Test zu The Last of Us Part 2 von unserem Leser "" - 4Players.de

 
Action-Adventure
Entwickler: Naughty Dog
Publisher: Sony
Release:
19.06.2020
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ab 149,99€
Spielinfo Bilder Videos

Durchschnittswertung

74%Gesamt
74%

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Lesertest von Unbekannt

The Last of Us Part 2 ist ein Spiel das polarisiert. Die Spanne der Kritik reichte dabei von homophober Anfeindung bis hin zur himmlischer Lobpreisung von nie dagewesenen.

Aufgrund dieser weitreichenden Meinungen wurde eine neutrale Kritik dieses Machwerkes nahezu negiert, was letztendlich nur noch mehr Öl in die ohnehin schon erhitzte Diskussion goss.

Um nun den vorliegenden Spieltitel fair beurteilen zu können, möchte ich als Vorwort erwähnen, dass ich weder homophobe Tendenzen habe noch eine Diskreditierung irgendwelcher Personengruppen anstrebe.

Wenn man TLoU 2 bewertet kommt man nicht um den ersten Teil von Naughty Dog herum.
Was hat den ersten Teil so erfolgreich gemacht? War es die Grafik, das Setting oder die Story?
Teilweise ja aber hauptsächlich war der Grund für den Erfolg dieses storylastigen Spiels vor allem eins: die Charaktere.

Sowohl die Vorgeschichte des Hauptprotagonisten Joel als auch die folgenden zwischenmenschlichen Beziehungen mit Ellie oder Tess waren gut ausgearbeitet und nachvollziehbar.

Hier möchte auch Tess als Frauenrolle hervorheben. Ihre Figur ist äußerst gut ausgearbeitet. Sie ist tough, selbstsicher und absolut auf einer Augenhöhe mit Joel.

Joel und Tess respektieren einander und kennen ihre Stärken und Schwächen. Dadurch werden die beiden ein effizientes Team, welches die Schwierigkeiten der umgebenen Welt zu meistern weiß.

Auch am Ende ihres Auftrittes kann Tess Joel überzeugen über sich hinauszuwachsen und mehr zu werden als nur ein bezahlter Schmuggler, was letztendlich dafür sorgt, dass er eine Vaterfigur für Ellie wird.

Auch Ellie ist sehr gut geschrieben. Die Kombination aus ihrer Kindlichkeit und die Notwendigkeit ihres Erwachsenwerdens ( was sie ja auch Joel klarmachen muss)machen aus ihr einen interessanten Charakter.

Es ist spannend zu sehen wie Joel seine Überfürsorglichkeit gegenüber Ellie immer mehr herunterfahren muss. Ihr aber auch dabei durch seine gute Menschenkenntnis und seiner notwendigen Kompromisslosigkeit gegenüber dieser harten Welt, das Überleben beibringt.

Und hier kommen wir zu den direkten Vergleich zu Protagonisten aus Teil 2:


In Teil 2 merkt man sofort, dass sich das Figurenverhalten drastisch geändert hat. Und zwar nicht zum Besseren.

Während in Teil 1 die gut geschriebenen Charaktere den Plot getragen haben, definiert der Plot die Handlungsweise der Charaktere in Teil 2.

Diese Entscheidung sorgt dafür, dass die Charaktere gegen ihre eigentliche Natur handeln. Aus Menschenkenntnis wird auf einmal blindes Vertrauen, aus Besonnenheit wird blindes Handeln...

Auch wenn der moralische Fingerzeig in der Geschichte klar ist, es wird dieser Rache Thematik alles untergeordnet.

Dadurch werden die Handlungsweisen vieler Figuren nicht mehr nachvollziehbar. In vielen Szenen wird mit den sogenannten "Plot Armor" gearbeitet, dass es schon fast lachhaft ist.
Rachedurstige Charaktere die alles dieser Sehnsucht geopfert haben, bekommen plötzlich 180° Wendung in ihrem Verhalten, was zu hanebüchenen Inkonsequenzen in ihren Tun führt.

Die alten liebgewonnen Protagonisten bekommen alle einen negativen Touch verpasst, was sie gegenüber den Spieler der Teil 1 kannte und mochte entfremdet.
Während die neue Protagonistin auf billigste, manipulative Art und Weise ins positive Spotlight geschoben werden soll.
Beispiel:

Mit Ellie tötet man Hunde, man ist dazu gezwungen, mit Abbey spielt man mit Hunden.
Ellie hinterfragt nicht und tötet meist blind. Abbey lässt einige Protagonisten am Leben und tötet spezifische Gegnertypen.

Auch spielerrisch wird so gearbeitet:

Ellie hat ein kleines Waffenarsenal und wenig Kampfoptionen.
Abbey hat spaßige Nahkampfpunches und wesentlich mehr Waffenoptionen.

Das führt dazu, dass es dreimal mehr Spaß macht mit Abbey zu spielen als mit Ellie. Zumindest auf der Ebene der Spielmechanik.

Wenn man das halbe Spiel durch hat, bekommt man den schlechtesten Perspektivenwechsel, den ich lange in einer Story erleben durfte. Nach der !hälfte! des Spiel bekommt man Abbey und ihre Freunde als neues Erlebnis Umfeld. Frei nach den Motto "zu spät, zu wenig", soll man nun die Motivation dieser Gruppierung aufgetischt bekommen.

Nun könnte man ja annehmen, dass ich unter Abbey´s Umfeld ein guter und interessanter Protagonist versteckt, aber auch hier weit gefehlt.

Danny ist tot. Ihr kennt ihn nicht? Naja ich auch nicht, aber scheinbar sollte es einen kümmern.

Mel schwanger und verantwortungsvoll. Nein ihr ist langweilig und sie fährt mit ihrer kostbaren Fracht in ein Kampfgebiet. Was soll mir dieser Charakter vermitteln. Achja nachträgliches Drama, resultieren aus logischen Figurenverhalten.

Owen Price Charming, der es mit Treue und Verantwortung nicht so genau nimmt. Toller Mensch.

Natürlich Abbey selber, einen Charakter den ich selten so überzeichnet gesehen habe. Wie man eine gute weibliche Protagonistin schreibt, hat man wohl nach Tess verlernt.

Lieber gibt sich unrealistischen Eskapaden hin. Oh neues Storywriting...
Pro
  • Super Grafik die alles aus der PS4 holt
  • Tolle Animationen
  • Gute Gegner KI
  • Abbey macht Spaß zu spielen ( Mechanik)
  • Kaum Ladesequenzen
  • Gutes Gegenerdesign
  • Nähe der Brutalität ist heftig
Kontra
  • Schlechtes Charakterdesign
  • Schlechtes Pacing in der Story
  • Inkonsequenzen und Plot Armor aller Game of Thrones S8
  • Respektloser Umgang mit alten Charakteren sorgt für Entfremdung
  • Schlechte Begleiter KI
  • Storykonzept kann ich in 5min besser Brainstormen, auch mit gleichen Chrakteren und Motivationen
  • Schlechtes Drama , Logikbrüche führen selten zu guten dramatischen Errungenschaften
 

The Last of Us Part 2

The Last of Us Part 2
03.07.2020 PS4 
65%
3 2

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