NieR: Automata - Test, Rollenspiel - 4Players.de

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NieR: Automata (Rollenspiel) von Square Enix
Die Suche nach Menschlichkeit
Action-Rollenspiel
Entwickler: PlatinumGames
Publisher: Square Enix
Release:
17.03.2017
10.03.2017
10.03.2017
Spielinfo Bilder Videos
Angetrieben von Yoko Taros Erzählstil sowie einer düsteren, mitunter beklemmend-skurrilen Atmosphäre hat das 2010 veröffentlichte Nier mittlerweile Kultstatus erreicht. Jetzt steht die Fortsetzung Nier Automata in den Startlöchern, bei der Platinum Games mit seiner technischen sowie spielmechanischen Expertise die markante Regie ergänzen will. Ob die Kämpfe mit der Androidin 2B überzeugen, verraten wir im Test.

Kompetentes Triumvirat für den Überlebenskampf

Nier war auf PlayStation 3 und Xbox 360 ein ungeschliffener Diamant. Erzählerisch zog Drakengard-Erfinder Yoko Taro alle Register, doch technisch und hinsichtlich der Kampfmechanik schien das damals verantwortliche Team von Cavia Games (Bullet Witch) überfordert. Damit sich für Nier Automata dieses Schicksal nicht wiederholt, haben sich Taro sowie Square-Enix-Produzent Yosuke Saito (Valkyrie Profile, Grandia Xtreme, Star Ocean) mit Platinum Games kompetente Hilfe an Bord geholt - genauer gesagt: Takahisa Taura, der seit 2009 u.a. bei Titeln wie MadWorld, The Wonderful 101 und Metal Gear Rising: Revengeance als Game Designer mitgewirkt hat. Und das merkt man vom ersten Moment: Die Mischung aus Gebietserforschung in einer weitgehend offenen Welt, Kampf sowie stimmungsvoller Erzählung wirkt wie aus einem Guss. Dabei verliert sie aber niemals den Bezug zum kommerziell nur spärlich erfolgreichen Vorgänger. Man muss Nier allerdings nicht kennen, um Automata genießen zu können.

Nier Automata spart nicht mit Explosionen, hat aber auch abseits der schick choreografierten Action eine nachdenklich machende Geschichte zu bieten.
Nier Automata spart nicht mit Explosionen, hat aber auch abseits der schick choreografierten Action eine nachdenklich machende Geschichte zu bieten.
Doch wenn man das Action-Rollenspiel aus dem Jahr 2010 gespielt hat, weiß man schon, für was man sich wappnen muss. Denn in der Art seiner Inszenierung ist Automata ähnlich sperrig. Das ganze Ausmaß der packenden sowie von zahlreichen Überraschungen gespickten Geschichte wird man erst verstehen, wenn man ein paar der möglichen Enden gesehen hat, dann quasi neu startet und so z.B. die bereits bekannten Ereignisse aus einer anderen Perspektive erlebt. Man macht mit dem Hintergrundwissen, was passiert ist oder passieren wird, aber auch gänzlich neue Erfahrungen - ähnlich wie in Filmen wie Crash, Snake Eyes oder Tarantinos Jackie Brown. Und man weiß auch, dass Taro eine unkonventionelle Regie pflegt, von der er auch hier glücklicherweise nicht abweicht. Seitwärts scrollende Abschnitte wechseln sich ab mit klassischer Schulterperspektiven-Kamera. Textsequenzen sind mitunter mindestens ebenso wichtig wie gesprochene Dialoge oder Entscheidungen seitens des Spielers.

Zur Ehre der Menschheit

Und spätestens im letzten Drittel gibt es mehr als genug Anspielungen auf den Vorgänger, wobei besonders ein wiedererkannter und hier leicht verfremdeter Ort bei mir für ein emotionales Déjà-vu sorgte. Da das Geschehen aber ohnehin tausende Jahre nach Nier spielt, sind diese Erlebnisse eher als Bonus für Fans zu sehen, die sich über die Kohärenz freuen werden.

Tja. Wie erklärt man einem Roboter das Kinder-Kriegen?
Tja. Wie erklärt man einem Roboter das Kinder-Kriegen?
Yoko Taro zeichnet eine düstere Zukunft der Menschheit: Die Erde wird von Außerirdischen überfallen, die Maschinen absetzen, um die Bevölkerung auszurotten. Die letzten Überlebenden dieses Genozids fliehen nach langen erbitterten Kämpfen auf den Mond. Dort entwickeln sie eine Androidenarmee, die u.a. dazu genutzt wird, um Rohstoffe auf den Erdtrabanten zu verschiffen. Noch wichtiger ist allerdings ihre Aufgabe, der Herrschaft der Maschinen ein Ende zu setzen, damit die Erdbevölkerung schließlich wieder auf ihren Heimatplaneten zurückkehren kann. Zu ihnen gehören auch die Soldat-Androidin 2B sowie der Aufklärer 9S, der mit der weißblonden, in einem kurzen schwarzen Kleid kämpfenden 2B eine Einheit bildet. Man wird dabei nicht nur Zeuge aufreibender Kämpfe gegen Unmengen an Maschinenwesen, die man erst mit 2B und dann aus dem Blickwinkel von 9S erlebt. Man lernt auch die fragile Beziehung zwischen den beiden kennen, die grenzwertig liebevoll und verbunden ist, dann jedoch wieder von soldatischem Gehorsam geprägt wird, bevor es auch zu sexuellen Spannungen kommt. Und nachdem die Prototypin A2 ins Spiel kommt, bekommt die Dynamik zwischen beiden eine vollkommen neue Wendung, so dass es eine dramatischen Dreiecksbeziehung wird.

Waffen lassen sich in mehreren Stufen aufrüsten.
Waffen lassen sich in mehreren Stufen aufrüsten.
Doch dies ist nur eine Erzählebene. Denn auch die Maschinenwesen haben eine eigene Agenda, angetrieben von dem unbedingten Willen, Menschen nacheifern zu wollen – bis hin zur gesellschaftlichen Unabhängigkeit, Religion, Sex sowie dem Wunder der Geburt, bei dem man sogar Zeuge wird, wie das Bruderpaar Adam und Eva (!) das Licht der Welt erblickt. Es ist bemerkenswert, wie man durch die Augen der Androiden die Bemühungen der Vermenschlichung der Maschinen beobachtet, während 2B und 9S selbst mit ihren aufkeimenden Emotionen kämpfen, die gegen ihre natürliche Programmierung und alle Richtlinien der YoRHA gehen, der von den Menschen ins Leben gerufenen Androiden-Initiative.

Es gibt noch eine weitere Instanz, die aber wie alle anderen "Lebe"-Wesen der philosophischen Frage nachzugehen scheint, was genau Menschlichkeit ausmacht, wie Emotionen mit der rationalen Entscheidungskraft um die Vorherrschaft kämpfen oder ob man einem vorbestimmten Schicksal entkommen kann. Dabei erlebt man immer wieder Überraschungen, die im ohnehin häufig emotionalen Kontext für besondere Ausschläge sorgen. Wenn Maschinenwesen sich wie Menschen um den Nachwuchs kümmern, den man in Unwissenheit vorher mit seinem Schwert ausgelöscht hat, überlegt man sich beim nächsten Mal, ob man wirklich die Waffen einsetzt und für emotionalen Stress bei den Robotern sorgen will oder vielleicht einfach nur weiter läuft. Viele der Fragen, die sich 2B und 9S stellen, gehen mir durch den Kopf, kurz bevor sie von den Androiden ausgesprochen werden - viel mehr kann man nicht ins Spiel gezogen werden. Die Figuren, die nicht müde werden, ihre Künstlichkeit zu betonen, dabei aber mehr menschliche Züge zeigen als ihnen lieb sein kann, sorgen dafür, dass ich mit ihnen leide, mit ihnen hasse und mit ihnen hoffe. Im Vergleich zur Hochglanz-Dramatik à la Hollywood, wie man sie z.B. in Final Fantasy 15 erleben kann, erinnert Nier eher an einen Arthaus-Film.



Kommentare

Crimson Idol schrieb am
ChrisJumper hat geschrieben: ?
18.01.2018 22:14
Ich bin bei meinem ersten Tag wo ich das Spiel spiele.. und gleich nach 1,5 Stunden denke ich mir: What the Fuck!?
Es zieht einen wirklich in den Bann. Ganz anders als ich das erwartet hatte! Sowohl was das Gameplay betrifft als auch was da passiert. Sehr gutes Spiel!
Habe das Spiel selber vor kurzem angefangen und auch ich muss sagen, dass die ersten Minuten (bis zu der Blackbox-Sache) richtig fein inszeniert sind. So einen wilden Gameplay- und Kamerawechsel habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Und der Boss erst. Da war mehr als nur ein WTF fällig bei so einer Idee. =D
Allerdings ist der Part danach dann halt doch erst einmal wieder recht harmlos. Bin jetzt unterwegs in der Wüste und bezüglich Aufwertungen und Co. fühle ich mich auch erst einmal ein bisschen verloren. Werde das Spiel wohl nochmal neu angehen wenn ich irgendwie in einer passenderen Stimmung dafür bin. Bin im Moment nicht so wirklich aufnahmefähig und brauche eher "leichte" Kost.
Aber das Kampfsystem macht selbst am Anfang auf jeden Fall Spaß.
ChrisJumper schrieb am
For Human Mankind!
I never realised how beautiful this World is.
Notiz: Es lohnt sich ab Hintergrund 2 im Startmenü die auto Gameplay Vorschau anzusehen.
Finde das Spiel jetzt schon, was die Sory betrifft unheimlich gelungen. Man verpasst ein Meisterwerk wenn man es nicht bis ganz zum Schluss X mal durch spielt. Einfach Wow.
ChrisJumper schrieb am
Danke für das Angebot Pieter!
Ich werde mich melden. Bin aber die letzten 6 Stunden in dem Spiel versunken, denke es hat mich gepackt. Die Ausbaufunktionen hab ich nicht ganz verstanden. Aber aktuell nutze ich immer Speicher erweitern und Tuning auf eine Ausrichtung beim Shophändler.
Fusion nutze ich auch als Chip-Upgrade, hab da aber noch nicht so das Gefühl das es was bring. EXP kann man nicht selber investieren oder? Die dienen nur dazu den eigenen Level zu steigern oder?
Bisher gefällt mir das Spiel richtig gut, gefühlt ist da eine rieeeesige Welt die man zumindest bis zu den Netzwerkpunkten systematisch entdecken und Frei schalten kann.
Mir gefällt das Quest Design richtig gut, das ist etwas abgedreht aber anders als Gewöhnlich. Bin jetzt im Wald angekommen und nehme mir morgen den König vor. jetzt bin ich wahrscheinlich zu müde.
Dieser 2D, 3D wechsel ist dazu noch ziemlich abwechslungsreich. Bei dem 3 "Boss" hatte ich auch schon fast keine Probleme mehr. Lediglich zwei Anläufe.
Ich hätte es vielleicht nicht direkt auf "Schwer starten" sollen damals dann wäre das alles wohl besser gelaufen. Hatte aber zu Beginn wirklich ein wenig Panik da sich den Titel beiseite lege und für Wochen nicht anrühre wenn ich da nicht ein wenig Rückendeckung und Aufmunterung gehabt hätte mich durchzubeißen.
Mittlerweile spiele ich auch wieder auf Normal.
Wirklich schade finde ich nur die Frame-Einbrüche. Das sind wohl die technischen Probleme die wahrscheinlich auf allen Systemen eintreten, quasi immer dann wenn man auf der Worldmap von einer Location in die nächste läuft und das Spiel nicht wirklich weiß wohin man jetzt gerade will. Ladezeiten gibt es ja eigentlich nur beim nutzen der Transprot Fuktion.
Peter__Piper schrieb am
Aye, ist schade das Anleitungen ausgestorben sind.
Bei dem Spiel könnte man sogar die Anleitung in die Metaebene der Story einflechten :ugly:
Aber einfach weiterspielen, dann wird dir auch immer klarer werden warum das Spiel so ist wie es ist :wink:
Will da nicht zuviel vorwegnehmen.
Und falls Fragen auftauchen, kannst du gerne hier oder per PM nachfragen.
Hab mir das Spiel auch grad nochmal vorgenommen.
ChrisJumper schrieb am
Peter__Piper hat geschrieben: ?
20.01.2018 14:18
Du kannst deine Slots im Wiederstandslager bei so einer Perle auch erweiten :wink:
Danke für den Hinweis Peter_Piper! Werde ich heute Abend gleich mal ausprobieren. Ein sehr gelungenes Spiel eigentlich auch diese technische Aufmachung. Werde aber wohl zu alt weil ich oft merke das mir die Gedult fehlt sich durch Spielen mit dem Menü mit der Software auseinander zu setzen.
Man erwartet ja immer Gewohntes und es ist eigentlich schade das die meisten Spiele das von einem nicht mehr verlangen!
Aber ich sehne mich immer mehr nach einem klassischen Handbuch oder eines das man als PDF aufs Smatphone laden könnte.
Doch irgendwie stirbt das aus. Bei so spielen, fällt mir dann der Anfang immer schwer. Musste auch erst mal (bevor man speichern konnte) die Introsequenz 5 bis 8 mal spielen (!), was ich dann doch etwas anstrengend fand.
Ist wohl ein wenig wie bei Dark Souls, man muss sich einfach durchspielen. Wenn ich von vorne herein wissen würde wie das Spiel tickt würde ich mich da wohler fühlen. So dachte ich die ganze Zeit ich habe etwas übersehen.. und mich gefragt ob das Tutorial schon durch war, oder ich schon raus bin und ich vielleicht mich hätte mehr umschauen sollen und nicht direkt ins Rebellen Lager oder auf dem Schiff noch etwas hätte machen müssen oder mit anderen Personen sprechen etc...
Die Emails und ich glaub es gibt sogar ein Tutorial Punkt, sind zwar hilfreich hatten mich da aber noch nicht drauf hingewiesen.
Vom Gesamtkonzept und der Abwechslung her finde ich das Spiel bisher 1A,...
schrieb am

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