Mare - Test, Adventure, Oculus Quest, Virtual Reality

 

Test: Mare (Adventure)

von Jan Wöbbeking



Mare (Adventure) von Visiontrick Media
Hommage an Ico
Entwickler:
Publisher: Visiontrick Media
Release:
07.01.2021
07.01.2021
Erhältlich: Digital
Erhältlich: Digital
Spielinfo Bilder Videos
Ico lässt grüßen: Eine hilflose Begleiterin, ein künstlicher Vogel und bedrohlich knisternde elektrische Installationen stehen im Mittelpunkt von Mare. Nach drei Jahren Funkstille hat das überraschend veröffentlichte VR-Adventure von Rui Guerreiro und Visiontrick Media unsere Neugier geweckt. Ein schlechtes Vorzeichen aus der Entwicklungshölle oder ein ähnlich vereinnahmendes Kunstwerk wie das surreale Paper Beast?

Elegante Präsentation

Bereits beim Einstieg des für Oculus Quest erhältlichen Spiels wird mir anhand der nahtlosen Präsentation klar, dass ich es bei Mare mit einem der bislang rundesten VR-Erlebnisse zu tun habe. Nicht einmal ein Optionsmenü lenkt von der surrealen Rätselreise ab, in die ich (je nach optionalen Artefakten) knapp drei bis fünf Stunden abtauche. Schon die in Form einer Kultstätte designte Kapitelwahl gewährt mir wie in einer traumhaften Vision einen ersten Blick auf die anderweltliche Kulisse.

Ihr Design passt ideal zur Technik der Oculus Quest 2, mit der ich das Spiel getestet habe: Als elektrischer Vogel throne ich auf einer der Sitzstangen und lasse den Blick über die Terassen antiker Ruinen schweifen, durch die sich mehr steinerne Stufen ziehen als im Blankeneser Treppenviertel. Die kantigen Oberflächen von Mauern, Brückenpfeilern oder der flatternden Baumblättern sind oft nur grobflächig texturiert und bilden doch ein sehr stimmungsvolles, detailreiches Gesamtbild, wenn ich mit der hohen Auflösung des Headsets den Blick schweifen lasse.

Welche Rolle spielt das Mädchen?

Im Wind wackelnde Blätter und gespannte Stoffplanen lassen die dunstige Welt sehr lebendig wirken.
Im Wind wackelnde Blätter und wehende Stoffplanen lassen die dunstige Welt sehr lebendig wirken. Auch die ruhige Musikbegleitung von Tony Gerber unterstreicht die Stimmung.
Handelt es sich um flächige malerische Akzente mit einem Hauch Retrospiel-Zitat? Was hat der sich abhebende Animationsstil meiner Begleiterin im roten Kleid zu bedeuten, der wie in einem uralten Zeichentrickfilm unruhig umher wackelt? Und wieso erwache ich als elektrischer Vogel aus einer Amnesie, um das Mädchen durch die mit Fallen und seltsamen Umspannwerken gespickten Ruinen zu geleiten? All dies sorgte dafür, dass ich von Anfang an jeden Informationfetzen förmlich aufsaugte, um mehr über die praktisch textlose Geschichte zu erfahren.

Lediglich das aus einer Kapsel gekrabbelte Mädchen spricht in einer fremdartigen Sprache zu mir, während ich sie über die Terasssen zum nächsten Tor locke. Sie fasst schnell Vertrauen und läuft fast immer so weit wie möglich in meine Richtung – inklusive kleiner Balanceakte mit ausgestreckten Händen über schmale Brücken. Landet sie in einer Sackgasse, hilft ein Ortswechsel meinerseits. Einfach das Zielkreuz rechtzeitig auf eine andere Sitzstange richten, aufs Knöpfchen drücken und schon flattert mein Vogel dorthin. Kurz danach wechselt auch mein frei schwebender Blickwinkel mit einer sanften Schwarzblende dorthin, so dass ich die Lage von dort aus prima überblicken kann.

Rätselhafte Mechaniken

Bei solch einem Ausblick macht sich die hohe Auflösung des Quest-2-Bildschirms bezahlt. Trotz statischer Perspektiven ist beim freien Umschauen das Präsenzgefühl angenehm hoch.
Bei solch einem Ausblick macht sich die hohe Auflösung des Quest-2-Bildschirms bezahlt. Trotz statischer Perspektiven ist beim freien Umschauen das Präsenzgefühl angenehm hoch.
So locke ich das Mädchen ein paar mal hin und her, bis sie schließlich die passenden Treppen genommen hat und am Speicherpunkt das Tor zum nächsten Abschnitt aufstößt. Die komfortable, simpel gehaltene Navigation passt ideal zum Konzept, verhindert Übelkeit, überfordert Einsteiger nicht und vermittelt trotzdem eine schöne Präsenz in der Welt. Daher fällt das Fehlen jeglicher Optionen in diesem VR-Titel nicht negativ auf.

Später bringe ich mit dem elektrischen Strahl Bäume zum Wackeln oder benutze den Strom anderweitig, um die Aufmerksamkeit meiner Begleiterin auf mich zu ziehen. Manchmal ist es auch nötig, ihr einen Schrecken einzujagen, damit sie kreischend in die passende Richtung rennt – ein Prinzip, das mit fortschreitender Spieldauer immer häufiger und heftiger thematisiert wird. Zudem wird die Begleiterin später immer häufiger von pechschwarzen Geistern heimgesucht, die im Zusammenspiel der Rätselmechaniken eine wichtige Rolle spielen.

Kommentare

Blaexe schrieb am
Artelous hat geschrieben: ?
21.01.2021 09:29
nur halt wie immer fassungslos, wie man freiwillig ein Spiel auf ner Nischenplatform exklusiv herausbringt (Wieviel haben sowas? 100? 1000?)
Irgendwo um die 4 Millionen.
Artelous schrieb am
Gibt es einen bestimmten Grund, warum kein einziges Mal "Vane" genannt wird? Vane und Mare waren doch das gleiche Spiel, wie die sich aus bestimmten Gründen entzweit haben?
Ansonsten, wäre das natürlich ein weiteres Most Wanted, nur halt wie immer fassungslos, wie man freiwillig ein Spiel auf ner Nischenplatform exklusiv herausbringt (Wieviel haben sowas? 100? 1000?) - aber sobalds auf ner richtigen kommt, instant buy.
Tas Mania schrieb am
Direkt gekauft und danke für den tollen test.
CHEF3000 schrieb am
Ufff, also die Einflüsse von Fumito Ueda's Werken sind nicht nur, aber insbesondere innerhalb der Art Direction wirklich MASSIV.
Nichtsdestotrotz ein Titel, den ich mir sofort ohne zu zögern gegönnt hätte, ich bin allerdings auf PS5 / XSX unterwegs und hoffe, dass irgendwann auch eine VR-freie Version erscheint für Konsolen, habe aber wenig Hoffnung. :roll:
Eispfogel schrieb am
Klingt ja echt gut! Erinnert mich auch ein wenig an "Eqqo"(gibt es noch für die Go - bisher leider keine Quest Umsetzung in Sicht und Oculus hat die Go Kompatibilität ja beerdigt....).
Ich glaub ich guck mir das mal an. Danke für den Test! :)
Edit: Mit dem Promotioncode "OCULUS30" bekommt man einen 30%igen Rabatt(also runter auf 13?) - lohnt sich also gerade und mit knapp 1Gb ist es auch klein genug, um es einfach mal so zu installieren. Na da bin ich mal gespannt ^^
schrieb am