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KW 46
Donnerstag, 16.11.2017

Xbox One X: Starke Hardware, nichts dahinter?


So, jetzt hat Microsoft mit seiner Xbox One X endlich auch ein Hardware-Upgrade am Start und gleichzeitig die PlayStation 4 Pro als die neue leistungsstärkste Konsole der Welt, ach was, des gesamten Universums abgelöst. Endlich gibt es ein richtiges, natives und knackscharfes 4K anstatt dieses aufskalierte Pseudo-Checkerboard-UHD-Gedöns von Sony. Lasst die Champagnerkorken knallen, die Zukunft des Gamings hat begonnen, mit dem 4K-Fernseher, HDR & Co endlich eine Daseinsberechtigung bekommen.

Warum in den Aufbau fähiger Studios oder gar neuer Marken investieren, wenn man dafür jetzt Kracher wie Halo 3, Fallout 3 oder Disneyland Adventures nach der 4K-HDR-Patch-Behandlung endlich in voller Pracht genießen kann? Wer will schon noch auf einer alten Xbox zocken, wenn selbst aktuelle Titel wie Forza Motorsport 7 auf der Xbox One X neu geboren werden, wie es das Marketing-Geschwätz aus Redmond verspricht?

Keine Frage: Die Xbox One X ist ein feines Stück Hardware! Und wenn man bedenkt, was zum Preis von knapp 500 Euro an Leistung und Technik in dem verhältnismäßig kleinen Gehäuse mit seiner leider ebenso kleinen Festplatte steckt, bekommt man nicht nur als Grafik- und Soundfetischist ein Leuchten in den Augen. Die Xbox One X erinnert an eine Zeit, als Konsolen noch massiv subventionierte Kraftpakete mit edlen Komponenten waren, mit denen man den besten Grafikkarten eines PC noch auf Augenhöhe begegnen konnte. Doch sie steht leider nicht für die Zeit, in der man Killer-Apps wie Halo oder Project Gotham Racing nur exklusiv auf dieser Plattform erleben konnte. Dafür hat Microsoft mit seiner Initiative Xbox Play Anywhere selbst gesorgt, die sicher und speziell für PC-Spieler mit Windows 10 einige Vorteile mit sich bringt, der Attraktivität der Konsole aber schadet.

Man kauft sich eine PlayStation 4, um auf ihr die exklusiven Perlen vom Schlag eines Uncharted oder kreative Langzeitprojekte wie The Last Guardian zu erleben. Die Switch übt nicht mit einem abgespeckten FIFA 18, sondern einem Super Mario Odyssey den besonderen Reiz aus. Und die Xbox? Dort versucht man es mit den wenigen eigenen Marken und damit lediglich weiteren Fortsetzungen zu Forza Motorsport, Gears of War & Co, die mittlerweile nicht nur an Ermüdungserscheinungen leiden, sondern alternativ auch am PC gespielt werden können. Durch seine fragwürdige strategische Ausrichtung hat es Microsoft versäumt, dem erfolgreichen Vorbild von Sony zu folgen und ebenfalls eine Studiofamilie aufzubauen, die sich sowohl mit qualitativ beeindruckenden AAA-Produktionen als auch experimentellen sowie künstlerisch wertvollen Titeln auszeichnet. Vor allem aber: die auch neue Marken und frische Spielerlebnisse erschafft. Die Veröffentlichung der Xbox One X wäre der perfekte Zeitpunkt für die Vorstellung und Veröffentlichung einer neuen IP gewesen, mit der man gleichzeitig auch die imposanten technischen Qualitäten der Hardware hätte demonstrieren können.

Aber nein, das geht ja nicht, weil man die X nicht als Startschuss für eine neue Konsolengeneration vermarktet, sondern als ein Pendant zu PlayStation 4 Pro, mit dem man Besitzern von modernem Equipment wie 4K-Fernsehern oder Audio-Setups mit Dolby Atmos nur eine bessere Alternative zur Standard-Version geben will. Aber wieso eigentlich? Bei Sony ergibt diese Entscheidung aufgrund des überschaubaren Leistungszuwachses bei der Pro-Variante noch einen gewissen Sinn, doch in der Xbox One X steckt so viel mehr Power, dass man sie auch problemlos als Nachfolger der Xbox One hätte etablieren können. Vielleicht wäre es tatsächlich besser gewesen, an dieser Stelle einen Schlussstrich unter die Standard-Version zu ziehen, die seit ihrem holprigen Start und dem technischen sowie wirtschaftlichen Hintertreffen gegenüber der PlayStation 4 ohnehin nie unter einem guten Stern stand. Wahrscheinlich wird es sogar eher früher als später soweit sein, bis das erste Spiel nur noch auf der neuen Konsole veröffentlicht wird.

Warum auch nicht? Es wäre schade, wenn all die zusätzliche Leistung nur für ein paar hübschere Texturen und eine schickere Beleuchtung genutzt werden würde. Will man wirklich dauerhaft auf Rücksicht auf die schwächere Hardware des Standard-Modells Kompromisse eingehen und auf Umsetzungen von Features wie einer größeren Spieleranzahl bei Multiplayer-Partien verzichten? Schon jetzt wird an Beispielen wie Project Cars 2 deutlich, dass manche Entwickler gar nicht mehr den Aufwand betreiben, ihre Spiele noch für die ursprüngliche Hardware der Xbox One zu optimieren – ein trauriger Trend, der schon bei der Spaltung zwischen PS4 und PS4 Pro seine dunklen Schatten voraus geworfen hat. Aber warum teure Zeit und Ressourcen für Optimierungen verschwenden, wenn man die Kosten einfach auf den Spieler abwälzen kann? Wer eine durchweg flüssige Darstellung will, der soll sich halt die potenteren Hardware anschaffen. Das ist der Fluch, den die Upgrade-Konsolen heraufbeschworen haben! Auf der anderen Seite: Wenn ich mir das vorbildlich optimierte Forza Motorsport 7 auf der normalen Xbox One und anschließend auf der X anschaue, dann sehe ich bei dem Vergleich weder die angepriesene Neugeburt der Rennsimulation noch einen echten Kaufgrund für die stärkere Konsole.

Ich bin gespannt, ob und wie es Microsoft gelingen wird, die Spieler nur mit dem Versprechen der überragenden Hardware-Power für sein Hightech-Gerät zu begeistern. Das Problem der Xbox One X ist sicher nicht die Leistung. Trotzdem wirkt die Konsole aktuell wie ein edler Ferrari, bei dem man vorerst noch mit einem getunten Golf-Motor unter der Haube Vorlieb nehmen muss. Wo Sony mit seinem Ausblick auf 2018 eine attraktive Perspektive aufzeigt und selbst Nintendo mit dem neuen Metroid einen potenziellen Anreiz für seine Switch schafft, herrscht bei Microsoft eine erschreckende Leere. Erst jetzt will man nach der Aussage von Phil Spencer verstärkt in den Ausbau der eigenen Studios und Entwicklungen investieren. In Redmond scheint man also langsam zu begreifen, dass nicht nur eine leistungsfähige Hardware, sondern in erster Linie eine exklusive Softwareunterstützung mit starken Marken und qualitativ hochwertigen Eigenproduktionen zum Erfolg einer Plattform beitragen. Bleibt zu hoffen, dass den Entscheidungsträgern da nicht etwas zu spät ein Licht aufgegangen ist...


Michael Krosta
Redakteur
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Geschichten aus der Welt der Videospiele
Ausgewählte Kolumnen von Jörg Luibl, Chefredakteur bei 4Players.de, in einem Taschenbuch des CSW-Verlags.

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Kommentare

BetaSword schrieb am
Echt krasse Sache, Michael hat das ganze Universum bereist, und festgestellt, dass es nirgends eine Konsole gibt, die Leistungsstärker ist.
Oder ist er sich etwa sicher, das wir die wirklich-einzigen Intelligenten Lebewesen im Universum sind?, und damit so eine Behauptung aufstellen kann?
Kuttelfisch schrieb am
LaggyNET hat geschrieben: ?
16.11.2017 19:29
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum immer Exklusive Spiele gefordert werden. Das ist aus Konsumer Sicher das schlechteste Was passieren kann. Angenommen, es gäbe nicht zwei, sondern fünf große Konsolen. Wenn jetzt jeder der Hersteller tolle Eklusive Games hat, jede Konsole 400-500? kostet und alle hersteller alle zwei-drei Jahre neue Konsolen rausbringen, dann wird es quasi unbezahlbar, überhaupt einen großteil der Exklusivspiele zu spielen, da man dann quasi verpflichtet wäre, zwei, drei oder vier Konsolen zu kaufen. Von allen brauchen wir gar nicht erst reden...
Wie man sowas befürworten und unterstützen kann, ist mir ein Rätsel. Das ganze ist auch im Sinne von Umweltschutz eine Sauerei. Ich bin beim besten Willen kein Ökofuzzi, aber ich finds schon irgendwo lächerlich, dass ich nen leistungsstarken Gaming PC habe, mir aber praktisch die "gleiche" Hardware nur mit anderem Gehäuse und anderem Aufkleber nochmal als Konsole kaufen muss, um die Exklusivspiele einer Marke zu spielen. Bei den Konsolen selbst ist es ja noch lächerlicher. Bei den Grundkomponenten und der Architektur sind sich XboxOne und PS4 extrem ähnlich. Man kauft quasi zwei mal die gleiche Hardware, wenn man beiden Konsolen kauft. Das ist Geld und Ressourcenverschwendung, wie sie sinnloser nicht sein könnte.
Ich hab mir letzten Endes für 200? extra ne PS4 geholt, damit ich die Exklusivspiele spielen kann. Tja, die hab ich gespielt, jetzt verstaubt die PS4 unterm TV und wird nicht genutzt. Gäbs fünf verschiedene Konsolenhersteller, würden vermutlich drei oder vier Konsolen verstauben. Es ist halt sinnlos drauf zu spielen. Im Endeffekt ist es einfach nur ein PC. Warum...
Scorplian190 schrieb am
sourcOr hat geschrieben: ?
23.11.2017 12:29
SpoilerShow
Scorplian190 hat geschrieben: ?
23.11.2017 09:34
sourcOr hat geschrieben: ?
22.11.2017 23:15
Keine Ahnung inwiefern man da besser aufgehoben is. Es gibt dieses "usw" ja afaik gar nicht, außer den beiden Titeln fällt mir nämlich auch nix mehr ein. Und Forza Horizon find ich deutlich attraktiver als DriveClub, ist auch deutlich arcadiger obendrein.
Und die paar PS2-Titel mit einzubeziehen macht den Kohl auch net fett, so erbärmlich wie die Auswahl ist.
Also da wären noch:
Wipeout Omega Collection, Bears cant Drift, ATV Drift & Tricks, Radial G Racing, Snow Moto Racing
(und das ohne PS2, PS Now und zukünftige Titel)
Ja, Wipeout meinte ich ja auch mit "den beiden Titeln". Driveclub und Wipeout.
Von den anderen die du genannt hast hab ich noch nie was gehört (würd auch behaupten du auch net bevor du nachgeschaut hast :p). Taugen net so wirklich als Argument für die PS4 würd...
sourcOr schrieb am
Scorplian190 hat geschrieben: ?
23.11.2017 09:34
sourcOr hat geschrieben: ?
22.11.2017 23:15
Keine Ahnung inwiefern man da besser aufgehoben is. Es gibt dieses "usw" ja afaik gar nicht, außer den beiden Titeln fällt mir nämlich auch nix mehr ein. Und Forza Horizon find ich deutlich attraktiver als DriveClub, ist auch deutlich arcadiger obendrein.
Und die paar PS2-Titel mit einzubeziehen macht den Kohl auch net fett, so erbärmlich wie die Auswahl ist.
Also da wären noch:
Wipeout Omega Collection, Bears cant Drift, ATV Drift & Tricks, Radial G Racing, Snow Moto Racing
(und das ohne PS2, PS Now und zukünftige Titel)
Ja, Wipeout meinte ich ja auch mit "den beiden Titeln". Driveclub und Wipeout.
Von den anderen die du genannt hast hab ich noch nie was gehört (würd auch behaupten du auch net bevor du nachgeschaut hast :p). Taugen net so wirklich als Argument für die PS4 würd ich sagen.
Scorplian190 schrieb am
sourcOr hat geschrieben: ?
22.11.2017 23:15
Keine Ahnung inwiefern man da besser aufgehoben is. Es gibt dieses "usw" ja afaik gar nicht, außer den beiden Titeln fällt mir nämlich auch nix mehr ein. Und Forza Horizon find ich deutlich attraktiver als DriveClub, ist auch deutlich arcadiger obendrein.
Und die paar PS2-Titel mit einzubeziehen macht den Kohl auch net fett, so erbärmlich wie die Auswahl ist.
Also da wären noch:
Wipeout Omega Collection, Bears cant Drift, ATV Drift & Tricks, Radial G Racing, Snow Moto Racing
(und das ohne PS2, PS Now und zukünftige Titel)
Wenn ich halt Rennspiele ohne Auto mag, ist das durchaus interessanter.
Leon-x hat geschrieben: ?
22.11.2017 23:43
Scorplian190 hat geschrieben: ?
22.11.2017 22:42
Dann müsste man aber wie gesagt auch die PS2-Spiele direkt auf PS4 und die PS3-Spiele aus dem Streaming mit einbeziehen.
Kann man ja gern machen wenn einem Optik und Spielmechanik noch zusagen bei den PS2 Games. Streaming halt auch je nach Internet funktionieren muss für PS Now und man kein Probleme mit der etwas größeren Verzögerung hat. Da finde ich lokale Wiedergabe...
schrieb am

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