Resident Evil 6
USK: 18
Action (Survival-Horror)

Test: Resident Evil 6

So testet 4Players

Autor:
Jörg Luibl

Als Capcom zum ersten Mal live Spielszenen aus Resident Evil 6 präsentierte, war ich erleichtert. Immerhin gab es vorher Schlagzeilen, die das Call of Duty-Gespenst an die Wand malten. Aber in der Haut von Leon S. Kennedy erforschte man für eine Stunde ein düsteres Areal - fast wie in alten Zeiten. Als die Japaner danach betonten, dass sie an die Tradition der Reihe anknüpfen und den Horror auf eine neue Ebene bringen wollen, habe ich mich richtig auf diesen Test gefreut.
Große Versprechen…

Video: Zu Beginn weckt die Kampagen mit Leon noch die Vorfreude. Immerhin hat Capcom hier Survival-Horror alter Schule versprochen.
Hallo, Herr Kobayashi! Erinnern sie sich? Vermutlich nicht, denn ich war nur einer von vielen Journalisten in einem dunklen Raum, als Leon S. Kennedy im April auf der Captivate seine ersten Schritte machte. Er war zwar in einer amerikanischen Universität unterwegs, aber nicht nur die Holzvertäfelungen und Kronleuchter erinnerten an die mondäne Villa von Umbrella. Neben dem altmodischen Interieur sorgte das ruhige Erkunden einer schaurigen Kulisse für Neugier. Bis zu den Zombies in der Tiefgarage, die geifernd aus dem Halbdunkel schlurfen, macht dieses Spiel auch heute einiges richtig – vor allem in der ersten Stunde. Es ist mir vollkommen schleierhaft, warum man dieser Dramaturgie danach nicht konsequent folgt.

Wie all die Kollegen habe ich mir schon damals erfreut Notizen über diesen vielversprechenden Einstieg gemacht, Herr Kobayashi. Denn was sagte ihr Kollege Masachika Kawata noch im März zu aller Bestürzung:

"Ich denke, dass die Serie [Resident Evil] in diese actionorientierte Richtung gehen muss - vor allem auf dem nordamerikanischen Markt. (...) Wenn wir uns die Marktdaten von 'Survival Horror'-Spielen anschauen, dann ist der Markt sehr klein im Vergleich zu den Verkaufszahlen, die Call of Duty und die anderen Actionspiele erreichen."

Was erzählten sie der versammelten Skepsis dann im April? Sie wollten als Executive Producer dafür sorgen, dass Resident Evil 6 (RE6) an die „lauernden Schrecken“ und die „Schockmomente“ anknüpft, die viele Fans mit den Anfängen der Serie verbinden. Man sollte wieder diese „Ungewissheit verspüren“, wenn man um eine Ecke geht. Ihr Team wollte nicht nur „etwas bisher nie Erlebtes“ inszenieren, sondern den "Survival-Horror auf eine neue Ebene" bringen. Kein Problem: Klappern gehört natürlich zum Handwerk. Deshalb habe ich in der Vorschau gesagt, dass wir Sie und ihr Team an diesem Versprechen messen werden. Und wie soll ich sagen? Sie haben es gebrochen. Das Spiel ist eine große Enttäuschung.

…werden nicht gehalten!

Man kann die Kampagne jederzeit kooperativ spielen, offline im Splitscreen oder online.
Man kann die Kampagne jederzeit kooperativ spielen, offline im Splitscreen oder online. Außerdem kehrt der Söldner-Modus zurück. Der Umfang ist enorm: Vier Szenarien (Leon, Chris, Jake, Ada) mit je fünf Kapiteln sorgen für über 30 Stunden Spielzeit.
Das superlative Gelaber hinsichtlich des avisierten Spieldesigns, das Horror wie in alten Zeiten versprach, ist im Nachhinein von knapp 30 Stunden eine einzige Unverschämtheit. Dieses RE6 ist tatsächlich der beschämende Kniefall vor Call of Duty. Sorry, wenn ich die Wertungstendenz jetzt vielleicht ein wenig gespoilert habe (mit dem Award wird es natürlich verflixt schwer). Die Frage in diesem Test lautet also: Warum enttäuscht dieses Spiel so? Immerhin blitzen in einigen Momenten ja ein paar Stärken auf, die Zwischensequenzen sind wirklich sehr ansehnlich, manchmal fühlt man sich sogar etwas bedrängt und bedroht, außerdem sehen die wenigen echten Zombies teilweise klasse aus.

Der explosive Prolog würde zwar Michael Bay stolz machen, aber schon hier deutet sich in einem überzogenen Höhepunktverschleiß an, was Stunde um Stunde zur traurigen Gewissheit wird: Dieses Resident Evil wurde so auf Massenunterhaltung getrimmt, dass man die Unterschiede zu 08/15-Shootern irgendwann kaum noch erkennt – man fühlt sich viel zu früh an die schrecklichen Kinofilme erinnert. Das ist also kein Zurück-zu-den-Wurzeln mit einer Besinnung auf eigene Werte. Wohlgemerkt: Ich rede nicht vom Urvater Resident Evil anno 1996, sondern von Resident Evil 4 (RE4) anno 2005 – selbst von dieser (wichtigen! Wertung: 93%) Modernisierung hat man sich hinsichtlich Tempo, Dramaturgie und Design so entfernt, dass man von unterschiedlichen Spielen reden muss. Es gibt einige ekelhafte Szenen: Da wird zerfleischt, zerschreddert und zerfetzt. Aber es wird zu wenig erschrocken, zusammen gezuckt und geängstigt.

Das hat nichts mit falscher Nostalgie zu tun: Es geht nicht darum, dass früher alles besser war. Aber man sollte als Entwickler Respekt vor etablierten Werten haben und gleichzeitig den Mut zum Fortschritt beweisen - das beste Beispiel einer Modernisierung war RE4.  Ich habe dieses Spiel geliebt! Aber ich könnte keine Szene in diesem sechsten Teil nennen, die dessen Terror verströmt. Erinnert sich jemand an die Stelle, an der man von allen Seiten belagert wird? Mehrere Dutzend Fanatiker wollten Leon und Spanier Luis lynchen. Da war dieses Haus. Man stürmte zusammen hinein. Man verbarrikadierte Türen und Fenster. Man saß in der Falle. Dann barsten die ersten Scheiben, brachen die ersten Türen. Rücken an Rücken versuchte man, den blutrünstigen Mob aufzuhalten. Das erinnerte an Butch Cassidy und Sundance Kid, an dieses Wir-gegen-alle-Gefühl. Wo sind diese Momente hier?

Kommentare

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  • die demo von revelations ist schlicht datenmüll.
  • PanzerGrenadiere schrieb:
    und weil es so schön ist: [url]http://www.youtube.com/watch?v=7LrVou1Jo7w[/url]
    Ahaha grandios Zum  [...]
    PanzerGrenadiere schrieb:
    und weil es so schön ist: [url]http://www.youtube.com/watch?v=7LrVou1Jo7w[/url]
    Ahaha grandios Zum Spiel kann ich leider kein Fazit abgeben, da ich es erst 1-2 Stunden gespielt hab und dann entnervt aufgegeben hab. Seitdem liegt es im Regal. Könnte man aber schon fast als kleines Fazit ansehen
  • PanzerGrenadiere schrieb:
    der war gut. und weil es so schön ist: [url]http://www.youtube.com/watch?v=7LrVou1Jo7w[/url]
    Ach, immer wieder  [...]
    PanzerGrenadiere schrieb:
    der war gut. und weil es so schön ist: [url]http://www.youtube.com/watch?v=7LrVou1Jo7w[/url]
    Ach, immer wieder nett anzuschauen. fanboyauf3uhr schrieb:
    äh ja genau und btw. revelations ... hab gestern mal die demo gespielt, kann nich euer ernst sein das das besser sein soll als teil 6? das kam mir von der spielweise eher vor wie ein einfallsloseres ps1 spiel ... - da ist ne luke wo schleim raus tropft, na wann kommt da wohl der zombie raus? jetzt oder erst auf dem rückweg? ... ah auf dem rückweg ...
    Ich fand RE 6 auch toll und hatte viel Spaß mit dem Spiel. Ich habe es mehrfach auf den unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden durchgespielt. Aber man kann die Fehler, die das Spiel hat, nicht wegdiskutieren und sollte diese, auch oder gerade wenn einem das Spiel gefallen hat, nicht ausblenden. Die Steuerung hat sich verbessert und wenn man sich an sie gewöhnt hat, geht sie auch flüssig von der Hand. Sie ist jedoch nicht perfekt und hat Optimierungspotential, vor allem beim Deckungssystem. Die Grafik und die Filmsequenzen sind mal gut, mal -besonders die Texturen betreffend- schlecht. Auf jeden Fall kein Totalausfall, wie das manche gerne sagen. Die Inszenierung, die sich durch das gesamte Spiel zieht, seien es nun die Actionsequenzen, die QTEs, die mehrstufigen Bossgegner oder die Dialoge, ist manchmal etwas übertrieben, um nicht zu sagen machmal sogar vermutlich unfreiwillig komisch. Die Dialoge sind an manchen Stellen so haarsträubend, dass man aus dem Augenverdrehen in ein Lachen übergeht. Das kannst du aber alles hier nachlesen, wurde sich doch schon ausführlich darüber unterhalten. Wobei ich dir nicht zustimme, was RE Revelations betrifft. Das Spiel ist ebenfalls gut, nur anders gemacht und -gerade wenn man es auf dem 3DS gespielt hat- näher am 5. bzw. 4. Teil dran.

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