Der 4Players Kommentar: Der absehbare Immortal-Shitstorm

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hundertprozent subjektiv

KW 45
Montag, 05.11.2018

Der absehbare Immortal-Shitstorm


Am vergangenen Wochenende fand zum zwölften Mal die BlizzCon statt, die Hausmesse von Blizzard Entertainment, bei der Neuheiten präsentiert und der direkte Kontakt mit den Fans im Vordergrund stehen soll. Nach einem ruhigen Start der Eröffnungszeremonie mit ein bisschen Selbstbeweihräucherung, obligatorischem Fandank, heroischer eSport-Preisung und dem Abtritt von Michael Morhaime als Präsident von Blizzard sowie der Übergabe des Staffelstabs an J. Allen Brack, wurde gleich StarCraft 2 von der Tagesordnung abgehakt. Nein, es sind derzeit keine neuen Inhalte für Solo-Spieler geplant, obwohl die Entwickler praktisch immer mit dieser Frage von den Fans bombardiert werden. Zumindest gibt es einen neuen Co-Op-Kommandanten für den spaßigen Multiplayer-Modus. Allerdings würde ich jeden Co-Op-Kommandanten sofort gegen ein Story-Mission-Pack eintauschen und da bin ich sicherlich nicht der Einzige …

Weiter ging es mit Heroes of the Storm sowie World of WarCraft und hier machte Blizzard weiter, aufwändige Zwischensequenzen zur Story-Fortführung zu zeigen, anstatt die Geschichte irgendwie gescheit im Spiel zu erzählen. Zumindest John Hight (Executive Producer) versuchte mit Schlachtrufen wie "Für die Horde" und "Für die Allianz" für etwas Stimmung zu sorgen, aber kein Vergleich zu der Präsenz und der Stimmung, die einst Chris Metzen erzeugte. Außerdem hätten die Entwickler die Chance nutzen können, um zu erklären, wie sie die Design-Macken (z. B. Azeritrüstung) in Battle for Azeroth aus der Welt schaffen wollen. Weiter ging es mit technischen Problemen bei Hearthstone und Jeff Kaplan, der trotz Minimalankündigung (nur eine neue Heldin) seine Sache gut machte.

Nun kam die erste "große" Ankündigung, und zwar das Remake von WarCraft 3, das eigentlich keine große Überraschung war, da der Klassiker in den letzten Monaten mit Patches und Updates versorgt wurde, was klar auf ein Remake hindeutete. Da aber fast alle Augen auf mögliche Diablo-Ankündigungen gerichtet waren, weil Blizzard diese im Vorfeld proklamiert und dann vorsichthalber wieder abgeschwächt hatte, war WarCraft 3: Reforged immerhin eine Mini-Überraschung, wenngleich es kein neues Spiel ist, sondern nur eine überarbeitete Version eines der besten Echtzeit-Strategiespiele aller Zeiten. Auch die BlizzCon-Besucher waren durchaus angetan von dieser Ankündigung.

Dann wurde (wie erwartet) die nächste Erweiterung für Hearthstone vorgestellt, bevor Blizzard die Bombe platzen ließ und Diablo Immortal ankündigte - einen Mobile-Ableger des Action-Rollenspiels für Android und iOS. In der Blizzcon-Halle wurde es sehr schnell, sehr leise. Stille. Manchmal hätte man eine Stecknadel fallen lassen können und man hätte es im Livestream hören können. Wyatt Chang (Principle Designer, Diablo), der die Ankündigung auf der großen Bühne verkündete, konnte einem fast leidtun, denn die Stimmung in der Halle kippte sehr schnell und wich purer Enttäuschung; im Internet tobte derweil ein Shitstorm. Chang verlor sogar mehrfach den Faden während der Präsentation und musste sich in einer späteren Fragestunden sogar die Frage gefallen lassen, ob das ein verspäteter Aprilscherz sei, bevor es dann Buhrufe gab, als angekündigt wurde, dass keine PC-Umsetzung geplant sei … und das als krönendes Highlight der Eröffnungszeremonie.

Aus Marketing-technischer Sicht mag die Entwicklung einer Diablo-Version für Android und iOS der heilige Gral des Umsatzes sein, vor allem wenn man NetEase China (bekannt für aggressive Monetarisierungsstrategien) im Boot hat, weil die Zielgruppe gigantisch größer ist und viel mehr Menschen mit der Marke Diablo in Verbindung kommen werden. Ob das Spiel selbst jetzt gut oder schlecht ist, sei erstmal dahingehstellt, auch wenn das Spieltempo in den gezeigten Videos tendenziell eher langsam aussah. Doch für die Hausmesse war diese Ankündigung der falsche Ort und Blizzard hätte es besser wissen müssen, da schon Allen Adham (Mitbegründer von Blizzard) meinte, dass die Konsolen-Ankündigung von Diablo 3 und die Hearthstone-Umsetzung für Android und iOS auf eher wenig Gegenliebe bei den Blizzcon-Besuchern stießen.

Blizzard ist mit seinen Spielen auf PC groß geworden - gerade World of WarCraft sorgte für massiven Zulauf - und von dieser Plattformen stammen die meisten Hardcore-Fans, die dann als Highlight ein Mobile-Spiel präsentiert bekamen. Für die Messebesucher, die oftmals langjährige Fans sind, schon an mehreren BlizzCons teilnahmen und weit über 100 Euro für Tickets und Co. zahlen, war diese Ankündigung ein Schlag ins Gesicht - vor allem nachdem sie mit vermeintlichen Diablo-Erwartungen gelockt wurden. Die Ablehnung selbst bei den Hardcore-Fans und den folgenden Shitstorm hätte man bei Blizzard aufgrund der eigenen Erfahrungen und Kompetenzen einfach kommen sehen müssen. Zumal sie nach Diablo Immortal nichts mehr zu zeigen hatten. Sie hätten ja zumindest sagen können, dass sie noch andere diabolische Projekte in Entwicklung haben, denn dass irgendwann Diablo 4 kommen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Warum haben sie es nicht einfach wie Bethesda gemacht? Der Publisher von Fallout, Wolfenstein und Co. hatte bei der E3 2018 auch einen Mobile-Ableger von The Elder Scolls gezeigt, der ebenfalls eher Zurückhaltung als Begeisterung auslöste, aber immerhin sagten sie danach, dass The Elder Scrolls 6 definitiv erscheinen wird - für welche Plattformen oder Streaming-Dienste auch immer. Aber sie wussten, wie ihre Community und ihre Fans auf die Mobile-Ankündigung reagieren würden und stellten sie mit eindeutigen Zukunftsaussagen zufrieden. Bethesda-Fans wissen, dass etwas kommt, worauf sie sich freuen können und dass sie nicht vergessen werden. Diese Chance hat Blizzard Entertainment vertan und hat nun eine Blizzcon abgeliefert, die noch lange im Gedächtnis sein wird. Aber nicht weil sie besonders gut war oder es wichtige Ankündigungen gab, sondern weil sie ihre Community und gerade ihre treusten Fans vor den Kopf gestoßen haben. In vielen Nutzer-Kommentaren ist bereits zu lesen, dass Blizzard seinen Zauber verloren hätte, der schnöde Mammon reagieren würde und sie nicht mehr einschätzen könnten, was ihre Fans wollen … und das sieht man nicht nur an Diablo Immortal, sondern auch an den Plänen für StarCraft 2 und World of WarCraft: Battle for Azeroth. Stattdessen setzen sie lieber auf die Nostalige der Vergangenheit mit WarCraft 3: Reforged und WoW Classic.


Marcel Kleffmann
Redakteur
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Geschichten aus der Welt der Videospiele
Ausgewählte Kolumnen von Jörg Luibl, Chefredakteur bei 4Players.de, in einem Taschenbuch des CSW-Verlags.

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Kommentare

Stalkingwolf schrieb am
Skabus hat geschrieben: ?
Heute 10:31
Das hat überall wirklich krankhafte Auswüchse angenommen, unter denen Menschen mal mehr, mal weniger leiden müssen. Da ist die Gamingindustrie zum Glück noch das geringste Problem.
Korrekt. Spiele sind Luxuxgüter die eigentlich niemand braucht. Wenn dann aber künstlich Preise von Lebensmitteln wie z.b Weizen durch Spekulationen hochgehalten werden, dann sollte eigentlich Schluss mit Lustig sein.
Aber wenn man dagegen etwas sagt gilt man als Kommunist, Linksextremer &Co.
Scorplian190 schrieb am
sphinx2k hat geschrieben: ?
Heute 12:31
Wenn du das schon für Abzocke halst dann gute Nacht. Das einzige was ich immer etwas mit Zähneknirschen hingenommen hab war das man die Addons noch extra bezahlen sollte, bzw. nicht mal einen neuen Gratismonat beim erwert der selbigen bekommen hat.
Ich mag ein paar Geschäftspraktiken nicht: Lootboxen, Games-as-a-Service, Pay2Win
Aber bisher hab ich, für mich persönlich, nichts schlimmeres gesehen als ein dauerhaftes Abo für 1 einziges Spiel. Das ist für mich echt die Krönung. Und dass es dabei noch DLC im Spiel gibt (dessen Preise ich jetzt aber nicht kenne, würde mich aber interessieren), ist schon richtig dreist.
sphinx2k hat geschrieben: ?
Heute 12:31
Hab mir extra ne Liste mit allen von Activision vertriebenen Spielen gesucht. Und wenn ich nicht gerade 15 Jahr ein die Vergangenheit gehe ist da nichts dabei was ich gespielt hab (Blizzard Sachen außen vor). Nur Destiny 2, was mich nicht mal eine Woche lang halten konnte.
Aber alleine was Bobby Kotick immer wieder absondert macht mir den Laden massivst unsympatisch. Und wenn der Kopf schon stinkt fehlt beim rest nicht viel.
Das ist natürlich jedem seins.
Aktuell laufen auch scheinbar nur 4 große Marken unter Activision (CoD, Destiny, Crash, Spyro). Damit gefällt mir schon das halbe Line-Up extrem gut. Skylanders ist auch nicht verkehrt, scheint aber gerade im Sand zu...
sphinx2k schrieb am
Scorplian190 hat geschrieben: ?
Heute 11:17

WoW hingegen ist schon seit Start eine Abzocke hoch 10 mit der seiner montalichen(?) Gebühr.
Wenn du das schon für Abzocke halst dann gute Nacht. Das einzige was ich immer etwas mit Zähneknirschen hingenommen hab war das man die Addons noch extra bezahlen sollte, bzw. nicht mal einen neuen Gratismonat beim erwert der selbigen bekommen hat.
Persönlich bin ich mir immernoch ziemlich uneinig über Activision. Ich sehe da einfach nicht so viel schlechtes, wie alle sagen.

Hab mir extra ne Liste mit allen von Activision vertriebenen Spielen gesucht. Und wenn ich nicht gerade 15 Jahr ein die Vergangenheit gehe ist da nichts dabei was ich gespielt hab (Blizzard Sachen außen vor). Nur Destiny 2, was mich nicht mal eine Woche lang halten konnte.
Aber alleine was Bobby Kotick immer wieder absondert macht mir den Laden massivst unsympatisch. Und wenn der Kopf schon stinkt fehlt beim rest nicht viel.
Scorplian190 schrieb am
(ja ich weiß, Activision hat keinen guten Ruf, aber...)
Ich verstehe ehrlich gesagt garnicht, warum in Punkten wie den ekligen Geschäftsmodellen in WoW, Overwatch, usw. mit bösem Finger auf Activision gezeigt wird :Kratz:
Schaue ich mir die hauseigenen Marken von Activison an https://www.activision.com/de/games?i=1 ... lease-date, sehe ich auf Anhieb nur zwei Spiele-Reihen, die solche Geschäftspraktiken wie Lootboxen, Microtransaktionen usw. verwenden (CoD, Destiny).
WoW hingegen ist schon seit Start eine Abzocke hoch 10 mit der seiner montalichen(?) Gebühr.
Persönlich bin ich mir immernoch ziemlich uneinig über Activision. Ich sehe da einfach nicht so viel schlechtes, wie alle sagen. Zum einen wäre da CoD an sich, was ich eigentlich einfach nur ignoriere. Dann haben sie Guitar Hero irgendwie hin und her gefahren, aber ich denke leider, dass es hier mehr an fehlenden Kunden lag.
Crash und Spyro haben sie damals drastisch an die Wand gefahren! Aber damals standen Activision noch unter Vivendi und ich bin da schon lange am Grübeln, ob da nicht ein Gewisser Einfluss herkam O.o
Naja, aber vielleicht kann mir ja jemand bessere Beispiel für Activisioins teuflische Boshaftigkeit nennen :twisted:
PS:Show
Durch das Zurückbringen von Crash und Spyro bin ich momentan sowieso ziemlich positiv zu denen eingestellt 8)
Skabus schrieb am
Stalkingwolf hat geschrieben: ?
12.11.2018 11:44
Ich sag es immer wieder. Aktiengesellschaften sind das Krebsgeschwür in der Gamingindustrie.
Es muss immer mehr Profit generiert werden, sonst sind die Shareholder angepisst.
z.b machte Black Ops 4 an einem WE $500 Millionen Dollar und man erreichte nicht die Erwartungen. Das ist absolut krank.
Nicht nur in der Gamingindustrie. Die ganze moderne Welt krankt an dem Irrsinn sein gesamtes Interesse, sein Leben und seine eigene Wertigkeit auf materiellen Wohlstand zu verlagern und alles und jeden am potenziellen Gewinn zu messen.
Das hat überall wirklich krankhafte Auswüchse angenommen, unter denen Menschen mal mehr, mal weniger leiden müssen. Da ist die Gamingindustrie zum Glück noch das geringste Problem. Aber auch dort sieht man halt, welchen kranken Ausmaße das Streben nach immer mehr Wachstum und Profit angenommen haben.
MfG Ska
schrieb am