Grand Slam Tennis - Test, Sport, Nintendo Wii

 

Test: Grand Slam Tennis (Sport)

von Jörg Luibl



Entwickler:
Publisher: EA Sports
Release:
kein Termin
Q2 2010
10.06.2009
Spielinfo Bilder Videos
Zwei Stunden später.

Jeder Spieler hat eine von vier grundlegenden Ausrichtung wie etwa Serve&Volley. Hinzu kommen individuelle Fähigkeiten wie "starker Aufschlag".
McEnroe: Wo ist bitte die versprochene Präzision? Mal klappt etwas genau so, mal nicht - das ist ja wie Schnick-Schnack-Schnuck! Ich bin alles andere als begeistert&

Becker: Weil du verlierst? Ich muss zugeben: Für das Spielgefühl und den Erfolg ist es bis auf klitzekleine Nuancen scheinbar vollkommen egal, ob man mit oder ohne Wii MotionPlus spielt. Immerhin hab ich jetzt ohne drei Matchbälle...

McEnroe: Was mich nervt ist auch, dass ich zwar nach hinten ausholen kann, aber dass ich nicht immer in dieser Haltung verharren kann, um den Schlag quasi noch kräftiger zu gestalten.

Becker: Stimmt, aber ich mag die Lobs und Stopps! Die kommen effizient und vor allem Letztere lassen sich butterweich direkt hinter das Netz spielen, so dass richtig Dynamik in der Diagonalen, wenn man sie quer spielt - das macht Spaß, wenn es klappt und sieht gut aus&

McEnroe: Ja, aber genau diese beiden Techniken werden ja auf Knopfdruck ausgelöst! Wieso kann ich mit WiiMotion Plus nicht über meine Schlagbewegung einen weiten hohen oder einen ganz kurzen Ball einleiten? Müsste das nicht gehen?

Becker: Das ist in der Tat inkonsequent und nicht gerade rühmlich für die auf der E3 hoch gelobte Motiontechnik, zumal das schon in WiiSports Tennis möglich war. Aber egal: Diese beiden Schläge sorgen immerhin für etwas Abwechslung...

McEnroe: Schade nur, dass man nicht dieselbe volle Kontrolle über die Grundlinienschläge hat - man will einen geraden TopSpin schlagen, zieht den Schläger auch nach oben und trifft den Ball nur etwas zu spät, schon zieht er nach links.

Becker: Hey, dann stimmt dein Timing nicht!

McEnroe: Nach zwei Stunden?

Becker: Das selbst verschuldetet Verziehen wäre ja nicht einmal schlimm. Aber manchmal macht man ja genau das, was die Anleitung verlangt und die Richtung stimmt trotzdem nicht: Das Nachschwingen der Remote soll ja den Ausschlag geben, aber selbst wenn man diese Bewegung hinbekommt, liegt der Erfolgsquote bei gefühlten 50:50.

Das Spiel macht erst Spaß, wenn man die automatische Laufbewegung einschaltet. Mit manueller Kontrolle herrscht Chaos...
McEnroe: Und genau deshalb lassen sich nur ganz selten taktisch spannende, weil gewollte Ballwechsel austragen. Zu oft führt der Zufall den Schläger - dabei will ich wie McEnroe spielen und der wusste genau, wohin er den nächsten Ball platziert! Ich bin enttäuscht. Ich würde dem Spiel jetzt gerade mal 60% geben, vielleicht sogar weniger...

Becker: Ich auch. Das ist rein spielerisch nicht besser als TopSpin 3 für Wii und im Vergleich zu WiiSports Tennis nicht konsequent genug weiter entwickelt. Vor allem Wii MotionPlus hat mich ernüchtert.

McEnroe: Vielleicht sollten wir das Spiel mal ohne Nunchuks ausprobieren? Vielleicht kann man sich besser auf die Schläge konzentrieren, wenn die Stars automatisch zum Ball rennen?

Becker: Das ist doch arm! Ich will selber steuern! Aber gut, wir können das ja mal ausprobieren. Immerhin kann man ja über das Digikreuz noch bestimmen, ob man ans Netz rennt oder nicht.

Drei Stunden später.

McEnroe: Also jetzt macht mir das doch deutlich mehr Spaß! Ich würde sagen, meine Erfolgsquote gewollter Schläge liegt jetzt bei 60:40!

Die auf Knopfdruck ausführbaren Stopps und Lobs retten das Spielgefühl auf ein befriedigendes Niveau.
Becker: Ja, schon. Denn endlich kommen mal längere Ballwechsel zustande, weil man auch richtig steht und mehr Zeit für den Schlag hat. Aber will ich Tennis ohne eigene Laufarbeit spielen? Fehlt da nicht etwas?

McEnroe: Egal, jetzt wird es auch endlich mal beim Serve&Volley spannender, weil John alleine nach vorne geht oder bei einem Druck auf das Steuerkreuz. Und auch die Schmetterbälle kommen häufiger, weil der Spieler automatisch nach einem Lob in die Rückwärtsbewegung übergeht. So hat man schön Zeit...

Becker: Jep. Und obwohl kein Nunchuk angeschlossen ist, kann man über das Digikreuz noch die Richtung beim Aufschlag bestimmen. Hält man nach dem Ballwurf nach rechts gedrückt und trifft den Filz auf seiner höchsten Position, dann kracht ein&

McEnroe: ...As! Mist, das hat ja gedonnert. Meine Aufschläge kommen lange nicht so kräftig.

Becker: Du bis ja auch McEnroe. Jeder Spieler hat ja andere Fähigkeiten - insgesamt gibt es sieben, darunter auch Schnelligkeit, Vorhand, Fitness etc. Boris besitzt übrigens auch "Biss" und erreicht deshalb im Hechtsprung mehr Bälle.

McEnroe: Das hab ich vorhin gesehen - auch das sah richtig gut aus. Und ich hab schon wieder mit Big John verloren; Wii MotionPlus hin oder her. Trotzdem ist das Spiel mit der manuellen Steuerung wenigstens einigermaßen befriedigend.

Becker: Ja, aber es bleibt bei dieser Unberechenbarkeit, die einen strategischen Spielaufbau immer wieder im Keim ersticken kann. Das ist kein Ersatz für Virtua Tennis 3 und auch kein Aushängeschild für die neue Bewegungstechnik.

McEnroe: Ehrlich gesagt hat mir das Mario Tennis auf N64 mit zwei Knöpfen weitaus besser gefallen als das hier, weil da nämlich taktischer Spielfluss aufkommt.

Becker: Sehe ich auch so. Das Ganze wirkt wie eine Bewegungsbeta. Vielleicht nutzt EA die Technik von Nintendo auch nicht gut genu aus?

Nach dem Spiel, vor der Karriere.

McEnroe: Kann sein, aber dafür bieten sie einen ordentlichen Umfang. Im Gegensatz zu TopSpin für Wii ist das hier nämlich auch für Solisten interessant. Vielleicht sollte ich mal eine Karriere beginnen, mir einen eigenen Spieler erstellen und ihn als offensiven oder defensiven Grundlinienprofi, als Serve&Volley-Mann oder Allrounder starten lassen.

Becker: Ja, mach das - nennt sich "Grand Slam". Der Spieler steigt dann sogar auf, gewinnt Fähigkeiten und kann am Ende vielleicht alle vier offiziellen Turniere von Paris über Melbourne bis Wimbledon gewinnen. Allerdings muss er das in einer Saison schaffen.

McEnroe: Wirkt sich die Wahl des Spielertyps denn auf dem Platz aus?

In der Karriere geht es an den offiziellen Grand Slam-Schauplätzen  auf Trainingsplätzen los, bevor man sich dem Turnier in fünf Runden stellt.
Becker: Oh ja. Ein offensiver Grundlinientyp ist auf Hartplatz in Australien richtig effektiv, weil er sehr harte Schläge anbringt und damit Druck machen kann, aber er ist auch schwach am Netz, während der defensive Typ schneller auf den Beinen ist und auf Sand ganz groß auftrumpft. Als Boris sollte man vor allem den Rasen wählen, stark aufschlagen und sofort ans Netz!

McEnroe: Aber bin ich dann nicht irgendwann unterlegen, wenn ich mich so festlege?

Becker: Na ja, man kann zwar nicht den Spielertypen, aber die Fähigkeiten vor jedem Match tauschen. Wenn man nach Wimbledon geht, sollte man vielleicht den starken Aufschlag wählen oder sich auch über seine Kleidung kleine Boni sichern. Übrigens: Besiegt man einen Star, kann man auch eine seiner Fähigkeiten in das eigene Repertoire aufnehmen!

McEnroe: Was kann man sonst noch abseits von Training an der Ballmaschine und Karriere machen?

Becker: Man kann im Party-Modus mit bis zu vier Freunden an sechs Tennis-Varianten teilnehmen. Echter Minispielspaß à la Virtua Tennis kommt hier allerdings nicht auf, da es eher um andere Regeln geht: Mal zählen Stopps und Lobs, mal Volleys doppelt, mal treten zwei gegen einen an oder man muss abwechselnd schlagen. Richtig arcadig oder spannend ist da nicht.

McEnroe: Und online? Geht da was?

Auch online darf man aufschlagen: Es geht in Freundschafts- oder Ranglisten-Spielen zur Sache.
Becker: Ja, sowohl im Einzel als auch im Doppel. Man kann entweder Gegner per Zufall einstellen oder direkt gegen einen Freund spielen. Wer keine Lust auf einen EA-Account hat, kann auch als Gast loslegen, aber dann gibt es nur Freundschaftsspiele. Neben einer individuellen Rangliste werden übrigens auch weltweit die Länder gewertet. Sprich: Man kann sehen, an welcher Stelle Deutschland gerade steht.

McEnroe: Und der Netzcode?

Becker: Der ist okay. Zwar kommt es hier und da zu leichten Verzögerungen bei den Spielstandansagen und einigen Wiederholungen, aber ich konnte bereits einige solide Matches spielen.

McEnroe: Mir ist noch eine Kleinigkeit aufgefallen. Und zwar so manche Fehlentscheidung beim Seitenaus - schade, dass es keine manuelle Zeitlupe dafür gibt, denn die Kamera verdeckt manchmal genau den Aufprallpunkt. Wenn man z.B. den klar ins Aus fliegenden Ball in der Luft nimmt, bevor er den Boden berühren kann, wird abgepfiffen und ein Aus gewertet. Ist das überhaupt regelkonform?

Becker: Ach komm, du hast dich verguckt.

McEnroe: Ja ne, ist klar. Ich habe mich jedenfalls mehr bewegt als du.

Becker: Hä, was?

McEnroe: Na ja, am Ende des Spiels wird angezeigt, wer was verbraucht hat. Und da bin ich vorne!

Becker: Vielleicht kannst du ja auch noch das Balance Board anschließen - hey, ich will einfach nur Spielspaß, nicht diesen ganzen Fitnesskram, der jetzt überall rauskommt. Man hat fast das Gefühl, dass man manche Spiele bald in der Apotheke verschrieben bekommt.
       

Kommentare

Z101 schrieb am
Ich frage mich gerade ob die 4players-Redakteure mal ein Wii-Update machen sollten. Bei dem eurogamer-Redakteuer war die Steuerung nach dem Firmware-Update viel besser:
http://www.eurogamer.de/articles/grand-slam-tennis-test
Dabei ist wohl interessant, das die Testredaktionen ja oftmals keine vollwertigen Spiele erhalten, wie sie auch in den Verkauf kommen. Also ohne automatisches Firmwareupdate beim ersten einlegen des Spiels. Es ist wohl tatsächlich so, dass in manchen Redaktionen noch Wiis ohne ein einziges Firmwareupdate benutzt werden.
Auch viele Spieler mit gemoddeten Wiis haben sich in den Foren beschwert, das auf ihren Raubkopierkisten (mit alten oder modifizierten Firmwareversionen) M+ nicht so gut funktioniert, aber das neueste Firmwareupdate können sie sich nicht ziehen aus Angst das dann ihre Raubkopien nicht mehr funktionieren. :lol:
beerra schrieb am
ich habe das spiel nach längerer zeit gestern wieder mal gespielt. kommt es mir nur so vor oder kommen im online-modus die schläge nicht mehr so präzise rüber. offline treff ich fast alles so wie ich will. ausserdem ist mir es mir jetzt schon öffter passiert, dass online falsch gezählt wird. vorhin habe ich und mein gegner auf das selbe punktekonto gespielt,leider nicht auf meins :wink: . jeder punkt den ich gemacht habe hat mein gegner bekommen. kam so etwas bei euch auch schon vor?
mittlerweile stimme ich dem testergebnis von den punkten her zu, wenn auch aus anderen gründen.
Happyflow schrieb am
Ich selbst besitze das Spiel und meiner Meinung nach hat es auch besonders aufgrund des Spielspaßes mindestens 75% verdient.
Watchful_Eye schrieb am
Nur falls es unklar ist:
Beim 1. Start ist es normal, dass der Trainingsmodus gestartet wird.
Sobald du allerdings aus dem Trainingsmodus rausgegangen bist und eine Runde "normal" gespielt hast, sollte das nicht mehr vorkommen.
Übrigens würde ich dem Spiel auch locker 10% mehr geben - auch wenn ich mich der allgemeinen Heulerei, dass Wii Spiele hier grundsätzlich zu schlecht bewertet werden, ausdrücklich nicht anschließen will. ;)
Andi_Bass schrieb am
FordPerfect hat geschrieben:Hallo zusammen,
ich habe in Problem mit dem Spieleinstieg. Wenn ich üner das Wii-Hauptmenü das Spiel starte, kommt immer automatisch der Trainingsmodus. Laut Anleitung kann ich im Hauptmenü einen Spieler erstellen, ein Spiel starten usw. Wie gesagt: Bei mir kommt nur der Trainingsmodus. Kann mir jemand bitte helfen und sagen, was ich falsch mache, bzw. wie ich ein Spiel starten kann?
Viele Grüße
und Danke vorab.
Michael
Hast du vielleicht vergessen ein Profil zu erstellen. Das fragt er dich doch am anfang?
schrieb am