Twilight Imperium - Brettspiel-Test, Brettspiel, Spielkultur

 

Brettspiel-Test: Twilight Imperium (4X-Strategie)

von Jörg Luibl



Twilight Imperium: Ein galaktisches Biest
Ein galaktisches Biest
Entwickler: Dane Beltrami, Corey Konieczka, Christian T. Petersen
Release:
01.04.2019
Spielinfo Bilder  
Vor über 20 Jahren erschien mit Twilight Imperium ein Meilenstein der 4X-Strategie, der bis heute fasziniert. Zwar wurde das 1997 von Christian T. Petersen (StarCraft - Das Brettspiel, Star Wars: Armada) konzipierte Spiel in den folgenden Jahren immer weiter verbessert, aber es erschien nie auf Deutsch. Aber dieses Jahr hat Asmodee die 4. Edition erstmals komplett lokalisiert veröffentlicht. Kann dieser futuristische, knapp 130 Euro teure Koloss für drei bis sechs Spieler noch überzeugen?

Der Weltraum, unendlicher...

...Tisch. Wir schreiben das Jahr 2019. Dies sind die Abenteuer der Spielgruppe Twilight Imperium, die mit einer ein Mann und drei Frauen starken Besatzung seit fünf Stunden unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen. Deshalb sitzen sie alle vor einem kunterbunten Hexfelduniversum mit zig Planeten, Karten, Markern  und Raumschiffen. Zu Beginn war die Freude groß angesichts der Fülle an Möglichkeiten, aber je mehr sich alle dem Zentrum näherten, desto konfliktreicher wurde es - nicht nur weil die Katzen zwischendurch immer neugieriger wurden. Ein Sprung auf den übervollen Tisch würde wie eine Vier-Pfoten-Smartbomb alles vernichten!

Twilight Imperium: 4. Edition ist komplett auf Deutsch bei Asmodee erschienen und kostet knapp 130 Euro.
Twilight Imperium: 4. Edition ist komplett auf Deutsch bei Asmodee erschienen und kostet knapp 130 Euro.
Dieser tierischen Gefahr konnten alle gemeinsam trotzen. Aber mittlerweile haben sie sich heillos im Galaktischen Rat zerstritten und reden kaum noch ein Wort miteinander. Es gab ein Unentschieden bei der letzten Stimmabgabe und deshalb hat der Sprecher entschieden. Der liegt auch noch vorne bei den Siegpunkten. Alle gegen einen?

Obwohl "heillos" nicht ganz stimmt, denn die verabschiedeten Gesetze haben ja Vorteile für zwei und es gibt außenpolitische Absprachen, die sich durchaus zu Allianzen entwickeln können. Im Laufe der ersten Stunden gab es einige kleinere Gefechte, aber noch keinen langen Krieg. Wer spinnt da welche Intrige?

Zwischen Gesetzen und Intrigen

Drei bis sechs Spieler wählen eine von 17 Fraktionen und kämpfen um zehn Siegpunkte.
Drei bis sechs Spieler wählen eine von 17 Fraktionen und kämpfen um zehn Siegpunkte.
Dabei wird nach der Debatte über Gesetze natürlich ohne Worte gesprochen: Die Blicke wandern auf die Positionen der eigenen Flotte, Routen sowie Stärken werden gecheckt und die geheimen Aktionskarten auf der Hand inspiziert. Wenn nach der Agendaphase diese Stille einkehrt, ist das meist ein untrügliches Zeichen für die Ruhe vor dem Sturm. Schon in den nächsten Zügen wird sich zeigen, ob und wo es eskaliert, wer jemanden verrät. Denn im Gegensatz zu Raumschiff Enterprise gehört man nicht einer Crew an, sondern schlüpft in die Rolle einer von 17 (!) Fraktionen mit eigenen Stärken, die als erste zehn Siegpunkte gewinnen muss, um den galaktischen Thron zu besteigen.

Schon vor dem ersten Zug beginnt der Spaß, denn das futuristische Artdesign kann mit coolen Kreaturen und stimmungsvollen Illustrationen überzeugen. Hinzu kommt eine Ausstattung, die selbst innerhalb der üppigen Brettspiele herausragt: Es gibt über 350 Plastikfiguren, dazu 700 Marker, 450 Karten, 50 Spielsteine und drei farbig gedruckte Nachschlagewerke mit Spielregel, Referenzhandbuch samt Index sowie der Galaktischen Chronik. Diese 1997 von Christian T. Petersen konzipierte 4X-Strategie wurde zu einer Science-Fiction-Welt mit Historie ausgearbeitet, in die man durchaus abtauchen kann - nicht umsonst gab es 1999 einen Ableger als Pen&Paper-Rollenspiel. Aber welches Volk soll man wählen?

Kommentare

M_Coaster schrieb am
Wir haben alle Silberzungen. Ich rede von aufgebaut und zu dritt! Dazu TW4, bei dem das Spiel entschlankt wurde. Wir spielen alle sehr viel und sind entsprechend eingespielt. Da reichen 3 Stunden, davon fällt die meiste Zeit auf Politik.
Hühnermensch schrieb am
FlyingDutch hat geschrieben: ?
31.01.2020 13:11
Und jegliches Meta-Gaming wie Diskussionen und Verhandlungen müsste auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Ist in den Gruppen in denen ich spiele nicht vorstellbar. Bei uns kann sich das auch mal bis zu 10 Stunden ziehen und das führt leider dazu, dass es meist im Regal liegen bleibt und andere Spiele vorgezogen werden.
Gerade das Verhandeln so ab der dritten Runde macht doch den Reiz, wenn sich langsam Grenzkonflikte anbahnen und mein sein (Lügen)Netzwerk aufbaut, um sich einen temporären Vorteil zu verschaffen.
Genauso in der Agenda-Phase, wenn es darum geht, unbedingt eine galaxisweite Verkleinerung der Flotte zu bewirken, damit Spieler X möglichst viele seiner Schlachtschiffe entfernen muss.
Hach, es wird mal wieder Zeit. ^^
FlyingDutch schrieb am
Hühnermensch hat geschrieben: ?
18.11.2019 17:04
M_Coaster hat geschrieben: ?
18.11.2019 16:55
Erstens kann man mit etwas Erfahrung TI4 an einem Abend recht zügig spielen. Man kann bei 3 Spielern (was nicht ganz optimal ist) durchaus in 3 Stunden durch sein.
3 Stunden? 8O Inklusive Aufbau? Da muss jeder Spieler aber echt immer genau wissen, was er tut und jede Agenda-Phase flugs vorbei sein.
Und jegliches Meta-Gaming wie Diskussionen und Verhandlungen müsste auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Ist in den Gruppen in denen ich spiele nicht vorstellbar. Bei uns kann sich das auch mal bis zu 10 Stunden ziehen und das führt leider dazu, dass es meist im Regal liegen bleibt und andere Spiele vorgezogen werden.
Auf der anderen Seite habe ich etwas, wo ich mich mit meiner Alten-Säcke-Gang in der Rente beschäftigen kann :)
Tante Edith sagt mir gerade, dass dieser Thread ja schon lange tot ist :(
Hühnermensch schrieb am
M_Coaster hat geschrieben: ?
18.11.2019 16:55
Erstens kann man mit etwas Erfahrung TI4 an einem Abend recht zügig spielen. Man kann bei 3 Spielern (was nicht ganz optimal ist) durchaus in 3 Stunden durch sein.
3 Stunden? 8O Inklusive Aufbau? Da muss jeder Spieler aber echt immer genau wissen, was er tut und jede Agenda-Phase flugs vorbei sein.
M_Coaster schrieb am
Erstens kann man mit etwas Erfahrung TI4 an einem Abend recht zügig spielen. Man kann bei 3 Spielern (was nicht ganz optimal ist) durchaus in 3 Stunden durch sein. Wer Star Trek favorisiert, dem empfehle ich übrigens die Alternative Star Trek Ascendancy, welches eine geniale Erkundungsmechanik besitzt.
Zweitens, schaut doch einfach ob ihr in der Nähe ein Brettspiel Café habt. An solchen neutralen Orten kann man schneller Leute kennenlernen bzw. sich mit Menschen aus Foren und Facebookgruppen treffen, ohne das man gleich seine Wohnung irgendwelchen Leuten öffnet.
An Mitspielern mangelt es eigentlich nicht! Der beste Kumpel um die Ecke muss nicht euer Brettspielgefährte sein, gleichzeitig wird der Typ aus Foren/Facegruppen/Brettspielcafe nach ein paar Monaten vielleicht ein neuer Kumpel? Ich habe durch Brettspiele mittlerweile mehr Menschen kennengelernt als über Videospiele.
schrieb am