25 Jahre Amiga

 

Der Amiga 1000

Am Anfang stand nicht der Amiga 500, sondern der Amiga 1000: Ein High-End-Computer mit fantastischen Fähigkeiten in den Bereichen Grafik, Sound und Multi-Tasking, der gleichzeitig den Sprung von 8-Bit (C-64 & Co) auf 16-Bit wagte und äußerlich mit Gehäuse und separater Tastatur mehr an einen normalen PC oder den C-128D erinnerte. Da der Amiga 1000 noch ein interner ROM-Chip fehlte, musste man die Firmware namens Kickstart erst per Diskette in den dafür reservierten, 256 Kilobyte großen Speicher laden. Erst danach konnte die Software gelesen werden...

Der "Padre"

Und er gilt als geistiger Vater des Amiga: Jeff Miner (31.05.1932 - 20. Juni 1994). Ursprünglich beim späteren Hauptkonkurrenten Atari angestellt, gründete er zusammen mit weiteren ehemaligen Atari-Mitarbeitern das Chipset-Unternehmen Hi-Toro, das später in die Amiga Corporation umbenannt werden sollte. Dort begann man mit der Entwicklung einer neuen Videospielkonsole mit dem Codenamen Lorraine, wobei Atari das Projekt mit 500.000 Dollar unterstützte - unter dem Vorbehalt, das neue Chipset als Erster nutzen zu dürfen. Doch es kam alles anders...

Commodore greift zu

Als man Commodore ebenfalls als potenziellen Geldgeber kontaktierte, stellte sich schnell heraus, dass das Unternehmen an einer kompletten Übernahme der Amiga Corp. interessiert war. Durch den Kauf sollten gleichzeitig alle bestehenden Verträge ihre Gültigkeit verlieren - so auch der Deal mit Atari, von dem sich Commodore mit einem Scheck über 500.000 Dollar quasi frei kaufte. Doch mit dem neuen Besitzer änderten sich auch die Pläne: Anstatt mit Lorraine eine Videospielkonsole zu entwickelt, die man zu einem Computer aufrüsten konnte, richtete man den Fokus nach dem großen Crash der Videospielindustrie im Jahr 1983 auf den immer populärer werdenden Markt der Heimcomputer.

 

Der Durchbruch

Mit dem Amiga 1000 hat man zwar ein erstes Ausrufezeichen gesetzt, doch der große Durchbruch kam erst zwei Jahre später, als man mit dem Amiga 500 ein technisch leicht fortgeschritteneres und wesentlich kompakteres Modell auf den Markt brachte. Als geistiger Nachfolger des populären C-64 erfreute sich das System einer breiten Unterstützung der Spielehersteller und User gleichermaßen. So entstanden im Laufe der Jahre einige Software-Perlen, an die man sich auch heute noch mit einem Lächeln im Gesicht erinnert...

Made in Germany

Vor allem aus Deutschland wurde der Amiga mit reichlich Qualitäts-Software unterstützt: Man erinnere sich alleine an das Portfolio von Rainbow Arts, das mit Titeln wie Turrican, X- und Z-Out sowie M.U.D.S. zeigte, was man aus dem Amiga herausholen kann - und das alles gewürzt mit hinreißenden Hülsbeck-Klängen. Der ließ ebenfalls mit seinem Spiele-Label Kaiko aufhorchen, das Amiga-Fans die Bienen-Ballerei Apidya beschert und die heiß erwartete Umsetzung von Mega Turrican in Form von Turrican 3 ermöglicht hat. Zu weiteren Highlights aus deutschen Landen zählen außerdem der Bundesliga Manager Professional von Software 2000 sowie das Lineup von Thalion, zu dem u.a. Chambers of Shaolin, die Motorrad-Sim No Second Prize, Wings of Death sowie das Rollenspiel Ambermoon gehören.

Spieleflut

Doch auch international stürzten sich die Entwickler auf die Commodore-Maschine: Klassiker wie Populous oder Sid Meiers Pirates! zeigten erst unter der 16-Bit-Flagge, was in ihnen steckt. Lotus Esprit Turbo Challenge war vor allem in den nervenaufreibenden Splitscreen-Duellen ein Garant für puren Fahr- und Spielspaß. It Came from the Desert konnte spielerisch zwar weniger überzeugen, doch haute die Cinemareware-Produktion den Zuschauer mit einer unglaublichen Präsentation (inklusive eines mit Sprache vertonten Intros) aus den Socken. Nicht zu vergessen der Befall der Lemminge, die spaßige Koop-Action mit The Chaos Engine sowie der Besuch diverser Adventure-Helden aus den Häusern Sierra und Lucas Arts.

 

Konsolen-Flair

Dass coole Jump n Runs und Mehrspieler-Action nicht nur den Konsolen vorbehalten waren, zeigte u.a. die hervorragende Umsetzung von Bonk, die Factor 5 unter dem Namen B.C. Kid auf den Amiga brachte. Auch der PC Engine-Klassiker Bomberman sorgte als Dynablaster vor allem mit dem 4 Spieler-Adapter für eine Bombenstimmung. Mit Highlights wie Kick Off 2, der gesamten Epyx-Palette von Summer- über Winter- bis hin zu den California Games sowie Beat em Ups von Street Fighter 2 bis Budokan kamen auch virtuelle Sportler auf ihre Kosten. Knobelspiele wie Gem X, Klax oder Atomix bereicherten die Auswahl dabei ebenso wie Wirtschaftssimulation und Managerspiele, darunter Sim City, Der Planer oder Oil Imperium. Hier alle Highlights der Amiga-Ära aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen...

Der Guru

Eines darf bei einer Bilderserie aber nicht fehlen: die Guru Meditation! Wo Windows selbst heute noch mit verhassten, unverständlichen Fehlermeldungen den PC zum Absturz bringt, brachte man der rot umrandeten Fehlermeldung des Amiga-Betriebssystems zumindest einen kleinen Sympathiebonus entgegen. Verstanden hat man die Guru Meditation zwar auch nicht, aber zumindest kam es nicht ganz so oft vor wie bei manchen Windows-Katastrophen...

Demoszene

Nicht nur Spiele-Entwickler, sondern auch die Demoszene entdeckte den Amiga mit seinen überragenden technischen Möglichkeiten für sich: Unvergessen etwa die Budbrain-Megademos oder das ca. 45-minütige Demo-Epos Odyssey. Manche von ihnen zog es dabei sogar in die Spieleentwicklung: Die genialen Flipper Pinball Dreams, Pinball Fantasies und Pinball Illusions stammen z.B. von Digital Illusions und damit ehemaligen Leuten aus der Demoszene. Mittlerweile haben sie es bis ganz nach oben geschafft: Heute ist das Team unter dem Namen DICE (Digital Illusions Creative Entertainment) für Hits wie die Battlefield-Reihe sowie Mirrors Edge verantwortlich.

 

Grundstein für die Musikkarriere

Auch mancher Vertreter von Elektronik- und Techno-Musik dürfte seine ersten Schritte auf dem Amiga gemacht haben: Auch wenn der Atari ST/E dank integrierter MIDI-Ports vermehrt in Studios zum Einsatz kam, tobten sich Hobbymusiker vornehmlich am Amiga mit Programmen wie dem legendären Soundtracker aus oder sampelten mit Zusatzhardware neue Klänge in den Speicher.

Speichermangel

Doch gerade bei den großen Adventure- und Rollenspielen zeigte der Amiga Schwächen: Titel wie Monkey Island 2 und später auch Indiana Jones and the Fate of Atlantis wurden auf satten elf Disketten ausgeliefert - und das erst nach den PC-Versionen, die außerdem mit ihren 256 Farben sehr viel schöner aussehen als die abgespeckten 32-Farben-Editionen für den Amiga! Selbst mit einem zweiten Laufwerk wurde man vom Adventure-Liebhaber hier schnell zum frustrierten Diskjockey. Die Lösung: Eine Festplatte musste her!

Teurer Luxus

Doch das gute Stück hatte seinen Preis: War die später oft verpflichtende Speichererweiterung auf ein Megabyte RAM noch eine lohnende Investition, überlegte man sich bei der ca. 30 MB großen Festplatte zwei Mal, ob man dafür wirklich so viel Geld auf den Tisch legen wollte, für das man sich fast schon einen zweiten Amiga anschaffen könnte. So blieben viele Systeme "festplattenlos", was zur Folge hatte, dass Fans von Adventure- und Rollenspielen vermehrt auf den PC auswichen, der neben den neuen Konsolen aus Japan (Mega Drive, Super Nintendo) dem Amiga das Leben immer schwerer machte. Ein prominentes Beispiel war Day of the Tentacle: Allen Petitionen und dem Betteln der Amiga-Fans zum Trotz verzichtete Lucas Arts beim kultigen Maniac Mansion-Nachfolger erstmals auf eine Konvertierung.

 

Raubkopien

Das größe Problem des Amigas war aber weniger die schwächelnde Hardware, der man mit Turbokarten wieder zu neuen Kräften verhelfen konnte. Es waren die User - Stichwort: Raubkopien! Es ist das alte Problem, das schon dem C-64 zum Verhängnis wurde und sich selbst heute noch fortsetzt - zur Zeit vor allem auf Nintendos DS. Als die Verkaufszahlen einbrachen, schaufelten die Tauschfreunde auf dem Schulhof das Grab der Commodore-Freundin. Thalion startete mit Lionheart einen letzten verzweifelten Versuch und brachte den Titel bewusst ohne einen Kopierschutz auf den Markt, appellierte gleichzeitig aber an die Amiga-Gemeinde, sich das Spiel zu kaufen und damit zu beweisen, dass sich die Entwicklung für das System noch lohnt. Die Rechnung ging nicht auf und das Ende der Amiga-Ära kündigte sich an...

Letzte Rettungsversuche

Da halfen auch die letzten verzweifelten Versuche des finanziell angeschlagenen Commodore-Unternehmens nicht mehr viel: Überflüssige Modelle wie der Amiga 500 Plus oder der kleine Amiga 600 konnten sich vor allem aufgrund ihrer Kompatibilitätsprobleme nie wirklich durchsetzen. Auch die Idee, Modelle wie den Amiga 2000 oder Amiga 3000 mit Hilfe von Steckkarten zu einem PC zu erweitern, war vor allem auch aufgrund der rasanten Entwicklung des PC-Marktes zum Scheitern verurteilt.

Ein Fünkchen Hoffnung

Bessere Aussichten hatte zunächst noch der Amiga 1200, als er 1992 auf den Markt kam: Mit seinem neuen Chipset zauberte das Gerät ebenfalls 256 Farben bei Spielen auf den Bildschirm und stand damit der damaligen PC-Pracht in nichts nach. Der etwa doppelt so schnelle Hauptprozessor und ein Standard-Hauptspeicher von 2MB RAM sprachen ebenfalls dafür, dass man es mit dem PC aufnehmen könnte. Am Anfang wurden parallel zu den Standard-Versionen sogar separate Editionen für den Amiga 1200 mit verbesserter Grafik auf den Markt gebracht. Doch der Zug war schon abgefahren: Vor allem in den USA, wo sich der Amiga aufgrund des schlechten Marketings nie wirklich durchsetzen konnte, setzte man vermehrt auf IBM-kompatible PCs, deren Entwicklung die Möglichkeiten des Amigas schon bald überflügeln sollte.

 

Traum-Vorstellungen

Einzig die High-End-Modelle wie der Amiga 4000 hätten dem PC Paroli bieten können, doch blieben diese Versionen aufgrund des hohen Anschaffungspreises für die meisten Otto-Normal-Spieler nur ein Traum - genau, wie es 1987 der Amiga 2000 war, der parallel zum 500er-Modell eingeführt wurde.

Flügelmann-Desaster

Wie groß der technische Unterschied zwischen PC und Amiga zwischenzeitlich geworden war, zeigt z.B. der Origin-Klassiker Wing Commander: Am PC erwarteten die Piloten mit einem potenten System (im Idealfall ein 386er) erstklassige Raumschlachten gegen die Kilrathi in einer bisher nie dagewesenen Qualität. Und am Amiga? Ohne Turbokarte glichen die Ausflüge in den Weltraum einer Diashow und der so herbei gesehnte Titel war auf Standard-Systemen trotz der geringeren Auflösung und weniger Farben praktisch unspielbar.

Amiga goes Multimedia

Bei Commodore wollte man allerdings nicht einsehen, dass die Zeit des Amiga abgelaufen war. So verhedderte man sich im Versuch, die Marke auch im Multimedia-Bereich zu etablieren und gleichzeitig auch noch im Konsolenmarkt anzugreifen, wo der Krieg um Marktanteile bereits zwischen Nintendo, Sega, Atari (Jaguar) und 3DO tobte. Weder mit dem CDTV (Commodore Dynamic Total Vision, 1991) noch der auf der Amiga 1200-Technologie basierenden Videospielkonsole CD32 (1993) sowie dem parallel erschienenen CD-Laufwerk für den Computer konnte man Erfolge verzeichnen, um die Amiga-Marke am Leben zu halten. Gravierenden Fehler beim Marketing der Geräte waren ebenfalls erneut einer der Gründe, warum der Funke nicht zünden wollte. Das Ende vom Lied: Am 29. April 1994 musste Commodore Insolvenz anmelden.

 

Ewiges Leben

Das bedeutet aber nicht, dass der Amiga endgültig tot und begraben ist: Mittlerweile kommen PCs unter dem Amiga- bzw. Commodore-Label auf den Markt - ein neues Modell mit integrierter Tastatur, einem Touchpad und Speicherkartenleser wurde 2010 angekündigt. Mit dem ursprünglichen Amiga wird dieses Gerät allerdings nichts gemeinsam haben. Wer die alten Zeiten auf einem aktuellen PC erleben will, sollte sich deshalb einen Emulator laden, wobei WinUAE hier die erste Wahl sein dürfte. Mittlerweile bieten Hersteller die erforderlichen Image-Dateien oft völlig legal zum kostenlosen Download an. So lohnt sich z.B. ein Blick ins Download-Archiv auf der offiziellen Webseite von Factor 5, wo neben R-Type und B.C. Kid auch Backups für alle drei Turrican-Teile zur Verfügung gestellt werden.

Schön war die Zeit

Happy Birthay, liebe Freundin! Trotz HD-Zeitalter und Gigahertz-Prozessoren haben wir dich nicht vergessen und denken auch heute noch gerne an die geile Zeit mit dir zurück!

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