Test zu The Last of Us Part 2 von unserem Leser "MaxDetroit" - 4Players.de

 
Action-Adventure
Entwickler: Naughty Dog
Publisher: Sony
Release:
19.06.2020
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ab 149,99€
Spielinfo Bilder Videos

Durchschnittswertung

74%Gesamt
74%

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Lesertest von MaxDetroit

Es ist ein Naughty Dog Spiel, und die Uncharted Spiele diese Firma waren immer Action-Blockbuster zum selber spielen. Man schlüpft in die Rolle des sympathischen Nathan Drake und erlebt spannende Abenteuer, und in dem Kontext haben sie für mich auch immer funktioniert. Man hat dann mit The Last of Us versucht den Sprung in ernsthafteres, düsteres Action-Kino zu wagen, damals auch mit durchschlagenden Erfolg, weil die "Charcter Arc" von Joel vom zynischen, kaltblütigen Schmuggler zurück zum umsorgenden Vater geklappt hat, und man mit ihm mitfühlen konnte.

Last of Us 2 versucht aber etwas, das im Kontext eines Naughty Dog Spiels für mich nicht funktioniert hat. Wenn man einen Charakter dermaßen dekonstruiert, und gleichzeitig muss der Spieler dies alles mit seinen Controls bestätigen und mitmachen, dann findet irgendwann ein Bruch zwischen Spieler und Spielfigur statt, der hier höchstwahrscheinlich gewollt ist, aber das Resultat ist eben das man nicht mehr mitfühlt und "engaged" ist, sondern das es einem irgendwann ziemlich egal ist was da passiert, so war es zumindest bei mir.

Meine Kritik an Last of Us 2 findet besonders im Kontext des Mediums "Spiel" statt. Denn am Ende ist es wieder nur ein Film, den man passiv zuschauen muss, während man ab und zu Quicktime Events, Combat Arenen, und Such- und Sammelorgien durchspielen muss. Ich hatte gehofft das es sowas wie ein Triple-A Undertale werden könnte, aber man kann als Spieler keinerlei Entscheidungen treffen (was die Story angeht), noch nicht mal eine vernünftige Wahl hat man ob man Gegner und Figuren tötet oder verschont. Für mich: Hätte es eine Möglichkeit des non-violent Playthroughs gegeben, mit einem alternativen Ende, dann wäre das eines der besten Spiele aller Zeiten. Dann darf man dem Spieler auch nachher vorhalten: Schau was Du getan hast! Du darfst dich jetzt schuldig fühlen. Undertale hat es ja im Indie Bereich gezeigt wie man so den Spieler seine eigene Gaming-Konditionierung vorhalten kann. Deus Ex hatte schon Anfang 2000 verschiedene Enden. Bioshock hat damals ja auch im ersten Teil dem Spieler das gedankenlose Abarbeiten von Tasks und Quests in Games dem Spieler durch sein: "Would you kindly" geschickter vorgehalten und aufgezeigt. Dishonored kann man auch komplett ohne Töten durchspielen, und bekommt je nachdem auch ein anderes Ende und wird vor die Konsequenzen seines Handels gestellt. In Detroit: Become Human hat auch verschiedene Storylines für verschiedenen Charaktere, und fast jede deiner Entscheidungen hat spürbare Konsequenzen, auch für die anderen. Das Medium des Spiels lebt davon den Spieler vor interessante Entscheidungen zu stellen und ihm dann die Konsequenzen dieser Entscheidung aufzuzeigen. The Last of Us 2 kümmert sich herzlich wenig um all diese Errungenschaften des Genres, es will ein Film sein, in dem der Spieler ab und zu mit Inputs konfrontiert wird, aber es ist kein wirklich "interaktives" Erlebnis.

Achtung! Ab hier dann mit Spoiler:
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Könnte ich zum Beispiel am Anfang mit Ellie einzelne Figuren verschonen, und hätte die Entscheidung sie nicht zu töten, und würde dies dann den folgenden Abby Playthrough beeinflussen (die Figur ist dann dort auch am Leben, bzw. eben nicht) wäre das ein wesentlich effektiveres Mittel dem Spieler seine Taten vorzuhalten. Und es würde auch dem Medium eines Spiels entsprechen. So, indem mir das Spiel keine Wahl lässt, ist es einfach nur verlogen mir dann nachher zeigen zu wollen, was ich da getan habe. Denn nun habe nicht ich das getan, sondern Ellie, und meine Verbindung zu diesem Charakter bricht einfach als Konsequenz. Am Ende im letzten Kampf gegen Abby hatte ich keinerlei Lust mehr dieses sinnlose Geprügel zu spielen, ich hab den Controller zur Seite gelegt, nach einer halben Stunde habe ich mich dann entschieden das Ding durchzuspielen, aber ich wollte es nicht mehr. Da war kein "Engagement" mehr übrig.
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Abschlie0end:
Besonders das der Kern des Spiels so dermaßen den Action-Shooter Gaming Klischees entspricht mit Crafting, Sammelorgien, Skill-Trees, Waffen-Arsenal und -Upgrades, Kampf Arenen in denen man zahllose menschliche und nicht-menschliche Gegner ohne mit der Wimper zu zucken umlegt, das sorgt dann für einen Bruch mit den Momenten, in denen man schockiert sein soll.

Positiv möchte ich am Ende noch einige Fights mit den Zombies, äh, mit den Clickern hervorheben. Da waren einige richtig gute Survival-Horror Momente dabei, die das Spiel für mich gerettet haben. Dazu kommt der erstklassige Sound, die fantastische Grafik mit einem beeindruckenden Regenwetter und die hervorragenden Animationen, die das Spiel für mich dennoch über den Durchschnitt gehoben haben.
Pro
  • Grafik (Wunderschönes Regenwetter)
  • Animationen (Mimik und Gestik)
  • Soundesign, Musik
  • Richtig gute Survival-Horror-Momente
Kontra
  • Crafting und Sammeln ist nervig und zeitaufwändig
  • Immer gleicher, ermüdender Ablauf der Kämpfe
  • Action-Shooter Gameplay mit Skilltree, Upgrades und Waffenarsenal steht im krassen Kontrast zur Story
  • Passives Zuschauen mit Knöpfchen Drücken in Quicktime Events statt echte Entscheidungen
  • Entscheidungen der Charaktere irgendwann nicht mehr nachvollziehbar und nicht beeinflussbar
 

The Last of Us Part 2

The Last of Us Part 2
MaxDetroit
MaxDetroit 21.07.2020 PS4 
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