Cloudpunk - Test, Adventure, PC

 

Test: Cloudpunk (Adventure)

von Jan Wöbbeking



Entwickler:
Release:
23.04.2020
2020
2020
2020
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ab 39,99€
Spielinfo Bilder Videos
Unmengen von Smalltalk

Nur selten sorgen Entscheidungen für etwas Abwechslung – z.B. darüber, ob man eine gefährliche Laborfracht oder ein verdächtig tickendes Paket wirklich abliefert. Alternativ gibt es Entsorgungsmöglichkeiten in einem Müllschacht. In einer hochgefährlichen Quarantäne-Zone wiederum wird entschieden, welchen der mehr oder weniger sympathischen Mogule, Wissenschaftler oder Androiden man evakuiert.

Wirkliche Sympathie für diese aufzubauen fällt aber schwer, da fast alle Dialoge infantil klingen. Ob man es mit einem übermütigen Gang-Schurken oder einem abgehobenen Mitglied der High Society und ihrem Robo-Butler zu tun bekommt: Sie alle sprechen so übertrieben betont, dass es eher an die Augsburger Puppenkiste statt an Vorbilder wie William Gibson oder Walter Jon Williams erinnert. Außerdem reden sie schlicht und einfach zu viel. Viel zu viel! Auftraggeber, die debile Fahrzeug-KI „CAMUS“ mit dem Persönlichkeitsprofil eines ehemaligen Hundes oder Rania selbst mit ihren minutenlangen Monologen über Kaffee, japanische Gerichte oder ihr Gefühl, als Landei nicht in die Großstadt zu passen. Alles und jeder kaut dem Spieler hier derart ausufernd ein Ohr ab, dass man minunter minutenlang vor einem schon erreichten NPC warten muss. Sobald der Kaffekranz über Funk endlich beendet wurde, darf man dann noch einmal mit der Spielfigur im Kreis laufen, um die Kontaktperson auch endlich ansprechen zu dürfen. Halleluja!

Erzählerische Schwächen

Unterwegs klaubt man allerhand Gerümpel auf, vertickt es bei Händlern oder besorgt sich Einrichtungsgegenstände wie eine Retro-Konsole fürs Eigenheim.
Unterwegs klaubt man allerhand Gerümpel auf, vertickt es bei Händlern oder besorgt sich Einrichtungsgegenstände wie eine Retro-Konsole fürs Eigenheim.
Der belanglose Ton wirkt in diesem Szenario einfach nur unpassend. Der Android Huxley mit seiner Detektiv-Persönlichkeit weckt z.B. Erinnerungen an Miller aus der Serie The Expanse; Rania hilft ihm auf der Suche nach einem verschollenen Mädchen. Während Miller im TV-Vorbild aber eine coole, teils abgefahrene Persönlichkeitswandlung durchmacht, fällt Huxley primär dadurch auf, dass er jede Handlung auf nervtötende Weise kommentiert - und zwar wie ein Krimi-Erzähler in der Vergangenheitsform. Vermutlich war das als humorvoller Kniff gedacht, der verhungert aber so gnadenlos wie der Rest der Gags. In diesen Bereich fällt auch ein seit Ewigkeiten verlassener Konzern mit Unmengen von Androiden: Sie alle heißen Mr. (und Mrs.) Anderson. Die folgenden Verwechslungsspielchen wirken aber ähnlich muffig wie alten deutschen Kino-Klamotten aus den Sechzigern und Siebzigern.

Kommentare

LouisLoiselle schrieb am
Wieder mal ein Test, dem ich in keiner Weise zustimmen kann. Für mich ist das ruhige, pazifistische Gameplay mit der Erzählstruktur und dem freien Erkunden der Stadtbezirke mal etwas anderes. Dazu noch der tolle, atmosphärische Soundtrack und die (nur selten) zu findende Blade Runner Atmosphäre. Auch die Sprecher finde ich gut und verstehe nicht, was Leute daran schlecht finden. Mag ja sein dass nicht jede Nebenrolle perfekt ist, aber gerade die Hauptfiguren Rania, Control, Camus und Huxley sind toll. Besonders letzte Figur ist interessant, da er immer in der dritten Person spricht.
Es gibt sogar eine Art Wirtschaftssystem im Spiel. Man kann Waren z.b. von einem Händler günstig kaufen und an andere teuer verkaufen. Das bringt etwas mehr Lim auf dem Konto.
Die Kamera beim laufen nervt mich alledings auch, aber die Entwickler haben ja vor kurzem in einem Livestream die erste Version einer freien Kamera präsentiert.
Achja, und der Punkt hier
Kein Zeitdruck
ist schlicht nicht wahr. Es gibt eine ganze Handvoll zeitbasierte Missionen. Wer also ein atmosphärisches kleines Erkundungsspiel haben will ohne Vollpreis, sollte zugreifen. Und vielleicht auch mal auf YT checken, ob die Stimmen jetzt wirklich so grässlich sind.
knusperzwieback schrieb am
TheBirdDom hat geschrieben: ?
09.05.2020 20:24
artmanphil hat geschrieben: ?
09.05.2020 11:39
Wow, das erste mal, dass ich auf 4p das Gefühl habe, jemand habe das Spiel missverstanden. Sind wir wieder in 2012 und "Dear Esther" ist kein Spiel, sondern langweiliges Herumgelaufe in Zeitlupe? Finde, hier fehlt das Wohlwollende.
Visual Novels sind gemessen an Skyrim sicher auch keine sehr guten Spiele, aber können ja trotzdem gut sein. Und Cloudpunk finde ich aktuell sehr angenehm, finde es für eine Art Walking Visual Novel gut gelungen. Und die Nebenstränge der Story mit ihren verlorenen Charakteren machen mir Gänsehaut.
Ich mag Walking Simulatoren auch. Aber gute. Dieser Sim hier ist bestenfalls mässig.
Ich suche immer neues Futter im dem Genre. Kannst du ein paar Beispiele nennen was du unter guten Walking Sims verstehst?
Astorek86 schrieb am
Gronkh hatte es letztens im Stream auch gespielt und ich hab mir da schon gedacht, wo denn bitte das Gameplay bleiben soll. Ja, es werden allerhand Cyberpunk-Tropes bedient, aber "dahinplätschern" beschreibt tatsächlich das Gefühl, dass ich beim Zuschauen bekommen habe... Da scheint mein Gefühl Recht behalten zu haben^^...
TheBirdDom schrieb am
artmanphil hat geschrieben: ?
09.05.2020 11:39
Wow, das erste mal, dass ich auf 4p das Gefühl habe, jemand habe das Spiel missverstanden. Sind wir wieder in 2012 und "Dear Esther" ist kein Spiel, sondern langweiliges Herumgelaufe in Zeitlupe? Finde, hier fehlt das Wohlwollende.
Visual Novels sind gemessen an Skyrim sicher auch keine sehr guten Spiele, aber können ja trotzdem gut sein. Und Cloudpunk finde ich aktuell sehr angenehm, finde es für eine Art Walking Visual Novel gut gelungen. Und die Nebenstränge der Story mit ihren verlorenen Charakteren machen mir Gänsehaut.
Ich mag Walking Simulatoren auch. Aber gute. Dieser Sim hier ist bestenfalls mässig.
Doc Angelo schrieb am
Ich mag Walkingsims eigentlich sehr gerne. Vielleicht muss ich dem Spiel doch noch mal ne Chance geben. Vielleicht sollte ich einfach mal die erste halbe Stunde auf Youtube angucken. Da kann man dann ja beurteilen, ob das Storytelling zu einem passt.
schrieb am