Sacred 3 - Test, Rollenspiel, Xbox 360, PC, PlayStation 3 - 4Players.de

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Sacred 3 (Rollenspiel) von Deep Silver
Die heilige Beutekuh geschlachtet
Action-Rollenspiel
Entwickler:
Publisher: Deep Silver
Release:
01.08.2014
01.08.2014
01.08.2014
Spielinfo Bilder Videos
Die Fantasy-Welt Ancaria war lange Zeit eine der interessanten Hack&Slay-Welten diesseits von Sanktuario. Prall gefüllt mit Aufgaben, Monstern und Beute hat sich die Sacred-Serie ihren Platz neben Diablo und Dungeon Siege verdient erarbeitet. Für Sacred 3 arbeitet mit Keen Games nicht nur ein neues Team an dem Titel. Man schmeißt auch das gesamte Konzept um. Ob das gut gehen kann, verrät der Test.

Namen sind Schall und Rauch

Freunde Ancarias! Wenn ihr euch genau wie ich auf erneute Beuteraubzüge in der ursprünglich von Ascaron als Diablo-Konkurrent erdachten Fantasy-Welt gefreut habt: Dann. Kehrt. Um. Denn bereits nach etwa zehn Minuten Spielzeit, die teils mit einer belanglosen Story samt erzwungen witziger Dialoge, teils mit rudimentärer, auf simples Knopfhämmern reduzierter Prügelaction ohne jegliche Beute gefüllt werden, ist eines klar: Sacred 3 hat außer der Fantasy-Welt als Hintergrund und der Seraphim als einer von vier spielbaren Charakteren (bzw. fünf in der Erstauflage) nur noch wenig mit dem gemeinsam, was über Jahre als unterhaltsame Alternative zu den Diablos, Dungeon Sieges und Baldur's Gate: Dark Alliances bekannt war.

Auch wenn vieles nach einem klassischen Hack&Slay-Abenteuer aussieht, muss man viele Abstriche hinnehmen. So gibt es in Ancaria z.B. keine Beute mehr...
Auch wenn vieles nach einem klassischen Hack&Slay-Abenteuer aussieht, muss man viele Abstriche hinnehmen. So gibt es in Ancaria z.B. keine Beute mehr...
Schlimmer noch: Nach den ersten zehn Minuten bleibt bis zum Ende das Gefühl, dass man eigentlich alles schon kennt. Es gibt durchaus interessante Auseinandersetzungen gegen ernst zu nehmende Bosse. In manchen Gebieten muss man Artillerie in verschiedenen Formen ausweichen. Man kann auf der Übersichtskarte nicht nur die nächste Story-Mission in Angriff nehmen, sondern in kleinen Prügel-Abstechern versuchen, sein Reservoir an Heil- und sonstigen Auffüll-Tränken aufzubessern. Und man kann nach Levelaufstieg gegen Gold die wenigen aktiven oder passiven Fähigkeiten bzw. einzelne Ausrüstungsgegenstände aufwerten und dadurch neue Buffs freischalten. Doch nach vier Stunden spielt sich Sacred 3 immer noch genauso wie in den ersten zehn Minuten. Gleiches gilt nach sechs, acht oder zehn Stunden. Weder Mechanik noch Erzähltempo variieren, alles fließt mehr oder weniger gleichförmig vor sich hin. Abhilfe hätten die unterschiedlichen Charaktere schaffen können. Doch bis auf die eine oder andere Spezialfähigkeit  und die etwas andere Herangehensweise, die der Bogenschütze fordert, macht es auch hier zu wenig Unterschied, wen man sich herausgepickt hat.

Golden Dynasty Ancaria Axe Warriors

Man muss nicht nur mit Gegnermassen, sondern auch mit Hindernissen und Fallen in der Umgebung fertig werden.
Mit den Spezialfähigkeiten lassen sich die Gegnermassen schnell dezimieren. Allerdings kann jede Figur nur zwei ausrüsten.
Ich habe prinzipiell nichts dagegen, wenn Entwickler neue Wege beschreiten möchten - auch bei bekannten Serien. Nur sollten diese Wege dann auch so weit funktionieren, dass eventuelle Verluste bei wertgeschätzten Mechaniken aufgewogen werden. Für Sacred 3 würde das bedeuten: Die Kämpfe, die man erlebt, sind mechanisch, technisch und dramaturgisch so ausgereift, dass man die ganzen Zugeständnisse wegsteckt, die man angesichts dessen machen muss, was man eigentlich mit dem Namen suggeriert und was man definitiv nicht bekommt. Oder anders: Wenn ich schon auf Beute, offene Welt und relativ freie Charakter-Entwicklung verzichten muss, dann müssen die Auseinandersetzungen in jeder Hinsicht rocken.

Tun sie aber nicht. Mal fühlt es sich an wie ein Diablo 3 light - nur dass man in Sanktuario innerhalb des Kampfsystems und den Figuren mehr Abwechslung wahrnimmt. Dann wiederum wie ein Skylanders - mit dem Unterschied, dass Skylanders deutlich besser aussieht, die Figuren sympathischer sind und die Helden springen können. Doch viel zu häufig kommt man sich vor wie in einem isometrischen Dynasty Warriors: Man drückt die immer gleichen Tasten, kriegt als Ergebnis die immer gleichen Kombos und lässt von Zeit zu Zeit einen von zwei ausgerüsteten Spezialangriffen vom Stapel. Leider flaut der anfängliche Reiz der Kämpfe ähnlich schnell ab wie bei den Tecmo-Koei-Titeln. Da Deep Silver ohnehin die Dead-Island-Lizenz besitzt, wäre man evtl. besser beraten gewesen, hier einen Arcade-Prügler rund um die Untoten zu stricken, als auf Teufel komm raus zu versuchen, Ancaria einer Frischzellenkur zu unterziehen.


Kommentare

Wolfenblut schrieb am
Also tatsächlich genau der billige Dreck nachdem es ausgesehen hat.
Ein Jammer, ich persönlich fand und finde Sacred 2 um längen spaßiger/besser/motivierender als das schrottige Diablo 3.
Das hier ist wieder ein schönes Beispiel für die Unverschämtheit, mit der einige Drecksfirmen mit Namen Schindluder treiben.
Hier Sacred draufzuschreiben ist das gleiche wie das "Dragon Age" bei Dragon Age 2.
Das ist so, als würde man auf einen Toaster Playstation 4 schreiben und es ins Verkaufsregal stellen.
BetaSword schrieb am
Während hier einige Personen das Thema zu Kunst und Kultur abschweifen lassen, gibt es immer noch das Problem, dass Sacred3 vom Niveau her nur ein Billigspiel ist, ein Preis von rund 50Euro ist bei dem abgeliefertem Spiel eigentlich nicht gerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass bei den beiden Vorgängern massig an Loot, eine Freie Spiele-Welt, sowie eine interessante Story vorhanden waren.
Mit dem Intro wird einem zudem eingeredet, dass eine Art Task-Force eingerichtet wurde, wobei jedoch es nicht möglich ist, zumindest einen Satz von NPC-Koop-Verbündeten, wie in Left4Dead1&2, oder besser noch Alien Swarm mit sich zu führen.
Unddabei hatte selbst AlienSwarm sogar noch ein wesentlich breiteres Inventar, als Sacred 3.
Auch wirken die vorhandenen Elemente unvollständig und unzulänglich.
Konnte man noch in Sacred 1&2, sowie in den meissten anderen vergleichbaren Spielen Unmengen von Tränken mit sich führen, bei Sacred3 verkümmert das Inventar auf's jämmerlichste und lässt selbst das Inventar in nahezu allen First-Person-Shootern Weitaus komplexer wirken, selbst solche, bei denen man nur 2 Verschiedene Waffen auf einmal hat.
Dann nerven noch die Schlauchlevel, bei denen Verschlossene Türen auf's Übelste aus Zelda geklaut wirken, ohne wirklich Sinnvoll zu wirken, da es auch schon den "Der Weitere Weg wird erst freigegeben, wenn du alle Gegner im begehbaren Areal erledigt hast" gibt.
Zusätzlich wirken die Zwischensequenzen im Motion-Comic-Stil recht lieblos, worüber der Trailer/das Intro-Video (Ja, das ist beides so ziemlich das gleiche Video), als hätte der Entwickler mehr Arbeit in das Spiel reingesteckt, als in den Vorgängern.
Einzig die Grafik scheint sich allerdings gebessert zu haben, bleibt aber auf dem gleichen Niveau, wie man es schon von Top-Titeln wie Diablo3 gewohnt ist.
Technisch habe ich auch bereits am Anfang des Spieles gemerkt, dass die Entwickler sich nicht allzuviel Mühe gegeben haben, so hat...
Kajetan schrieb am
Chris Dee hat geschrieben:Aber ich schweife völlig ab.

Jahaaaa, Kunst-Diskussion! Dazu sage ich nur: Kommt Zeit, kommt gesellschaftliche Anerkennung. Filme waren zuerst auch nur Jahrmarktunterhaltung für den Pöbel.
Eigentlich will ich nur sagen, dass man den Humor von "Sacred 3" natürlich als Geschmacksache abtun oder gar verteidigen kann, man kann ihn aber ebenso auch einfach nur dümmlich und hochnotpeinlich finden und sich erstens wünschen, dass so etwas niemals wieder seinen Weg in ein Computerspiel findet (genauso wenig wie die sächselnde Zwerge aus Baldur's Gate) und zweitens, dass es niemanden auf diesem Planeten geben wird, der als sein erstes (und womöglich einziges) Computerspiel "Sacred 3" zu Gesicht (oder besser zu Ohren) bekommt.

Hehe :)
Chris Dee schrieb am
Kajetan hat geschrieben:Dieser Kampf wird nicht dadurch gewonnen, dass Spiele wie Sacred 3 nicht erscheinen. Es gab und gibt unglaublich schlechte, primitive und ärgerliche Filme und Bücher und Theaterstücke und dennoch sind diese Ausdrucksformen irgendwann grundsätzlich als "Kunst" anerkannt worden. Filmen wird der Status "Kunst" auch nicht aberkannt, nur weil Michael Bay Transformers-Filme aka hochnotpeinliche, kostenpflichtige Dauerwerbe-Clips dreht.

Natürlich wird dieser Kampf durch ein Nichterscheinen nicht gewonnen, er wird aber durch "Sacred 3" und seinen Humor auch nicht eben einfacher. DJ Bobo und Cindy aus Marzahn (oder wer auch immer) sind auch Kultur, aber dennoch müssen sich Musik und Kabarett trotz ihrer Trash-Auswüchse keine Sorgen um ihren Kunst/Kultur-Status machen, weil es eben auch Mozart, Loriot oder Hildebrandt (oder wenn auch immer) gibt und diese Tatsache allgegenwärtig und auch jedem bewusst ist. Bei Computerspielen ist eben genau das nicht der Fall, da hier das allgemeine Bewusstsein völlig anders aussieht. Schaut man in die (spieleferne) Presse oder spricht mit Leuten, die mit Computerspielen nicht oder nur am Rande zu tun haben, wird hier das generelle und eher oberflächliche Bild viel mehr von Trash, Killerspiel und Co. geprägt als das in anderen Teilen der Kulturlandschaft der Fall ist (natürlich auch wegen des Klischees "Spiele sind nur was für Kinder") und jegliche Art von Trash, die auf den Markt kommt, bestätigt dieses Bild auch noch. Das gilt auch im Vergleich mit Filmen, wo der Name Woody Allen den Leuten häufig genauso viel sagt wie Michael Bay, und das selbst dann, wenn jemand in seinem ganzen Leben noch keinen Woody Allen-Film gesehen hat.
Der zentrale Unterschied ist eben, dass man als Kind bereits in der Schule lernt, dass Musik und Literatur wie Beethoven und Goethe Kunst sind (und dass, hat ein Medium erst einmal den...
Kajetan schrieb am
Chris Dee hat geschrieben:In jedem Fall ist es ärgerlich, wenn man bei dem Kampf "Computerspiel als Kunstform und Kulturgut" (und würde der gewonnen, gäb's auch keine Probleme mehr mit irgendwelchen Hakenkreuzen in Computerspielen) sowieso schon permanent auf verlorenem Posten steht und dann auch noch solche akuten Fremdschämprodukte auf den Markt kommen, in denen nun wirklich die wenigsten etwas kulturell Wertvolles, Schützens- oder gar Fördernswertes erkennen werden können ...

Dieser Kampf wird nicht dadurch gewonnen, dass Spiele wie Sacred 3 nicht erscheinen. Es gab und gibt unglaublich schlechte, primitive und ärgerliche Filme und Bücher und Theaterstücke und dennoch sind diese Ausdrucksformen irgendwann grundsätzlich als "Kunst" anerkannt worden. Filmen wird der Status "Kunst" auch nicht aberkannt, nur weil Michael Bay Transformers-Filme aka hochnotpeinliche, kostenpflichtige Dauerwerbe-Clips dreht.
schrieb am

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