Der 4Players Kommentar: Remakes? Ja, bitte!

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Kommentar

hundertprozent subjektiv

KW 48
Dienstag, 25.11.2014

Remakes? Ja, bitte!


Da steht sie im Regal: Die Indiana-Jones-Trilogie. Auf VHS. Meine Güte, was ist das lange her. Dabei habe ich den Rekorder gar nicht mehr angeschlossen und irgendwo gut verstaut. Was für ein Glück, dass ich mir viele Jahre später alle drei Filme noch mal in einer schicken Sammler-Edition gekauft habe - dieses Mal auf DVD. Endlich kein lästiges Spulen mehr, ein Top-Bild plus die englische Original-Tonspur, die ich sogar in einer 5.1-Abmischung genießen darf. Was für ein Fortschritt gegenüber dem alten Videoband! Mittlerweile schwingt Indy dank Blu-ray auch im knackscharfen HD-Bild und wuchtigen HD-Ton die Peitsche - und es war nur eine Frage der Zeit (und des Preises), bis auch diese aktuellen und modernen Versionen der Klassiker den Weg in meine Sammlung finden würden - und das, obwohl man über die neue Farbgebung des restaurierten Bildes durchaus geteilter Meinung sein kann, weil die Nachbearbeitung das Original visuell auf jeden Fall verfälscht.

Und Indy ist nicht alleine: Neben zahlreichen Lieblingsfilmen finden sich mittlerweile immer mehr Spiele in doppelter Ausführung in meinem Regal oder digitalen Bibliotheken. Beyond Good & Evil HD, Splinter Cell HD, Shadow of the Colossus HD, Resident Evil 4 HD, die God of War HD Collection – um nur einige Titel zu nennen, die im Rahmen der Schönheitsoperation einen neuen Anstrich bekamen und teilweise sogar mit weiteren Extras wie einer 3D-Unterstützung oder verbesserten Darstellung aufwarten konnten. Wer will da noch zur SD-Variante des Originals zurückkehren?

Pauschalisieren lässt sich das natürlich nicht: Genau wie manche Filmstudios einfach nur das DVD-Material auf die Blu-ray packen, hält sich auch der Aufwand mancher HD-Upgrades von Spielen in Grenzen. Vor allem bei Ubisoft schien man die Höhepunkte des eigenen Sortiments, darunter z.B. die Prince of Persia Trilogie, einfach nur schnell und ohne große Sorgfalt durch den Konverter gejagt zu haben, um schnell und ohne großen Aufwand doppelt Kasse machen zu können. Aber auch Hersteller wie Konami schlampten bei ihren Neuauflagen – man denke nur an die grausige Silent Hill HD Collection. Das Ergebnis: Die Neuauflagen waren trotz schickerer Grafik oft sogar schlechter als das Original! Und so klebte an der erhofften Modernisierung nicht selten der widerliche Gestank der schamlosen Abzocke.

Das kann es natürlich nicht sein. Und wenn ich hier lauthals "Remakes? Ja, bitte" schreie, habe ich bei dieser Forderung eher aufwändige Produktionen wie Halo: Anniversary, Metal Gear Solid: The Twin Snakes oder das großartige GameCube-Remake von Resident Evil im Sinn. Also Neuauflagen, bei denen der Geist des Originals möglichst gut erhalten bleibt, aber gleichzeitig eine aufwändige Restauration betrieben wird, anstatt die Daten schnell durch den Konverter zu jagen und lediglich ein paar Texturen hoch zu skalieren.

Denn so sehr ich viele meiner alten Spiele auch liebe und in wohligen Erinnerungen schwelge: Schaue ich mir heute einige Klassiker aus den Neunzigern an, hilft gerade bei den frühen 3D-Spielen auch keine Nostalgie-Brille mehr und die Realität schlägt mir erbarmungslos ins Gesicht! Nein, viele der alten Kult-Titel sehen heute einfach nicht mehr gut und zeitgemäß aus. Und das ist umso trauriger, wenn die inhaltlichen Stärken der Oldies selbst aktuelle Vertreter „alt“ aussehen lassen. Das ist kein Beinbruch. Tatsächlich spricht es umso mehr für den Klassiker, wenn er auch ohne moderne Technik-Waffen mit seinen inneren Werten die Konkurrenz von heute deklassiert. Aber Augen und Ohren spielen halt doch irgendwie mit. Wie sehr würde ich mir z.B. wünschen, No One Lives Forever mit einer modernen Technik neu erleben zu dürfen. Wie cool wäre ein Pirates! mit der Engine-Power eines Assassin's Creed: Unity? Ein aufwändig produziertes Remake von Wing Commander würde ich wahrscheinlich jedem Star Citizen und dessen fragwürdigen MMO-Ambitionen vorziehen. Ein Duke Nukem 3D mit der Unreal Engine 4? Nehm ich! Sofort! Jedenfalls lieber als den nächsten x-beliebigen Shooter, der wieder so sein will wie Call of Duty und dabei die Mainstream-Kompatibilität über Kreativität und Anspruch stellt. Oder nehmen wir aus aktuellem Anlass BioWare: Was würden ich und viele andere Star-Wars-Fans für eine Neuauflage von Knights of the Old Republic geben? Oder man stelle sich ein Baldur's Gate mit Charakteren und Kulissen vor, die mit der Frostbite-Power zum Leben erweckt werden – von VHS zur Blu-ray! Es gibt so viele alte Schätze da draußen, die selbst in ihrer ursprünglichen Version mit vielen modernen Vertretern den Boden aufwischen, weil sie inhaltlich eben mehr zu bieten hatten, als immer wieder irgendwelche Ubi-Türme zu erobern oder in einem Rollenspiel mit Ping-Unterstützung die Schatzsuche zu entzaubern. Es gibt mehr als genug Gründe, warum es sich lohnt, den Klassikern mindestens eine zweite Chance zu geben.

Die Hersteller müssten viel mehr Mut dazu haben, die Perlen ihres Archivs mit viel Liebe und Sorgfalt aufzubereiten, um nicht nur die eigene Videospiel-Geschichte am Leben zu halten, sondern auch Nachwuchs-Spielern von heute die großen, prägenden Erlebnisse von gestern mit einer modernen Fassung oder einer gelungenen Neu-Interpretation im Stil von Silent Hill: Shattered Memories näher zu bringen. Dass dafür ein gewisses Fingerspitzengefühl notwendig ist, versteht sich von selbst. Und dass eine solche Restaurierung gehörig nach hinten losgehen kann, zeigte zuletzt z.B. die Neuauflage von Gabriel Knight: Sins of the Fathers, bei der der Geist des Originals im Rahmen der Modernisierung zu stark beeinträchtigt wurde. Um abschließend wieder die Brücke zur Filmindustrie zu schlagen: Ich würde mir von den Spieleherstellern mehr Remakes wünschen, die sich handwerklich am Aufwand orientieren, der z.B. für die Wiederveröffentlichung von Ridley Scotts Alien betrieben wurde. Dank der technischen Überarbeitung erstrahlte der Film-Klassiker in einem neuen FullHD-Glanz, behielt aber gleichzeitig die Atmosphäre und inhaltliche Qualität des Originals bei. Oder nehmen wir Grand Theft Auto 5 für PS4 und Xbox One: Eigentlich ist das Spiel ja eher eine verspätete Umsetzung als ein waschechtes Remake. Aber gleichzeitig ist es für mich ein aktuelles Paradebeispiel, wie man mit entsprechender Hingabe, willkommenen Ergänzungen (Stichwort: Ego-Perspektive) und technischem Fortschritt auch den großen Klassikern der Videospiel-Geschichte zu einer ehrwürdigen Renaissance verhelfen könnte. Wenn schon Remakes, dann bitte so!

Und wenn ich schon das Gangster-Epos von Rockstar heran ziehe, möchte ich auch noch eine Lanze für die Remastered-Editionen von Spielen brechen, zu denen auch die großartige PS4-Umsetzung von The Last of Us zählt. Selbstverständlich schwingt auch hier der Verdacht der Abzocke mit, wenn man nach so kurzer Zeit einen Titel neu auflegt und erneut zum Vollpreis in die Läden stellt. Deshalb wären eine Rabatt-Aktion oder zusätzliche Inhalte für Besitzer des Originals ein feiner Zug – und das sehen erfreulicherweise auch die ersten Hersteller so, bieten teilweise sogar kostenlose Upgrades auf die Next-Gen-Versionen (z.B. Call of Duty: Advanced Warfare) an. Es ist halt leider so, dass durch den Wegfall der Abwärtskompatibilität und mangels alter Geräte viele Spieler nicht mehr so einfach in den Genuss kommen, die Hits der Vergangenheit zu erleben. Ich finde es gut, dass Besitzern neuer Systeme zumindest die Gelegenheit angeboten wird, sie in der Form von Remakes nachzuholen – und das sogar oft besser als bei der ursprünglichen Vorlage. Zudem bringen die Neuauflagen einen weiteren großen Vorteil mit sich: Sie schließen die Lücken im Spiele-Nachschub, unter denen neue Plattformen früher oder später immer zu leiden haben. Und nicht nur das, denn wenn ich mir das aktuelle Angebot für die PS4 und One ansehe, übertreffen sie hinsichtlich der gebotenen Qualität sogar oft die zunehmend bugverseuchten Neuerscheinungen und markieren inhaltlich nicht nur Höhepunkte in der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart.

Michael Krosta
Redakteur
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Geschichten aus der Welt der Videospiele
Ausgewählte Kolumnen von Jörg Luibl, Chefredakteur bei 4Players.de, in einem Taschenbuch des CSW-Verlags.

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Kommentare

padi3 schrieb am
ich bin auch absoluter fan von Remakes. die leute meckern nur da, wo es sich nicht um die von ihnen gewünschten titel handelt. tun dann so, als entstünden nachteile für die spieleentwicklung. heuchler.
für neue spiele braucht es vorher Ideen. gibt es die für ein neues Bioshock? wenn nicht, dann bitte ich um ein neues System Shock.
Eirulan schrieb am
DextersKomplize hat geschrieben:Klar, zum Vollpreis. Die Spiele haben einen damals nur so geflasht weil sie "urgeil" aussahen und es schon ein Highlight war, wenn alles flüssig lief und man etwas im Weltraum ballern konnte. Gab doch so nix vergleichbares. Quasi ein spielbarer Minifilm im Spiel. Heute würde man da gnadenlos niedergebrüllt werden für(zu wenig Interaktion, bla bla).
Oder war WC bspw. der spielerische Oberknaller und wir waren zu jung um es zu sehen? ;)
Ich glaube iwie nicht. Und manches sollte man einfach in guter Erinnerung behalten.
Und Magic Carpet. Ich weiß ich habs viel als kl Bub auf der PS1 gezockt. Worum gings da nochmal? Hatte das SPiel eigentlich irgendeinen Sinn ausser völlig orientierungslos über die Map zu fliegen und iwas umzuballern/umzuwandeln?
Also zumindest damals hat es gar keinen Sinn, aber immerhin Spaß gemacht :lol:

Okay WC hat damals tatsächlich auch viel von seiner Präsentation profitiert - wie eigentlich alle Origin-Titel...
Aber auf Tie Fighter (!!), Privateer, Magic Carpet lasse ich auch heute noch nichts kommen. Zeitlose Klassiker.
Wie geil wäre denn bitte ein Tie Fighter Remake mit der Engine von Star Citizen :lol:
Armin schrieb am
Ja "z.B. Ufo" ist aber was anderes als heute noch Wing Commander zu spielen. Ufo ist einzigartig, kaum gealtert und kaum besser nachgemacht. Zock ich auch noch oft. Das heisst doch nicht automatisch, dass WC auch noch Spass macht.
Brakiri schrieb am
DextersKomplize hat geschrieben:Klar, zum Vollpreis. Die Spiele haben einen damals nur so geflasht weil sie "urgeil" aussahen und es schon ein Highlight war, wenn alles flüssig lief und man etwas im Weltraum ballern konnte. Gab doch so nix vergleichbares. Quasi ein spielbarer Minifilm im Spiel. Heute würde man da gnadenlos niedergebrüllt werden für(zu wenig Interaktion, bla bla).
Oder war WC bspw. der spielerische Oberknaller und wir waren zu jung um es zu sehen? ;)
Ich glaube iwie nicht. Und manches sollte man einfach in guter Erinnerung behalten.
Und Magic Carpet. Ich weiß ich habs viel als kl Bub auf der PS1 gezockt. Worum gings da nochmal? Hatte das SPiel eigentlich irgendeinen Sinn ausser völlig orientierungslos über die Map zu fliegen und iwas umzuballern/umzuwandeln?
Also zumindest damals hat es gar keinen Sinn, aber immerhin Spaß gemacht :lol:

Naja, das ist sehr zynisch betrachtet und stimmt mMn auch nicht ganz.
Wing Commander sah scheisse aus, MCGA-Bröckchensalat.
Schleichfahrt hatte eine tolle Welt, witzige Sprüche, gute Missionen und die Mission wo die Systeme ausfallen und der schwarze Biontenkreuzer aus dem Unterwassercanyon aufsteigt sorgt sicher heute immer noch für Gänsehaut.
Was interaktion und Gameplay angeht, da haben wir keinen Schritt nach vorne gemacht. Da müssen sich diese alten Spiele kein bisschen verstecken.
WC, Privateer, TIE-Fighter, Schleichfahrt..alles Ausnahmespiele die mir auch heute noch saumässig Spass machen würden.
Woher ich das weiss? Weil ich des öfteren alte Spiele spiele, z.B. UFO und sie mich auf eine Art und Weise fesseln, wie ich das heute nur noch sehr selten erlebe.
PS: Den Vorspanntext von Magic Carpet kenne ich immer noch auswendig ;)
ZackeZells schrieb am
Ich würde gerne ein Remake zu Shadowrun sehen, erschienen 1993 auf dem SneS. Published wurde es wohl von DataEast, sofern ich mich recht erinnere.
Das Kickstarter Shadowrun, schön und gut, jedoch konnte ich mir das nicht länger als 30 Minuten antun....
schrieb am

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