Red Dead Redemption 2 - Test, Action-Adventure, PlayStation 4, Xbox One

 

Test: Red Dead Redemption 2 (Action-Adventure)

von Jörg Luibl



Red Dead Redemption 2: Die Outlaw Opera
Die Outlaw Opera
Entwickler:
Release:
05.11.2019
26.10.2018
26.10.2018
Erhältlich: Digital (Epic Games Store, Steam)
Erhältlich: Digital, Einzelhandel
Erhältlich: Digital, Einzelhandel
Jetzt kaufen
ab 56,99€

ab 16,79€
Spielinfo Bilder Videos
Red Dead Redemption ist acht Jahre alt. Und Grand Theft Auto 5 kann man nur im Ansatz mit den Herausforderungen des Wilden Westens vergleichen. Diese historische Epoche bietet nicht nur weniger Identifikationspunkte, sondern verlangt ganz andere Schwerpunkte. Zudem ist viel hinsichtlich Regie, Design sowie Kulisse passiert: Spiele wie The Witcher 3, Fallout 4, Horizon: Zero Dawn und The Legend of Zelda: Breath of the Wild haben auf ganz unterschiedliche Art fesselnde Abenteuer in offenen Welten inszeniert. Kann Rockstar seinen eigenen Ansprüchen und den Erwartungen gerecht werden?

Der einfache Cowboy...

Arthur Morgan ist auf den ersten Blick ein langweiliger Typ. Man kann ihm einen Bart wachsen lassen, ihn anders einkleiden, aber nicht an ihm herumdoktern. Gerade im Vergleich zum vernarbten John Marston aus Red Dead Redemption, der mit seinem verwegenen Äußeren eher dem Bild des gewieften Gesetzlosen entspricht, wirkt er mit seinem kantigen Kinn wie ein konventioneller Cowboy. Er könnte auch irgendwo Rinder hüten und als Familienvater auf einer Farm arbeiten. Aber er ist in diesem Jahr 1899 umgeben von Cholerikern, Mördern, Betrügern, Prostituierten, Geldeintreibern und Alkoholikern. Wie ist er bloß zum Mitglied der gefährlichen Dutch-van-der-Linde-Bande geworden?

In seinem Gürtel steckt ein Colt neben einer abgesägten Schrotflinte und einem Bowie-Messer. Er wirkt standhaft, mutig,
Ihr wollt euch auf Amerika im Jahr 1899 einstimmen? Dann empfehlen wir unsere historischen Specials:

Zum Video: Einführung in die Geschichte des Wilden Westens (1)
entschlossen. Aber es hört sich fast schon einfältig an, wenn er spricht. Und das sind meist Einzeiler, mit denen er seine Gefährten nicht gerade motiviert. Wer ist dieser mürrische Mann, der mit Gedanken und Zeichnungen sein Tagebuch füllt? Steckt doch mehr Weisheit in ihm als man meint? Es ist jedenfalls ein gelungener Kniff von Rockstar, dass man das Klischee des Revolverhelden nicht sofort bedient. Man fragt sich natürlich, was in diesem Arthur steckt und inwiefern man diesen Cowboy über seine guten oder schlechten Taten prägen kann.

AM
Arthur Morgan lässt sich neu einkleiden oder...
Neugierig macht neben der Biographie und Entwicklung des Helden vor allem seine Beziehung zum Anführer Dutch. Eigentlich scheint zwischen ihnen alles klar, fast wie bei Vater und Sohn, denn Arthur wurde als jugendlicher Raufbold von ihm in die Bande aufgenommen, ausgebildet und in ihrem Sinne erzogen. Aber die Regie streut Fragezeichen aus wie Brotkrumen, denen man gedanklich folgen kann: Da sind die verblichenen Fotos von Arthurs wahren Eltern - wer waren sie? Dann gab es diesen ominösen Vorfall auf dem Boot, der nicht geklärt ist. Außerdem hat Dutch wohl irgendwo in der Stadt Blackwater, wo die ganze Bande gesucht wird, viel Geld gesichert, das allen gehört. Wann wird es abgeholt? Von Beginn an sorgt der extrovertierte Charakter mit seinen kleinen Geheimnissen und politischen Winkelzügen für einen angenehmen Kontrapunkt zum scheinbar gewöhnlichen Arthur. Dieser Dutch van der Linde vereint Väterliches und Wölfisches, kann Gentleman und Killer sein.

...der mit dem Wolf tanzt

Vor allem wenn es um die rivalisierende Bande der O'Driscolls geht, die während dieses über 60-stündigen Epos immer mal wieder auftaucht, kennt er kein Erbarmen und verliert schonmal seine Contenance. Und wie ein echter Yankee hat er immer
asdds
...rasieren, wenn man will.
das Dollarzeichen im Auge. Sprich: Gibt es irgendwo Beute, wird sie auch gemacht - selbst wenn man am Ende über Leichen gehen muss. Gleichzeitig wirkt er wie ein fürsorglicher Herbergsvater, wenn er die von Hunger und Agenten der Regierung bedrohten Männer und Frauen im Intro durch einen Wintersturm im Mai des Jahres 1899 führt. Er hat Charisma und folgt seiner Vision. Aber man spürt auch, dass er zweifelt. In der Zuflucht hält er eine Rede, um die fragile Gemeinschaft, die gerade Tote und Vermisste zu beklagen hat, moralisch aufzurichten. Dieser Dutch könnte auch Politiker sein.

Man kann die Zerrrissenheit der Spätphase des Wilden Westens schon im Einstieg des ersten Kapitels spüren, für den sich Rockstar über zwei Stunden Zeit lässt. Da steht eine fast ausgestorbene Spezies von Anarchisten mit dem Rücken zur Wand, während die Zivilisation unaufhörlich näher rückt. Während sie dem archaischen "Code of the West" folgen, diesem vagen Ehrenkodex, bei dem ein Mann sein Recht auch mit Gewalt durchsetzen kann, werden sie vom modernen Gesetz des Staates in Form der Pinkertons verfolgt - dem Vorläufer des FBI. Und überall sind die Vorboten der totalen Industrialisierung zu spüren. Wohin führt der Weg? Ist die Zeit der Outlaws vorbei? Wie soll die Bande weitermachen und an Geld kommen? Darüber sind sich nicht alle einig und Dutch scheint es mit seinen Versprechungen des geregelten Rückzugs in eine bessere Zukunft nicht immer ernst zu nehmen. Als er einen Zug überfallen will, regt sich der Unmut bei einigen und man spürt, dass die Autorität von Dutch auch von der Loyalität Arthurs getragen wird.

Kommentare

UAZ-469 schrieb am
Moment, dass man sich ständig das Gewehr vom Pferd holen muss, ist beabsichtigt?!
Karl Fly schrieb am
UAZ-469 hat geschrieben: ?
22.05.2020 14:19
So, nachdem der Abspann über'n Schirm gelaufen ist, bleibt mir nur zu sagen, dass während ich die Geschichte und Charaktere genossen habe, hatte ich letztlich mehr Spaß mit RDR1. Es war... einfach nicht so aufgebläht mit Jagen, Camp- und Pferde-Management, hatte es simpel gehalten und war doch spaßig. Schießereien waren stets eine Mordsgaudi da sie nicht vom Realismus betroffen, Pistolen nicht nur für Kopfschüsse zu gebrauchen waren und, um Himmels Willen, es nicht ständig deine Langwaffen zurückgesetzt hat wenn man vom Pferd gestiegen ist. GottVERDAMMT, wer bei Rockstar hielt das für eine gute Idee?
Mir persönlich hat gerade der hohe Anteil an Realismus sehr gut gefallen. Dieses von dir beschriebene, aufgebläht in sämtlichen Aspekten des Spiels, trägt - zumindest für mich - deutlich zur Immersion des Gesamtwerks bei. Schlussfolgernd würde ich sagen: Gottverdammt, der Typ bei Rockstar hatte eine verdammt gute Idee! Kurzum; es ist und bleibt einfach Geschmackssache. Am Ende des Tages würde ich mir jedoch wünschen, dass sich mehr AAA-Titel solch einen Weg trauen zu gehen, wie beispielsweise RDR2 oder Death Stranding.
UAZ-469 schrieb am
So, nachdem der Abspann über'n Schirm gelaufen ist, bleibt mir nur zu sagen, dass während ich die Geschichte und Charaktere genossen habe, hatte ich letztlich mehr Spaß mit RDR1. Es war... einfach nicht so aufgebläht mit Jagen, Camp- und Pferde-Management, hatte es simpel gehalten und war doch spaßig. Schießereien waren stets eine Mordsgaudi da sie nicht vom Realismus betroffen, Pistolen nicht nur für Kopfschüsse zu gebrauchen waren und, um Himmels Willen, es nicht ständig deine Langwaffen zurückgesetzt hat wenn man vom Pferd gestiegen ist. GottVERDAMMT, wer bei Rockstar hielt das für eine gute Idee?
RDR1 habe ich mehrmals durchgespielt und mit dessen Online-Modus eine gute Zeit verbracht. Dieses Spiel hingegen wird in der Bibliothek verstauben. :/
DARK-THREAT schrieb am
Jetzt kann ich es auch Mal zocken ohne die Angst eines Fehlkaufes....
NoCrySoN schrieb am
Westworld ist aufgeblasene Grütze. Die sollten sich da gar nix abschauen :!:. Eigene gut geschriebene Geschichten bei OW Titeln halte ich noch für sehr schwierig. Das will Rockstar mit seinen Titeln aber auch gar nicht.
schrieb am

Red Dead Redemption 2
Ab 56.99€
Jetzt kaufen