Dishonored: Die Maske des Zorns
USK: 18
Action (Stealth-Action)

Test: Dishonored: Die Maske des Zorns

So testet 4Players

Autor:
Jörg Luibl

Das Schicksal meint es nicht gut mit Corvo Attano: Vor den Augen des tapfer kämpfenden Leibwächters wird zuerst die Kaiserin ermordet. Danach wird er tatsächlich als Mörder bezichtigt. Er landet im Gefängnis und harrt seiner Hinrichtung, während ein skrupelloser Lordregent ein unsicher wankendes Reich mit Überwachung und Gewalt tyrannisiert. Was für ein Abenteuer steckt in diesem Dishonored: Die Maske des Zorns? Wir haben im Test danach gesucht.
George Orwell lässt grüßen

Video: Schon die ersten Trailer weckten die Neugier unter Freunden der Stealth-Action.
Die Zukunft des ehemals blühenden Inselreichs sieht düster aus: Die Kaiserin ist tot und die Bevölkerung  leidet – vor allem in der Hauptstadt Dunwall. Überall patrouillieren Wachen, Bezirke werden abgeriegelt, Leute verschwinden, Ausgangssperren werden über Lautsprecher verhängt. Neben der Unterdrückung durch den Lordregenten grassiert auch noch eine mysteriöse Seuche, die Menschen in schlurfende Ungeheuer verwandelt. Wo kommt diese Pest bloß her? Warum gibt es zwei Heilmittel? Und was geschieht mit der kleinen Tochter der Kaiserin, die Alleinerbin ist?

Die Antworten darauf findet man nicht in einer offenen Welt, sondern in einer linearen Kampagne, deren Kapitel jeweils begrenzte Abschnitte öffnen – das verbindende Element ist ein alter Pub, der als verdecktes Hauptquartier fungiert. Von dort aus wird man von einem Fährmann zur nächsten Mission gebracht. Die Story legt einige interessante Köder aus, auch wenn Corvo ihr politische Schicksal nicht direkt über die Unterstützung von Fraktionen beeinflussen kann - schade.

Mit wenigen Pinselstrichen gelingt es der Regie jedoch das Bild einer interessanten Dystopie zu malen, auf dem eine viktorianisch anmutende Gesellschaft in einer Tyrannei à la 1984 versinkt. Nur dass es sich hier nicht um eine Zukunftsvision, sondern um eine fiktive Parallelwelt handelt, in der ausbeuterische Industrie und vergessen geglaubte Magie, anmaßende Aristokratie und gemeines Volk wie in einem Roman von Charles Dickens aufeinander treffen – manche Charaktere könnte auch Ebenezer Scrooge oder Samuel Pickwick heißen. Während man mit tödlicher Elektrizität und medialer Propaganda
Klasse deutsche Lokalisierung:

Jürgen Thormann (Ian McKellen) aka Lordregent; Kim Hasper (Ryan Reynolds) aka Outsider; Tilo Schmitz (Gerard Butler) aka Admiral Havelock; Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie) aka Kaiserin; Marek Erhardt (Benicio Del Toro) aka Daud.
experimentiert, kursieren hier allerdings Gerüchte von Runen und mythischen Gestalten. Nicht nur diese Gegensätze wecken gerade im ersten Drittel die Lust auf dieses Abenteuer.

Viktorianische Parallelwelt

Die Glaubwürdigkeit dieses Szenarios wird nicht nur von markanten Gesichtern ausgestrahlt, sondern von zig Büchern und Dokumenten erzählerisch unterstrichen: Es gibt einen eigenen Kalender mit speziellen Festen, dazu Kinderreime und Kulte sowie wissenschaftliche Abhandlungen über Walfang oder Tiere – fast genug Stoff für ein Rollenspiel, auch wenn es hier natürlich um Stealth-Action in Egosicht geht. Hinzu kommen kleine Hörproben à la Bioshock, wenn man einem der Audiographen lauscht. Und spätestens dort untermauert die deutsche Lokalisierung ihren bis dato hervorragenden Eindruck: Das sind komplett in ihrer Rolle aufgehende Sprecher, die bis hin zum Nebencharakter überzeugen – ich habe selten durchgehend so passende
Auf einem Maskenball muss man die richtige Lady finden und eliminieren - dabei hat man mehrere Möglichkeiten.
Auf einem Maskenball muss man die richtige Lady finden und eliminieren - dabei hat man mehrere Möglichkeiten.
Stimmen gehört. Der Spiel des Jahres-Award für die beste Lokalisierung ist Dishonored fast sicher; und nicht nur der.

Denn im Zentrum der Faszination steht das grandiose Artdesign, das der Welt über markante Architektur und elegante Mode, obskure Geräte und weiche Farben so richtig Leben einhaucht. Die Linien passen, das Licht fließt: Hier waren Künstler am Werk, die mit viel Sinn für Beleuchtung und Farben eine malerische Kulisse erschaffen. Auch wenn Corvo nach seiner Flucht aus dem Gefängnis eher an Rache als an Dunwalls Sehenswürdigkeiten denkt, sind schon die Fahrten zur Mission sehr stimmungsvoll. Nicht nur weil Samuel in seinem Fischerboot über Stadt und  Gebäude parliert, sondern weil es immer wieder idyllische Ausblicke auf Festungen und Türme, Häfen und Brücken gibt. Vor allem Letztere gehören zu den architektonischen Höhepunkten des Spiels. Das Repräsentative und Pompöse einer industriellen Monarchie wird hier sichtbar - herrlich. Da kann man über das eine oder andere schwächere Gebiet wie die gefluteten Bezirke oder verwaschene Texturen hier und da hinweg sehen. Wer die PC-Version spielt darf übrigens nicht großartig tunen und bekommt qualitativ eine 1:1-Umsetzung der Konsolenvarianten.

Kommentare

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  • Rooster schrieb:
    dark messiah steht bei mir nun auch ganz oben auf der liste.
    Ist auf jeden Fall ein Spiel, das auch nach sieben Jahren immer noch jede Menge Laune macht, habs ohne Übertreibung an die 25 mal durchgespielt im Laufe der Zeit. Aber vorsicht, die  [...]
    Rooster schrieb:
    dark messiah steht bei mir nun auch ganz oben auf der liste.
    Ist auf jeden Fall ein Spiel, das auch nach sieben Jahren immer noch jede Menge Laune macht, habs ohne Übertreibung an die 25 mal durchgespielt im Laufe der Zeit. Aber vorsicht, die deutsche Version war damals heftig zensiert, das hatte auch Einfluß auf das Gameplay soweit ich mich erinnern kann. Hab das schonmal irgendwo geschrieben, im Original konnte man glaube ich einen Ork enthaupten und per Telekinese mit dem abgeschlagenen Kopf einen Anderen zum Straucheln bringen, das und noch eine Menge anderer Sachen sind in der für die Deutschen angepassten Fassung nicht möglich. Das Spiel ist deutlich linearer und mehr kampforientiert als Dishonored, Schleichmörder ist da nur eine mögliche Charakerspezialisierung. Aber auch schon tolles Leveldesign und schöne Bewegungsoptionen. Ich denke, wenn dir Dishonored so gut gefällt, dürfte DarkMessiah eigentlich auch deinen Geschmack treffen.
  • Wurmjunge schrieb:
    Rooster schrieb:
    allein die mischung aus artdesign und atmo wären kaufgrund genug aber das leveldesign ist die wahre krönung. fühlt sich offen und verschachtelt an ohne einen in die irre zu führen und belohnt gleichzeitig fürs erkunden. echt
     [...]
    Wurmjunge schrieb:
    Rooster schrieb:
    allein die mischung aus artdesign und atmo wären kaufgrund genug aber das leveldesign ist die wahre krönung. fühlt sich offen und verschachtelt an ohne einen in die irre zu führen und belohnt gleichzeitig fürs erkunden. echt klasse!
    Sehe ich ganz genauso, gerade das Leveldesign ist die unangefochtene Genrereferenz nach meiner Meinung. Ich muß aber auch denen rechtgeben, die bestimmte Teilbereiche der Spielmechanik kritisieren. Das Kampfsystem, die magischen Fähigkeiten, die Gadgets - man fühlt sich als Spieler schnell zu übermächtig. Daß z.B. "Blink" und "DarkVision" praktisch kein Mana verbrauchen, ist grundsätzlich keine Designentscheidung, die ich irgendwie nachvollziehen kann. Selbst mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad und selbstauferlegtem Magieverbot bleibt das nacheinander Ausschalten von Wachen per Stealth-Attacke meist die einfachste und sicherste Methode. Das Spiel muß sich den Vergleich mit dem Quasi-Vorgänger, dem spielerisch nicht ganz unähnlich gelagerten M&M] dark messiah steht bei mir nun auch ganz oben auf der liste. hoffe das schafft meine alte kiste noch ansonsten bricht meine dishonored euphorie immer noch nicht ab. bin nun im letzten level und würde dishonored als eines der spielehighlights 2012 bezeichnen (das ich zuerst sträflich ignoriert habe ). habe zwar noch nicht den vergleich zu dark messiah aber gerade bei dishonored hatte ich das gefühl eigentlich sehr frei über meine vorgehensweise entscheiden zu können. ich bin zwar grundsätzlich schleichend vorangegangen aber selbst wenn es zum gewalttausbruch kam, konnte man mit der kampfmechanik ordentlich umgehen. trotzdem bleibt stealth natürlich die basis des ganzen was ich einfach super finde was ich etwas ärgerlich finde sind die ganzen fähigkeiten und upgrades die sich eher als netter bonus verstehen als ernstgemeinte charakterentwicklung. es läuft halt auf den typischen jack of all trades hinaus wie in vielen modernen spielen. besonders viel entwicklen kann man ja sowieso nicht. als ich vom teleportieren gelesen habe war ich zuerst sehr skeptisch aber mittlerweile finde ich die fähigkeit absolut genial und fast schon essenziell, vorallem weil das spiel dadurch eine vertikale bekommt wie kein anderes schleichspiel. es passt einfach toll zum leveldesign und dem rest des spiels imo... ich kann auch jedem nur empfehlen den wegpunkt finder unbedingt abzuschalten! versaut einem das ganze erkunden. dann den schwierigkeitsgrad hochstellen und einige unnötigen hud anzeigen ausblenden. macht einen enormen unterschied! hach ja... ich haus jetzt mal raus und behaupte das dishonored wohl das spiel wäre das looking glass heutzutage entwicklen würde. trotz ecken und kanten, ich finds richtig klasse
  • wegen eurer lobhudelei hab ich mir das teil jetzt gekauft ! wehe es ist nicht geil .