfte zusammen zu bringen, und dann auch noch Afghanistan...? - bin ich sowas wie Bin Laden? Uh, ok...
Ist der Cowboy mit den Shampoo-Werbung-Haaren mein Exfreund? Er sendet mir seltsame Signale.

Warum beschreibe ich diese Reaktion? Aus zwei Gründen: Auch jetzt, 20 Stunden später, habe ich keine Ahnung, was ich da eigentlich treibe; wer mit der Erzählung der vorherigen Teile nicht vertraut ist, bleibt ziemlich verloren, die Audio-Logs, wenn man sie dann mehr aus Zufall gefunden hat, helfen nur bedingt. Und auch, wenn ich mich darauf verlegt habe, die Erzählung unter der Rubrik JRPG abzuhaken, ihr also ihre Abwegigkeit und "spezielle" Logik als exotischen Charme durchgehen zu lassen, was auch die verhaltensorginellen Figuren einschließt, starre ich in regelmäßigen Abständen in Plotlöcher, die ich mit meinem kleinen Menschenverstand nicht zu überbrücken weiss, könnte also Schwachsinn sein.
Aber eben auch, um anzudeuten, wie gut der Rest sein muss, um nach diesem
Einstieg und mit diesem erzählerischen Background eben doch schon seit 20 Stunden in Afghanistan unterwegs zu sein. Diese Stärken addieren sich aber eben nicht zu einer 100er-Wertung, und das ich nicht selten erwartet habe, plötzlich Geralt of Rivia auf dem Pferd sitzen zu sehen, soll andeuten, wie gut das ganze war - aber eben auch, wie erreichbar (im Gegensatz zu unerreichbar).
Pro
  • ein großartiger Stealth-Sandkasten
  • Lovechild von Agent 47 und Gerald of Rivia
Kontra
  • schwach portiert, vor allem hinsichtlich der Steuerung
  • erzählerisch bestenfalls ignorierbar
 

Metal Gear Solid 5: The Phanto...

Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain
sf2000
sf2000 18.09.2015 PC 
85%
3 1

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