Gleichgewicht des Schreckens - Brettspiel-Test, Brettspiel, Spielkultur

 

Brettspiel-Test: Gleichgewicht des Schreckens (Wargame (Konfliktsimulation))

von Jörg Luibl



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Die ideologischen Fühler ausstrecken

Europa ist immer im Fokus, denn hier kann man nicht nur viele Punkte bei Wertungen bekommen, sondern theoretisch auch sofort gewinnen - falls man die Region kontrolliert.
Russland hat die Kontrolle über Ost-Deutschland verloren - die Amerikaner haben zwei Einfluss vorzuweisen! Europa ist immer im Fokus, denn hier kann man nicht nur viele Punkte bei Wertungen bekommen, sondern theoretisch auch sofort gewinnen - falls man die Region kontrolliert.
Wer sich auf der Weltkarte ausbreiten will, muss seine Startpositionen berücksichtigen, denn Amerikaner und Russen beginnen mit unterschiedlichen Einflüssen: Während Hammer und Sichel in Nordkorea, Ostdeutschland, Syrien, Irak, Finnland sowie sechs mal frei irgendwo in Osteuropa verteilt sind, starten die Amerikaner in Kanada, Iran, Israel, Japan, Australien, Philippinen, Südkorea, Panama, Südafrika, Großbritannien sowie sieben mal frei irgendwo in Westeuropa. Damit hat der Westen zunächst ein Übergewicht an Einfluss. Allerdings startet der Osten mit der mächtigen China-Karte und darf in jeder Aktionsrunde als Erster agieren.

Wie kann man seinen Einfluss ausbreiten? Dazu muss man zunächst die territoriale Nachbarschaft berücksichtigen. Sprich: Man darf nur über angrenzende Länder mit eigenem Einfluss expandieren - dargestellt durch Verbindungslinien. Etwas missverständlich kann zunächst wirken, dass diese Wege nicht immer die tatsächliche geographische Nachbarschaft abbilden; gerade in Südosteuropa muss man genau hinschauen, wenn man seinen Einfluss erweitern will. So kommt allerdings auch eine exklusivere geostrategische Note ins Spiel, denn es gibt sehr interessante Länder, die als Brückenköpfe bzw. Einfallstore wie Panama oder Italien dienen können. Nur wenn Russland Letzeres besetzt, kann es Frankreich bedrohen und dabei das mächtige Westdeutschland umgehen. Sehr wichtig für die Spielbalance: Es gibt keine Durchmärsche, denn pro Aktionskarte darf man nur ein Land weit expandieren.

Putschen oder neuordnen?

Auf diesen Leisten wird oben die atomare Bedrohung in DEFCON-Stufen gemessen (in diesem Fall reicht ein Putsch für einen Nuklearschlag!). Unten wird die militärische Aktivität dargestellt.
Auf diesen Leisten wird oben die atomare Bedrohung in DEFCON-Stufen gemessen (in diesem Fall reicht ein Putsch für einen Nuklearschlag!). Unten wird die militärische Aktivität dargestellt - die Russen waren fleißig und dürfen mit Siegpunkten rechnen.
Die Amerikaner beherrschen in dieser finalen Phase z.B. fast ganz Afrika, den Nahen Osten und haben leichte Vorteile im wichtigen, weil punktstarken Europa; die Russen haben sich in Süd- und Zentralamerika sowie Asien geostrategische Dominanz gesichert. Aber was ist schon sicher? Das Schöne ist, dass nicht nur reale historische Ereignisse wie Koreakrieg, Kubakrise oder muslimische Revolution jederzeit für kleine Umwälzungen in Regionen sorgen können. Selbst gewiefte Spieler werden immer wieder überrascht! Man kann aber auch gezielt gegen den Zufall arbeiten, indem man Marker auslegt, putscht oder neu ordnet, damit sich der Einfluss ändert – der Operationswert auf den Karten zeigt an, wie mächtig diese Aktionen ausfallen. Aber wo investiert man seine Energie?

Hier kommen auch  erstmals die Würfel ins Spiel: Mit einem erfolgreichen Putsch darf man nicht nur militärische Operationspunkte einsacken, sondern auch Einflussmarker des Gegners entfernen sowie eigene auslegen – im besten Fall erlangt man also die Kontrolle! Aber würfelt man mit einem W6 höher als der doppelte Stabilitätswert des Landes? Also mehr als 10, wenn es um Großbritannien geht? Außerdem senkt jeder Putsch die fünfstufige DEFCON-Anzeige. Wer mit Stufe 1 den Atomkrieg auslöst, verliert das Spiel!  Einfacher und weniger brisant sind die Neuordnungen, denn dort würfelt man zwar gegen den Feind, aber der eigene Wurf wird modifiziert, je nachdem wie z.B. die Kontrolle in den Nachbarländern ausschaut – hat man ein Land umzingelt, ist es also einfacher. Danach darf man allerdings lediglich gegnerischen Einfluss dezimieren.

Kommentare

grasshopperTS schrieb am
Auch ich hab's mir damals nach'm Test hier geholt, im "ganzen Internet" :wink: war nur auf spiele-offensive.de war ein Exemplar nur zum Ausleihen verfügbar... - ok, besser als nichts dachten wir uns. Und da war dann ein Zettel dabei, dass man das Ding für 49? kaufen kann. SOFORT gemacht :D
Aber ich habe gehört, im Mai 2014 soll eine neue Auflage erscheinen?! Und dann gibts da noch Wargameroom: https://www.youtube.com/watch?v=rvGTYTCYdZE
Das Spiel selbst ist auf jeden Fall großartig, gerade in der aktuellen politischen Situation haben wir es wieder rausgekramt und schon so einige Abende damit verbracht. Das interessante am Spielprinzip ist echt die Schlüsselrolle bestimmter Länder, um sich den Zugang zu Regionen zu sichern und das gleichzeitige Karten- bzw. Krisenmanagement: Lasse ich das gegnerische Ereigniss jetzt stattfinden und bin es los, oder versuche ich es bis Runde 3 zu halten um bis Runde 7 meine Ruhe zu haben - oder habe ich noch viel schlimmere Ereignisse auf meiner Hand und muss mindestens eines in den Weltraum schießen, wodurch ich die OPs nicht zur Verfügung habe und auf der Karte in Rückstand gerate.
Recht realistische Spieltaktik, dazu kein bisschen Dichtung bei den Ereignissen ergeben ein so tolles strategisches Brettspiel, dass wir gerne den Konsolen/PC fernbleiben 8)
JohnMiller schrieb am
Nachdem ich mich mit dem Brettspiel nun auch befasst hab und die Bewertungen ja für sich sprechen, wollte ich es mir nun auch holen, aber bei meinem Glück ist dieses Spiel überall ausverkauft :(
Habe mir nun "Polis", dank Jörgs Tests bestellt ;)
Hoffe, dass das Gleichgewicht des Schreckens (deutsche Version) irgendwann wieder lieferbar sein wird ;)
gracjanski schrieb am
für mich ist der kalte krieg auch super interessant. Denn erstens ist er nicht so lange her und ausserdem gut erforscht. Da wird sehr klar, wie Politik in Wahrheit abgeht. Psychos unter sich...
bwort_baggins schrieb am
Hab mir das Spiel letztes Jahr gekauft und bin auch ziemlich begeistert :) Ich musste unbedingt das Spiel haben, dass bei boardgamegeek auf Platz 1 ist :D Neben Ringkrieg für mich das beste Spiel für 2. Kann dem Tester aber in einem Punkt nicht zustimmen ; : von der Geschichte finde ich den kalten Krieg absolut faszinierend. Erstmalig in der Geschichte der Menschheit gibt es keine "großen" Kriege auf der Welt und auf der anderen Seite kann es jederzeit zu einer atomaren Vernichtung kommen. Der Film Thirteen Days zeigt das ja ziemlich genial. Umso interessanter fand ich das Spiel, das durch die ganzen Ereignisse die Zeit sehr gut wiederspiegelt. Tolles Spiel!
schrieb am