Michael Krosta
Ohne Surround-Sound geht gar nichtsEin Kommentar von Michael Krosta, 13.01.2012
Ich habe neulich notgedrungen einen Ausflug in die Audio-Steinzeit gemacht: Da mein neuer AV-Receiver noch auf sich warten ließ, gab es nach Jahren der faszinierten Surround-Beschallung tatsächlich noch einmal Stereokost aus den Fernsehlautsprechern! Für meine Ohren muss es ein ähnlicher Schock gewesen sein wie für meine Augen, wenn ich nach dem grafischen Overkill eines Uncharted 3 am 42 Zoll HDTV plötzlich wieder zur Röhrenglotze im Kleinformat zurückkehre.

Trotz der geringeren Lautstärke verursachten die matten Klänge vom TV Schmerzen in meinem Gehörgang. Wo ist bloß der herrlich tiefe Bass bei Explosionen oder röhrenden Motoren, der nicht nur die Spielwelt auf dem Bildschirm, sondern auch regelmäßig meine Magengegend dezent erschüttert hat? Doch damit nicht genug: Plötzlich fällt es mir schwer, im Shooter meine Feinde oder bei Positionsduellen auf der Rennstrecke meine Verfolger zu orten, weil mir schlichtweg das Audio-Feedback aus den hinteren Boxen fehlt. Tatsächlich ist ein gutes Surround-System nicht nur für die volle Dröhnung gut – es bietet darüber hinaus auch einen spielerischen Vorteil.

Nicht zu vergessen die Atmosphäre: Gerade bei Titeln wie Dead Space wird deutlich, wie positiv sich eine gute 5.1-Abmischung auf das Spielgefühl auswirken kann, wenn leise Stimmen aus allen Richtungen den Gruselfaktor heben oder mich die hohe Dynamik bei Schockmomenten dem Herzinfarkt einen Schritt näher bringt. Klar, auch ohne eine Anlange kommt beim Abstecher auf die Ishimura Atmosphäre auf – aber es ist kein Vergleich zu dem Erlebnis an einem perfekt abgestimmten Audio-Setup, das alleine durch die bedrohliche Klangkulisse für Gänsehaut sorgt und mich mit multidirektionalen Effekten in den Horror einhüllt.

Doch Surround-Sound ist nicht gleich Surround-Sound: Erst mit der richtigen Abstimmung und Position der Boxen wird man mitten ins Geschehen versetzt. Was früher meist eine nervige Experimentierprozedur erforderte, wird bei modernen AV-Receivern meist von mehr oder weniger guten Einmesstechniken per mitgeliefertem Mikrofon erledigt. Diese berücksichtigen die Beschaffenheit und den Schnitt des Raumes im Verhältnis zu den Positionen der Lautsprecher und passen die Lautstärke für jede Box an, um ein optimales Surround-Erlebnis zu gewährleisten. Ich konnte mich bereits selbst davon überzeugen, wie gut das System funktioniert – seitdem mir mein neuer Receiver bei den Raumklang-Einstellungen unter die Arme greift, klingt der Ton noch satter und wirkt endlich ordentlich ausbalanciert. Mittlerweile bieten viele Geräte sogar schon extra vorgefertigte Soundprogramme für Videospiele und Genres, so dass der Klang z.B. für Action- oder Musikspiele weiter optimiert werden kann.

Man sieht also, dass selbst die Hersteller von Denon über Onkyo bis hin zu Yamaha mittlerweile den Stellenwert erkannt haben, den die Klangkulisse bei Videospielen einnimmt. Nach meinem zum Glück kurzen Ausflug zurück in die Welt der Fernseh- und Stereolautsprecher ist mir jedenfalls wieder klar geworden, dass nicht nur bei Filmen, sondern auch bei Spielen nichts über einen ordentlichen Surround-Sound geht – vor allem in Genres, die von multidirektionalen Effekten und ihrem Soundtrack leben, führt für mich kein Weg an einem 5.1 oder höheren Lautsprecher-Setup vorbei!

Michael Krosta
Redakteur
Kommentare

Du musst mit einem 4Players-Account angemeldet sein, um an der Diskussion teilzunehmen.

Es gibt noch keine Beiträge. Erstelle den ersten Beitrag und hole Dir einen 4Players Erfolg.