Scythe - Brettspiel-Test, Brettspiel, Spielkultur - 4Players.de

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Scythe (Brettspiel) von Stonemaier Games
Ein Gemälde für Strategen
Aufbaustrategie
Publisher: Stonemaier Games
Release:
16.10.2016
Spielinfo Bilder Videos
Schon auf der Spielemesse in Essen zog Scythe (dt. "Sense") mit seinem markanten Artdesign viele Blicke auf sich. Die mit 1,8 Millionen über Kickstarter finanzierte Aufbaustrategie entführt in ein fiktives Szenario nach dem Ersten Weltkrieg. Ein bis fünf Spieler kämpfen auf einer malerischen Karte um den Sieg. Warum das Brettspiel nicht nur klasse aussieht, sondern auch spannende Taktiken ermöglicht, klärt der Test.


Das Auge isst mit

Es gibt sehr wenige Brettspiele, die schon vor dem Aufbau die Fantasie anregen. Von mir aus könnten tolle Spiele wie Gleichgewicht des Schreckens oder Terraforming Mars auch in einer grauen Schachtel verkauft werden - denn es kommt natürlich auf den Inhalt an. Aber bei Scythe werde ich zum Romantiker. Ich schaue nur kurz auf diese Box und werde von diesem Gemälde in eine idyllische Landschaft entführt, in der Bauern mit ihren Sensen die Ernte einbringen, während Lanzenreiter und riesige Kampfroboter in ein Scharmützel verwickelt werden. Ich habe das Gefühl, zwischen goldenem Heu, bunten Wimpeln und grauem Pulverdampf einen Blick in eine andere Zeit zu erhaschen.

Scythe wurde über Kickstarter finanziert und von Jamey Stegmaier entworfen; Bilder und Gestaltung stammen von Jakub Rozalski. Man kann es bei Stonemaier Games für 80 Dollar auf Deutsch bestellen.
Scythe wurde über Kickstarter finanziert und von Jamey Stegmaier entworfen; Bilder und Gestaltung stammen von Jakub Rozalski. Man kann es bei Stonemaier Games für 80 Dollar auf Deutsch bestellen.
Genauer gesagt in ein alternatives Osteuropa der 20er Jahre, das sich nach dem Ersten Weltkrieg ganz anders entwickelt hat. Hier sind Anführer auch mal mit Tigern oder Bären unterwegs, die als treue Begleiter mit Taschen oder Waffen bestückt sind, während andere Soldaten in zweibeinigen Robotern durch die Gegend stampfen. Diese bizarre Mischung aus Bauernidylle und Stahlgewitter wurde vom Polen Jakub Rozalski entworfen - hier gibt es einen Blick auf seine Kunst. Und das Beste ist: Er hat nicht nur die Box sowie die Miniaturen gestaltet, sondern auch alle Illustrationen, so dass viele weitere seiner eindringlichen Gemälde die Charakter-, Auftrags- und Ereigniskarten zieren.

Malerisches Artdesign von der Box bis zur Karte

Scythe wurde für einen bis fünf Spieler konzipiert und inszeniert Aufbaustrategie mit 4X-Flair.
Scythe wurde für einen bis fünf Spieler konzipiert und inszeniert Aufbaustrategie mit 4X-Flair. Neben Holzfiguren gibt es auch 20 Mechs sowie fünf Anführer als Miniaturen.
So entsteht schon mit dem Aufbau ein gediegenes Flair. Deckt man solche Karten in anderen Brettspielen auf, liest man sie meist nur vor oder stapelt sie unbesehen, aber hier haben wir zumindest in den ersten Spielen einfach länger hingeschaut und tatsächlich über die Szenen gesprochen - manche haben eine solche Ausstrahlung, dass sie auch im Louvre hängen könnten.

Sie sind aber kein künstlerischer Selbstzweck, sondern stellen bei den Ereignissen meist die Situationen dar, über die man wie in einem kleinen Rollenspiel entscheiden soll: Da erkennt man z.B. eine Wiese mit Mechs, einen Bauern sowie einen Anführer samt Bären und wird gefragt, ob man ihm zeigen will, wie gut das eigene Tier gehorcht, ob man ihn für die Munition aus dem Mech bezahlen will oder den eigenen Bären Amok laufen lässt - je nach Wahl bekommt man Geld, Ansehen oder Stärke.

Nicht falsch verstehen: Scythe ist kein Rollenspiel oder Tabletop-Abenteuer, sondern inszeniert aufbauende Strategie à la Eclipse, Blood Rage & Co inklusive Arbeiter, Gebäude, Rohstoffe, Militär und Technologien für einen bis fünf Spieler, die mit einer kleinen Provinz am Rande der Welt starten. Im Herzen der wunderschönen Karte hat sich der kapitalistische Stadtstaat "Die Fabrik" von der Außenwelt abgeschottet, obwohl er mit seinen Mechs zuvor den Krieg schürte. Das weckt die Neugier der umliegenden Reiche, darunter Polen, Sachsen, Skandinavier, Tartaren und Russen, die zum Zentrum vorstoßen wollen. Ziel ist es, am Ende das größte Vermögen aller Fraktionen vorzuweisen.

Kommentare

TanteDörte schrieb am
Vielen Dank für den guten und ausführlichen Test. Mir macht das Spiel sehr viel Spaß, ich habe aber auch noch nicht so viele Runden hinter mir..
Zocke gerade "The Others" und "Die Kolonisten". Beide würden sich auch recht gut für einen Test eignen, falls sie noch nicht auf dem Radar waren :D .
Als altes Netrunner-Wesen freu ich mich natürlich auch nächstes Jahr auf "New Angeles"...
Habt ein paar entspannte Weihnachtstage!
M_Coaster schrieb am
Ich glaube das ist auch einer der Vorteile des Spiels - man kann es obwohl es komplexer ist, mit vielen Leuten spielen. Ich finde ab dem Midgame wird das Spiel aber uninteressanter und wenn man es häufiger spielt, dann wird es schnell monoton, obwohl das Spiel modular ist. Ich habe es auf der Spiel16 für 50? gekauft - ich bereue den Kauf nicht, es war aber einer der schlechteren Investitionen.
danibua schrieb am
Mir gefällts, trotz leichtem monopoly charakter, sehr viel besser als gedacht, vielleicht auch deshalb weil meine frau da auch ganz gerne mitspielt.
Hatte es eigentlich nur mitgenommen weil mein lokaler händler ne black friday aktion auf pegasus spiele hatte und ich es da um 30? mitnehmen konnte.
Erwartet hatte ich nicht viel davon, die idee rinder durch die pampas zu treiben hatte einfach keine faszination auf mich ausgeübt.
Umso schöner wenns letztenendes gefällt :)
M_Coaster schrieb am
danibua hat geschrieben: Überraschend gut finde ich auch Great Western Trails, habe ich mir neulich spontan mitgenommen obwohl ich es gar nicht am Zettel hatte, für mich ist 2016 ein bisher grandioses Brettspieljahr, ich werde dranbauen müssen wenn es in dieser Schlagzahl weitergeht.
Great Western Trail ist bei mir von purer Begeisterung auf "ganz gut" gesunken. Da gibt es leider ein zwei Dinge die mir nach ein paar Spieldurchgängen den Spielspaß etwas rauben.
danibua schrieb am
Mit 90-120 minuten kann man (je nach spielerzahl und regelkenntnis) schon rechnen, was ich für ein spiel dieser art sehr im rahmen finde.
Da gibts in diesem segment doch deutlich längere brettspiele.
2 partien bringt man an einem längeren abend also normalerweise schön unter.
Jedenfalls hat die zweite dreierpartie bei uns ungefähr zwei stunden gebraucht.
Solo gehts deutlich schneller, da brauche ich ungefähr eine stunde.
schrieb am

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