Tetris: Vom Hobbyprojekt zum Welterfolg - Special

 

Special: Tetris (Logik & Kreativität)

von Michael Krosta



Tetris: Vom sowjetischen Hobbyprojekt zum Welterfolg
Vom Hobbyprojekt zum Welterfolg
Release:
kein Termin
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1984
kein Termin
Spielinfo Bilder Videos
Tetris ist nicht nur einfach ein geniales Puzzlespiel. Es handelt sich bei dem Werk aus der ehemaligen Sowjetunion schlichtweg um einen der größten Meilenstein der gesamten Videospiel-Historie, der auch innerhalb der Pop-Kultur seine Spuren hinterlassen hat und bis heute nachwirkt. Wir drehen die Uhr zurück und werfen für PUR-Abonnenten einen Blick auf die bewegte Geschichte dieses Klassikers, dessen Suchtpotenzial man sich selbst mehr als 35 Jahre nach seiner Entstehung nur schwer entziehen kann...

Die Leidenschaft für Puzzlespiele

Den Erfolg von Tetris hätte sich der 1956 in Moskau geborene Alexey Leonidovich Pajitnov vermutlich niemals erträumt. Die Faszination für Puzzlespiele, die ihn seit seiner Kindheit begleitet hat, veranlasste den Spracherkennungsforscher am wissenschaftlichen Institut im Moskau dazu, 1984 eine erste Version von Tetris auf dem für damalige Verhältnisse modernen Computersystem Elektronika-60 zu programmieren. Als eine der Inspirationsquellen diente das Brettspiel Pentominos, das 1973 über Hallmark erschien. Statt der dort üblichen zwölf Formen entschied sich Pajitnov aber für die sieben Klötzchen-Varianten, die wir alle kennen, lieben und manchmal hassen: In Buchstaben ausgedrückt, trifft man auf die Bausteine I, J, L, O, S, T und Z, die im Fachjargon als Tetrominos bzw. Tetriminos bezeichnet werden. Jede dieser Formen wird dabei aus vier Quadraten zusammengesetzt. Daraus leitet sich übirgens auch der Name des Kultspiels ab: Pajitnov selbst hatte einmal verraten, dass er das Kunstwort Tetris als eine Kombination aus dem altgriechischen Wort Tetra („vier“) und seiner Lieblings-Sportart Tennis erdachte.

Zeitlos genial: Das Tetris-Prinzip.
Zeitlos genial: Das Tetris-Prinzip.
Das Spielprinzip dürfte den meisten bekannt sein: Die Klötzchen bahnen sich in zufälliger Reigenfolge auf dem vertikalen Spielfeld den Weg nach unten und müssen dabei so angeordnet werden, um horizontale Linien zu komplettieren, damit diese verschwinden und dadurch Platz für den Nachschub machen. Dafür lassen sich die jeweiligen Formen während des Herabfallens im oder gegen den Uhrzeigersinn drehen sowie nach links und rechts verschieben, um hoffentlich die Lücken zu füllen. Clevere Klötzchenstapler bauen selbstverständlich auch heutztage noch vor, um im Idealfall gleich vier Reihen auf einen Schlag abzuräumen und damit einen „Tetris“ zu landen, der die meisten Punkte bringt. Mit zunehmendem Fortschritt steigt das Tempo, in dem die Tetriminos nach unten fallen und damit gleichzeitig der Stressfaktor. Durchrechen die gestapelten Klötzchen den oberen Rand des Spielfeldes, heißt es „Game Over“. Wie so oft bei Puzzlespielen ist das Spielprinzip im Kern sehr simpel, aber erst mit viel Übung und Erfahrung meistert man schließlich die Kunst des Klötzchenstapelns und verinnerlicht die Muster, wie man die Blöcke am besten platziert.

Gut fürs Hirn

Das Spielen von Tetris wirkt sich sogar positiv auf die kognitiven Fähigkeiten aus: Wie Studien herausfanden, werden Hirnfunktionen und Hirnaktivität messbar erhöht. Bei Probanden, die in einem Zeitraum von drei Monaten täglich etwa 30 Minuten mit dem Spiel verbrachten, erkannten die Forscher einen Schub bei generellen kognitiven Funktionen wie kritischem Denken, Vernunft, Sprache und der Verarbeitung von Eindrücken. Gleichzeitig wurden positive Veränderungen an der Großhirnrinde registriert. Und dann gibt es bekanntlich noch den so genannten Tetris-Effekt: Dieser bezeichnet das Phänomen, dass Menschen selbst in ihrem Alltag immer wieder Formen entdecken, die an die Tetriminos erinnern oder bei Aktionen wie dem Packen eines Kofferraums oder dem Füllen einer Spülmaschine nach einem ähnlichen Ordnungsprinzip vorgehen wie beim Spiel.

Verbreitung durch Mundpropaganda

Anpassungsfreudig: Auch auf moderne Trends wie Battle Royale hat Tetris eine Antwort.
Anpassungsfreudig: Auch auf moderne Trends wie Battle Royale hat Tetris eine Antwort.
Pajitnov verfolgte selbst keine großen Ambitionen, als er Tetris entwickelte. Er wollte nach eigener Aussage lediglich ein Spiel erschaffen, das den Menschen Freude bereiten sollte – sehr zum Leidweisen des Führungspersonals in sowjetischen Institutionen, die mit Computern ausgestattet waren. Denn Tetris verbreitete sich wie ein Virus rasant durch die UdSSR und infizierte die Menschen mit seinem einfachen, aber süchtig machenden Spielprinzip – und das ausschließlich durch Mundpropaganda. Aufgrund der enormen Beliebheit entschloss sich Pajitnov, sein Spiel für IBM-PCs umzusetzen, die sich damals durch eine höhere Bildqualität auszeichneten, welche der Ausgabe vom Elektronika-60 deutlich überlegen war. Zu diesem Zweck schloss er sich mit dem gerade einmal 16-jährigen Computer-Wizard Vadim Gerasimov zusammen, der Tetris innerhalb weniger Wochen konvertierte und nicht nur erstmals eine Darstellung in Farbe, sondern auch eine Bestenliste realisierte.

Kommentare

JudgeMeByMyJumper schrieb am
Danke für den schön geschriebenen Rückblick. Ich hatte mir bisher nicht viele Gedanken zu Tetris gemacht, aber diese Hintergrundinfos waren schon sehr aufschlussreich. Ich hatte es damals auch auf dem Gameboy das erste Mal gezockt und dann jetzt erst auf der SeriesX vor zwei Wochen in der effect Version wieder, wobei mir der steigende Druck keinen großen Spaß macht und ich es schnell wieder beiseite gelegt habe. Geht mir bei Pacman ähnlich obwohl ich da mehr Energie reinstecke bis es mir zu bunt wird. Ich kann allerdings die Zeitlosigkeit und Genialität des Spielprinzips anerkennen.
Außerdem eine kleine orthographische Anmerkung: es kommt einmal "durchrechen" statt 'durchbrechen' vor.
Vandaa schrieb am
Dachte zuerst, super. Ich mag Tetris noch immer. Ein Artikel dazu ist mal wieder interessant.
Nur blöd das man hier eine PUR Mitgliedschaft benötigt. Schade.
Noraver schrieb am
Hach ja...Erinnerungen. Ich weiß noch wie ich 1992 meinen GameBoy zum Geburtstag bekommen habe. Bevor der große Tag ran war, bin ich öfters in das Schlafzimmer meiner Eltern geschlichen und habe den GameBoy aus dem Schrank, fein säuberlich aus der Verpackung, geholt um damit heimlich Tetris zu spielen. An meinem Geburtstag war mein Vater erstaunt wie gut ich das Spiel schon beherrsche :lol:
organika schrieb am
Informativer Text! Danke! Gut zu wissen, dass das Geld schlussendlich doch noch in die richtige Richtung geronnen ist und auch mal die Musik im Original zu hören war interessant.
schrieb am