Cheats: die Kultur des Schummelns - Special, Unternehmen - 4Players.de

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Die Lust am Mogeln - Die Ästhetik von Cheats

Ein Gastbeitrag von Julian Kücklich


1. Cheats als ästhetisches Phänomen

Cheats haben bisher von der jungen Disziplin der game studies nur wenig Aufmerksamkeit erhalten. Aber Cheats sind ein wichtiger Teil der Spielkultur - dies wird allein schon daran deutlich, dass fast kein Spielmagazin ohne Cheatrubrik auskommt und dass Cheat-Websites sich anhaltender Beliebtheit erfreuen. Darüber hinaus gibt es kaum Spiele, in denen es nicht die Möglichkeit gibt zu mogeln. In anderen Worten: wenn wir Computerspiele spielen sind Cheats immer eine Option. Ob wir mogeln oder nicht, die Spielerfahrung ist immer davon beeinflusst, dass uns 'illegale' Mittel zur Verfügung stehen.

In Multiplayer-Spielen beeinflussen Cheats nicht nur die Erfahrung dessen, der sie anwendet, sondern auch die seiner Mitspieler. In Spielen wie Counterstrike sind Spieler, die mit 'aimbots' ausgerüstet sind, den anderen Spielern so weit überlegen, dass sie im Prinzip unverwundbar sind. Oft verlagert sich die Herausforderung für 'professionelle' Cheater vom Wettkampf mit anderen Spielern zu einem Wettkampf mit den Maßnahmen zur Cheat-Prävention, die auf den Spielservern eingesetzt werden. Erst dann können wir eigentlich vom Mogeln als einer 'illegalen' Tätigkeit sprechen und das Vergnügen dieser Tätigkeit beruht sicherlich zum Teil darauf, dass sie soziale Normen überwindet.

2. Was sind Cheats?

Es ist nicht einfach Cheats zu definieren, denn sie sind so mannigfaltig wie die Computerspiele, in denen sie Anwendung finden. Die meisten Cheats geben Spielern einen Vorteil, der von den Regeln des Spiels nicht vorgesehen ist. Aber andere Cheats verändern einfach nur das Aussehen der Spielwelt. Ein Beispiel dafür sind die berüchtigten 'Blutcheats', mit denen zensierte Darstellungen von Gewalt und Blutvergießen wieder hergestellt werden können.

'Blutcheats' stellen sicherlich keine Verletzung der Spielregeln dar, aber ihre Anwendung erfordert oft die direkte Manipulation von Spieldateien - und dies geht über die intendierte Nutzung des Spiels hinaus. Können wir Cheats also als eine Verwendung des Spiels definieren, die nicht von den Entwicklern vorgesehen ist? Wohl nicht. Denn es ist nicht immer möglich, die intendierte Nutzung eines Spiels zweifelsfrei festzustellen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Grenzfälle, wie zum Beispiel Mods. Counterstrike ist eine Spielweise von Half-Life, die von den Entwicklern nicht vorgesehen war, aber es geht wohl zu weit, Counterstrike als Cheat zu betrachten.

Aber Cheats erfordern auch nicht immer die direkte Manipulation des Spielcodes. Walkthroughs sind eine verbreitete Form des Mogelns in Abenteuerspielen wie Tomb Raider, die viele Rätsel enthalten. Die Entwickler des Spiels wollten sicher, dass diese Rätsel gelöst werden, also greift das Kriterium der 'intendierten Nutzung' hier auch nicht. Tatsächlich scheinen Cheats nur eines gemeinsam zu haben: sie verändern die Art und Weise, wie Spieler das Spiel wahrnehmen - entweder, indem sie das Aussehen der Spielwelt selbst verändern oder indem sie die Hindernisse, die die Entwickler in das Spiel eingebaut haben, leicht überwindbar machen. 

3. Theoretische Herangehensweisen

Ein theoretischer Zugang zu Cheats muss den Spielkontext miteinbeziehen. Es erscheint dabei hilfreich, Spiele nicht nur als Texte zu betrachten, in denen bestimmte Passagen mit Hilfe von Cheats übersprungen warden können, sondern auch als Medien, die neue Möglichkeiten der symbolischen Interaktion schaffen. Darüber hinaus erscheint es sinnvoll, Spiele als kybernetische Systeme zu betrachten, in denen das Mogeln einen Wiedereintritt der Umwelt in das Spielsystem selbst ermöglicht.

3.1. Singleplayer-Spiele

Adventures ähneln in vielerlei Hinsicht literarischen Texten und mit einigen Vorbehalten können diese Spiele mit Hilfe literarischer Textanalysemethoden untersucht werden. Die Art und Weise, in der Cheats das narrative Gefüge von Spielen verzerren, kann daher mit ähnlichen Strategien in der Literatur verglichen werden. Zwar scheint das Genre der Abenteuerspiele mittlerweile fast ausgestorben zu sein, aber Spiele wie Ico oder Fable weisen immer noch strukturelle Ähnlichkeiten mit den klassischen Adventures der 80er und frühen 90er Jahre auf. In Adventures ist die am weitesten verbreitete Form des Cheats der Walkthrough. Meistens enthalten diese Dokumente detaillierte Instruktionen, wie bestimmte Hindernisse im Spiel überwunden werden können.

In Abenteuerspielen resultiert der Spielspaß aus einem genau austarierten Gleichgewicht zwischen den Rätseln, mit denen das Spiel den Spieler konfrontiert, und den Mitteln, die das Spiel dem Spieler an die Hand gibt, um diese Rätsel zu lösen. Der Spielspaß beruht daher darauf, dass der Spieler das Gefühl hat, dass eine Lösung existiert. Wenn diese Lösung auf Anhieb gefunden werden kann, wird dies meist als antiklimaktisch empfunden, aber wenn die Lösung sich überhaupt nicht finden lässt, wird der Spieler schnell frustriert. Die Freude am Spiel kann dann nur dadurch wieder hergestellt werden, dass der Spieler mogelt.

Cheats in Abenteuerspielen können daher als Mittel verstanden werden, die "topologischen Begrenzungen" (Espen Aarseth) des Spiels zu überwinden. Schließlich beruht der Spaß am Spiel immer auf einem Gleichgewicht zwischen den Spielregeln und dem Freiraum, die diese Regeln dem Spieler lassen. In einem Adventure nicht weiter zu kommen ist ein Beispiel für die Überdeterminierung des spielerischen Freiraums durch die Spielregeln, da die Anzahl der Bedingungen für das Fortschreiten der Handlung größer ist, als die subjektiv empfundenen Handlungsmöglichkeiten des Spielers. Cheats können dieses Dilemma lösen, indem sie die subjektiv empfundene Begrenztheit des Spiels verringern und so den Spielprozess wieder in Gang bringen.
       

Kommentare

FreshG schrieb am
Ich finde das einzige Game wo man Cheaten "darf" ist GTA, WENN man es vorher schon einmal ohne Cheats durchgezockt hat. So mach ich das zumindest mit z.B. GTA IV. Ich habs durchgezock und danach nomma mit Cheats :wink:
Sifo-Dyas schrieb am
@nickname101
Ich frage mich: Ist es schick oder Neid, dauernd Intellektuellenschelte zu betreiben?
Ich will es mal so ausdrücken: Ist es denn schicker, sich über Menschen zu muckieren, die einfachere Formulierungen bevorzugen (soviel auch zum Thema, dein Artikel enthalte keinerlei Polemik oder Pauschalisierungen)?
Außerdem macht allein die ´´Fähigkeit´´ keine Nachschlagewerke benutzen zu müssen (oder die bloße Meinung, man müsse das nicht mehr), jemanden noch lange nicht zu einem Intellektuellen - mal ganz davon abgesehen, daß einem dadurch auch kein Halbgott-Status zuteil wird.
Ich begreife auch nicht, was das Gepoche auf eine Inhaltsbezogene Debatte soll. Es ging bei der vorangegangenen Kritik ja nicht um Inhalte, sondern im Wesentlichen um die Form.
Angesprochen habe ich mich im Übrigen auch nicht gefühlt, ich persönlich finde den Artikel garnicht schlecht (auch wenn ich inhaltlich nicht Allem zustimme), kann aber verstehen wenn der Ein- oder Andere von dir als ´´Intelektuellen-Hasser´´ verschiehene Durchschnittsleser sich einen etwas anderen Stil gewünscht hätte.
Mich hat einfach nur gestört, daß du dich im Grunde über den Ton der Kritik anderer ereiferst, dann aber selbst in jedem zweiten Satz irgend eine dümmliche Polemik einbauen mußtest (und das wohlgemerkt in deinem ersten Posting). Vor deinem rethorisch nett verpackten Troll-Posting schien mir das Diskussions-Klima bei weitem angenehmer.
So das war jetzt aber auch meine letzte ´´Retourkutsche´´, ich wünsche dir ein schönes Wochenende und hoffe du nimmst meine Worte mal als Anlaß, dein erstes Posting nochmal in Ruhe durchzulesen und zu überdenken, ob du dich nicht vielleicht doch ein wenig im Ton vergriffen hast.
Clint schrieb am
@nickname101:
Ein kleiner Einwurf zu Deinem an Sifo-Dyas gerichteten Test ist noch angebracht (auch auf diesen Text bezogen).
Du schreibst, dass nicht inhaltlich kritisiert wird, sondern nur an der Sprache rumgemeckert wird. Das is ja auch ein Problem, nicht jeder kennt immer die genaue Bedeutung der im Text verwendeten Begriffe. Wenn ich also nicht relativ aufwendige Recherchen anstelle, dann fällt es mir manchmal nicht leicht da mitzudiskutieren, außer ich bin zufällig auch (wie hier im sozialtheoretischen Bereich) in der Materie drin. Genau dann behindert eine übertrieben mit Fachbegriffen überfrachtete Ausdrucksweise den Dialog.
Ich bin ja auch naturwissenschaftler, ich weiß also wie man abstrahiert und die Realität auf Begrifflichkeiten und Modelle abbildet, aber mir scheint das manchmal einfach überflüssig und mehr eine Spielerei. Und grade bei diesem Artikel stellt sich mir halt die Sinnfrage. :) Gerade ein Verhaltensmuster wie das \"Cheaten\" wissenschaftlich so zu erfassen, wie es hier erfolgt, ist doch eher fragwürdig.
Ansonsten finde ich Deine Ausführungen sehr interessant und kann Dir nur zustimmen.
johndoe-freename-80028 schrieb am
wer sich angesprochen fühlt.
@Sifo-Dyas: Und dummerweise gibt es auch keine \"Fallstricke\" in meiner Argumentation, ebenso wenig ist sie polemisch pauschal, sondern nur deine etwas lahme Retourkutsche. Aber mal inhaltlich zur Klärung: Das Ausholen war wichtig, weil sich in manchen Postings zeigt, dass die Kritik nicht untermauert ist, sondern letztlich ein tatsächliches Pauschalurteil des Postenden auf Grundlage des persönlichen Sprachgefühls und der Ablehnung wissenschaftlicher Ansätze allgemein darstellt. Und das nervt, wenn ansonsten nicht weiter inhaltlich kritisiert wird. Das würde nämlich mal weiterbringen. Aber dazu muss man von der Oberfläche abgehen und den eigenen Gehirnschmalz bemühen.
Du magst ja alles relativieren und auf den persönlichen Geschmack reduzieren wollen - das ist ja inzwischen üblich geworden, statt Kritik argumentativ zu begegnen -, aber wen bringt das weiter? Führt das etwa zu besseren Artikeln? Der Nachweis, es liesse sich alles einfacher ausdrücken ist noch nicht erbracht worden. Wo ist also dein Punkt?
Vermutlich kommt jetzt der obligatorische Hinweis, es gäbe keine Objektivität. Immer schön oberflächlich und rhetorisch bleiben, nicht wahr?
@ amayr: Ja, stimmt, es gibt rhetorisch aufgeblähte Artikel und es gibt umständliche Formulierungen, die vielleicht ungewollt, Fachidiotie oder nur mangelhaftes Ausdrucksvermögen sind. Aber nicht nur wissenschaftliche, die aber im Forum (nicht nur hier) immer mit demselben negativen Vorwurf der \"Fachsprache\" oder der Selbstbeweihräucherung bedacht werden. Ich frage mich: Ist es schick oder Neid, dauernd Intellektuellenschelte zu betreiben? Ich sage nicht, dass DU sie betreibst - um Missverständnissen vorzubeugen.
Zumal: Der Vorwurf endet in den meisten Fällen damit, dass der Text das eigene Sprachgefühl nicht trifft, aber inhaltlich gibt es doch kaum Auseinandersetzung. Die Reflexhaftigkeit dieser Vorwürfe in Ermangelung inhaltlicher Auseinandersetzung erweckt den...
Clint schrieb am
Eine kleine Klarstellung zur Kritik an den Artikeln:
Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht verwehren, dass manche Autoren nur zeigen wollen, dass sie viele Fachbegriffe kennen. Genauso verhält es sich bei dem vorliegenden Text. Die Aussage dahinter ließe sich wohl in wenigen Sätzen zusammenfassen.
Gut man könnte auch noch anmerken, dass es nicht sehr sinnvoll ist einen Artikel mit so vielen (wahrscheinlich) Sozialtheoretischen Begriffen vollzustopfen, dass eh nur ein geringer Prozentsatz der Leser auf so einer Gaming-Seite fast jeden Begriff sofort richtig versteht. Aber das ist eher eine Frage der Zielgruppe und fällt somit auch in die Verantwortung der Redakteure von 4Players.
Aber gut, man muss die Texte ja nicht lesen, wenn man nicht will. :)
schrieb am

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