Halbgötterdämmerung
Einen Tumor nach der Powell-Methode entfernen? Ein Klacks. Äh, prinzipiell zumindest. Mal sehen. Eine Laparotomie, das war nicht soooo schwer: Die Bauchdecke desinfizieren und dann schwungvoll mit dem Skalpell aufschlitzen! Ha, die OP-Schwester jubelt, der Oberarzt verteilt »Cool!«-Punkte, die internen Lobgesänge werden nur vom lauter werdenden Piepsen des Überwachungs-Monitors übertönt - eh, wieso sinken die Werte des störrischen Patienten? Rein mit den Antibiotika, aber zackig! Sooo, Tumor, sprich dein letztes... was ist denn nun schon wieder? Wie, wir wissen nicht genau, wo der Tumor steckt? Muss man hier denn alles selber machen? Einmal Ultraschall bitte: Zwei kurze Pings später ist der Lümmel lokalisiert, das Skalpell kann seinen Auftritt kaum erwarten. Jetzt noch das Zellplasma des Tumors mit der Drainage ableiten, den Übelwicht herausschnippeln und mit der Pinzette entfernen - hahaaaa, bewundert die Zauberkraft des weltbesten Chirurgen! Wie, das war's noch nicht? Ich soll noch die Wunde mit einer synthetischen Membran verschließen? Das Ganze nähen? Und bandagieren auch noch? Ist das nicht Schwesternarbeit?
Die Welt im Jahre 2018: Keine Mediziner mehr auf den Straßen, dafür Freude und Sonnenschein in den Krankenhäusern. Denn nahezu alle Krankheiten sind geheilt, fast alle Seuchen ausgerottet, alle Patientenformulare nicht mehr in drei Durchschlägen abzugeben. Doch nun bedroht eine neue Super-Krankheit namens GUILT die Menschheit - manche sehen in ihr eine Form des Bio-Terrorismus. Wir schlüpfen in den schneidigen Kittel von Derek »DS« Stiles, einem aufstrebenden Jungarzt am Hope Hospital, der sich mit seinen güldenen Händen der Plage in den Weg stellt. Diese Story wird von Standbildern im Manga-Stil und deutschen Dialogen auf dem oberen Bildschirm weitergeführt, begleitet von dramatischer Musik in ER-Tradition. ![]()
Strahlemann am Skalpell: Die Story wird mit Manga-Bildern auf dem oberen Screen weitergeführt.
Lassen sie mich durch, ich habe einen DS!
Das Thema Medizin kommt im Spielealltag bestenfalls in Form von Heilpäckchen in Ego-Shootern vor. Seltene Ausnahmen wie Emergency Room
machen den Braten auch nicht fett, umgehen sie doch den faszinierenden Teil der Behandlung fast komplett. Eine der besten Ausnahmen ist bezeichnenderweise auch schon fast 20 Jahre alt: Im 1988er Klassiker »Life & Death« von Software Toolworks sowie seinem zwei Jahre später erschienen Nachfolger wart ihr der Mann am Skalpell, hattet die Macht über Blutung und Naht, musstet Patienten anamnesieren - allerdings damals noch mit Monsterpixeln und einer Handvoll Farben. Sprung in eine bunte Zukunft, in der ihr Ähnliches durchlebt: Als Jungarzt dürft ihr euch um medizinische Standardverfahren kümmern, Tumore oder Glassplitter entfernen, Laparotomien oder Herzmassagen durchführen und überschüssiges Blut per Drainage absaugen.