Heavy Rain
USK: 16

Test: Heavy Rain

So testet 4Players
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Autor:
Jörg Luibl

Es war einmal im Mai auf einer E3. Da haben ein paar Franzosen für Aufruhr im fernen Amerika gesorgt. Sie hatten allerdings weder einen Shooter noch Bin Laden oder einen Spielberg im Gepäck - bloß ein "Casting". Vier Minuten Film, in denen eine Frau nervlich zusammen bricht. Diese kleine Szene war so bewegend, dass sie große Hoffnungen weckte: Könnte das junge Medium irgendwann mal seine audiovisuelle Kraft ausspielen und bewegende Geschichten erzählen? Könnte das Videospiel zum interaktiven Drama für Erwachsene reifen?
Der Origami-Killer

Es hört einfach nicht auf. Es regnet weiter in Strömen. Es schüttet seit Wochen aus einem steingrauen Himmel, der wie ein finsteres Gewölbe über einer fiktiven Stadt an der amerikanischen Ostküste kauert. Darunter ist die Stimmung gedrückt: Ein Serienkiller hat zugeschlagen - zum siebten Mal. Schon wieder traf es einen Jungen. Schon wieder wurde das Opfer ertrunken aufgefunden. Schon wieder hat man eine Origami-Figur sowie eine Orchidee am Tatort entdeckt. Wer tut so etwas? Was geht in diesem kranken Hirn vor? Bevölkerung, Presse und Polizei sind ratlos. Selbst die Musik brandet traurig und trostlos in dunklen Akkorden auf. Und die Nerven liegen blank...
Madison wird von Schlaflosigkeit und Alpträumen geplagt, während die Stadt im Regen versinkt.




























Diese scheiß Kopfschmerzen! Jetzt verschwimmt wieder alles. Soll ich ein bisschen Dope nehmen? Kann doch nicht schaden - dann steht die Welt wenigstens wieder gerade. Und es muss ja niemand im Büro sehen, wenn ich es geschickt anstelle. Hey, ich bin immerhin FBI-Profiler. Außerdem muss ich mich beruhigen, denn mir geht dieser cholerische Officer namens Blake auf den Geist. Dieser primitive Gorilla versteht doch nichts von der Psyche eines Killers! Der will einfach nur jemanden zusammen schlagen und einbuchten. Vorhin hat er ohne Durchsuchungsbefehl die Wohnungstür eines Verdächtigen eingetreten. Was soll das? Ich hatte keine Wahl, bin ihm in die düstere Kaschemme voller Kruzifixe gefolgt...

Das Spiel der Eskalation

In einer kleinen Stadt an der amerikanischen Ostküste schlägt ein Serienkiller zu - und es will nicht aufhören zu regnen.
Oh Mann - jetzt drängt er diesen labilen Freak auch noch in die Ecke mit seinem aggressiven Verhör! Wieso muss er ihn so unter Druck setzen? Erkennt er nicht, dass er gleich ausflippen könnte? Soll ich dazwischen gehen? Ich könnte es versuchen. Ich könnte den Officer zurechtweisen. Die Option schwebt verführerisch in der Luft. Aber erstmal abwarten, wie sich der Konflikt entwickelt. Verdammt, ist es hier stickig - wann wurde hier das letzte Mal gelüftet? Und überall diese Kreuze und Kerzen. Ich höre mir auf Knopfdruck meine Gedanken an: Der Mann kann nicht der Täter sein! Mir wird gleich wieder übel...der Typ brüllt plötzlich...schreit etwas...zieht eine Knarre...hey, was ist hier los? Verdammt, jetzt zielt er auf Blake! Was soll ich machen? Ihn beruhigen? Selber schießen? Ich hab die Waffe schon in der Hand! Wäre das Notwehr? Verflixt!

Je nachdem wie ich mich hier entscheide, wird Blut fließen. Oder auch nicht. Einfach ist das nicht, denn Blake brüllt mir die ganze Zeit ins Ohr, dass ich den Irren endlich abknallen soll, während der irgendeinen satanischen Unsinn aus der Bibel rezitiert - außerdem gibt es kein gemütliches Dialogmenü mit Dauerpause: Meine Handlungs- und Sprachoptionen schwirren wie nervöse Stichwortfliegen in Echtzeit umher. Es ist schwierig, den passenden Knopf zu einer Antwort auf Anhieb zu finden, zumal die Schrift manchmal verzerrt erscheint! Und ich habe nicht ewig Zeit, denn irgendwann wird automatisch etwas passieren. Es knistert in dieser Situation vor Spannung, denn die dynamische Benutzeroberfläche ist ein Teil der Dramaturgie - und von der beruhigenden Deeskalation bis hin zur blutigen Eskalation ist alles möglich. Was mache ich jetzt?

Leben oder Tod

Aggressiv oder verständnisvoll? Ruppig oder elegant? Ihr habt auch bei Verhören die Wahl.
Heavy Rain ist ein Spiel der Konflikte und Entscheidungen, der Emotionen und Konsequenzen. Und es ist anders: Es gibt kein Inventar und keine Itemkombinationen, schon gar kein Point oder Click - und doch viel Adventure. Es gibt kein Waffenarsenal und keine Munition, schon gar keinen Bodycount oder fette Bosse - und doch viel Action. Es gibt keine Charakterwerte und keine Level-ups, schon gar keine Klassen oder Quests - und doch viel Rollenspiel. Man nimmt dieses Abenteuer trotz vertrauter Schatten ganz anders wahr, weil es auf viele Konventionen des klassischen Spieldesigns pfeift und die altbekannte Mechanik der Verwaltung und Steuerung bewusst in den Hintergrund rückt. Es sind die Gesten, Gedanken und Worte, die hier wichtig sind. Es geht nicht um Statistiken, nicht um Kills, nicht um das nächste Level, nicht um Lösungen, sondern einzig und allein um Situationen.

Hier steht nicht das Meistern einer Aufgabe im Vordergrund, obwohl man auch hitzige Schussgefechte bestehen, Hindernisparcours' bewältigen, gefährliche Labyrinthe durchkriechen, tödliche Fesseln lösen oder kleine Origamitiere falten muss - es gibt also genug Spiel im
Fahrenheit (Wertung: 86%) ist der spirituelle Vorgänger von Heavy Rain. Damit hat das französische Team von Quantic Dream schon 2005 angedeutet, in welche Richtung sie das Adventure bringen wollen: Weg vom klassischen Point&Click, hin zu modernen Kulissen mit Emotionen, Konsequenzen und filmisch inszenierter Story. Auf der PlayStation 3 gehen sie diesen Weg konsequent weiter.
Drama. Es geht aber immer um das Erleben einer Situation. Das kann etwas Alltägliches wie der Besuch eines Spielplatzes mit dem Sohn sein, wo man als Papa ganz brav die Wippe bedient, oder etwas Außergewöhnliches wie der anzügliche Strip vor einem Gangster, dem man den Arsch möglichst aufreizend ins Gesicht halten muss, nachdem man ihn unten auf der Tanzfläche erfolgreich aufgegeilt hat. Es geht vom Banalen in das Extreme. Damit setzt Heavy Rain an einem für Spiele immer noch überaus ungewöhnlichen Punkt an: Der Stimmung, dem Gefühl des Augenblicks.
                      

Kommentare

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  • cHL schrieb:
    ich hab das spiel jetzt (gut 1,5 jahre zu spät ) gespielt und möchte an dieser stelle ein paar sachen anmerken. zu aller erst. ja es hat spaß gemacht. die story war gut genug um
     [...]
    cHL schrieb:
    ich hab das spiel jetzt (gut 1,5 jahre zu spät ) gespielt und möchte an dieser stelle ein paar sachen anmerken. zu aller erst. ja es hat spaß gemacht. die story war gut genug um mich zu fangen und dazu zu bringen das ding an einem stück durchzuspielen. aber, wenn ich diesen test davor gelesen hätte, wäre ich maßlos enttäuscht worden. 94%? kein wort über die haarsträubenden bugs beim eventtriggering? man geht minutenlang herum bis das spiel endlich mal das skript triggert weil man davor nicht im richtigen winkel zu andren figuren steht oder schlicht zu schnell(wtf?) in die triggerzones läuft und erstmal wieder zurück gehen muss um die nächste szene auszulösen (was man ja erst mal checken muss, davor rennt man halt rum und versucht irgendwelche sinnlosen aktionen). kein wort darüber dass moralische entscheidungen mitten in buttonmashparaden auftreten und somit eher zufällig ( [spoiler]die aktion im untergehenden auto ist da hervorzuheben und unter aller sau, woher soll man den erkennen welches der beiden möglichkeiten ein im stich lassen auslöst, und vorallem dass diese entscheidung überhaupt ansteht??[/spoiler]) entschieden werden. zuviele entscheidungsmöglichkeiten sind als solche nicht erkennbar. warum wird nicht erwähnt dass in der story ständig erzählerische lücken aufklaffen? ein spiel mit den anspruch von heavy rain sollte nicht einfach wichtige informationen und wie man diese erlang überspringen, oder gar grundlegende ereignisse ( [spoiler]da findet man durch kreuzlesen zweier namenlisten einen wichtigen namen und eine sekunde später steht man am friedhof und redet darüber dass der jenige tot ist. oder man versucht an einem tatort die spuren zu verwischen, verlässt das gebäude und findet sich plötzlich inmitten eines verhörs wieder. wurde man beim rausgehen erwischt? hat man vergessen fingerabdrücke wegzuwischen? wie kommt es dazu? kein wort. diese sachen waren so schlimm dass ich mir nicht sicher bin ob hier geschlampt wurde oder bugs dazu führen dass ganze sequenzen übersprungen werden.[/spoiler]) das die "interessanten" gameplayaktionen der einzigen spielbaren frau aus "opfer sein", "sexy sein" oder "hilfreich sein" besteht ist auch nicht gerade eine sache die für dieses spiel und seine erzählung spricht. da werden plattitüden ausgepackt, durchgenommen und am ende ausgespuckt ohne auch nur ansatzweise die ironie eines gtas zu zeigen. nein, das spiel scheint sich hier jedes mal selbst ernst zu nehmen und liefert ein eher altertümliches moralisches weltbild das eher an duke nukem als an einen modernen thriller erinnert. dass das gameplay für erfahrene zocker zu einfach ist, ist kein großes geheimnis und vorallem, für die bewertung, kein großes problem. heavy rain wollte nie ein hardcore game sein. aber dass gerade die punkte die das spiel ausmachen sollen, dermaßen schlecht und fehlerhaft umgesetzt sind ist eine riesen enttäuschung. dazu kommt das mars und der fbi agent äußerlich die gleichen figuren nur mit unterschiedlicher gesichtbeharrung sind. hallo?? virtuelle schauspieler und dann sind 2 der hauptprotagonisten nix andres als klone? und das geht leider ewig so weiter. die bewegungssteuerung ist ein graus, passanten erinnern an fifa12/pes publikum und die entscheidungsfreiheit ist ein schein. denn genau die sachen die man machen möchte und auf der hand liegen kann man nicht machen. manchmal gerechtfertigt um die story voranzubringen, manchmal scheinbar einfach nur aus erzählerischer schlamperei. das liest sich jetzt vielleicht wie ein veriss aber ich hab die 8 stunden keinesfalls bereut und hatte meinen spaß. aber eine wertung über 80% ist für dieses spiel, das gerade bei den punkten die es ausmachen soll, so daneben greift ist schlicht und einfach eine frechheit. allein das kein einziger der von mir angesprochenen mängel im test angeführt wird (das pro und contra fazit ist in meinen augen schlichtweg falsch) zeigt dass hier keinesfalls objektiv bewertet wurde. tut mir leid, ich möchte den autor nicht angreifen, aber dieser test ist sehr schwach. und, um mich zu wiederholen, wenn ich ihn gelesen hätte bevor ich das spiel gespielt hab, wäre ich davon maßlos enttäuscht gewesen. heavy rain ist kein schlechtes spiel weil es andere/gameplaytechnisch simplere wege geht. nein, heavy rain ist einfach nicht besonders gut, weil sovieles was das spiel ausmachen sollte lücken- und fehlerhaft ist.
    Habe mir das Spiel gerade erst besorgt und innerhalb von 2 Tagen durchgespielt. [spoiler]Kein Bild, nein, aber wenn man genau hinschaut wird der Gegenstand, an dem du die Fingerspuren nicht abgewischt hast noch kurz eingeblendet, bevor es aufs Revier geht. Viele angebliche Logikfehler werden hier nur genannt, aufgrund von unachtsamkeit, soll auch kein Vorwurf sein, weil man kann net alles immer 100% mitbekommen. Jedoch ist mir beim Spielen nicht einmal etwas aufgefallen und ich achte in der Regel sehr auf sowas.[/spoiler]
  • Keyalha schrieb:
    ...und Fahrenheit welches ich mir nachdem ich über Heavy Rain gelesen habe extra gekauft habe läuft auf Windows 7 nicht
    schau ma:  [...]
    Keyalha schrieb:
    ...und Fahrenheit welches ich mir nachdem ich über Heavy Rain gelesen habe extra gekauft habe läuft auf Windows 7 nicht
    schau ma: http://www.youtube.com/watch?v=qBzYhkyvixU ist allerdings englisch und wurde von mir nicht getestet, aber vielleicht haste ja glück! greetingz
  • Also ich hätte das Spiel gerne auf den PC gespielt genauso wie Fahrenheit nur wird Heavy Rain wohl nie auf den PC erscheinen weil es ein Exklusivtitel ist und Fahrenheit welches ich mir nachdem ich über Heavy Rain gelesen habe extra gekauft habe läuft auf Windows 7 nicht  [...] Also ich hätte das Spiel gerne auf den PC gespielt genauso wie Fahrenheit nur wird Heavy Rain wohl nie auf den PC erscheinen weil es ein Exklusivtitel ist und Fahrenheit welches ich mir nachdem ich über Heavy Rain gelesen habe extra gekauft habe läuft auf Windows 7 nicht Fazit: der PC spieler der sich einer Konsole verweigert ( in meinem Fall wg Geld ) verpasst ein Spiel das imho klar das Spiel des Jahres wird ( das verbuggte Skyrim kann einpacken ).