Lesertests zu The Last of Us bei 4Players.de

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Survival-Horror
Entwickler: Naughty Dog
Publisher: Sony
Release:
14.06.2013
30.07.2014
Spielinfo Bilder Videos

Durchschnittswertung

84%Gesamt
87%
74%

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Lesertest von Oguz-Khan

(Seite 2 /erste Seite bei PS4)

Es ist ebenso Primitiv wie zu behaupten ich verstehe kein Chinesisch also ist das keine richtige Sprache. Nur weil man nicht bereit ist eine bestimmte eingebürgerte Kultur verstehen zu wollen, sieht man einen Widerspruch wo es keinen gibt.
Das schlimme ist nun das kein Außenstehender etwas gegen eine Szene wie mit dem SUV oder dem hohen Bodycount des Spiels hätte. Jeder Außenstehende würde erkennen das das halt so ist im Videospiel. Wenn ich Spiele ist die kulturelle Sphäre, der Rahmen in dem ich Agiere halt dieser.
Wer versucht Spiele und Kunst Stringent rational aufzufassen, ist unfähig zum Kern des gesagten, geschriebenen, gehörten und gespielten vorzudringen. Er bleibt ein zu bemitleidender Zombie.

DIE WEINACHTSMANNLÜGE

Zeit also über den eigentlich interessanten Aspekt von The Last of Us zu sprechen, dem Ende.
Joel liefert Ellie bei den Fireflys im Hospital ab. Ellie war verletzt und bewusstlos. Erst jetzt wird Joel offenbart das der für die Menschheit rettende Eingriff für Ellie tödlich enden wird. Diese Tatsache nicht akzeptieren wollend, eilt Joel Ellie zur Hilfe herbei. Diese erwacht erst nach ihrer brutalen Rettung im Auto aus ihrer Narkose. Joel erzählt ihr eine Alibigeschichte und versichert ihr sogar im letzten Satz des Spiels, das dies die Wahrheit sei. Es bleibt also Raum für eine (oder zwei) Fortsetzungen und mehre DLC´s (hoffentlich bekommt das Jim Sterling nicht mit). Hier hätte aus einem guten Spiel ein Meisterwerk werden können. Damit ist nicht die offensichtliche Selbstsüchtigkeit Joels gemeint. Der ganze Nebenplot über den Verlust seiner Tochter, oder das die ganze Fucking Menschheit hätte gerettet werden können. Nein, gemeint ist die Rolle des Opfers im Kontext unseres Zeitgeists. Das Ende ist nicht schlecht. Es hätte nur viel besser und Dramatischer ausfallen können. So wie es jetzt erzählt wird ist es nicht mehr als die alte Weinachtmannlüge. Der Philosoph Slavoj Zizek erzählt die Geschichte folgendermaßen. Fragt man die Eltern glaubt ihr an den Weinachtmann? So werden diese dies natürlich verneinen, wir sind ja schließlich nicht blöd wir kaufen ja die Geschenke stellen sie unter den Baum und verkleiden uns dann. Wir wollen den Kindern eine Freude machen. Aber die Geschichte geht noch weiter. Fragt man die Kinder das selbe, antworten diese: Natürlich glauben wir nicht an den Weihnachtsmann. Wir wissen das unsere Eltern die Geschenke kaufen und sich verkleiden. Wir machen nur mit damit wir die Geschenke auch bekommen und ihnen eine Freude machen. Keiner benennt die Lüge alle bewahrt den Anschein um zu erreichen was sie wollen. Auch in Das Leben ist Schön belügt der Vater seinen Sohn um ihn vor den Grauen des KZ´s zu bewahren. Selbst in der Finalen Szene wo der Vater zur Exekution abgeführt wird bewahrt es sein Lächeln um die Illusion für den Sohn aufrechtzuerhalten. Zizek fragt nun: Wäre es nicht viel dramatischer und tragischer gewesen wenn der Vater zum Sohn gesagt hätte: Vater ich wusste die ganze Zeit über das unser Leben im KZ in Gefahr war. Ich habe deine Lüge Lüge sein lassen um dir das Gefühl zu geben mich zu beschützten. Eine wunderbare und tragische Verkehrung. Was wäre nun wenn Ellie das gleiche zu Joel gesagt hätte? Ich wusste die ganze Zeit das du mich belügst, ich wollte dir nur nicht wehtun um deine Tochter zu sein.
Eine weitere Verkehrung ist aber naheliegender. Was wenn Joel Ellie gefragt hätte: Würdest du für die Rettung der Menschheit sterben? Es ist sehr Naheliegend das sie dies bejahen würde. Allein aus dieser Furcht, überlässt Joel Ellie nicht die Wahl und belügt sie. Das Opfer Ellie´s ist somit obsolet. Alles was sie getan hatte um am Leben zu bleiben um die Menschheit zu retten, umsonst! Sie ist Opfer im doppeltem Sinn. Sie konnte nicht die Rettung bringen und wurde von ihrem Beschützer aus egoistischen Motiven betrogen. Was noch schlimmer wiegt. Es ist leicht vorstellbar das Joel Ellie geopfert hätte, wäre seine Tochter nicht gestorben. Dann hätte er das Wohl seiner Tochter mit dem der ganzen Menschheit verknüpft. Naughty Dog folgt damit der gegenwärtigen Sicht auf das Opfer. Nur sein eigen Glück ist des Opfers wert. Das Opfer für einen höheren Wert bleibt damit verpönt. Und wer das nicht verstehen will muss eben belogen werden. Die Welt darf also keine Rettung erfahren. Vielleicht darf sie es auch doch, im nächsten Teil irgendwo im zweiten DLC Pack. Die Kunstdebatte hat somit hoffentlich ihr Ende gefunden bzw. darf irgendwo anders mal überhaupt erst eröffnet werden.

Lasst uns bei der Kernkompetenz des Videospiels bleiben. Lasst uns unsere Infantilen Fantasien ungestört ausleben.
Für echte Kunst gibt es Museen, Kino, Literatur, Opernhallen, Theater, Fotografie...
Pro
  • Ich will den Wartungsschnitt nicht verwässern (am liebsten würde ich keine Wertung abgeben wollen) und auch keinen klassischen Test schreiben. Das ich mehrere Versionen des selben Spiels heranziehe liegt nur an der begrenzten Zeichenzahl (obwohl ich dieses mal tatsächlich beide Versionen gespielt habe). Mir geht es um eine Analytische Betrachtung in Essay Form. Auch von relativistischen Gehabe und dem redundanten Beschreiben von mechanischen Details will ich bewusst auslassen. Dafür gibt es genug andere Texte z.B. den 4Players Test.
Kontra
  • Seite 2, erste Seite bei PS4
 

The Last of Us

The Last of Us
Oguz-Khan
Oguz-Khan 28.10.2015 PS3 
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