Kommentar

hundertprozent subjektiv

KW 48
Freitag, 02.12.2011

Warum Vita?


Vita - der Name tönt wie eine alberne Kreuzung aus Gesundjoghurt und Wellness-Matratze. Ehrlich, Sony... Und was steckt dahinter? Ein halbes Handy (ohne Telefonfunktion) und eine halbe Konsole (ohne Fernseher). Wo Nintendo also mit 3D ohne Nasenbrücke protzt, setzt Sony auf das Zwischen-allen-Stühlen-Gefühl. Braucht kein Mensch!

Könnte man meinen.

Meine ich aber nicht. Denn ich freue mich wie ein Schnitzel auf den Handheld. Warum? Weil ich das Ding schon mehrmals in der Hand hatte und weil es sich jedes Mal so angefühlt hat, als sei genau das die Zukunft des mobilen Spielens! Natürlich, ja: Wenn man das Lexikon der technischen Vita-Innereien aufschlägt - Touchscreen, zweiter Touchscreen, Kamera, zweite Kamera, Gyrosensor, dazu Beschleunigungssensor, Doppelanalogstick, WiFi und 3G -, dann schwebt dem geistigen Auge ein ungemein überflüssiges Sammelsurium komplett unbrauchbarer Spielereien vor. Muss man etwa mit der Vita in der Hand rennen, um die per GPS errechnete Wegstrecke auch in Killzone zurückzulegen? In der Vergangenheit brauchte es eine Weile, bis die Entwickler begriffen, dass ein Shooter-Spieler nicht wie auf der Rabbids-Party hüpfen will...

Genau das ist es aber: Inzwischen wissen sie es. Denn das FIFA-Toreschießen über den Touchscreen auf der Rückseite lässt sich ebenso abschalten wie die Sixaxis-Lenkung in WipEout. In Uncharted entscheidet man sich beim Zielen für Bewegungssteuerung oder Analogstick und auch in Katamari tippt man entweder direkt auf den Bildschirm oder lenkt die Kugel ganz herkömmlich.

Die Generation Smarthpone will Sony mit kleinen, günstigen Spielen ebenfalls ins Boot holen - wir bekommen also beides. Für mich zählt aber: Ich kann diesen ganzen Handy-Touchscreen-Krampf mit seinen verzögerten Eingaben auf die Ersatzbank schieben. Weil die Grafik beinahe so gestochen scharf aussieht wie ein PS3-Spiel. Und weil die Spiele mit zwei Analogsticks so gut in der Hand liegen wie ein Gamepad. So, und nur so will ich als Zocker unterwegs spielen!

Der Witz ist ja: Dann gewinnen auf einmal sogar diese sinnlosen kleinen Spielereien an Reiz. Ich find's drollig, meinen Everybody's Golfer per Touchscreen in der Luft zappeln zu lassen - so lange ich mit den guten Tasten abschlagen darf. Und ist doch klasse, mit den Fingern durchs WipEout-Menü zu navigieren - wenn auf der Strecke nur Digikreuz oder Analogstick zählen. Hier fühle ich mich nicht unterwegs schnell abgefrühstückt. Hier bin ich Zuhause. Die Vita kann alles - von Touchscreen-Casual bis Hardcore-Survival. Keine Kompromisse. Selbst Metal Gear wird’s geben, sogar BioShock. Sie vereint Gadget-Freude mit Technik-Leidenschaft.

Auch Nintendo hatte mich vor einem guten Jahr an dieser Leidenschaft gepackt, mir einen 3DS in die Hand gedrückt... ich war wie weggeblasen. 3D ohne Brille - ein phänomenaler Effekt! Später stellte sich dann heraus, dass man den 3D-Effekt lieber abschaltet, falls man ein stabiles Bild bevorzugt. Später wurde auch klar, dass ein einzelner Analogstick heutzutage selbst auf einem Handheld zu wenig ist. Später hat man gemerkt, dass die sonstige Technik keinen aus den Socken haut. Und zu allem Überfluss stellte man außerdem fest, dass selbst das Spieleaufgebot zum Großteil aus Recyclingmaterial besteht. Sony verzichtet hingegen auf überflüssigen Schnörkel wie die dritte Dimension und macht die elementaren Bestandteile stark. Und auf Vita sind die Spiele schon zum Start vielversprechender als die des 3DS. Ich ärgere mich über Kosten wie die teuren Speicherkarten. In Anbetracht des Ergebnisses nehme ich sie aber in Kauf.

Ich weiß, dass man auf dieser Lobhudelei wie auf schmierigem Urschleim ausrutscht. Sorry. Sie spricht mir aber aus dem Herzen. Nicht zuletzt war Sonys PSP viele Jahre mein treuer Begleiter - obwohl ich einer der Ersten war, die sie für tot erklärten. Damals steckte die Technik gerade in den besten Jahren - als ihr die meisten Entwickler längst den Rücken gekehrt hatten. Wie komme ich also auf die Idee, dass diesmal alles besser wird? Zum einen, weil Sony aus vielen Fehlern gelernt haben will. Zum anderen, weil die wenigen PSP-Spiele auch später noch verdammt gut waren. Man denke an Resistance, Metal Gear oder God of War. Und wenn ich die gleiche Qualität schon jetzt in Vita-Spielen erkenne, dann lasse ich mich eben gerne hypen.

Bitte, was? Ich sei voreingenommen? Ja, natürlich bin ich voreingenommen! Wer immer einen Batzen Technik-Spielkram in einen knappen Kunststoff/Metall-Aufzug steckt, hat meine ungeteilte Aufmerksamkeit! Wer ein WipEout dazu packt, umso mehr. Hinterher kann man ja immer noch meckern. Erst mal sehen, wie sich die Vita und ihre Spiele diesmal so entwickeln...

Eins steht für mich allerdings fest: Ich will diese Entwicklung vom ersten Tag an live in meinen Händen erleben. Darum Vita!


Benjamin Schmädig,
Redakteur

Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Geschichten aus der Welt der Videospiele
Ausgewählte Kolumnen von Jörg Luibl, Chefredakteur bei 4Players.de, in einem Taschenbuch des CSW-Verlags.

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Kommentare

ProSpiel schrieb am
paullikethis hat geschrieben:Warum sollte die Vita für Capcom uninteressant geworden sein, sind es doch spile wie Monster Hunter, die für immense Verkaufszahlen in Japan sorgen. Ich denke sony kooperiert mit capcom für bessere verkaufszahlen.
- Im Dezember bekam der 3DS schon eine grafisch und spielerisch deutliche erweiterte MH3-Version.
- Monster Hunter 4 wird 2012 exklusiv für den 3DS erscheinen.
- Für die Vita ist nur ein Port des PSP-Monster Hunter 3-Spiels angekündigt.
Nintendo und Capcom kooperieren seit einiger Zeit ziemlich eng, was MH4 und Resident Evil für den 3DS schon zeigen. Näheres dazu wird man auf der diesjährigen E3-Messe erfahren.
paullikethis schrieb am
Warum sollte die Vita für Capcom uninteressant geworden sein, sind es doch spile wie Monster Hunter, die für immense Verkaufszahlen in Japan sorgen. Ich denke sony kooperiert mit capcom für bessere verkaufszahlen.
ProSpiel schrieb am
Wie komme ich also auf die Idee, dass diesmal alles besser wird?
Weil man eine rosarote Brille auf der Nase hat?
Faktisch hat die PSP in den letzten Jahren nur noch ein paar Spiele bekommen weil sie in Japan recht gute Verkaufszahlen hatte, im Westen war sie schon lange tot. Die Verkaufszahlen der Vita in Japan sind aber katastrophal, für den dortigen Markt und die Publisher a la Capcom dürfte die Vita damit schon uninteressant geworden sein.
Warum die Vita nun im Westen erfolgreicher als die PSP sein sollte weiß wohl nur der Autor des Kommentars, denn die Vorraussetzungen für die Vita sind hier noch deutlich schlechter als die der PSP damals.
- Während die PSP damals ein "Männerspielzeug" bzw. technisches Gadget war kauft sich diese Zielgruppe heute lieber ein Tablet-PC oder Smartphone.
- Während der Nintendo DS damals nur wenig sogenannten Core-Spiele wie Racer, Beat'em Ups, Ballerspiele usw. bekam, bekommt der 3DS diese schon am laufenden Band.
- Während der grafische Unterschied zwischen DS und PSP sehr deutlich war ist der zwischen Vita und 3DS deutlich geringer.
- Die Third-Party-Unterstützung für die Vita ist bislang gering, bis auf Bekundungen dieses oder jenes Spiel mal irgendwann für die Vita herauszubringen hört man wenig. Das war Anfangs beim 3DS auch nicht anders, als die Verkäufe des 3DS dann absackten wurden viele Spiele gestrichen. Dabei waren die 3DS-Verkäufe nie annährend so katastrophal wie die der Vita in Japan.
- Seit der Preissenkung und vielen Topspielen erzielt der 3DS Verkaufsrekorde und verkaufte sich 2011 von allen Spielesystemen mit Abstand am meisten. Daher wurden nun doch (und vermutlich endgültig) viele Produktionsressourcen auf den 3DS verlagert. Nur hat Sony keine Möglichkeit den Preis der Vita zu senken (der Firma geht es finanziell momentan sowieso sehr schlecht) oder hat auch nur annährend so sichere Millionenseller wie Mario Kart oder...
(x_x((o---(*_*Q) Duck Hunt schrieb am
Muramasa hat geschrieben:carpe diem ist eher nutze/pflücke den Tag. Und bedeutete in seiner originalform das man den tag nutzen sollte um im christlichen sinne zu arbeiten. Bis mans später Uminterpretiert hat *trolololol*. Find diese lateinischen begriffe lächerlich. Mir kommts meist immer so vor das man sich dadurch künstlich höher heben will. so auch ps vita.
Ich finde sie sehr schön. Viele Sprachen sprechen sich rasend und primitiv. Noch besser ist es mit der deutschen Sprache. Sie ist ausdrucksstarker, Rythmischer und atmosphärischer als alle anderen Sprachen. Weil sie wie Latein eine Reinform ist. Deshalb hören sich amerikanische Filme mit deutscher synchronisierung noch besser an als das Original und geben dem Film den letzten Schliff. Schade das Latein fast ausschließlich in der doofen Kirche angewendet wird und für Fachbegriffe in der naturkunde. Vor allem hinterlässt Latein durch die blöde Kirche ein negatives Erscheinungbild, wenn man an die Millionen Opfer denkt, die die Kirche verschuldet durch Hexenverbrennung, Missionäre in Kolonialländern, Kriege, Intriegen, Schändung. Vita ist ein schönes Wort, passt aber nicht ganz als Handheldname. Man würde es eher irgendwo im gesundheitswesen finden.
Und keine Sprache ist näher dem Latein, als die Deutsche. Wir können wircklich froh sein sie zu können, was man damit alles anstellen kann.
Muramasa schrieb am
carpe diem ist eher nutze/pflücke den Tag. Und bedeutete in seiner originalform das man den tag nutzen sollte um im christlichen sinne zu arbeiten. Bis mans später Uminterpretiert hat *trolololol*. Find diese lateinischen begriffe lächerlich. Mir kommts meist immer so vor das man sich dadurch künstlich höher heben will. so auch ps vita.
schrieb am

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