Die große Unbekannte?
Prometheus - das ist der Name des Verräters, den Joe Sheridan zur Strecke bringen will. Seit Sheridan Anfang 1943 das Kommando über einen kleinen Verband übernahm und so zum Sieg der Alliierten in Tunesien beitrug, stand er immer wieder einem überraschend gut unterrichteten Feind gegenüber. Sheridan war damals nur Major, aber mit listenreichen Schachzügen führte er seine Einheiten stets zum Sieg. Von Nordafrika über Italien, Frankreich, Holland und Belgien führt ihn sein Weg so bis nach Deutschland. Aus dem Major wird irgendwann ein General - aus dem zielstrebigen Youngster ein überheblicher Befehlshaber. Ohne zu viel zu verraten und ohne Hoffnung auf ein Epos Blizzard'scher Ausmaße zu schüren: Die Entwicklung der Figuren ist überraschend fesselnd.
Dass die Erzählung nicht das eigentliche Kriegstreiben in den Vordergrund stellt, hat einen Grund. Eine Militärsimulation im Stil von Total War schwebte den Act of War-Machern Eugene Systems nämlich nicht vor, als sie R.U.S.E. entwarfen: Sie dachten eher an Schach oder Risiko. Und an jene Teile großer TV-Dokumentationen, in denen geschwungene Pfeile die Bewegungen ganzer Armeen darstellen. Denn genau so sieht es aus, wenn auf großen Landkarten Infanterie, Panzer und Flugzeuge verschoben werden. Wer mit der Kamera weit genug herausfährt, sieht den Tisch mit der Karte vor sich; im Hintergrund die Kommandozentrale, aus der Sheridan Befehle erteilt. Mitteilungen der Funker protokollieren in der Landessprache der geführten Armee den Verlauf des Gefechts.
Haltet euch von den Bäumen fern!
Farbige Symbole stehen je nach Größe für leichte oder schwere Einheiten. Klickt man sie an und markiert das Ziel, zeigt ein geschwungener Pfeil kurz ihre Marschroute an. Hier werden nicht tausende Befehle pro Minute in die Maus gehämmert, sondern wohl überlegt ganze Verbände verschoben.
Wer will, fährt die Kamera bis auf Baumhöhe herunter und weist jede Einheit direkt an. Je nach der Höhe über dem Schlachtfeld liegen allerdings die Symbole mehrerer Einheiten übereinander. So können große Gruppen mit einem Klick angewählt werden - in R.U.S.E. hat man selbst ohne das Markieren von Rechtecken schnellen Zugriff auf seine Armee.![]()

Im Wald versteckte oder in einer Stadt verschanzte Infanteristen können selbst starken Panzerverbänden das Fürchten lehren.
Die klassische Viereck-Auswahl gibt es natürlich ebenso wie das Markieren von Verbänden über die Nummerntasten; nutzen wollte ich die herkömmliche Steuerung aber selten. Das liegt auch daran, dass man nur hin und wieder gigantische Verbände über die Karte bewegt - auf die Größe kommt es hier nicht an. Es geht vielmehr darum, wo man welche Einheit platziert: Selbst eine kleine Gruppe Infanteristen erledigt mehrere große Panzer, wenn sie an der richtigen Position lauert! Es sind Wälder, Moore und Städte, in denen die Fußtruppen so viel Schutz finden, dass sie es sogar mit bedeutend stärkeren Kampfgruppen aufnehmen können. In Wäldern und Mooren kann der Feind die Infanteristen zudem nicht sehen - tödliche Fallen in der Nähe von Brücken oder Straßen sind hier eine der stärksten Waffen.
Von Bienchen und Blümchen zu Zeiten des Krieges
Abhilfe schafft nur gute Aufklärung. Denn ausschließlich Kundschafter entdecken versteckte Stellungen, sind aber zu schwach, um sie selbst anzugreifen. Am wirkungsvollsten wäre ein Luftangriff oder ein Artillerieschlag, der wiederum nur dann mit maximaler Reichweite feuern kann, wenn das Zielgebiet von einem Aufklärer erfasst wird. Aufklärung und Absicherung sind deshalb das A und O wie auf kaum einem anderen virtuellen Schlachtfeld.
